Mit der Umetikettierung der pflanzlichen Natur zu sogenannter "Biomasse" ist im vergangenen Jahrzehnt ein Paradigmenwechsel vollzogen worden, über dessen katastophale Folgen für die naturnahen Flächen in Deutschland der naive Normalbürger völlig im Unklaren gelassen wird. Holzheizen wird als klima- und umweltffreundlich vermarktet und soll obendrein eine kostengünstige Energiequelle sein. Am besten, man baut auch noch mit Holz und gewinnt Strom aus Biomasse. Und fühlt sich als ökologischer Wohltäter.
Holz wird als Energieträger subventioniert: Durch Zuschüsse für "Biomasse"-Heizungen und durch steuerliche Vergünstigungen (keine Energiesteuer!). Der Bedarf nach Holz ist seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts geradezu explodiert. In Bayern hat die Landesregierung dieser Entwicklung zusätzliche Impulse gegeben, indem vor einigen Jahren die Abholzung großer zusammenhängender Waldflächen per Gesetz freigegeben wurde.
Die Folge: Waldflächen werden gnadenlos ausgebeutet. Die Profitgier der meisten Waldbesitzer und Endverbraucher schert sich nicht um ökologische Folgen. In meiner bayerischen Heimatgemeinde sind in den vergangenen 5 Jahren 25% der Waldflächen großflächig abgeholzt worden. Solche zerstörten Waldflächen werden in der Waldstatistik weiterhin als Waldflächen gezählt, egal, ob aufgeforstet wird oder nicht. Niemand fragt nach den Konsequenzen für Fauna und Flora: Erosion durch Sonne, Wind und Wasser; Zerstörung der Waldbodenstruktur; gestörter Grundwasser- und Oberflächenwasserkreislauf durch verminderte Speicherfähigkeit; Verlust von Waldfläche durch neu angelegte Forststraßen und Rückegassen; massive Schwächung / Aushungern des Waldsystems und Ausplündern der Nährstoffbasis durch fast vollständige Entnahme des Restholzes (Stichwort "Hackschnitzel"); Verfeuern von Holz und organischer Masse mit hoher Restfeuchte (ebenfalls Stichwort "Hackschnitzel"), um den Rohstoff schneller zu Geld machen zu können; und und und. Die heute praktizierte Biomassenutzung führt - von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. Pellett-Heizung im Passivhaus) - in ein ökologisches Desaster. Auch wenn es ungewohnt oder fast unglaubwürdig klingen mag: Holzheizen ist aktive Umweltzerstörung!
Was mich allerdings wundert - und hier komme ich auf Ihren Artikel zurück - ist die beschriebene Empörung von Umweltschützern über die Umnutzung von naturnahen Wäldern. Waren es nicht genau diese Umweltschützer, Grüne und Klimaschutz-Aktivisten, die unermüdlich die Biomassenutzung als Wundermittel zur CO2-Reduzierung propagiert haben? Haben die etwa geglaubt, dass das Gros der Waldbauern weniger habgierig ist als die vier Energieriesen im Lande? Oder dass Endverbraucher etwas anderes suchen als möglichst billige Energie? Oder dass gar die Forstverwaltung echte Verantwortung im Sinne des Umweltschutzes übernimmt?
Es liegt wie so oft am Verbraucher selbst, ob er Abnehmer und Konsument für den Biomassemarkt sein will und die geschilderten Fehlentwicklungen mitverursacht oder ob er nach wirkungsvollen Alternativen - hier vor allem Maßnahmen zu konsequenter Energieeinsparung - sucht und diese umsetzt.
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