Forum


 

Studentenproteste in Kanada: "Der Premier hat die Kontrolle verloren"

REUTERSDie Regierung schränkte das Demonstrationsrecht ein, Québecs Studenten scherte das nicht: Erneut gingen Zehntausende von ihnen gegen Repression und höhere Studiengebühren auf die Straße - und langsam reihen sich auch die Bürgerlichen bei den zornigen Studenten ein.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...834691,00.html
  1. #1

    Studiengebuehren

    Unklug zu glauben,dass ein Student fuer sein Studium aufkommt.In der Mehrzahl sind es doch die Eltern welche ihren Kindern die Ausbildung ermoeglichen. Deshalb ist es auch ganz normal,dass sie solidarisch mit auf die Strasse gehen. Protestbewegungen einfach unmoeglich zu machen zeugt von geringem demokratischen Verstaendnis und ist ein Schuss ins eigene Knie. Wer als Politiker nach einem Wahlsieg sich zum Diktator aufschwingt, verliert sofort sein Recht auf sein Mandat,denn sich waehlen zu lassen,mit falschen Wahlversprechen,ist doch nichts weiter als feiger Wahlbetrug. Daraufhin Demonstrationen zu verbieten,,schliesst den Zirkel der missverstandenen Demokratie. Demokratie kann nur durch wirklich echte Gleichberechtigung praktiziert werden.Um das zu erreichen muss die Ausbildung aller Buerger moeglich sein,und das fuktioniert ehrlich gesagt doch nur wenn der Staat die Moeglichkeiten hiefuer bereitstellt.
    Fuer meine akademische Ausbildung musste ich nur einmal vierzig DM bezahlen und bekam ein Stipendium von DM 300 monatlich.War das schlecht investiert? Sieben meiner acht Soehne haben bereits ihr Studium abgeschlossen, dem letzten fehlen noch einige Semester.Waere das moeglich, wenn ich nicht studiert haette,ich glaube kaum. Die meissten die sich heute gegen ein kostenloses Studium einsetzen, haben doch auch gratis studiert.
    Unsere gesicherte Zukunft kann doch nur ueber die Ausbildung userer Jugend garantiert werden. Hierzu gibt es doch keine Alternativen,denn was sollen wir mit frustrierten Buergern machen, deren Zukunft wir ruiniert haben?
    Ich kann allen meinen Soehnen gerade in die Augen schauen.Sie haben eine gesicherte Zukunft, und ich habe einen gluecklichen Lebensabend.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Regierung schränkte das Demonstrationsrecht ein, Québecs Studenten scherte das nicht: Erneut gingen Zehntausende von ihnen gegen Repression und höhere Studiengebühren auf die Straße - und langsam reihen sich auch die Bürgerlichen bei den zornigen Studenten ein.

    Studenten demonstrieren in Québec für Demonstrationsfreiheit - SPIEGEL ONLINE
    Zehntausende?Wohl eher zwischen 100.000 und 250.000.
    Das mögen die Kanadier scheinbar nicht,wenn Studiengebühren erhöht werden um die Ölkonzerne mit Steuergeldern zu beschenken und Proteste dagegen kriminalisiert werden,dann gehen da auch Menschen auf die Straße,die mit dem ursprünglichen Problem nichts zu tun haben.
  3. #3

    Das erkläre mir mal einer!

    Bis 1990 gab es keine Studiengebühren. Wir haben eine riesige Armee und den kalten Krieg finanziert und unsere Schuldenlast war geringer als heute. Heute, so sagt man uns seien wir arm wie Kirchenmäuse und könnten uns die Finanzierung der Universitäten einfach nicht mehr leisten.
    Es gibt nichts mehr zu verteilen. Übrigens vor 1990 gab es auch keine Suppenküchen, die heute Tafeln genannt werden.es gab weniger exporbitante Armut und weniger exorbitanten Reichtum. Ist unsere Industrie und Wirtschft heute weniger leistungsfähig als damals. Das erkläre mir mal einer! Meine Meinung ist. Eine kleine Clique von Profiteuren hat die Macht an sich gerissen und lügt uns nun mit einer verlogenen gleichgeschalteten neoliberalen Presse die Hucke voll.
  4. #4

