Forum


 

Streit in Sachsen: Gebühren einführen, Uni-Demokratie aushölen

dpaIn Sachsen tobt ein Streit um das neue Hochschulgesetz: Die Regierungskoalition will Gebühren für Langzeitstudenten einführen und studentische Mitbestimmung zu einer Freiwilligen-Veranstaltung machen. Studentenvertreter fürchten, die Uni-Demokratie werde beschnitten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...855169,00.html
  1. #1

    Na endlich!

    Erstens: Studiengebühren für Studenten, die deutlich länger als die Regelstudienzeit brauchen, finde ich absolut gerechtfertigt. Schliesslich kostest das Studium auch den Steuerzahler Geld, und wenn man es nicht schafft, in der durchaus schaffbaren Regelstudienzeit plus den sehr großzügig bemessenen vier Extra-Semestern durchzuziehen, dann sollte man selbst auch dazu beitragen, den Steuerzahler etwas zu entlasten. Wieso sollte der Staat jemanden finaziell unterstützen, und er unterstützt nunmal jeden Studenten!, der länger braucht als andere? Das ist doch ungerecht gegenüber denjenigen, die ihr Studium in Regelstudienzeit durchgezogen haben.
    Zweitens: Herzlichen Glückwunsch, wenn diese verfasste Studierendenschaft oder wie auch immer die sich nennen, endlich abgeschafft wird. Dieses Organ ist so nutzlos und ineffizient, und fast keiner interessiert sich dafür. Und man kann sich nicht einmal entscheiden, ob man mitmachen möchte? Ist das etwas demokratisch? Und dann soll man noch Geld für diesen Haufen zahlen? Ich hatte da nie Bock drauf und unterstütze das vollkommen.
  2. #2

    Auf den Leim gegangen

    Zitat von kannepressen Beitrag anzeigen
    Erstens: Studiengebühren für Studenten, die deutlich länger als die Regelstudienzeit brauchen, finde ich absolut gerechtfertigt. Schliesslich kostest das Studium auch den Steuerzahler Geld, ...
    Diese Leute brauchen idR nicht länger weil sie so unglaublich viel teure Veranstaltungen an der Uni in Anspruch nehmen, sondern verteilen ihr Pensum nur auf eine längere Zeit. Teuer wird es erst wenn sie statt zu studieren vom Amt leben.
    Die Forderung nach Gebühren für Langzeitstudenten ist nur der populistische Anfang einer Salamitaktik in Richtung allgemeiner Gebühren. "Der Langzeitstudent" ist ja seit Jahrzehnten _das_ Problem der deutschen Hochschullandschaft.
  3. #3

    doch doch, sie sollen zahlen

    Zitat von ditor Beitrag anzeigen
    Diese Leute brauchen idR nicht länger weil sie so unglaublich viel teure Veranstaltungen an der Uni in Anspruch nehmen, sondern verteilen ihr Pensum nur auf eine längere Zeit. Teuer wird es erst wenn sie statt zu studieren vom Amt leben.
    Die Forderung nach Gebühren für Langzeitstudenten ist nur der populistische Anfang einer Salamitaktik in Richtung allgemeiner Gebühren. "Der Langzeitstudent" ist ja seit Jahrzehnten _das_ Problem der deutschen Hochschullandschaft.
    ich bin auch dafür, dass das studium möglichst zügig durchgezogen wird und es nix bringt, wenn man leute viele jahre an der uni durchschleppt und die dann doch nur berufspolitiker werden anstatt zum arbeiten. wer länger als 5 jahre studiert und in der zeit keine kinder bekommt, soll zahlen. dadran ist nix verwerflich.

    außerdem find ich, dass leute, die nach dem vom steuerzahler finanzierten studium mehr als 200.000 euro im jahr brutto verdienen, dafür jedes jahr 10.000 euro studiengebühren nachträglich bezahlen. das ist nur recht und billig, dass sie dem steuerzahler vergüten, was sie in die lage zum wohlstand versetzt hat. sie werden es verschmerzen, denn so viele sind das eh nicht.
  4. #4

    Reingefallen

    Da haben sich die Studentenräte ja schön leimen lassen. Anstelle die wirklich fragwürdigen Teile des neuen Hochschul-unfreiheits-gesetzes öffentlichkeitswirksam anzugreifen, (die sie vorher schon absolut berechtigt kritisiert haben) sind sie Schwarz-Gelb in die provokannte Falle gegangen und haben sich mit ungünstigen Pressemitteilungen in der öffentlichen Wahrnehmung zu gierigen und randständigen Klientelvertretern mit unpopulärem Ansinnen gemacht.

