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Streit um Gedicht: Israels Innenminister will Grass an neutralem Ort treffen

Getty ImagesDer Stasi-Vergleich von Günter Grass empört israelische Politiker, jetzt kontert Innenminister Eli Jischai: Er hätte dem Autor schon viel früher die Einreise verweigern sollen, wettert er. Zugleich bietet er ihm ein Treffen an einem neutralen Ort an.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...827035,00.html
  1. #50

    Haben Sie eigentlich schon etwas von GG gelesen?

    Zitat von Te Henga Beitrag anzeigen
    ...Alle neuseelaendische, amerikanische, und hollaendische Freunde & Bekannte von mir kennen noch nicht einmal seinen Namen ("Grass... who?"). In der jeweiligen Landespresse: dito. Aber in D machen sie wegen diesem Kasper ein Fass auf. Welche Selbstueberschaetzung hier vorliegt, sowohl bei GG, seinen Lesern, der Presse, und den Politikern... bin ich der Einzige, dem dieser Umstand auffaellt?...
    ..vielleicht liegt die Unkenntnis Ihrer Freunde an deren Allgemeinbildung?? Sicher muss man seine politischen Ansichten und Argumentationen nicht teilen.. aber verunglimpfen muss man ihn auch nicht ;-)
  2. #51

    Zitat von Litajao Beitrag anzeigen
    Ich kann nur hoffen, dass Grass sich nicht auf solch einen Deal
    einlässt, denn was dann an einem "Neutralen Ort" geschieht, kann
    man sich kaum vorstellen.
    Würden Sie trotzdem mal eine Vermutung wagen, was an so einem neutralen Ort geschieht? Es würde mich interessieren.
  3. #52

    Stimmt!

    Zitat von bosemil Beitrag anzeigen
    . Nur der Rechtpopulist Eli Jischai als Innenminister aus der momentanen Regierung hat ein Problem, mehr mit sich selbst und macht gerade den Kasper. Das ist aber nur vorübergehend. Keine Demokratie der Welt ist vor politischen Kaspern gefeit. Israel halt auch nicht. Deutschland übrigens auch nicht!
    So habe ich es noch nicht gesehen, aber warum stoppen die anderen Politiker ihn nicht? Ist seine Partei zu mächtig (keine Ironische Frage, die Innenpolitik in Israel erscheint mir sehr instabil).
  4. #53

    Welchen Sinn sollte das haben?

    Zitat von JohannWolfgangVonGoethe Beitrag anzeigen
    Eli Jischai sagt: "Wenn Grass seinen Stift niederlegt und aufhört, antisemitische Gedichte zu schreiben, erkläre ich ihm in einem neutralen Staat gerne, warum ein Deutscher, der freiwillig in der SS unter Heinrich Himmler diente, nicht das Recht hat, das Land derer zu besuchen, die er einst vernichten wollte."

    Wow! So viele Unterstellungen in einem einzigen Satz.
    1) Er spricht von "die Gedichte". Hat denn Grass mehr als diese eine Gedicht verfasst, über das in letzter Zeit so viel diskutiert wurde?

    2) Ob dieses Gedicht "antisemitisch" ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

    3) Grass war nicht freiwillig in der SS. Er wurde dazu eingezogen.

    4) Dass Hr. Grass, als 17 Jähriger, die Juden vernichten wollte ist ja wohl die böswilligste Unterstellung überhaupt!
    Gespräche sind zwar immer gut. Da zwischen Herrn Eli Jischai und Günter Grass aber nicht nur so ungefähr 3.000 km sondern Welten liegen, sehe ich darin keinen Sinn, genauer gesagt: gar keinen, und zwar auch dann nicht, wenn das Gespräch "in einem neutralen Staat" stattfände.
  5. #54

    Wenn man..

    Zitat von HäretikerX Beitrag anzeigen
    ..vielleicht liegt die Unkenntnis Ihrer Freunde an deren Allgemeinbildung?? Sicher muss man seine politischen Ansichten und Argumentationen nicht teilen.. aber verunglimpfen muss man ihn auch nicht ;-)

    Wenn man nichts von Substanz zu sagen hat, dann wird es eben persönlich. Ich mag Grass überhaupt nicht. Aber es ist ein wichtiges Thema, das er mehr oder weniger geschickt hier und in der Welt anstößt.
    Und davon soll abgelenkt werden.Eben mit solchen Anwürfen.
  6. #55

    Zitat von Robert_Rostock Beitrag anzeigen
    Können sich Menschen Ihrer Meinung nach ändern? Oder bleiben sie zwangsläufig immer in dem Stadium, bei den Überzeugungen, die sie als 15- oder 17jähriger gehabt haben?

    Beurteilen Sie Menschen immer nur daran, was sie vor 67 Jahren getan haben, und nicht danach, was sie heute tun?

    Würden Sie es akzeptieren, wenn man Sie ausschließlich nach Ihrem Verhalten als 15- oder 17jähriger beurteilt?
    1. Ja. 2. Nein. 3. Nein. 4. Nein.

