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Studenten mit Abschlussschwäche: Gruppentherapie für passionierte Prokrastinierer

Louisa ThomasGründe, erst morgen mit einer Hausarbeit anzufangen, gibt es viele - doch erst wenn die Abgabe naht, werden Uni-Aufschieber richtig nervös. In einer Selbsthilfegruppe in Frankfurt/Oder gibt es für eine junge Mutter, einen Bummler und eine Perfektionistin keine Ausreden mehr: Ihr schreibt jetzt!

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...-a-858876.html
  1. #1

    Was du heute kannst besorgen...

    Das Problem liegt an der Eigenverantwortlichkeit. Viele Studenten gehen mit vollkommen naiver Weltsicht ins Erstsemester. Es lockt ein Leben, dass man von diversen Teenie-Streifen und Soap-Operas kennt: Party, Sex, Alkohol und dazwischen mal ne Klausur schreiben. Ansonsten bitte schön freigeistig entweder das Establishment kritisieren (Geisteswissenschaften), oder genau anders herum das System beherrschen und ausbeuten (BWL/VWL).
    Ich habe vor vier Jahren meinen Bachelor gemacht, war unter den 10% der Besten. Freizeit hatte ich kaum. Keine Parties, keine Exzesse. Dafür Arbeit, Arbeit, Arbeit. Da das Studium privat finanziert werden wollte auch noch mit BAFÖG und Nebenjob. Dafür Regelstudienzeit und super Abschluss.

    80% meiner Bekannten studieren IMMER noch mit Ende 20, weil sich niemand so richtig festlegen und Verantwortung übernehmen will. Wenn man zu Hause wohnt, hat man natürlich mehr Knete für iPhone, MacBook und fürs Nachtleben. Wer eine Wohnung und ein Auto selbst finanzieren muss, um zur Arbeit zu kommen, hat als Normalverdiener schonmal 3/4 seines Gehalts als Fixkosten verplant.

    Das Hipster-Leben fordert halt seinen Tribut: Entweder Party und Terminstress, oder sachlich bleiben und regelmäßig am Notenspiegel ARBEITEN. Die meisten verwechseln das Studieren mit einem meditativen Selbstfindungs-Yoga-Kursus mit Entspannungscocktail am Abend.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gründe, erst morgen mit einer Hausarbeit anzufangen, gibt es viele - doch erst wenn die Abgabe naht, werden Uni-Aufschieber richtig nervös. In einer Selbsthilfegruppe in Frankfurt/Oder gibt es für eine junge Mutter, einen Bummler und eine Perfektionistin keine Ausreden mehr: Ihr schreibt jetzt!

    Abschluss-Schwäche: Hilfe für Strukturneurotiker im Schreibzentrum - SPIEGEL ONLINE
    Dieser Artikel hat mich einige Augenblicke vom Schreiben meiner Masterthesis abgelenkt, vielen Dank schonmal dafür. Nach 'nem Kaffee und ein bisschen surfen schreib ich dann auch gleich weiter, versprochen...
  3. #3

    Aufschieberitis

    ... ist doch nicht wirklich ein korrektes Deutsches Wort? Prokrastination war wohl nicht schrecklich genug.
  4. #4

    Zitat von Noctim Beitrag anzeigen
    Das Problem liegt an der Eigenverantwortlichkeit. Viele Studenten gehen mit vollkommen naiver Weltsicht ins Erstsemester.
    Viele Erstsemester sind dank 12-Jahres-Abi und Wegfall von Zivi/BW auch grad 18 und brauchen ein bisschen, um den Transit von Oberstufe und Abiparty/Fahrt zum Studium zu vollziehen. Eigentverantwortlichkeit will auch gelernt werden, dass man mit frischer eigener Bude, relativ frei verplanbarer Zeit und Geld nicht automatisch an büffeln und Elfenbeinturm denkt dürfte einleuchten.

    Zitat von Noctim Beitrag anzeigen
    Es lockt ein Leben, dass man von diversen Teenie-Streifen und Soap-Operas kennt: Party, Sex, Alkohol und dazwischen mal ne Klausur schreiben. Ansonsten bitte schön freigeistig entweder das Establishment kritisieren (Geisteswissenschaften), oder genau anders herum das System beherrschen und ausbeuten (BWL/VWL).
    Haben Sie's nicht noch pauschaler?


    Zitat von Noctim Beitrag anzeigen
    Ich habe vor vier Jahren meinen Bachelor gemacht, war unter den 10% der Besten. Freizeit hatte ich kaum. Keine Parties, keine Exzesse. Dafür Arbeit, Arbeit, Arbeit. Da das Studium privat finanziert werden wollte auch noch mit BAFÖG und Nebenjob. Dafür Regelstudienzeit und super Abschluss.
    Wenn Sie jetzt mit Ihrem Superabschluss in einen Superjob wechseln und superwichtige Arbeit leisten haben Sie ja immer noch keine Zeit für Exzesse und Parties - und das dann bis zur Rente?

