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Studenten im Optimierungswahn: Karriere, Karriere, Knick

Studenten machen sich selbst zum passgenauen Firmenfutter. Ultra-pragmatisch perfektionieren sie ihre Lebensläufe, straff, stur, strategisch. Doch bei allem Ehrgeiz vergessen sie das Wichtigste: Manchmal sind die krummen Wege die geraden.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...675629,00.html
  1. #100

    klar, haut alle auf Anna-Lena ein

    "If you want to get something done, give it to someone busy"

    Die Selbstbeweihräucherungen hier nehmen fast unerträgliche Ausmaße an. "Ich hab auch ne krumme Biografie, und bin trotzdem blablabla"

    Mein Gott, ich wünschte, meine Eltern hätten mich mal auf den Pott gesetzt, gesagt: "Junge, Feuerwehrmann und Astronaut fällt aus, aber was willst Du denn mal werden?"

    Ich währ gern wie Anna-Lena. Denn die wird mit 25 sein wo ich mit 30 nicht bin.

    Leistungsdruck, Bulimie-Lernen, schlimmes schlimmes Bologna... ach hört mir doch auf mit dem Mist....
  2. #101

    Zitat von Andreas Rolfes Beitrag anzeigen
    Die planen 12-jährige ihre Karriere, Turbo-Abi mit super Noten, dann fix nen tollen BA-Abschluss hinterher und mit 23 dann einen Master in der Tasche. Toll. Und dazu ein rosa Polohemd mit hochgestelltem Kragen?
    Es mag ja sein, daß diese Leute (vor allem wenn sie Jura oder BWL/VWL) studiert haben, später gutes Geld verdienen, aber ob dieser Schnelldurchlauf so wünschenswert ist?
    Tja, das sind sie dann die Überflieger und McKinsey-Drop-Outs, die die Welt regieren. Sooo viel Wissen, sooo wenig Verstand.
    Letzlich nur der perfekt dressierte Teil des unkreativen Durchschnitts, den es schon immer gegeben hat. Wer die Kreativen und Pfiffigen sucht, wird sie auch heute noch finden. Nicht wegen, trotz des aktuellen Bildungssystems.

    Aber das war auch schon immer so. Wozu also die Aufregung??
  3. #102

    Vorsicht Falle

    Zitat von opalo Beitrag anzeigen
    Und was passierte? Prozentsatz der Einladungen zum Vorstellungsgespräch bei Bewerbungen auf "fachfremde" Stellen: 0. Prozentsatz der Einladungen bei Bewerbungen auf Stellen im Immobilienbereich: 100 - und letzten Endes konnte ich hier aus mehreren Stellen wählen.
    Vorsicht, an der Stelle hat der Arbeitsmarkt seine Geheimnisse; wer die Branche wechselt ist ausgesprochen verdächtig, wer flexibel ist gilt als geradezu unheimlich, undurchschaubar, nicht zu berechnen. Das, was die Propaganda in dem Punkt sagt, ist nichts als gequirlte Scheiße. Der gute alte feige Spießer hat das Sagen, da kann er noch so globalisiert daherreden.
  4. #103

    Die Deutschen sind Meister der Angst

    Woher kommts:

    a) Zwie verlorene - selbstverschuldete - Weltkriege
    b) Die Eltern und Großeltern haben das nicht aufgearbeitete Trauma weitergerecht
    c) Die Weltwirtschaft hat sich mit dem Auflösen der 2 Blöcke Ost-West un dem Erwachen Chinas drastisch verändert
    d) Die deutsche Wirtschaft hat in der Wiederaufbauphase nach WW2 von ihrem Know-How der 20er und 30er Jahre profitiert. --> Echte Hightech kam und kommt aus USA oder Asien.
    e) Mit dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung und der staatlichen Souveränität fiel der allierte Welpenschutz für Deutschland immer mehr weg.

    Es gibt aber auch Hoffnung durch den Klimawandel.
    Wir leben in einer klimatisch moderaten und erdbebenarmen Zone und haben genügend gutes Trinkwasser. Das könnte mittelfristig ein echter Standortvorteil sein.

    PS
    Ich suche immer noch einen netten Bürojob in und um Frankfurt am Main
  5. #104

    Guten Morgen!

    Diese ganzen Elogen gegen das Mittelmaß sind zwar aufbauend, aber nutzen nix. Der Personalentscheider ist nämlich genauso eine durchschnittliche Pfeife, der sich an die Muster hält, die funktionieren. Und erzeugt: Mehr Mittelmaß.
    Meine Exchefin unterteilte menschliches Verhalten in "normal" und "freakig". Ihr kam gar nicht die Idee, das die Umkehrung von normal "außergewöhnlich" sein könnte. In diesem Bürojob stellte ich fest, daß die meiste Arbeit genausogut von einem dressierten Schimpansen mit einem Papageien auf der Schulter (für Telefonate) erledigt werden könnte. In den Kundenkontakten stellte ich fest, daß die meisten Leute in hochrangigen Positionen hilflose kleine Pfeifen waren, die nur eine große Klappe und eine heimtückische Bauernschläue besitzen. Dicke Firmenwagen, aber eine Aufmerksamkeitsspanne, die gerade mal für Twitter tauglich ist.
    Die daraus resultierende Hassformel:
    Ich kann nichts für die erschreckende Mittelmäßigkeit - ich muß nur darunter leiden!
  6. #105

    Und in der Wirklichkeit ist die Welt doch ganz anders...