    Sturm in Wasserglas

    Von wegen 250.000 ! So viele Studenten gibt es überhaupt nicht in Kanada.
  5. #5

    die Provinz Québec ist ein potentiell sehr reich

    Québec ist eine potentiell reiche Region, aber mit Regierung und Parlament auf Ebene Provinz und Gemeinden, die sich beliebig Rechte holen (bis und mit Gesetze, bei denen Rechtsmittel über Gerichte explizit ausgeschlossen werden) und vor allem einem ausgeprägten Klientelismus, der sich oft genug zu offiziell tolerierter Korruption entwickelt hat.

    Die jetzige Provinzregierung – voll in der Linie der Landesregierung von Harper - versucht eine Serie Sparmassnahmen durchzusetzen, verteilt aber weiterhin grosszügig Geschenke an grosse in- und ausländische Unternehmen (beispielsweise der ganze „Plan Nord“ der jetzigen Regierung soll die Erschliessung des noch kaum berührten Norden der Provinz auf Kosten der Steuerzahler ermöglichen – ohne wirklich greifende Massnahmen, mindestens einen Teil des Erlöses aus der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen als Steuern oder Abgeben zurückzuholen).

    Bei den Diskussionen mit den Opponenten der Erhöhung der Studiengebühren hat sich die Regierung beliebig arrogant verhalten – keine Gesprächsbereitschaft, einfach erwartet, dass die Proteste abflauen werden und das Problem so gelöst würde.

    Das kleinliche, arrogante Verhalten den Studenten gegenüber, mit gleichzeitig Geschenken an Unternehmen und der Ablehnung, gegen die auch auf Provinzebene herrschende Korruption vorgehen zu wollen (für Permier Charest keine Priorität) hat zu dieser Situation geführt.

    Hauptproblem immer noch in Québec: bei Wechsel von Parlamentsmehrheiten und Regierung kommt einfach eine andere Klientel-Gruppe zum Zug …..
  6. #6

    Zitat von dunnhaupt Beitrag anzeigen
    Von wegen 250.000 ! So viele Studenten gibt es überhaupt nicht in Kanada.
    Es waren nicht nur Studenten!

    Video: https://www.youtube.com/watch?v=zIO4...eature=related
  7. #7

    Zitat von dunnhaupt Beitrag anzeigen
    Von wegen 250.000 ! So viele Studenten gibt es überhaupt nicht in Kanada.
    Wie der Artikel sagt, dies ist nicht mehr nur ein Studentenprotest, sondern eine soziale Krise, die die ganze Bevölkerung betrifft und besorgt. Am Dienstag (22. Mai), sowie an anderen Protesten seit dem Beginn des Studentenstreiks, nahmen nicht nur Studenten, sondern Eltern, Lehrer, Gewerkschaften und ganz einfach verärgerte Bürger teil. Ich war dabei und bin nicht Studentin.
  8. #8

