Streit um Rechtsruck: Burschenschafter hetzt gegen Nazi-Widerstandskämpfer

SPIEGEL ONLINENeuer Eklat in der Deutschen Burschenschaft: Ein hoher Funktionär hetzt in einem Leserbrief gegen den Theologen Dietrich Bonhoeffer - und bezeichnet dessen Kampf gegen das NS-Regime als "Landesverrat". Dem Dachverband droht nun die nächste Zerreißprobe.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...826757,00.html
  1. #10

    Titel!

    Zitat von sappelkopp Beitrag anzeigen
    ...auch nur ansatzweise Mumm in den Knochen hätte, würde er dafür sorgen, dass der Mann umgehend die Deutsche Burschenschaft verlässt. Da er es nicht tut, muss man davon ausgehen, dass diese Art Meinungen in der gesamten Organisation vorhanden sind und toleriert werden.
    Der Dachverband hat keinen Einfluß darauf, wen die ein oder andere Korporation aufnimmt.

    Zitat von sappelkopp Beitrag anzeigen
    Ich verstehe überhaupt nicht, warum junge Menschen da mitmachen müssen. Netzwerkentwicklung? Das geht auch ohne das braune Gedankengut. Ich hatte in den 80er Jahren Gelegenheit in Hamburg in eine nicht schlagende Verbindung hineinzuschauen und habe mich angewidert abgewendet. Besonders wenn die "Herren" etwas zuviel Bier getankt haben, zeigten Sie Ihre wahres Gesicht.
    Weil man dort eine Menge sehr interessanter Leute aus nahezu allen Studienrichtungen trifft. Als junger Mensch entscheidet man sich kaum für eine bestimmte Art von Verbindung (es sei denn, dass schon Verwandte korporiert sind), sondern nimmt das Band dort auf, wo man sich im Kreis der Mitglieder wohl fühlt. Dabei sollte man einen Bund oder gar die Aktivitas nicht als eine homogene Masse ansehen. Die meisten Bünde sind heterogen, eben vielschichtig.

    Und ja, es wird schonmal zuviel getrunken. Aber um ehrlich zu sein, muss ich gestehen, dass die meisten meiner nicht-korporierten Kommilitonen ebenfalls auf Partys ordentlich zugelangt haben.
  2. #11

    Die Nazis sind nicht das Land.

    Zitat von Doctor Feelgood Beitrag anzeigen
    Angenommen, Bonhoeffer hätte wirklich politische und militärische Pläne den damaligen Feindmächten mitgeteilt: wie sollte dies, wenn der Begriff "Landesverrat" als Verunglimpfung gewertet wird, sachlich korrekt definiert werden?
    Genau so wie es normalerweise bezeichnet wird: Widerstand.
  3. #12

    Vorschlag

    Zitat von Doctor Feelgood Beitrag anzeigen
    Angenommen, Bonhoeffer hätte wirklich politische und militärische Pläne den damaligen Feindmächten mitgeteilt: wie sollte dies, wenn der Begriff "Landesverrat" als Verunglimpfung gewertet wird, sachlich korrekt definiert werden?
    Ich würde in Bezug auf Dietrich Bonnhoeffer "Dienst am Vaterland" oder "Dienst am Menschen" als "sachlich korrekt" bezeichnen.
  4. #13

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Neuer Eklat in der Deutschen Burschenschaft: Ein hoher Funktionär hetzt in einem Leserbrief gegen den Theologen Dietrich Bonhoeffer - und bezeichnet dessen Kampf gegen das NS-Regime als "Landesverrat". Dem Dachverband droht nun die nächste Zerreißprobe.

    Streit um Rechtsruck: Burschenschafter hetzt gegen Nazi-Widerstandskämpfer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Je mehr diese faschistischen und faschistoiden Organisationen, die sich hinter Kultur- und Geschichtswahrung verstecken, sich selbst unmöglich machen und in Ihren (schon rhetorischer unterbemittelten)
    3. klassigen Stellungnahmen für Zeitfremde und Zurückgebliebene derartigen Abfall verbreiten, desto eher verschwinden sie vom Anlitz dieser Erde. Dies wiederum wäre ein echter Fortschritt für den Umweltschutz.

    Was alle, auch jeder einzelne von uns, dazu beitragen kann, ist die Weitergabe und Vermittlung von Bildung und geschichtlichem Wissen. Mehr ist eigentlich nicht zu tun. Argumentativer Auseinandersetzung sind weder diese Organisationen gewachsen noch die bei weitem überwiegende Mehrzahl Ihrer Mitglieder.

