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Streit über Kritik an Israel: Historiker geißelt Grass-Gedicht als Hassgesang

DPAGünter Grass bemüht sich, seine Kritik an Israel zu relativieren. Doch das Echo bleibt verheerend. Historiker werfen ihm vor, "ein erbärmliches Gedicht" verfasst zu haben. Schriftstellerkollege Rolf Hochhuth sagt, er schäme sich als Deutscher für Grass.

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  1. #240

    Sie müssen sorgfältiger lesen

    Zitat von Apologet Beitrag anzeigen
    Immer wieder sind die Juden selbst schuld am Antisemitismus.

    Ist doch immer das gleiche.
    Habe ich etwas von Juden geschrieben? Sie müssen sorgfältiger lesen. Meine Aussage war, dass Grass zu recht das Hardliner-Regime in Israel geiselt, und da dieses für Sie Antisemitismus ist, was eine Unverschämtheit ist, machen Sie sich wohl kaum Freunde.
  2. #241

    Also ich weiß nicht

    Mag sein, ich bin zu ungebildet und zu naiv.
    Aber für mich bedeutet Antisemitismus, jemanden herabzuwürdigen, ihm niedere Beweggründe, Unredlichkeit, Niedertracht, Verbrechertum, was auch immer zu unterstellen, WEIL er Jude ist.

    Das gipfelte bei den Nazis in dem unvorstellbarem und doch geschehenem, unfassbaren Genozid. Ich schäme mich für dieses in deutschem Namen geschehene Verbrechen.

    Ich kann die Ressintements Deutschen gegenüber daher nachvollziehen, kann auch den Anspruch Israels nachvollziehen, so etwas nie an wieder jüdischen Menschen geschehen lassen zu wollen.
    Es kotzt (Entschuldigung) mich an, wenn Ahmadinedschad die Ausrottung Israels in die Welt trompetet, den Holocaust leugnet und das, was er im Namen Allahs sonst so treibt. Er ist gefährlich.

    Aber dieses Erstschlagsgefasel, die dauernden Provokationen, von denen speziell Netanjahu kaum je eine ausgelassen hat (Siedlungen, Mauerbau, Erstschlag etc.) muss man kritisieren dürfen, Nicht WEIL er Jude ist, aber auch TROTZDEM er Jude ist.

    Das hat Grass' getan. Er hat nicht 'die Juden' für das Böse in der Welt angeprangert. Aber er warnt vor Gefahr für den Weltfrieden, den israelische Politik (die machen letztlich einzelne) anrichten könnte. Er kann damit auch falsch liegen. Aber auch dann ist es m.E. noch kein Antisemitismus. Es kann doch noch nicht sein, dass man Bedenken, Kritik nicht äußern, nicht diskutieren darf.
    Fragwürdiges Verhalten wird doch nicht dadurch unfragwürdig oder unkritisierbar, weil der/die kritisierten einer bestimmten Gruppe angehören.

    Erstschlagsgefasel ist wieder sehr en vogue, militärische Falken scheinen geradezu zu strahlen, dass das so ist. Aber es ist hochgefährlich und für mich nicht akzeptabel. Und in dieser Region und der bestehenden Konstellation schon garnicht.
    Das hätte die Brisanz, dann wirklich ein Riesenbrand zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da nicht auch viele Israelis Sorge haben.

    Ich wehre mich vehement dagegen, Gruppen wie 'die Juden, die Moslems, die Schwarzen' oder wen auch immer zu verunglimpfen.
    Aber wenn Dinge nicht in Ordnung sind, muss man sie ansprechen können, gleich ob der Kritisierte Christ, Hindu, Moslem, Jude, Schwarzer, Weißer, Mann oder Frau ist, ohne dadurch als Hasser der ganzen Gruppe gebrandmarkt zu werden.

    Dieser Logik kann ich einfach nicht folgen.
  3. #242

    Trennung von Schreiberlingen und Volk

    Wenn die Grass-Kritiker die intellektuelle Blüte des deutschen Volkes ist, kann ich nun einiges besser verstehen.

    Insbesondere, warum so viele nicht lesen.
  4. #243

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Günter Grass bemüht sich, seine Kritik an Israel zu relativieren. Doch das Echo bleibt verheerend. Historiker werfen ihm vor, "ein erbärmliches Gedicht" verfasst zu haben. Schriftstellerkollege Ralf Hochhuth sagt, er schäme sich als Deutscher für Grass.

    Streit über Kritik an Israel: Historiker geißelt Grass-Gedicht als Hassgesang - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Der Antisemitismusvorwurf an Grass ist völlig berechtigt. Ich sehe substantiell keinen Unterschied zwischen "Die Juden sind unser Unglück" und "Die Atommacht Israel gefährdet den Weltfrieden". Ersteres darf man nicht mehr sagen, da es nach Auschwitz riecht. Also wählt man den Umweg über Israel, um den Juden vorzuwerfen, sie würden den nächsten Weltkrieg anzetteln wollen. Dabei reicht es, iranischen Militärparaden zuzuschauen. Auf den dort präsentierten Mittel- und Langstreckenraketen steht der Name "Tel Aviv".
  5. #244