    Mir erscheint der Artikel doch ein wenig zu politisch korrekt und wieder in die Richtung "Eliten-Bashing" abzielend.
    Natürlich ist es ein Fakt, dass die Realität der Arbeitswelt mit der (universitären) Ausbildungswelt selten wirklich vergleichbar ist, aber die Tragik ist vor allem die, dass es den "Anna-Lenas" dieser Welt geradezu indoktriniert wird, dass sie so sein müssten um auch nur eine Chance (!) auf den Arbeitsmarkt zu bekommen - von Garantie wird in diesem Zusammenhang gar nicht mehr gesprochen.

    Die Realität ist doch folgendermaßen: zur Zeit hat es jeder Schwer - Top-Absolvent, Durchschnitts-Absolvent, egal. Der Freidenkende-Durchschnitts-Absolvent bekommt nur im Regelfall erst gar nicht die Möglichkeit sich zu präsentieren, wie etwa die "Anna-Lenas", die dann wegen der Persönlichkeit raus fliegen.

    Ob Freidenker so erwünscht sind, wage ich zu bezweifeln, es klingt eben nur viel besser, wenn man angeblich auf sie Wert läge. Und gerade die Universitäten, die einem zum forschen und sich-weiterbilden ermutigen sollen, sind die schlimmsten. Da werden Promotionsordnungen (wo ja "Freidenken" wirklich ein Kriterium sein sollte) so gestrickt, dass Leute durch´s Notenraster fallen, obwohl sie persönich geeignet wären - Ermessen? Was ist das?! Da werden Masterstudienplätze so limitert, dass eh nur die Besten der Besten genommen werden, man will ja die Elite fördern! Und da der Weg der "Anna-Lenas" nunmal zu den Noten der Besten der Besten führt, kann man wohl kaum die Generation kritisieren, die danach strebt, sich alle Türen offen zu halten.

    Die Welt könnte so schön sein, wie sie der Artikel beschreibt und in Wirklichkeit ist sie doch ganz anders!
  7. #106

    ...

    Zitat von Greybird Beitrag anzeigen
    Aber was ist mit den Normalos wie mir?
    Wo ist denn das Problem? Auch Normalos können Ecken und Kanten haben. Es muss nicht eine sechsmonatige Teilnahme an einer Expedition zum Südpol im Lebenslauf stehen.

    Zitat von Tilst Beitrag anzeigen
    Die Selbstbeweihräucherungen hier nehmen fast unerträgliche Ausmaße an. "Ich hab auch ne krumme Biografie, und bin trotzdem blablabla"
    Und? Leute mit krummen Biografien lassen sich meist durch Probleme nicht aus der Bahn werfen und kennen die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln.

    Bevor es den Bachelor gab, gab es bereits die "Diplom-Betriebswirte (VWA)". Dort haben sich Unternehmen direkt ihre Mitarbeiter vom Gymnasium abgegriffen und sie 3 Jahre lang per Turbo-Ausbildung-Studium-Kombo zu Drohnen herangezüchtet.
    In meinem Abi-Jahrgang waren ca. 10 Absolventen, die sich für diesen Weg entschieden haben. Allesamt sind sie mittlerweile seit Jahren Sachbearbeiter oder Assistenten - Ohne Aussicht auf weiteren Aufstieg.
    Denn die höheren Positionen werden mit Uni- und FH-Absolventen besetzt - Nicht zuletzt weil diese eben durch das selbstorganisierte Vollstudium sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich weiterentwickelt haben.
  8. #107

    so ist das bei mir

    Ich bin zwangsexmatrikuliert. Hatte nur noch 3 Klausuren + Thesis, welche schon konzeptioniert war. Durchgefallen zum letzten Versuch bei einer Klausur. Warum? Tja. Hab nix gelernt bekommen. Hatte nur noch Angst. Muss dazu sagen, dass ich mich wie ein wilder ins Studium gestürzt habe um auch ja alles möglichst gut zu machen. Habe bei einer Unternehmensberatung gejobbt, bei einem internationalen Maschinenbauer und bei einer Brauerei. Habe echt nette Zeugnisse bekommmen und auch eine Leistungsprämie für besonderen Einsatz. Bin krank geworden Blinddarmdurchbruch während der Klausurenzeit musste ein weiteres Semester aussetzen, weil es anschließende Komplikationen gab. Bin ins Hintertreffen geraten. Musste Vorlesungen erneut besuchen, weil es neue Dozenten gab und der alte Stoff nicht mehr geprüft wurde, habe in meinem Umfeld nur noch Leute gehabt, die Druck gemacht haben ("Werd mal fertig", "Langzeitstudent"). Habe trotzdem Anfragen von den Unternehmen, bei denen ich war bekommen, ob ich denn schon fertig bin, wann ich bei Ihnen durchstarten könnte. Habe deswegen noch mehr Stress gemacht, um auch ja alles zu erreichen, denn ich hab ja so viele Chancen, muss was werden, darf mir nichts verbauen.