    Einige Hintergruende und Fakten zur Quebecer Studentenbewegung

    Hier einige Hintergrundinformationen zum Quebecer Schüler- und Studentenstreik. Ich hoffe, es trägt zu einer objektiveren Meinungsbildung bei. Der - hier etwas modifizierte-aktualisierte – Originaltext wurde von Professoren der Universität Montreal zusammengestellt – Kontakt : zoelbers@gmx.de. Eine weitere Zusammenfassung auch in der New York Times: http://www.nytimes.com/2012/05/24/opinion/our-not-so-friendly-northern-neighbor.html
    Am 18. Mai 2012 verabschiedete die Quebecer Nationalversammlung ein Notstandgesetz, das sog. „loi78“, in dem Versuch, den 14-wöchigen Studentenunruhen ein Ende zu setzen. Der sich zunächst gegen eine Erhöhung der Studiengebühren richtende Protest hat sich inzwischen zu Protesten gegen soziale Ungerechtigkeit und Missmanagement der Universitäten ausgedehnt. Das neue Gesetz schränkt das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit stark ein und verhängt hohe Geldstrafen bei Zuwiderhandlung. Am 25. Mai 2012 haben die 4 Schüler- und Studentenorganisationen, 11 Gewerkschaften sowie diverse Umweltverbände (darunter AQLPA, Equiterre, Greenpeace, Ceum, David Suzuki Foundation, Natur Québec) Klage beim höchsten Gerichtshof gegen das neue Gesetz der Landesregierung eingereicht. Zwischenzeitlich erhalten die Schüler- und Studenten auch von den Bürgern der Provinz Quebec mehr und mehr Unterstützung für Ihre Anliegen.
    Hintergrundsinformation und Fakten
    Quebecs Studiengebühren sind die niedrigsten in Nordamerika dank des öffentlichen und staatlichen Zuschusses und einer (für Nordamerika) einzigartigen Geschichte studentischer Aktionen:
    • Im Vergleich zu anderen Provinzen, besucht in Quebec ein weitaus geringerer Anteil der Bevölkerung die Universität. Es besteht somit ein starker Nachholbedarf.
    • Quebec fungiert als "soziales Modell", wobei der Staat die Rolle als Agent der wirtschaftlichen Umverteilung und damit als Förderer des sozialen Fortschritts einnimmt.
    • Niedrige Studiengebühren werden als Bestandteil einer gemeinsame Vision dessen, was eine Gesellschaft ausmachen sollte, angesehen. Steigende Studiengebühren gelten als Schranke für den Zutritt zum College und zur Universität , führen zu zunehmender Verschuldung der Studierenden und stellen einen Schritt in Richtung Privatisierung der Universitäten dar.
    • Seit Einführung der Studiengebühren haben die Studenten konsequent gegen jegliche Versuche, Studiengebühren zu erheben bzw. zu erhöhren, protestiert.

    Quebecs 48 Junior Colleges werden gänzlich vom Staat finanziert, während die 18 Universitäten rund drei Viertel ihrer Finanzierung vom Staat erhalten. Allerdings hat das Zurückhalten von Geldern seitens der Regierung an die Colleges und Universitäten wesentlich zu einer Unterfinanzierung der Hochschulen beigetragen und den Druck auf die Hochschulen verstärkt, die Finanzierung aus privaten Quellen und mit Studiengebühren auszugleichen. Im Staatshaushalts März 2011 wurde daher eine Erhöhung der Studiengebühren um 75% über 5 Jahre ab Herbst 2012 angekündigt (später dann auf 82% über 7 Jahre geändert).

