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Streit um Brustkrebs-Screening: Neun Frauen gerettet, vier gepeinigt

CorbisWas bringt die regelmäßige Mammografie der Brust? Erstmals hat ein Ärzteteam die europäischen Programme zur Früherkennung von Brustkrebs ausführlich bewertet und kommt zu dem Schluss: Das Screening kann Leben retten - aber auch fatale Fehlalarme auslösen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-855855.html
  1. #10

    Werkstättenvergleich

    Zitat von ma_dalton Beitrag anzeigen
    wird massenhaft benötigt, um die ganzen Apparate zu finanzieren.
    Mit der Angst der Menschen lässt sich trefflich Kundschaft generieren. Mittlerweile habe ich das Gefühl, man muss ständig zum Arzt wegen zig Vorsorgeuntersuchungen.

    Ist man nicht krank, wird man eben krank gemacht. Das scheint mir nicht nur bei Brustkrebsscreenings so zu sein, auch das Hautkrebs- und andere Screenings sind vielfach überflüssig bis schädlich; auch bei Prostatakrebs wird vielfach voreilig gehandelt, dito die zahllosen Herzkathetereingriffe usw. usf.
    Ist schwer, noch Vertrauen zu haben, wenn man wirklich mal was hat.
    Bei Ärzten ist es wie mit Werkstätten. Geben Sie ihr Fahrzeug mit dem Satz ab, "da ist irgend etwas nicht in Ordnung", wird es für Sie sehr teuer und es ist ein Freibrief zum Austausch von Allem.

    Bei uns Ärzten verhält es sich ähnlich. Kommen Sie mit konkreten Beschwerden, benennen Sie diese gut und umfassend und Sie werden nur darauf hin schnell und effektiv behandelt werden. Wer dagegen mit einem "laut Apothekenumschau könnte ich etwas haben" zum Arzt geht, wird wie jeder Hypochonder auch etwas bekommen. Wichtig dabei ist, dass teure Medikamente und Behandlungen als Plazebo besonders gut wirken.
  2. #11

    Zitat von Michael-Kreuzberg Beitrag anzeigen
    Wenn man schon mal dabei ist:

    1. Welches Gesundheitsrisiko haben die Frauen 992 Frauen durch die Strahlenbelastung durch die Mammographie. Gibt es dadurch eine Gefahr hierdurch nach vielen Jahren zu erkranken?
    Meines Wissens nach entspricht die Strahlendosis die eingesetzt wird der die man durch einen Urlaubsflug erhält.
    Natürlich nur wenn die Geräte (wie es im deutschem Programm gefordert ist und dies hoffentlich auch wirklich Qualitätsgesichert wird ) auch bestmöglich eingestellt sind.

    Zitat von Michael-Kreuzberg Beitrag anzeigen
    Wenn man schon mal dabei ist:
    3. Wie verläuft das Leben der Frauen die falsch positiv getestet wurden. Wie verläuft das Leben nach den Sinnlosen Behandlungen. Gerade bei den restlichen 4 die das komplette Programm bis hin zur unnötigen Amputation erhalten?
    Bei diesen handelt es sich um Frauen, die einen bösartigen, aber nicht lebensbedrohlichen, Tumor haben. Das Problem ist in der Tat, das Frauen plötzlich Krebskrankdiagnostiziert werden (weil sie beim Screening waren), obwohl sie wenn sie sich nicht untersucht hätten, dies bis zu ihren "natürlichen" Tod nicht bemerkt hätten, da der Tumor nicht gestört hätte (weil abgekapselt, nicht wachsend ...)

    Das eine Frau mit gutartigem Tumor eine Brustamputation erhält ist heutzutage echte Körperverletzung, da durch heutige Biopsie techniken und der Doppelbefundung ein solches Fehlurteil minimal ist.

    Zitat von Michael-Kreuzberg Beitrag anzeigen
    Wenn man schon mal dabei ist:
    4. Die schwierigste Frage: Wie sieht es mit dem finanziellen Erfolg oder eben auch Misserfiolg des Programms aus?
    1000 Frauen werde alle 2 Jahre getestet, davon erhalten 170 einen positiven Befund mit nachfolgenden Nachuntersuchungen bis hin zu Amputation mit wachsenden Kosten. Alles in allem werden 7-9 Frauen korrekt positiv erkannt so dass sie vsl. nicht daran sterben.

    Was also kostet uns dieser Erfolg an Leid (durch die falschen Befunde) und an Euro durch falsche - sinnlose Behandlungen aufgrund von Fehldiagnosen durch die Bestrahlungen und durch das Screening insgesamt.