    Und bevor das Geheule und Geflenne der "Liberalen" und "Konservativen" losgeht: Nein ich bin kein Kommunist und kein linker Spinner mit Vergangenheitssehnsucht.
  5. #14

    Meinungsfreiheit

    Die Deutsche Burschenschaft hat ein Problem. Eines ihrer höchsten Prinzipien ist die Meinungsfreiheit, dadurch wird es aber den liberaleren Kräften verunmöglicht, etwas gegen solche rechte Tendenzen in den eigenen Reihen zu unternehmen.
  6. #15

    Antwort

    Zitat von Doctor Feelgood Beitrag anzeigen
    Angenommen, Bonhoeffer hätte wirklich politische und militärische Pläne den damaligen Feindmächten mitgeteilt: wie sollte dies, wenn der Begriff "Landesverrat" als Verunglimpfung gewertet wird, sachlich korrekt definiert werden?
    Für all die Alt- und Neubraunen, die es noch immer nicht verstehen:
    Die "damalige Feindmacht" der Deutschen war das NS-Regime nicht minder als die alliierten Kriegsgegner. Es gibt kein Gutes im Abgrundtiefschlechten. Schade, dass Ihnen Sophie Scholl nicht auf diese Frage antworten kann. Den grössten "Landesverrat" in der Geschichte der Deutschen hat die NSDAP begangen, und die sich als deren Erbe begreifende braune Brut hat nicht nur kein Monopol auf das Deutsche, sie hat im Gegenteil ihren Anspruch darauf historisch verwirkt.
  7. #16

    Zitat von cpt.hindsight Beitrag anzeigen
    "Schlechter könnte es für die Deutsche Burschenschaft (DB) kaum laufen, dem ältesten deutschen Dachverband der Verbindungsszene."

    Andere Arten von Studentenverbindungen gehören z.T. älteren Dachverbänden an (KSCV, WSC) und haben inhaltlich nichts mit den Burschenschaften gemeinsam.
    Dem muss man leider widersprechen.
    Schlagende Corps, Landsmannschaften, Turnerschaften, Burschenschaften feiern zusammen, trinken zusammen, fechten zusammen und es bestehen enge Freundschaften zwischen den Mitgliedern der einzelnen Korporationen.
  8. #17

    Da wir....

    Zitat von Doctor Feelgood Beitrag anzeigen
    Angenommen, Bonhoeffer hätte wirklich politische und militärische Pläne den damaligen Feindmächten mitgeteilt: wie sollte dies, wenn der Begriff "Landesverrat" als Verunglimpfung gewertet wird, sachlich korrekt definiert werden?
    ...durch lange Medienbeschallung nun der Meinung sind das nicht die "Deutschen" oder "Deutschland" den 2. Weltkrieg und alle Greultaten begangen haben sondern (das haben Politik und Medien in den letzten 20 Jarhen echt gut hingekriegt - Ironie!) ....die Nazis das alles waren und alle Deutschen die keine Nazis (und das waren ja fast alle) waren folglich nicht beteiligt waren...könnte man Ihre Frage so beantworten...Bonhoefer hätte nicht Deutschland sondern die Nazis verraten...und damit auch keinen Landesverat begangen.
    Abgesehen davon ist es doch wohl ziemlicher Mumpitz jemanden der gegen ein Terrorregime angeht einen Landesverräter zu nennen....
  9. #18

    Zitat von StellvNeueDB Beitrag anzeigen
    Ich glaube, es waren so ziemlich alle Philosophen des Abendlandes, die gesagt haben: "Großes Vorurteil, kleines Hirn".
    Gilt natürlich auch für die Leute, die den Anlass zu dem Spiegel-Artikel geliefert haben.
    Natürlich ist dieser Spruch vom Zimmerschied eine Verallgemeinerung, aber als Bewohner einer Universitätsstadt, erlebe ich diese "elitären Großhirne" leider immer wieder auf eine sehr unangenehme Art und Weise. Irgendwie ist da schon was dran, sagt einer, der vor langer Zeit auch mal studiert hat (sogar mit einigermaßen gutem Abschluss) und ohne diese Leichtmatrosen auskommt.
  10. #19

    Zitat von Ostwestfale Beitrag anzeigen
    Ich würde in Bezug auf Dietrich Bonnhoeffer "Dienst am Vaterland" oder "Dienst am Menschen" als "sachlich korrekt" bezeichnen.
    So ist es!
    Ob mit der Waffe, dem Intellekt oder auch nur der Nichtanpassung:
    Niemand kann seinem Land, seinen Mitmenschen, einen größeren Dienst erweisen, als mit aller Kraft und allem Einsatz gegen Faschismus zu kämpfen.