    Der bisherige Protest und Streik der Schüler und Studenten in Stichworten:
    • Protest gegen die Erhöhung der Studiengebühren seit Anfang 2012;
    • Abstimmung in den studentischen Verbände und Beginn des Streiks am 12. Februar in einigen Colleges, am 20. Februar in anderen. Nicht alle Verbände stimmen für einen Streik;
    • Über 150 000 (d.h., ein Drittel der Junior Colleges in Quebec und Studenten), streiken (14 von den 48 Hochschulen und 11 der 18 Universitäten);
    • am 22. März grosse Schüler- und Studentendemonstration mit mehr als 200 000 Teilnehmern in Montreal - Menschen aus allen Bereichen des Lebens nehmen teil ;
    • die 4 studentischen Vereinigungen verlangen ein Einfrieren der Studiengebühren;
    • Die Regierung lehnt jegliche Diskussionen ab, präsentiert die Erhöhung als unwiderruflich, bietet aber ein verbessertes Darlehen- und Stipendienprogramm an;
    • Ablehnung des Angebotes durch die Schüler- und Studentenverbände und Beharren auf eine Diskussionen über die Studiengebühren; Regierung weigert sich und versucht, die studentischen Verbände gegeneinander auszuspielen, scheitert aber;
    • einige Hochschulleitungen verlängern offiziell das Semester und fordern von den Studenten und Lehrkräften die unverzügliche Wiederaufnahme des Unterrichts, obwohl der Streik nicht beendet ist. Studenten und Professoren protestieren gegen diese provokativen Massnahmen der Universität. Der Studentenprotest geht weiter und es kommt gelegentlich zu ersten Ausschreitungen von Splittergruppen;
    • einige Universitäten stellen private, bewaffnete Sicherheitskräfte ein, die versuchen, Studenten und Professoren zu zwingen, den Unterricht wieder aufzunehmen. Gleichzeitig wird eine gerichtliche einstweilige Verfügung erlangt, die Proteste und Streikposten auf dem Universitätsgelände einschränkt. Massive Protest von Studenten, Lehrpersonal und Gewerkschaften führt zu einer Widerrufung der Verfügung an der Université de Montréal;
    • nach mehr als zweieinhalb Monaten Ignorieren der Proteste akzeptiert die Landesregierung schließlich Verhandlungen mit 2 der studentischen Vereinigungen und versucht gleichzeitig, eine dritte (Dach-) Vereinigung, die die Hälfte der Studierenden vertritt und auch die radikalsten Forderungen stellt, auszusperren. Die Vereinigungen solidarisieren sich und bestehen darauf, dass alle Vereinigungen an den Verhandlungen teilnehmen. Diese finden schliesslich vom 5. Bis 6. Mai statt. Die Regierung bietet unter anderem eine Verbesserung hinsichtlich anderer Gebühren und der Unterstützungsprogramme an. Gleichzeitig weisen die Schüler und Studenten auf Einsparungsmöglichkeiten bei den Mehrausgaben der Universitäten hin. Am nächsten Tag verkündigt die Landesregierung, dass die Erhöhung der Studiengebühren im Wesentlichen akzeptiert wurde und dass es keine Einsparung bei den Mehrausgaben geben kann. Die Studenten wehren sich massiv gegen die verzerrte Darstellung des Verhandlungsergebnisses und lehnen eine Ratifizierung ab.
    • Schülerinnen und Schüler legen Beispiele von Misswirtschaft an den Universitäten vor und kritisieren, dass die Hochschulbildung sich zu einem kommerziellen Projekt gewandelt hat, welches von Profitbestreben angetrieben wird.
    • Die anfänglichen Proteste gegen die Erhöhung der Studiengebühren weitet sich zu einer Diskussion über soziale Ungerechtigkeit und Misswirtschaft aus. Es finden nun täglich Demonstrationen statt und der Versuch der Universitätsverwaltungen, einstweilige Verfügungen erzwingen zu wollen, führt zu teilweise zur Eskalation mit Polizeigewalt und Verletzten, die von Amnesty angeprangert wird.
    • 14. Mai: Die Bildungsministerin tritt zurück;
    • der Verdacht wird laut, dass die Landesregierung ihr Profil für die nahenden Wahlen aufpolieren will, indem sie erst eine Krise heraufbeschwört, um dann mit einer zur Schau gestellten Unnachgiebigkeit und Anstiftung zur Konfrontation zu demonstrieren, wie sie wieder Recht und Ordnung herstellen kann.
    • 18. Mai - die Landesregierung verabschiedet innerhalb von 12 Stunden in ein Notstandsgesetz (http://www.lapresse.ca/html/1425/projetdeloi78.pdf), welches das Demonstrationsrecht massiv einschränkt und setzt gleichezeitig das Schuljahr-Semester aus.
    • 22. Mai – Mehr als 250 000 Menschen demonstrieren gegen das neue Gesetz und für das Einfrieren der Studiengebühren.
    • Jeden Abend um 20:00 bekunden seitdem immer mehr Mitbürger mit der „manifestation des casseroles“ ihre Solidarität , indem Sie auf Töpfe schlagend laut ihren Unmut äussern. Die täglichen, nächtlichen Demonstrationen gehen trotz des Demonstrationsverbotes weiter.
  9. #9

    Danke bstger

    diese Hintergrundinfos gibt es weder in der Presse noch im Tv.

    Nur im Netz und da auch nur von privat
    Deshalb DANKE....


    Jeden Abend um 20:00 bekunden seitdem immer mehr Mitbürger mit der „manifestation des casseroles“ ihre Solidarität , indem Sie auf Töpfe schlagend laut ihren Unmut äussern. Die täglichen, nächtlichen Demonstrationen gehen trotz des Demonstrationsverbotes weiter.


TOP



TOP