Streit um verkürztes Gymnasium: Turbo-Abi in der Reifeprüfung

dapdMehr Schulstress, viele Hausaufgaben, wenig Freizeit: Das Turbo-Abitur hat einen katastrophalen Ruf bei Schülern, Eltern, Lehrern. Einige Bundesländer rücken von der G8-Reform schon wieder ab. Aber warum wurde ausgerechnet das angesehene Gymnasium zum Experimentierfeld?

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...-a-869805.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der DDR hingegen wurde die Oberschule, später die Erweiterte Oberschule oder Polytechnische Oberschule eingeführt, an der man nach der 12. Klasse die Hochschulreife erlangen konnte.
    Es muss heißen 'und' nicht 'oder'. Abitur hat man auf der EOS gemacht. Aber vorher war man zehn Jahre auf der POS.
    Wenn man, wie zu POS - Zeiten, eine Sechstagewoche hat, dann schafft man das Abi locker in zwölf Jahren...
  2. #2

    12 Jahre zum Abi reichen

    Zitat von labertasche2011 Beitrag anzeigen
    Es muss heißen 'und' nicht 'oder'. Abitur hat man auf der EOS gemacht. Aber vorher war man zehn Jahre auf der POS.
    Wenn man, wie zu POS - Zeiten, eine Sechstagewoche hat, dann schafft man das Abi locker in zwölf Jahren...
    Das war nur später so. Anfangs gab es 8 Jahre POS + 4 Jahre EOS.

    Ich habe übrigens noch in 12 Jahren mein (bundesdeutsches) Abi gemacht (vor der Umstellung auf 13 Jahre). Also das ist wirklich locker drin (auch ohne 6-Tage-Woche, die wurde in der DDR 1985 abgeschafft). Ich weiß gar nicht, womit man uns ein 13. Jahr hätte langweilen wollen.

    Das Hauptproblem aus meiner Sicht ist heute, daß die Kinder in den unteren Klassen chronisch unterfordert werden. Die Eltern jammern immer von Überforderung und wollen ihre Kleinen beschützen, aber das genaue Gegenteil ist normalerweise der Fall. Wenn man bis zur fünften, sechsten Klasse schon zwei Jahre Rückstand aufbaut, muß man sich dann über gelegentlichen Streß in den höheren Klassen nicht mehr wundern, wenn das in den letzten 2 Jahren aufgeholt werden soll.
  3. #3

    Unverständnis

    Ich habe mein Abitur in Sachsen abgelegt nach 12 Jahren. Ich verstehe das Rumgejammer in keinster Weise. Freizeit gabs auch mehr als genug.
  4. #4

    Schulleiter Kromer hat Recht

    mit seiner Beobachtung, dass G 8 die AGs und das zusätzliche Engagement für andere Aktivitäten schwächt. Dass seit der G-8-Einführung viele Orchester, Chöre, Schülerzeitungen, AGs unter Mitgliederschwund leiden oder eingegangen sind, kann jeder bestätigen, der sich mit Schule auskennt. Für die Bildung der Schüler ist das ein Verlust - wenn auch einer, der schwer zu messen ist.
  5. #5

    Murks

    Zitat von Gipsel Beitrag anzeigen
    Das Hauptproblem aus meiner Sicht ist heute, daß die Kinder in den unteren Klassen chronisch unterfordert werden. Die Eltern jammern immer von Überforderung und wollen ihre Kleinen beschützen, aber das genaue Gegenteil ist normalerweise der Fall. Wenn man bis zur fünften, sechsten Klasse schon zwei Jahre Rückstand aufbaut, muß man sich dann über gelegentlichen Streß in den höheren Klassen nicht mehr wundern, wenn das in den letzten 2 Jahren aufgeholt werden soll.
    Das Problem ist, dass man genau mit dem "woanders klappt's doch auch" rangegangen ist ohne Stoff neu zu sortieren und zu kürzen. Die ruhige Phase war doch traditionell eher in den oberen Klassen, statt das zu ändern, hat man den Druck in die "chronisch unterforderten" Klassen 5 und 6 gepackt. Also genau dahin, wo die Schüler es am wenigsten gebrauchen können.