    Dann kommt die Frage: "Wie viele Leben können wir mit diesem Geld retten wenn wir es anders einsetzen würden?"

    ich denke eine offene Diskussion hierüber ist überfällig. Das betrifft natürlich nicht nur dieses Thema. wahrscheinlich ist es ähnlich bei dem Thema Prostatakrebs, was ich aber zur Zeit nicht beurteilen kann.
    Wie gesagt in Deutschland sind es nur 50 die ein Abklärungsdiagnostik bekommen, so will es die Leitlinie.
    Und die Abläufe sind (in Deutschland) stark reglementiert, so dass Fehluntersuchungen selten passieren sollten und solche Dinge wie fehlerhafte Bestrahlung/Chemo etc haben nichts mit dem Screening zu tun, da muss man woanders ansetzten.

    Aber in der Tat könnte man sich das Geld effizienter eingesetzt denken, wenn es um Lebensrettung geht.
  3. #12

    Sie haben vollkommen recht, aber ohne zynisch wirken zu wollen:
    Eine Mammo ist in 5min von einer MTRA erstellt und die Doppelbefundung dauert jeweils max 1,5 min. Sprich in 95% der Fälle ist der Aufwand des med. Personals < 8 min
    Diesen Durchsatz kann man nicht mit Sono oder MRT erreichen.

    Viel sinniger ist da die Frauen besser zu schulen, dass sie wissen wie eine vernünftige Tastuntersuchung Ihrer Brust gemacht wird und die Frauen auch dahin zu bringen dies bei jedem Duschgang auch durchzuführen.
    Alle Brustkrebsfälle, die in meinem privatem Umfeld auftraten sind auf dieser weise gefunden worden, eben durch Selbstuntersuchung.
  4. #13

    Zitat von miss_moffett Beitrag anzeigen

    Eins stört mich in obigem Artikel:
    1000 Frauen über 50, die noch 30 Jahre leben wollen?
    Das klingt ein bisschen zynisch.
    Es erkranken erschreckend oft Frauen unter 50 an Brustkrebs.
    Das stimmt. Aber wie schon oben erwähnt wurde, ist die Mammographie bei Frauen unter 50 kein zuverlässiges Verfahren, da dann oft das Gewebe zu dicht ist, und Kalk nicht gefunden werden kann. Deshalb wird in diesem Alter lieber der Ultraschall verwendet. Dieses Verfahren ist aber nicht "screening-fähig", da keine archivierbare Dokumentation möglich ist, dass wirklich standardisiert die komplette Brust "geschallt" wurde. Aber einen Ultraschall zu bekommen, sollte beim Gyn kein Problem sein.
  5. #14

    Was für ein Quatsch

    Zitat von ma_dalton Beitrag anzeigen
    wird massenhaft benötigt, um die ganzen Apparate zu finanzieren.
    Mit der Angst der Menschen lässt sich trefflich Kundschaft generieren. Mittlerweile habe ich das Gefühl, man muss ständig zum Arzt wegen zig Vorsorgeuntersuchungen.

    Ist man nicht krank, wird man eben krank gemacht. Das scheint mir nicht nur bei Brustkrebsscreenings so zu sein, auch das Hautkrebs- und andere Screenings sind vielfach überflüssig bis schädlich; auch bei Prostatakrebs wird vielfach voreilig gehandelt, dito die zahllosen Herzkathetereingriffe usw. usf.
    Ist schwer, noch Vertrauen zu haben, wenn man wirklich mal was hat.
    Menschenmaterial wird für alles benötigt. Damit die Bäcker ihre Semmeln verkaufen, damit die U-Bahnen und die Kinos gefüllt werden, und damit die Lehrer in den Schulen Publikum zum unterrichten haben. Wenn es soviele Patienten für das Screening gibt, dann werden dafür auch so viele Mammographie-Geräte angeschafft. Und: Ja, die kosten Geld! Oder wollen Sie, dass bei Ihnen die U-Bahn abgeschafft wird, nur damit der Waggonhersteller Siemens kein Geld mehr verdient?

    Zum zweiten: ist es Ihnen schon aufgefallen, dass die Leute heute sehr viel länger gesund leben als noch vor ein paar Jahrzehnten? Als ich Kind war, waren die meisten Leute mit 65 ein Wrack und 80 galt als biblisches Alter. Brust- und Prostatakrebs waren Todesurteile, obwohl regelmäßig der halbe Ober- bzw. Unterkörper samt Lymphapparat amputiert wurde, und wenn nicht mehr Leute daran starben, dann nur weil sie vorher ihren ersten Herzinfarkt nicht überlebten. Herzkatheter gab es nämlich ebenfalls nicht.

    Heute leben Sie statistisch zehn Jahre länger und können sich auch zehn Jahre länger über einen voll einsatzfähigen Körper freuen. Wenn es Ihnen nicht passt, dass dafür Geräte angeschafft werden müssen, dann verzichten Sie doch einfach auf diese Möglichkeiten. Ihre Erben und die Rentenversicherung werden es Ihnen danken.
  6. #15

    Nicht "4", sondern "170"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was bringt die regelmäßige Mammografie der Brust? Erstmals hat ein Ärzteteam die europäischen Programme zur Früherkennung von Brustkrebs ausführlich bewertet und kommt zu dem Schluss: Das Screening kann Leben retten - aber auch fatale Fehlalarme auslösen.

