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Streit über Hochschulrankings : Warum wir die Bestenlisten brauchen

DPASoziologen und Historiker wettern gegen das CHE-Ranking, Ökonomen gegen das aktuelle BWL-Ranking vom "Handelsblatt". Dieser Zorn bringt nichts, sagt Uni-Rektor Holger Burckhart. Im Hochschulmagazin "duz" fordert er: Helft mit, Rankings zu verbessern, wir brauchen sie!

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...857214,00.html
  1. #1

    Besser konkrete Leistungen werten

    Wenn man Unis pauschal wertet wie in den meisten Rankings, wird man zwangsläufig immer bei einem Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen ankommen, denn die Unis sind sehr unterschiedlich spezialisiert. Und es ist nicht nur gute Forschung, was gerade Mode ist und sich lukrativ verkaufen lässt!
    Angemessen bewerten kann man meiner Meinung nach konkrete Forschungsartikel oder bestimmte Lehrveranstaltungen; wenn dies online geschähe, wäre der Prozess auch transparenter als die Verfahren der jetzigen Rankings.
  2. #2

    Nutzlos

    und ohne relevante Information ist das Wertung und Reihung ganzer Universitäten. An einer im Übrigen durchschnittlichen Universität kann es sehr wohl einen exzellenten Fachbereich geben und an einer Hoch gewerteten Universität umgekehrt auch einen unterdurchschnittliche Fachbereich.

    Also sollten zunächst nur Studiengänge bewertet und gereiht werden und zwar ausschließlich nach Kriterien, die für die Studenten primär relevant sind. Überragendes Kriterium wäre für mich als Abiturient die Studiendauer bis zum Abschluss, da jedes Semester bares Geld bedeutet.

    Die wissenschaftliche Reputation sollte strikt davon getrennt ausgewertet werden und sich dann auf den ganzen Fachbereich beziehen.
  3. #3

    Mainstream der Ökonomisierung

    Rektor Burckhart verhält sich als Nutzenmaximierer seiner Hochschule politisch völlig korrekt. Er tut dies aber, wie man befürchten muß, gerade weil er weiß, daß die Sucht nach Rankings jenen und leider nur jenen in die Hände spielt, die in der hemmungslosen Ökonomisierung der Universitäten den Hebel in der Hand haben, der Freiheit der Bildung ein Ende zu bereiten. Gütersloh ist nicht der neutrale Bewerter, sondern ein Kampfmittel. Wohin das alles führt, hat gerade erst Gregor Hens in der NZZ (12.9.2012) am Beispiel der Ohio State University gezeigt. Herr Burckhart hat sicher Recht, nicht alles über einen Kamm zu scheren, aber sich nicht in de Zeit zu wehren, bedeutet das Ende der freien Bildung im Gängelband zwischen Akkreditierung, EU-Richtlinien, ökonomisierten "Hochschulräten" und einer alles überwuchernden Universitätsverwaltung.
  4. #4

    re

    Zitat von Friedrich der Streitbare Beitrag anzeigen
    Also sollten zunächst nur Studiengänge bewertet und gereiht werden und zwar ausschließlich nach Kriterien, die für die Studenten primär relevant sind. Überragendes Kriterium wäre für mich als Abiturient die Studiendauer bis zum Abschluss, da jedes Semester bares Geld bedeutet.
    Die Studiendauer hängt u.a. von der Auswahl der Nebenfächer ab. Wer ein schwieriges Nebenfach wählt braucht höchstwahrscheinlich länger als jemand mit einem eher einfacheren. Ein Pauschalurteil in dieser Richtung ist nicht möglich. Auch können in einem Fachbereich mehr Leute mit Kindern sein, wodurch derartige Aussagen verfälscht werden.
  5. #5

    Ganz klar,

    dass die Exoten-Geisteswissenschaftler mit knallharter Bewertung und Reihung Probleme haben. Warum auch immer. Wie schon in der Schule...
  6. #6

    Substanzlose Einwände gegen den Ausstieg

    Die Frage ist, wo man sich zwischen den Polen "Ranking - igitt" (Soziologie) und "Ranking - aber immer" (Wirtschaftswissenschaft) einpendeln soll. Sicher ist es für Ranking-Kritiker eine gute Gelegenheit, wenn man aufgrund großer methodischer Mängeln ein ganzes Ranking "abschießt". Aber welche Einwände sind dem entgegenzuhalten? Herr Burckhart vermag, keinen einzigen zu nennen. Die vermeintlich weise Empfehlung, doch lieber an der Weiterentwicklung mitzuwirken, hat zwei Haken – der Weg wurde versucht (Raten Sie mal, wer hier blockiert hat.). Außerdem hat dies eine politische Komponente - ein Ranking ist immer mehr als eine einfache Rangordnung (genau deswegen ist es doch in der Wirtschaft so (un)beliebt.

    Das zweite Argument, das auf die fast dogmatische Ablehnung von Rankings abstellt, ist so lange kein Argument, wie die enormen fachlichen Mängel bei Rankings bestehen.