    Ich mag meinen Mittelweg da lieber, keine Parties vor Mittwoch und wenns irgendwie geht zur Vorlesung, Schnitt 2,0 und voll in der Regelstudienzeit. Dafür ein bisschen wenig Schlaf die letzten Jahre..

    Zitat von Noctim Beitrag anzeigen
    80% meiner Bekannten studieren IMMER noch mit Ende 20, weil sich niemand so richtig festlegen und Verantwortung übernehmen will. Wenn man zu Hause wohnt, hat man natürlich mehr Knete für iPhone, MacBook und fürs Nachtleben. Wer eine Wohnung und ein Auto selbst finanzieren muss, um zur Arbeit zu kommen, hat als Normalverdiener schonmal 3/4 seines Gehalts als Fixkosten verplant.

    Das Hipster-Leben fordert halt seinen Tribut: Entweder Party und Terminstress, oder sachlich bleiben und regelmäßig am Notenspiegel ARBEITEN. Die meisten verwechseln das Studieren mit einem meditativen Selbstfindungs-Yoga-Kursus mit Entspannungscocktail am Abend.
    Viele verwechseln es, scheints, auch mit nem Bootcamp, in welchem zukünftige Elite sich, den Tributen von Panem gleich, in beinhartem Konkurrenzkampf ums Praktikum balgen darf. Sicher darf Ehrgeiz nicht fehlen aber 90% Ihres Networkings wird die ersten Jahre im Berufsleben aus den Leuten bestehen, die in Ihrem Umfeld mitstudiert haben, da macht das ein oder andere bisschen mitfeiern durchaus auch karrieretechnisch Sinn.
  5. #5

    Zitat von Noctim Beitrag anzeigen
    Ich habe vor vier Jahren meinen Bachelor gemacht, war unter den 10% der Besten. Freizeit hatte ich kaum. Keine Parties, keine Exzesse. Dafür Arbeit, Arbeit, Arbeit. Da das Studium privat finanziert werden wollte auch noch mit BAFÖG und Nebenjob. Dafür Regelstudienzeit und super Abschluss.
    Meine Prognose dazu: Ihre Komilitonen mit längerer Studienzeit und weniger perfektem Abschluss werden irgendwann in einem stressigen Job hängen, um eine kleine Familie über die Runden zu bringen, während Sie wie besessen an ihrer Kariere schrauben.

    In fünfzig Jahren werden Sie dann mit einer großzügigen Abfindung aus dem Dienst entlassen und gehen Heim zu ihrer Villa und der vierzig bis fünfzig Jahre jüngeren Ehefrau, während ihre ehemaligen Kollegen in einem kleinen Häuschen am Stadtrand mit den Enkeln spielen.
    Sie sterben bald darauf am stressbedingten Herzinfarkt, ihre Kollegen, weil die Versicherung eine wichtige Behandlung nicht bezahlt.
    Soll doch jeder auf seine Weise glücklich werden. Aber vergessen Sie dabei nicht, zu leben. Denn letztenendes läuft es für jeden auf das selbe hinaus.
  6. #6

    Fair?

    "Mein Prof ist fair", sagt er. "Ich werde ihm wohl einen lieben Brief schreiben und um Fristverlängerung bitten müssen."

    Was ist fair daran, einem einzelnen Studenten Fristverlängerung zu gewähren? Die äußeren Bedingungen sind für alle gleich -- DAS ist m.E. fair gegenüber den Studierenden, die die Deadline akzeptieren, irgendwie einhalten, oder sich nicht um Verlängerung zu bitten trauen.
  7. #7

    Faulheit?

    [QUOTE]Die Experten zählen Angst vor Versagen oder der schlechten Bewertung anderer wie auch Perfektionismus zu den Hauptgründen. [/UNQOTE]

    Ich würde diese Studenten eher als faul bzw. unmotiviert bezeichnen.
    Wenn jemand es nicht schafft als Vollzeitstudent eine 30 Seiten Hausarbeit zu schreiben, dann wundert mich dies doch sehr.

    Ich darf dieses Semester (letztes Semester im berufsbegleitenden Master - Präsenzstudium Mi, Fr Abends und Sa ganztägig)
    Zwei Hausarbeiten à 30 Seiten, 2 Präsentationen à 45 Minuten + 2 Klausuren schreiben. Neben den 45 Stunden Beruf pro Woche...
  8. #8

    was für Kommentare....

    Ich habe noch nie ein Soap-Opera Leben geführt und besitze weder MacBook noch I-Phone noch Nachtleben und leide dennoch unter Prokrastination. Es hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern entsteht durch übergroße Ansprüche an sich selbst: Ich führe einen eigenen Haushalt, habe diverse Ehrenämter, habe eine Tochter, gehe arbeiten und möchte jede Arbeit mit einer 1,0 abschließen. Meistens gelingt das auch, aber eben nicht immer. Es ist die permanente Angst zu versagen, übertriebener Perfektionismus und ein mangelndes Selbstwertgefühl, dass mich quält. Es hat nichts mit einem 'LOTTERLEBEN' zu tun.
  9. #9

    optional

    4 Stunden täglich! Was für ein "Marathon"!


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