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Streit über Zwanziger-Kommentar: Wie Blogger den DFB bloßstellten

Der Deutsche Fußball-Bund kämpft mit Bloggern: Weil DFB-Präsident Zwanziger sich von einem Sportjournalisten verunglimpft fühlte, bemühte sein Verband die Gerichte - und brachte Netz-Szene und Journalistenverbände gegen sich auf. Ein Lehrstück über neue Öffentlichkeiten.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...591875,00.html
  1. #20

    Eine Meinung

    Das "milliardenschwere" Wirtschaftsunternehmen macht meines Wissens keine 100 Mio Umsatz im Jahr. Gewinne darf der DFB nach deutschem Recht nicht sparen - anders als in der Schweiz. Der DFB ist ein wohlhabender Verband, aber fließt doch auch viel Geld in die Jugendförderung, Qualifizierung der ehrenamtlichen Trainer, Schiris, usw. in der ganzen Republik, in die Förderung des Frauenfußballs, in die 1.000 Mini-Spielfelder und andere soziale und gesellschaftliche Engagements. Einiges davon hat Zwanziger mitinitiiert. Ihn als Demagogen zu bezeichnen ist nun wirklich übertrieben und beleidigend - auch wenn sich die Bezeichnung nicht auf sein soziales Engagement, sondern auf seine Kritik am Bosman-Urteil (?) bezog. Und mal ehrlich, wer würde sich widerspruchslos als Demagogen bezeichnen lassen?
  2. #21

    Blogger?

    Nun, dies ist wahrlich kein Fall von "Unabhängige Blogger gegen Verband".
    Alle Beteiligten sind Journalisten. Der Blogger ist Sportjournalist und der Protagonist, Niggemeier ist Journalist und hat das Thema in seinem Blog aufgebracht, weitere Journalisten haben das Thema aufgegriffen.

    Das öffentliche Ausnutzen von Macht und Kontakten seitens des DFB ist unsäglich unprofessionell, keine Frage. Wo hier aber die Blogger sind?
  3. #22

    Gürtelliene?

    Zitat von SpaRo Beitrag anzeigen
    Die Tatsache, das Herr Zwanziger in einem Blogg angegriffen wurde zeigt nichts anderes, als dass es keine andere Plattform gab, die man dafür hätte nutzen können. ..., dass er einen Blogg dafür nutzte zeigt seine Absichten. Seine Meinung als Privatperson über einen Menschen in einem Blogg abzugeben geht ja in Ordnung, dazu muss man nicht fair sein, als Journalist so etwas zu tun lässt die gemachten Äusserungen in einem anderen Licht erscheinen.
    Wo ist den bitte der Unterschied ob die Aussage in einen Printmedium, einem Online-Magazin, im TV oder eben in einem Blog gemacht werden?
  4. #23

    Der Fressnapf des DFB

    Zitat von Lion Edler Beitrag anzeigen
    Ich sehe in der Tat bis jetzt keinen Grund, Zwanziger als "Demagogen" zu bezeichnen. Wenn der DFB dies kritisiert, wo ist das Problem?
    Die Begründung warum T.Z. so bezeichnet wurde steht im Spiegel Beitrag. Es ging um das Gemecker von T.Z. über das Bossman-Urteil und die Situation mit dem Kartellamt.
    T.Z. als Demagoge zu bezeichnen ist hart, aber von der Meinungsfreiheit gedeckt. Damit muss er leben.

    Def:
    "Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt"


    Die andere Geschichte ist, das was T.Z. und der DFB gegen Herrn Weinreich abgezogen haben. Das alles zusammenzufassen schaft leider der Spiegelartikel nicht. Daher empfehle ich allen Überschriftenlesen erstmal im Blog von Herrn Weinreich nachzulesen. Den nicht die Blogger haben aus einer Mücke einen Elefanten gemacht, sondern der DFB und T.Z. als sie nach zwei Niederlagen vor Gericht eine mit Unwahrheiten gespickte PM veröffentlich haben.

    Aber wie man hier im Forum schön sehen kann, wird sich ja nichtmal die Mühe gemacht nachzuschlagen, bevor man postet und dem DFB wird aus der Hand gefressen. Armes Deutschland.
  5. #24

    Journalisten und Meinungsfreiheit

    Zitat von ricky2000 Beitrag anzeigen
    Nun, dies ist wahrlich kein Fall von "Unabhängige Blogger gegen Verband".
    Alle Beteiligten sind Journalisten.
    Wo ist jetzt a) rechtlich oder b) praktisch der Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten? Meinst du letztere haben irgendwie eine höhere Verantwortung? "Journalist" darf sich jeder nennen, der Titel ist nicht geschützt.