    Brustkrebs-Screening: Ärzte wägen Nutzen und Risiken ab - SPIEGEL ONLINE
    Bei 170 wird zunächst ein falsch positiver Befund erstellt, bei 4 Frauen dann das "volle Programm". Die Überschrift ist also falsch.
    Was passiert mit den Frauen, bei denen der Erstbefund "positiv" ist?
  7. #16

    Überdiagnose ist nicht falsche Diagnose!

    Leider hat die Autorin den zugegeben schwierigen Sachverhalt nicht richtig wiedergegeben und nicht deutlich zwischen falsch positiven Mammographiediagnosen, falschen Diagnosen und Überdiagnose unterschieden:
    1. falsch positive Mammographiediagnosen kommen dadurch zustande, dass nicht alle verdächtigen Strukturen im Mammogramm eindeutig sind. Deshalb müssen bei Verdachtsmomenten weitere Untersuchungen erfolgen, wie z.B. spezielle Mammographieaufnahmen, Ultraschall oder auch eine Gewebeentnahme, um zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen. Bei 170 von 1000 Frauen wird während der 20 jährigen Teilnahme einmal ein verdächtiger Befund festgestellt, der durch eine gutartige Veränderung hervorgerufen wird. Bei 30 Frauen musste eine Gewebeentnahme durchgeführt werden, die ein gutartiges Ergebnis zeigte. Diese Gewebeentnahmen werden heute fast immer mit einer speziellen Nadel ohne Operation in örtlicher Betäubung durchgeführt.
    2. falsche Diagnosen können nur gestellt werden, wenn der Pathologe das Gewebe falsch interpretiert. Dies kann bei jeder Gewebeuntersuchung vorkommen, ist jedoch äußerst selten. Im Mammographiescreening wird diese Gefahr durch besondere Qualitätssicherungsmaßnahmen minimiert.
    3. Überdiagnose kommt bei jedem Früherkennungsprogramm vor. Überdiagnose nennt man bei der Brustkrebsfrüherkennung die Tatsache, dass in einer Gruppe von Frauen, die regelmäßig mammographiert werden, mehr Karzinome entdeckt werden (bei 4 von 1000 Frauen), als in einer gleichartigen Gruppe von Frauen, die nicht mammographiert wird. Dies kommt dadurch, dass insbesondere bei langsam wachsenden Tumoren einige Frauen an anderen Ursachen sterben können, ehe der Tumor durch Symptome entdeckt oder gar lebensbedrohlich wird. Diese Frauen erhalten wegen ihres ohne Mammographie nie entdeckten bösartigen Tumors und nicht „obwohl in ihrer Brust kein bösartiger Tumor schlummert“, wie die Redakteurin in ihrem Artikel schreibt, die vollständige Behandlung, ggfs. einschließlich Chemo- und Strahlentherapie, ebenso wie alle anderen Frauen, bei denen ein Brustkrebs nachgewiesen worden ist.
    Jede Frau muss eigenverantwortlich entscheiden, ob Vorteile und Nachteile für sie in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Dazu kann diese Studie beitragen, die bestätigt, dass 9 von 1000 Frauen (also eine von 111 Teilnehmerinnen) durch die Teilnahme am Mammographiescreening nicht am Mammakarzinom sterben müssen. Damit die Frauen die Entscheidung treffen können, ist es notwendig, dass wissenschaftliche Erkenntnisse richtig und verständlich kommuniziert werden.
  8. #17

    Wieso gehst Du da nicht hin???

    Vor 2 Jahren erhielt ich die erste Einladung zum Screening. Durch einen ARtikel im Informationsblatt der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr war ich davor bereits auf die Norwegische Studie von Dr. Per-Henrik Zahl aufmerksam gemacht worden, die mich zu weiteren Recherchen veranlasste. (Infos u.a. unter http://www.sueddeutsche.de/wissen/mammographie-brustkrebs-der-verschwindet-1.376050).
    Nachdem ich zuvor schon alle 2 Jahre "auf Rezept" meiner alten Gynäkologin ("Ihre Brust ist zu dicht zum Durchtasten") die unangenehme Prozedur über mich ergehen lassen hatte, bin ich nun erleichtert, mit guten Argumenten nicht mehr zum Screening zu gehen.
    Ersatzweise gehe ich auf Anraten meiner neuen Gynäkologin alle 2 Jahre zum Ultraschall, der zumindest nicht die Strahlenbelastung und Quetschung des Brustgewebes mit sich bringt.
    (Ich muss allerdings hinzufügen, dass ich in meiner nahen Verwandschaft keine Brustkrebsfälle kenne.)








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