    Aber es hat ja vorher halbwegs funktioniert, da musste es man ja kaputt machen. Paranoia? Mag sein, aber die Eliminierung des Diploms und der Bologna-Unfug sind ja dann wenigstens konsistent.
  6. #6

    Zitat von Gipsel Beitrag anzeigen
    Das war nur später so. Anfangs gab es 8 Jahre POS + 4 Jahre EOS.

    Ich habe übrigens noch in 12 Jahren mein (bundesdeutsches) Abi gemacht (vor der Umstellung auf 13 Jahre). Also das ist wirklich locker drin (auch ohne 6-Tage-Woche, die wurde in der DDR 1985 abgeschafft). Ich weiß gar nicht, womit man uns ein 13. Jahr hätte langweilen wollen.

    Das Hauptproblem aus meiner Sicht ist heute, daß die Kinder in den unteren Klassen chronisch unterfordert werden. Die Eltern jammern immer von Überforderung und wollen ihre Kleinen beschützen, aber das genaue Gegenteil ist normalerweise der Fall. Wenn man bis zur fünften, sechsten Klasse schon zwei Jahre Rückstand aufbaut, muß man sich dann über gelegentlichen Streß in den höheren Klassen nicht mehr wundern, wenn das in den letzten 2 Jahren aufgeholt werden soll.
    Die Sechstagewoche wurde später abgeschafft, erst nach der Wende. Ich weiß noch, daß wir ordentlich Ärger mit unserer Direktorin bekommen sollten, als wir von der Schule zur Demo,am 04.11.89, gehen wollten. Und das war ein Sonnabend.
  7. #7

    12 Jahre mit wievielen Wochenstunden?

    Die heutigen G8 Abiturienten haben zwischen 34 und 38 Wochenstunden (zumindest in NRW). Viel Freizeit bleibt da tatsächlich nicht. Ich glaube daher nicht, dass das heutige G8 Abitur mit früheren Modellen vergleichbar ist.
  8. #8

    Herumeiern im Reformwahn

    Aus meiner Sicht gibt es für beide Systeme (G8 bzw. G9)gute Argumente.Was gar nicht geht, ist dieses ständige Herumeiern. In NRW hatte die rot-grüne Vorvorgängerregierung G8 beschlossen. Eingeführt wurde es unter schwarz-gelb. Den Zorn der Eltern auf die tatsächlich am Anfang wohl teilweise chaotischen Zustände nutzte die rot-grüne Opposition, um a) davon abzulenken, dass es der eigene Beschluss gewesen war, G8 einzuführen und b) den Eltern zu versprechen, dass man nach der nächsten Wahl natürlich wieder den Stress aus dem System nehmen würde. Sobald die rot-grüne Minderheitsregierung stand, wurde den Gymnasien daher freigestellt, doch auch wieder G9 zu machen. Aber nicht wie vorher, sondern schon mit mehr Stunden und Nachmittagsunterricht. Das letzte, was die meisten Schulen wollten, war aber, nun wieder eine Kehrtwende zu machen, gerade waren ja erst neue Lehrbücher angeschafft worden. Kaum eine Schule nutzte daher das Angebot zu G9 zurückzukehren. Kaum war die rot-grüne Regierung etabliert, wurden dann die eh schon schlanken Lehrpläne des früheren G9-Systems (ein Jahr war aus Sicht vieler Eltern und Schüler komplett überflüssig, da konnten die Kinder ins Ausland, weil sie nichts verpassten) noch weiter entschlackt. Die Gesamtschulen blieben beim G9, so dass das Bildungschaos schon innerhalb eines Bundeslandes immer größer wird. Manche Eltern durchschauen doch schon gar nicht mehr, wie das Bildungssystem hier läuft: Mit Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien mit nur G8, einigen Gymnasien mit nur G9 und einigen mit G8 und G9, Gesamtschulen mit G9 und Gemeinschafts- und Sekundarschulen ohne Oberstufe aber Anbindung an Gymnasien oder Gesamtschulen….Leider meint man auch, dass selbst die zuständige Ministerin das System nicht mehr durchschaut.
  9. #9

    International mit G9 zu alt

    Meine Tochter hat G9 gemacht, mit dem Ergebniss, dass sie nach Abschluss ihres Studiums mit 24 in einem internationalen Trainee-Programm zu den Grufties gehörte. Die lockeren entspannten Jahre im G9 sind dann teuer bezahlt..