    Also geht es hier schlicht um Meinungsfreiheit - und einen Sportverband, der sich darin gefällt, die bierselige Hooligan-Mentalität vieler Fussball-Stammtische auf die reale Welt zu übertragen - nach dem Motto: "Wirste frech, gibbet auf die Lippe." Und jetzt wundert sich der Stammtisch, dass viele andere wiederum dazu ihre Meinung äußern.
  6. #25

    Unfassbar

    So viel Blödsinn wie in den Kommentaren zu diesem Artikel habe ich selten gelesen.
    Meinungs- und Pressefreiheit ist ein wesentliches Element der Demokratie. Deswegen ist schon der Gedanke, dass man das Wort "Demagoge" verbieten möchte, eine absurde Idee. Wer glaubt, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland maximal wäre, der sollte mal in Richtung USA schauen. Dort kann man viele Dinge behaupten, die hier strafbewährt sind (Holocaust-Leugnung, etc.).

    Es ist ein Skandal, dass es so lange gedauert hat, bis die Presse sich des Falls Weinreich/Zwanziger angenommen hat. Wenn ich es recht überschaue, war der erste Bericht dazu im Fernsehmagazin "Zapp". Erst danach konnte man auch in den Printmedien ein Interesse daran erkennen.

    Der Kern der Sache kommt in dem Spiegel-Artikel nicht zum Vorschein. Weinreich ist freier Journalist und gehört im Sport-Ressort zu einer kleinen Gruppen von kritischen Berichterstattern. Wer sich auf seiner Homepage umschaut oder seine Artikel liest, wird schnell verstehen, warum der DFB ein großes Interesse daran hat, eine solche Person loszuwerden. Die Methoden, die der DFB dazu eingesetzt hat, waren hinterhältig und widerlich. Es wurde versucht, einem massiven Kritiker der Sportverbände die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, indem man ihn diskreditiert. Wie das ganze gelaufen ist, kann man in Weinreichs Blog im Detail nachlesen. Denn dort ist der Vorgang transparent dokumentiert.

    Der Großteil der Sportjournalisten ist eine Schande für diesen Berufsstand. Wenn man sich Gazetten wie die Sportbild oder den Kicker anschaut, wird man feststellen, dass dort keine kritische Auseinandersetzung stattfindet. Von investigativem Journalismus ganz zu schweigen.

    In einigen Blogs findet diese kritische Auseinandersetzung statt. Wer immer noch glaubt, dass Blogs unbedeutend sind, sollte sich die amerikanische Wahl noch einmal genau anschauen. In Deutschland haben die Blogs noch nicht diese Bedeutung erreicht. Aber wenigstens im Sport sind sie die einzige journalistische Hoffnung.

    Zum Schluss noch eine Anmerkung zum eigentlichen Anlass der Äußerung "unglaublicher Demagoge". Selber denken ist bei vielen Sportjournalisten verpönt. Deswegen verbreiten sie gerne die Theorien, die DFB und DFL vorgeben. Dies gilt für die Kartellamtsentscheidung ebenso wie für das Bosmanurteil. Aktuell ist auch sehr schön zu beobachten, dass diese Dünnbrettbohrer-Methode auch bei der Diskussion um die Einführung der "50+1" stattfindet. Ein Blick über den Teich würde zeigen, dass Investoren Sportclubs nicht zerstören. Jeder Proficlub gehört dort einem Investor. Die LA Lakers ebenso wie die New York Yankees. Ist der Sport deshalb schlechter? Aber auch im englischen Fußball kann man beobachten, dass Investoren positiven Einfluss haben können. Wer kannte denn vor 10 Jahren Chelsea?
    Selbstverständlich kann man der Meinung sein, dass man ohne Investoren auskommen kann im Fußball. Aber man sollte nicht so tun, als ob der Untergang des Fußball-Abendlandes drohen würde. Vielmehr sollten die Motive der Beteiligten aufgedeckt werden. Oder wer glaubt noch an das Gute im Fußball-Funktionär?
  7. #26

    Gut so!

    Die Eskalation des Streites um den Blog von Jens Weinreich mit dem DFB war das Beste was passieren konnte. Endlich beginnt die Öffentlichkeit einmal über das System Zwanziger und die Machenschaften des DFB zu diskutieren. Endlich fällt einmal ein Licht auf die Welt dieser Junta für die der Fußball nur noch ein Geschäft ohne Seele ist bei dem es darum geht möglicht dick Kasse zu machen und ja nicht Gefahr zu laufen, dass man mit Kosten belastet wird, die kann ja schließlich die Allgemeinheit tragen. Der Beschreibung von Jens Weinrauch ist jedenfalls vollumfänglich zuzustimmen.