    Das dritte Argument ist eine Wiederholung des Ersten. Das macht das erste Argument auch nicht besser.

    Viertens auf eine differenziertere Betrachtung bei Rankings hinzuarbeiten, geht völlig am Kern der Problematik vorbei – ein Ranking muss notwendigerweise auf diese Differenzierung verzichten. Und genau das macht jedes Ranking angreifbar, aber darin liegt letztlich auch der Wert eines Rankings. Und Transparenz wäre tatsächlich schön. Aber was ist die Konsequenz, wenn man von einem Kurpfuscher Offenheit über sein Vorgehen fordert – und diese Offenheit denselben als Kurpfuscher entlarvt? Weiterbildungsangebote für das CHE?

    Wenn fünftes Herr Burckhart unterstellt, Soziologen und Historiker würden Rankings deshalb ablehnen, weil damit unliebsame Mittelumschichtung möglich gemacht werden, ist zunächst ein starkes Stück. Aber: er hat recht! Die Umschichtungen sind in vollem Gange, und sich sachlich begründet damit auseinanderzusetzen, ist ein legitimes Mittel. Außerdem beschreibt Herr Burckart kurze Zeit später, dass auch in Siegen mit solchen und ähnlichen Informationen „Maßnahmen nach Innen“ eingeleitet werden. Diese Maßnahmen kann man begrüßen oder nicht – aber sie werden durch Rankings ermöglicht oder befördert – und zwar nicht nur in Bezug auf die Verteilung von Tutorenmitteln. Was ist, wenn auch (Finanz-!)Minister ein Wörtchen mitreden wollen beim Prozess, sich auf „unsere speziellen Stärken konzentrieren“ zu helfen?

    Sechstens schließlich muss ich leider sagen, dass Herr Burckart ein zu positives Bild der Abiturienten hat. Das Gros verlässt sich neben der Nähe zum Heimatort eben doch zu gerne auf Ampelfarben und Rangplätze. Nachgefragt wird in erster Linie das einfach(st)e Ranking. Sich von diesem Pol wegzubewegen, erfordert mehr als wohlfeile Worte – es ist ein echter Kampf. Mit dem Ausstieg aus dem CHE-Ranking wurde ein wichtiger Schritt dahingehend getan, die Debatte über Leistungsmessung an Hochschulen neu zu führen.
  7. #7

    Mit treffenden Argumenten arbeiten

    Die Fachbereiche einer Universität haben viel zu unterschiedliche Anforderungen, um sie mit einfachen Mitteln vergleichen zu können. - Wenn man der Meinung ist, dass Geisteswissenschaftler zu abgehobene Arbeiten produzieren, könnte man doch wenigstens die Fairness besitzen, sich sachlich (!) und inhaltlich mit ihrer Arbeit auseinanderzusetzen. Drittmitteleinwerbung hat beispielsweise mit dem Inhalt einer Arbeit wirklich rein gar nichts zu tun. In manchen Fällen sollte man sich vielleicht auch fragen, ob da viel Geld auch viel verschwendetes Geld ist (wenn man es schon einmal hat, wird es für teure Geräte ausgegeben, und die stehen dann oft herum...). Ohne inhaltliche Auseinandersetzung kann die Bewertung nur in eine Richtung gehen: knallhart daneben!
  8. #8

    Als Ausgangslektüre empfehle ich Adornos

    "Erziehung zur Mündigkeit". Die Rankings sollten sich an jenen orientieren, für welche die Universitäten da sind: An den Studierenden! Und jene sollen nicht in einen "Leistungs" oder "Klassenkampf" hineingezogen werden, dafür gibt es private Institute. Ich bin gegen eine Pervertierung von Leistung. Was hilft der erste Platz in der Pisa Studie für Südkorea, wenn dieser mit der höchsten Suizid- un Burn-Out Rate Studierenden einhergeht?
  9. #9

    Suche im Dunkeln

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Soziologen und Historiker wettern gegen das CHE-Ranking, Ökonomen gegen das aktuelle BWL-Ranking vom "Handelsblatt". Dieser Zorn bringt nichts, sagt Uni-Rektor <i>Holger Burckhart</i>. Im Hochschulmagazin "duz" fordert er: Helft mit, Rankings zu verbessern, wir brauchen sie!

    Holger Burckhart: Hochschulen können auf Rankings nicht verzichten - SPIEGEL ONLINE
    Sicher wäre es schön, Rankings zu haben, die funktionieren. Es ist aber geradezu gegen das Berufsethos, das Wissenschaftler bereit sein sollen, sich von etwas messen zu lassen, das wissenschaftlich nicht begründet ist. Nur zu sagen, dass schlechte Rankings besser sind als gar keine, ist offensichtlich Blödsinn. Das erinnert mich an den alten Witz, von dem Mann, der seinen Schlüssel auf der Strasse verloren hat und unter einer Laterne sucht. Als ein anderer Mann hinzukommt und erfährt was er macht, fragt er ihn WO er denn den Schlüssel verloren habe. Die Antwort lautet: "Da drüben im Dunkeln, aber da kann ich leider nichts sehen".


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