    Aber man muß doch verstehen, daß GG als ehemaliger Nazi (und das war er, auch wenn er sich später von dieser Ideologie distanziert hat) nicht unbedingt prädestiniert dazu ist, die Moralkeule gegen Israel zu schwingen.

    Auch wenn sein neuester Erguß in meinen Augen keineswegs antisemitisch ist und in der Sache auch nicht ganz daneben liegt. Und ich denke ebenfalls, daß die Israelis (wie auch die deutsche Medienlandschaft) hier reichlich übertrieben reagieren.

    Nur kann ich eben Grass als Hüter der Moral nicht ernstnehmen.
  7. #56

    Mit Jischai würde ich mich nicht an einen Tisch setzen!

    Zitat von das_amt Beitrag anzeigen
    Bevor man die Aussagen vom Innenminister all zu ernst nimmt,
    sollte man sich mal seinen Wikipedia-Eintrag oder diesen spiegelartikel durchlesen:

    Israels Innenminister: Rowdy auf radikaler Mission - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

    zitat:

    "Schwule und Lesben sind krank"
    ""Man hat noch keine Medizin dagegen gefunden, aber ich hoffe, es wird irgendwann soweit sein."

    "Gastarbeiter gefährden sie die jüdische Identität des Staates"
    (und sollen abgeschoben werden, in Arbeitslagern arbeiten, ihre in Israel geborene Kinder sollen ebenfalls abgeschoben werden)

    Zuerst wurde Grass zu wichtig genommen, und jetzt dieser ultraorthodoxe Politiker. Peinlich und bedauenswert, auch für die vielen liberalen Israelis.
    Solche Leute wie Jischai pervertieren den Zionismus a la Theodor Herzl mit ihrer autorität-repressiven Politik, die alles ausschließt, was ihnen nicht in den Kram passt. Ich habe den Verdacht, dass die israelischen Politik nicht nur darauf aus ist, ein ethnisch homogenes Land zu schaffen, sondern auch eines, welches radikal-politisch gleichgeschaltet ist. In meinen Augen ist das totalitär und widerspricht der Geschichte des Zionismus in Europa.
  8. #57

    Waffen-SS

    Zitat von damtschweli Beitrag anzeigen
    Das weiß ich nicht. Aber ich nehme sie ihm - wie wohl die meisten, die sich mit der Geschichte der Wehrmacht ein wenig auseinandergesetzt haben - nicht ab. Und wer ist hier Ihrer Meinung nach in der Beweispflicht?

    Und selbst wenn es so war: er wußte dennoch, was sein Dienst dort bedeutete und was sein Auftrag war.

    Und wer sich zur U-Boot- oder Panzerwaffe meldete, muß schon ein starkes Bedürfnis gehabt haben, für den Führer zu sterben.
    Als 15 Jähriger in einem System aufgewachsen, dass vollumfassend Gehirnwäsche betrieb.
    Wie selbstgefällig muss man sein, um das jemandem zum Vorwurf zu machen.
  9. #58

    Zitat von nesmo Beitrag anzeigen
    Grass sagte:
    "Ich habe mich als 15-Jähriger in Gotenhafen freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, und zwar zum Dienst bei der U-Boot-Waffe, ersatzweise zur Panzerwaffe. Mit einer Meldung zur Waffen-SS hatte das weder direkt noch indirekt irgendetwas zu tun. Die Einberufung zur Waffen-SS erfolgte ohne mein aktives Zutun erst im Zuge der Zustellung des Einberufungsbefehls im Herbst 1944.“

    Ist diese Version widerlegt worden?
    Ob nun freiwillig oder unfreiwillig: das ist doch völlig egal. Verständliche Tatsache ist, dass man in Israel grundsätzlich keine ehemaligen SS-Mitglieder zu Gast haben möchte. Bei Grass kommt im übrigen noch hinzu, dass er bei früheren Einreisen nach Israel seine SS-Mitgliedschaft verschwiegen hatte und damit israelische Behörden belogen hatte. Und obendrauf kommt nun noch dieses unsägliche, die Wirklichkeit verdrehende infame sogenannte "Gedicht".
    Im übrigen scheint mir, dass es Grass überhaupt nicht um den Weltfrieden geht, sondern in erster Linie darum, sich selber mal wieder ins Gespräch zu bringen, was ihm ja leider auch gelungen ist.
  10. #59

    beängstigende Vorstellung

    Das Gedicht von Grass war genauso überzogen, wie die israelische Reaktion darauf. Allerdings gibt es so etwas, wie künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit. Herr Grass ist ein alter Mann, der das gedicht alleine schrieb. Israel ist ein Staat und das zuständige Ministerium ein gigantischer Apparat. Da sollte man schon meinen, dass die Entscheidung etwas besonnener ausfallen sollte als die Einzelmeinung eines Künstlers.

    Wer Herrn Grass seine Zugehörigkeit zur SS als Siebzehnjähriger vorwirft, der scheint den Standpunkt zu vertreten, dass sich ein Mensch innerhalb von ca sechs Jahrzehnten nicht weiter entwickelt oder seine Meinung nicht ändern darf. Eine sehr beängstigende Vorstellung, wenn man mal überlegt, wie viele Menschen scheinbar so eine Einstellung zum Leben haben.


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