    Man könnte sich Stunden darüber ereifern was der DFB für ein mieser Saftladen ist, angefangen bei Wolfgang Niersbach der auf wundersame Weise bis heute noch nicht an seiner eigenen Eitelkeit und seiner grenzenlosen Selbstgefälligkeit erstickt ist bis zum lieben Onkel Zwanziger dessen Filius auf ebenfalls wundersame Weise eine führende Position bei Hoffenheim einnimmt.

    Es müßte vielmehr Weinrauchs geben, dass viel mehr über diese Leute die den Fußball zu ihrem eigenen Vorteil zerstören und zu einer Muppetshow verkommen lassen diskutiert wird und sich vielleicht eines fernen Tages mal etwas ändert. Die Hoffnung stirbt jedenfalls zuletzt.
  8. #27

    Meinungsfreiheit ist nicht gleich Geschichtsfälschung

    Zitat von tiefenblick Beitrag anzeigen
    S...Dort kann man viele Dinge behaupten, die hier strafbewährt sind (Holocaust-Leugnung, etc.).
    Was auch nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun hat. Die Meinungsfreiheit hat schon gewisse Schranken, die man einhalten soll. So sind sicherlich Beleidigungen, Ehrabschneidungen oder auch die von Ihnen genannten "Geschichtsverbiegungen" nicht ohne Grund strafbewährt.

    Eine Meinungsäußerung soll eben nicht einfach eine unbegründete/unbewiesene Behauptung sein, sondern auch nachvollziehbar. Natürlich fühlt sich der eine oder andere schon früher Beleidigt, was aber dann Gerichte klären können.

    In wieweit es zutrifft, daß der DFB Kosten gerne auf die Gemeinheit abwälzt aber Gewinne durch Senderechte für sich einstreicht, mag ich nicht zu beurteilen. (Ich meine dies war einer der Vorwürfe). Sicherlich gibt es hierfür auch Möglichkeiten sich zu informieren. Allerdings sollte es gerade einer solch großen Organisation möglich sein mit Argumenten gegen solche Vorwürfe vorzugehen und nicht nur mit Anwälten kommen. Denn letzteres ist die schlechtere Alternative bei der öffentlichen Wahrnehmung.
  9. #28

    Worum geht es beim DFB in Wirklichkeit?

    Meine persönliche Erfahrung bei der ehrenamtlichen Mitar-beit im Fußball ist die, dass es nicht nur beim DFB, son-
    dern auch bei den großen Verbänden in anderen Sportarten noch große Demokratiedefizite gibt. In meinem Fußball-Lan-
    desverband konnte man vor einiger Zeit noch wegen "nicht genehmigter Inanspruchnahme der Presse" bestraft werden. Auf der anderen Seite verbiegen die Funktiomnäre das Recht
    bei den innersportlichen Gerichten derart, dass - anders als beim öffentlichen Gericht - keine Vorstrafen mehr ange-rechnet werden dürfen, außer in der laufenden Saison.

    Herrn Zwanziger und seiner DFB-Führungsriege mit der För-
    derung des Breitensports in einem Atemzug zu nennen, wirkt schon fast komisch. Diesen Leuten geht es in erster Linie
    schließlich um Geld und Macht, um die Förderung des Profi-fußballs einschließlich der überteuerten Vermarktung in den
    Medien. Für den Breitensport, das war vor Jahren schon hin-
    ter vorgehaltener Hand zu hören, soll doch die öffentliche Hand mit Hilfe der Einnahmen aus dem Lotto sorgen.
  10. #29

    Freiheit?

    Zitat von Myxim Beitrag anzeigen
    Was auch nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun hat. Die Meinungsfreiheit hat schon gewisse Schranken, die man einhalten soll. So sind sicherlich Beleidigungen, Ehrabschneidungen oder auch die von Ihnen genannten "Geschichtsverbiegungen" nicht ohne Grund strafbewährt.
    Was wissenschaftliche Fakten sind, können nicht Staaten festlegen. Schon gar nicht unter Androhung langjähriger Haftstrafen. Das nur nebenbei.


    Allgemein gesprochen: Dass das Harmlose, Unanstößige, Mainstreamige nicht verboten ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Es sind die Schranken, die Freiheit definieren.

    Und Weinreich hat bei weitem nicht die gesetzlichen Grenzen überschritten, was nicht nur jeder rationale User, sondern auch gleich zwei Gerichte feststellen mussten. Das brachte den DFB allerdings nicht zur Vernunft, sondern motivierte ihn dazu, seine Mittel dazu zu missbrauchen, Kritiker mundtot zu machen. Ein direkter Test der Qualität des Schutzes von Meinungsfreiheit.


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