Getty ImagesDer Stasi-Vergleich von Günter Grass empört israelische Politiker, jetzt kontert Innenminister Eli Jischai: Er hätte dem Autor schon viel früher die Einreise verweigern sollen, wettert er. Zugleich bietet er ihm ein Treffen an einem neutralen Ort an.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...827035,00.html
Gespräche sind zwar immer gut. Da zwischen Herrn Eli Jischai und Günter Grass aber nicht nur so ungefähr 3.000 km sondern Welten liegen, sehe ich darin keinen Sinn, genauer gesagt: gar keinen, und zwar auch dann nicht, wenn das Gespräch "in einem neutralen Staat" stattfände.
1. Ja. 2. Nein. 3. Nein. 4. Nein.
Aber man muß doch verstehen, daß GG als ehemaliger Nazi (und das war er, auch wenn er sich später von dieser Ideologie distanziert hat) nicht unbedingt prädestiniert dazu ist, die Moralkeule gegen Israel zu schwingen.
Auch wenn sein neuester Erguß in meinen Augen keineswegs antisemitisch ist und in der Sache auch nicht ganz daneben liegt. Und ich denke ebenfalls, daß die Israelis (wie auch die deutsche Medienlandschaft) hier reichlich übertrieben reagieren.
Nur kann ich eben Grass als Hüter der Moral nicht ernstnehmen.
Solche Leute wie Jischai pervertieren den Zionismus a la Theodor Herzl mit ihrer autorität-repressiven Politik, die alles ausschließt, was ihnen nicht in den Kram passt. Ich habe den Verdacht, dass die israelischen Politik nicht nur darauf aus ist, ein ethnisch homogenes Land zu schaffen, sondern auch eines, welches radikal-politisch gleichgeschaltet ist. In meinen Augen ist das totalitär und widerspricht der Geschichte des Zionismus in Europa.
Ob nun freiwillig oder unfreiwillig: das ist doch völlig egal. Verständliche Tatsache ist, dass man in Israel grundsätzlich keine ehemaligen SS-Mitglieder zu Gast haben möchte. Bei Grass kommt im übrigen noch hinzu, dass er bei früheren Einreisen nach Israel seine SS-Mitgliedschaft verschwiegen hatte und damit israelische Behörden belogen hatte. Und obendrauf kommt nun noch dieses unsägliche, die Wirklichkeit verdrehende infame sogenannte "Gedicht".
Im übrigen scheint mir, dass es Grass überhaupt nicht um den Weltfrieden geht, sondern in erster Linie darum, sich selber mal wieder ins Gespräch zu bringen, was ihm ja leider auch gelungen ist.
Das Gedicht von Grass war genauso überzogen, wie die israelische Reaktion darauf. Allerdings gibt es so etwas, wie künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit. Herr Grass ist ein alter Mann, der das gedicht alleine schrieb. Israel ist ein Staat und das zuständige Ministerium ein gigantischer Apparat. Da sollte man schon meinen, dass die Entscheidung etwas besonnener ausfallen sollte als die Einzelmeinung eines Künstlers.
Wer Herrn Grass seine Zugehörigkeit zur SS als Siebzehnjähriger vorwirft, der scheint den Standpunkt zu vertreten, dass sich ein Mensch innerhalb von ca sechs Jahrzehnten nicht weiter entwickelt oder seine Meinung nicht ändern darf. Eine sehr beängstigende Vorstellung, wenn man mal überlegt, wie viele Menschen scheinbar so eine Einstellung zum Leben haben.