Forum: Blogs
Streit über Israel-Gedicht: "Grass wird wie ein Aussätziger behandelt"
dapdIsrael als Aggressor und Iran als Opfer? Günter Grass baut seine Argumentation falsch auf, sagt Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn im Interview. Aber das Gedicht stoße eine wichtige Diskussion an: über den deutschen Umgang mit Entscheidungen der israelischen Regierung.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...826744,00.html
- #1 12.04.2012 07:57 von
Herr Grass hat völlig recht.
Kaum wagt es mal jemand, der auch öffentlich wahrgenommen wird, zu sagen, dass das Problem Israel heisst, wird wie immer kräftig auf die Antisemitismus-Tube gedrückt. Wie immer kommt das Standard-Argument auf den Tisch, und als Deutscher hat man sich dann eigeschüchtert und betroffen zu fühlen...
Da beginnt man sich doch automatisch mit den Palästinenser und dem Iran zu solidarisieren, fragwürdige Regimeziele hin oder her.
Warum sind die Israelis eigentlich die einzigen, die sich über jegliche Konventionen hinwegsetzen dürfen? Warum darf der israelische Staat sich als Atommacht über jegliche Kontrollen hinwegsetzen und unterliegt keinerlei Sperrverträgen? - #2 12.04.2012 08:02 von
Es gibt nicht die "deutsche Moral", die in der Welt gehört werden muß.
Wir hören ja auch nicht auf Israel in der Form, wie die sich das vielleicht vorstellen/wünschen würden.
Und wenn Grass falsch liegt und sich in subtiler Form die Begriffe der Opfer des Nazitums aneignet, dann gehört er kritisiert und fertig!
Außerdem gilt doch wohl noch: "So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus." - #3 12.04.2012 08:43 von
v4
Ich habe eine Verständnisfrage. Warum kündigt der Iran nicht den Atomwaffensperrvertrag? Was würde dann passieren?
- #4 12.04.2012 08:48 vonDas ist doch die interessanteste Aussage in diesem interview - gut erkannt, Herr Asselborn. Nur, SOLLTE DAS SO SEIN?Zitat von Asselborn:
Und nun nochmal - "die Deutschen" sollten dieses und jenes? Eh?
Sollten nicht vielmehr die Regierungen dieser Welt, auch die israelische und die deutsche, vor allem aber alle sich demokratisch nennenden, mal damit beginnen nach dem wirklich Volks- / Staatswillen zu forschen und hiernach ihre Interessen auszurichten, anstatt die Welt mit Kriegen und Konflikten zu überziehen? Recht so! - #5 12.04.2012 08:52 von
- #6 12.04.2012 09:07 von
Also
wenn ich dieses Interview lese merke ich wieder, mit welcher Qualität man Außenpolitik betreiben könnte. Was Jean Asselborn da vorträgt ist eine saubere und nüchterne Analyse. So geht Außenpolitik.
Wenn ich mir dagegen unseren Guido so anhöre - eine einzige Katastrophe! Der schlechteste Außenminister den Deutschland je hatte. Außer politisch korrektem Betroffenheitsgesülze kommt da ja nichts. Die FDP braucht sich nicht zu wundern, dass sie in den Umfragen so mies dasteht. - #7 12.04.2012 09:17 von
ja...
„Asselborn: Die teilweise hysterische Reaktion auf Günter Grass in Deutschland ist für Nicht-Deutsche schwer verständlich.”
Die grösstenteils hysterische Reaktion trotz ihrer ganzen Vorhersehbarkeit macht mich, der lange im Ausland wohnte und auch ein paar nicht rechtsradikale israelische Freunde hat, gelinde gesagt sprachlos. Es war grotesk zu sehen, wie neben den üblichen Verdächtigen die Jungschreiberlingsrige - seis aus vorauseilendem Gehorsam oder vielleicht Profilierungssucht - einen wilden Ringelpiez aufführte. Man kann nur den Kopf schütteln. Wenigstens gabs in einigen öffentlich-rechtlichenRadiosendern eine etwas differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema und auch Herr Augstein ist diesem peinlichen Gezetere mit gut gewählten Worten entgegengetreten. - #8 12.04.2012 09:30 vonWenn der Interviewte es nicht selbst sagt, dann wird es ihm halt in den Mund gelegt - unabhängig ob es stimmt oder nicht. In diesem Fall stimmt es übrigens nicht. Mag sein, dass der Iran Pläne für Atomwaffen hat um ein militärisches Gleichgewicht herzustellen, aber eine explizite Angriffsdrohung gab es bisher nur von Israel, nicht umgekehrt. vgl. dazu: Umstrittenes Zitat von Ahmadinedschad - Der iranische Schlüsselsatz - Kultur - sueddeutsche.de"SPIEGEL ONLINE: Zumal Iran den Israelis mit der Atombombe droht! "
- #9 12.04.2012 10:32 von
Bitte einmal nachdenken...
…Aber sie ( die Deutschen Verf.) müssten beginnen, zwischen dem israelischen Staat und seiner Regierung zu unterscheiden…
In der Tat, das müssen sie – die Israelis den Deutschen gegenüber aber auch. Kein vernünftiger Deutscher spricht den Israelis ihr Recht auf einen Staat, auf ein friedliches Leben ab.
Die israelischen Regierungen tun seit Jahren jedoch alles, um das Vermächtnis Izak Rabins zu eliminieren. Er hat den einzigen Weg zum Frieden aufgezeigt – und wurde dafür ermordet.
Die Hinterleute sind bis heute nicht ermittelt, geschweige denn bestraft worden. Israelische Regierungen und die Justiz habe eine Bringschuld zu erfüllen.
Man mag zu Günter Grass’ Gedicht stehen wie man will, eines hat er damit bewirkt, nämlich daß genau die angesprochene Differenzierung stärker in den Focus gerichtet wird – und das ist notwendig. Verdienstvoll.
Ansonsten möchte ich die Anti-Grass-Hassprediger in die Schranken weisen. Insbesondere die üblen SS-Vorwürfe sind ebenso unerträglich wie anmaßend und selbstgerecht.
Nur soviel: das deutsche Recht hat für Menschen zwischen 18 und 21 Jahren vorgesehen, daß man mit einer gewissen Milde und Nachsicht falsches Handeln betrachtet.
Mindestens darauf hat der 17-jährige SS-Mann ein Recht.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