    --> Angst, Depression, anhaltende, behandlungsbedürftige Magendarmstörung, Klausur nicht bestanden, Psychatrische Behandlung steht an, Studium im Eimer.

    Bewertungen und Zeugnisse in Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe und bei allen Nebentätigkeiten waren immer gut. Besonders scheine ich durch Motivation anderer, Macher und Lösungssucher aufgefallen zu sein.
    Habe auch immer andere Sachen ausprobiert (muss man ja vorweisen können), wie z.B. soziales Engagement und Auslandsaufenthalt. Habe Streit mit meinen früheren Freunden, weil ich mich zum Leisten und Arbeiten zurückgezogen habe und in Zeiten großen Drucks sie auch abgewiesen habe. Ich dachte, die stören nur. Meine große Liebe hat mich verlassen, weil ich sie vernachlässigt habe und immer unter Strom stand, weil ich doch nur an den nächsten Klausurtermin gedacht habe oder was ich noch machen muss um besser da zu stehen.

    Was bleibt? 29, krank, allein, Hartz IV, Kommentare á la "Student, pah, nur gefeiert oder was", "Hast du wohl nicht richtig gemacht", "Tja, manche sind eben keine Gewinner"

    Ausgesiebt...

    Liebe Leistungsgesellschaft, bitte geht alle fleißig arbeiten und trimmt euch auf Turbo. Ihr braucht es, denn Ihr müsst meine Behandlungen bezahlen und für meinen Lebensunterhalt aufkommen. Viel Spaß mit eurem iPhone.
  9. #108

    Karriere, Karriere, Knick

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Studenten machen sich selbst zum passgenauen Firmenfutter. Ultra-pragmatisch perfektionieren sie ihre Lebensläufe, straff, stur, strategisch. Doch bei allem Ehrgeiz vergessen sie das Wichtigste: Manchmal sind die krummen Wege die geraden.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/job...675629,00.html
    Hihi, kann ich nur zustimmen.
    Dadurch das ich in einen bestimmten Jahr nirgends eingestellt wurden bin, habe ich durch ein weiteres Studium/Auslandsaufenthalt meinen Lebenslauf erst richtig abgedreht/cool/interessant gemacht ;-). Das schöne an der Sache, ich konnte immer wenn mich jemand fragte was ich mache sagen, och ich studiere. Ich habe dann immer das Orchideenfach genannt, da durfte man auch den Kopf schütteln wenn man nach der beruflichen Zukunft gefragt wurde ;-). Zum Abschluss das Orchideenfach zu Studieren war einfach viel cooler, hat mehr Spass gemacht, die Erfahrung die ich gesammelt habe dadurch waren unbezahlbar und ich habe dadurch Dinge gesehen, erhalten und erlebt die ich sonst nicht gesehen oder erhalten hätte. Nur eins muss auch klar gesagt werden, die Eintrittskarte in das Berufsleben war ein abgeschlossenes Studium. Heute kann ich je nach Lust und Laune behaupten ich hätte abgebrochen oder ich bin diplom xxxx. Ich würde allen empfehlen das zu Studieren was einem Spass macht. Diese Straffung der Stundenpläne und Prüfungspläne halte ich für Schizophren es führt unter den Studenten selbst zu Betrug, Größenwahn und Langeweile.
  10. #109

    Am Ende

    landen die durchdesignten Jungs und Mädels dann doch im Vertrieb (aka "Key-Acc.-M.") oder -wie böse im Artikel erwähnt- in der Steuerkanzlei, backen kleine Brötchen und gehen mit maximal 70K/a (Brutto) nach Hause. Sie wissen nichts vom nachbarlichen selbstständigen Gas-Wasser-Installateur, Dachdeckermeister (oder setzen Sie einen qualif. Handwerksberuf Ihrer Wahl ein), der netto vielleicht mehr nach Hause bringt.
    Genauer betrachtet ist es auch kein Wunder: Die "neuen" Akademiker sind keine solchen. Wer heute seinen Bachelor in Wirtschafts-XY an einer "freien Uni [Fantasiename]" macht, hätte früher einfach einen Bank- oder kaufmännischen Beruf gelernt. Im Endeffekt wäre es das Selbe gewesen.








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