    Das Problem an den oft so überhitzten und atmosphärisch vergifteten Debatten über Israel ist ja, dass sich immer zwei Diskurse überlagern und einander in die Quere kommen.
    Da wäre zum einen die lange Geschichte der Judenverfolgung mit ihrem (hoffentlich nicht nur) bisherigen Kumulationspunkt, der Shoa, und die sich daran anschließende Erzählung von "Eretz Israel" als gelobtem Land und letztem Zufluchtsort der Juden.
    Zum anderen gibt es die kaum weniger lange Geschichte der Dominanz des westlichen, jüdisch-christlichen Abendlandes und seiner Vormachtstellung in der kolonialen und postkolonialen Weltordnung, in der Israel vor allem einen Verbündeten bzw. einen Brückenkopf des "freien Westens" und der Supermacht USA im ökonomisch und geopolitisch bedeutenden "Nahen Osten" darstellt.
    [aŠÇ das nTÇ]
  6. #245

    Zitat von LeToubib Beitrag anzeigen
    Herr Grass kann schwatzen, was er will, aber zur Waffen-SS wurde man nicht eingezogen, zu der meldete man sich freiwillig!

    Und wenn man Herrn Grass schon Meinungsfreiheit über alles einräumen will, hat Herr Hochhut dieses Grundrecht wohl auch, oder etwa nicht? Er darf sich über Herrn Grass schämen, so lange es ihm Spass macht ...
    Lesen bildet!
    Hier: Waffen-SS gleich der erste Absatz. Ab 1943 wurde auch zwangsrekrutiert.
  7. #246

    Zitat von Fackus Beitrag anzeigen
    Ein genialer Schachzug von Grass.
    Die Reaktionen darauf trennen in seltener Klarheit und für jeden sichtbar die intellektuelle Spreu vom Weizen.
    Grass' Text - eine Art Gesinnungs-Lackmuspapier. In Zukunft weiss man sehr genau, woran man bei Äusserungen gewisser Leute ist.
    Möglicherweise hat er uns allen einen viel grösseren Dienst erwiesen, als er selbst beabsichtigt hatte.
    Die Diskussion um Tabus und Pseudo-Tabus, Denkvorgaben und die Diskrepanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung ist losgetreten und wird -angestachelt durch eine unglaubliche Hysterie- so schnell nicht verstummen.
    Schon der Eva Herman-"Skandal" hat mich Bauklötze ("AUTOBAHN" GEHT GAR NICHT" O-Ton Kerner) staunen lassen.
    Die schein-moralische Explosion wird Folgen haben, und den Urhebern wird noch einiges um die Ohren fliegen.
    Die Berufsbetroffenen sollten sich nach neuen Jobs umsehen...
  8. #247

    Historiker

    dürfen natürlich auch eine Meinung haben. Aber der schöne Satz der intensionalen Logik, dass daraus, dass <b>jemand glaubt</b>, dass eine Aussage wahr ist, nicht folgt, dass die Aussage auch <b>tatsächlich</b> wahr ist (~(g(s,p) -> p)), bleibt unangetastet: auch Historiker können meilenweit daneben liegen.
  9. #248

    In Israel

    Zitat von Christian Wernecke Beitrag anzeigen
    ... Dabei wird die Meinungsfreiheit aufs Ärgste strapaziert und zugleich eingeschränkt...
    gibt es allerseits beliebte Radiostationen, die seit Jahren korrupte und kriminelle Politiker ungestraft anprangern dürfen - mit dem Resultat, dass sich im Gegensatz zu Deutschland die Zahl der noch in Freiheit befindlichen Politiker fast täglich verringert: Das nenne ich Meinungsfreiheit (!).

    Insofern haben Sie mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit Recht.
  10. #249

    am Laufen halten?

    Zitat von aramis45 Beitrag anzeigen
    Nein Einspruch, (...)
    Diesmal aber ganz offensichtlich für seine SS Gesinnungsäußerung
    gegen Israel, da hört aber mein Verständnis für solch ein
    Hetzgedicht, genau im Sinne des linksgrünen Mainstreams und den
    sofort aufsitzenden Nazis auf!

    (...) sonst ist man unglaubwürdig und für mich ist somit Grass ein
    politischer feindlicher Demagoge übelster Sorte!

    Ich sehe es ein wenig anders.

    Diejenigen die gegen den Antisemitismus kämpfen,
    welches ich ohne Wenn und Aber als berechtigt empfinde,
    die liefern den Antisemiten die Munition frei Haus.

    Die Grass-Debatte ist nur ein Beispiel unter vielen.

    Eine vorgegebene Sprech-Ordnung meint einen
    freien Dirkurs darüber unterdrücken zu dürfen,
    indem sie Grass' Worte hermeneutisch-frei als Tabu-Bruch erklärt und Grass als Antisemiten
    apostrophiert.

    Ich frage mich, ist das taktisch klug bedacht
    oder will man absichtlich, aus welchen Gründen immer,
    die Antisemtismus-Debatte am Laufen halten?

    Klug ist es nicht,
    denn so entsteht Druck im Kessel.
    Die Beiträge in diesem Forum und anderswo
    spricht dafür.
    Damit erreicht man aber das Gegenteil dessen,
    was man bezweckt.








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