    Mal sehen, ob sich die Debatte nun noch zu den Kernkritikpunkten des hochschulfreiheitsgesetzes hin entwickelt. Da hätten wir z.B. noch die verfassungsrechtlich sehr umstrittenden und im Durchschnitt recht betagten, zwangsmehrheitlich externen Hochschulräte fragwürdiger Qualifikation, die plötzlich als Gremien der Universität qualifiziert werden sollen. Dann war da noch die fortschreitende Unfreiheit und Entmachtung der akademischen Selbstverwaltung = Senate zugunsten von Hochschulräten und der von ihnen maßgeblich eingesetzten Rektorate, die weitere Öffnung der Selbstbereicherungstheke "Universität" für die Professoren. und so weiter und so fort. Nun, es bleibt spannend. Die Generation, die aktuell die Studentenräte wählt oder auch nicht und es wahrscheinlich einfach nicht besser kann, kann wenigstens später einmal sagen "Stellt Euch vor, es war einmal Demokratie und keiner ging hin."
  5. #5

    Langzeitstudenten und der Steuerzahler

    Zitat von kannepressen Beitrag anzeigen
    Erstens: Studiengebühren für Studenten, die deutlich länger als die Regelstudienzeit brauchen, finde ich absolut gerechtfertigt. Schliesslich kostest das Studium auch den Steuerzahler Geld
    Diese Behauptung, dass "Langzeitstudenten" dem Steuerzahler nennenswerte Kosten verursachen, werde ich nie verstehen... Fressen die die Bücher in der Bibliothek auf oder wie?

    Langzeitstudenten zeichnen sich normalerweise dadurch aus, dass sie sich in der Uni äußerst selten blicken lassen. Folglich nehmen sie den "Turbostudenten" keine Seminar- oder Vorlesungsplätze weg und beanspruchen auch die Zeit der Dozenten kaum: Wer nicht am Seminar teilnimmt, wird sich wohl kaum beim Prof vorstellen, um eine Arbeit zu schreiben.

    Der Verwaltungsaufwand dürfte gerade bei der heutigen Automatisierung auch gegen Null tendieren. Und sonstige Vergünstigungen? Also ich kannte keinen, der wegen des subventionierten Mensaessens extra in die Uni gefahren wäre.
    Die kostenfreie Benutzung der Unibibliothek? Zumindest in Bielefeld bekam seinerzeit auch jeder Nicht-Student auf Antrag einen Bibliotheksausweis.

    Das Semesterticket ist wirklich praktisch, wird aber durch die Beiträge zur verfassten Studentenschaft abgegolten. Wenn sich das für die Verkehrsbetriebe nicht rechnen würde, hätten sie sich wahrscheinlich kaum drauf eingelassen.

    Tja, was bleibt, sind Dinge wie manche Museen, in die man mit Studentenausweis verbilligt reinkommt. Ist das das Problem? Vielleicht habe ich da eine Schlagzeile in der "Bild" verpasst: "Langzeitstudenten verstopfen Museen! Ehrliche Steuerzahler passen nicht mehr rein!"

    Ich bitte um Aufklärung.
  6. #6

    Realitätsverlust!

    Sehr viele Studierende können ihr Studium nicht in Regelstudienzeit abschließen, weil Lehrstühle und Dozentenstellen nicht besetzt sind und die zum Abschluss notwendigen Veranstaltungen nicht angeboten werden können. Die Besetzung vieler Stellen braucht in der Regel 4 Semester und mehr.
    Weiterhin ist es kaum möglich, eine gute Betreuung der Studierenden zu gewährleisten in Seminaren mit in der Regel 40 Studierenden und nicht selten sogar 70-100 Studierenden.
    Weiterhin wurden viele Studiengänge des Alten Systems, die zwischen 8-10 Semester umfassten zusammengefasst im Bachelor auf 6 Semester, ohne dass Inhalte gekürzt wurden, also weiterhin verlangt und geprüft werden.
    Teilweise wurden Sprachkurse, die in vielen Studiengängen außerhalb des Studiums absolviert werden müssen, die in vielen Studiengängen vorausgesetzt werden, von 4 auf 2 Semester gekürzt, ohne die Inhalte zu reduzieren. Viele weiter Faktoren führen dazu, dass nicht wenige Studierende 70-80 Stunden-Wochen haben, wenn sie ihr Studium in Regelstudienzeit abschließen wollen.
    Es grenzt also an Realitätsverlust, wenn man Studiengebühren für Langzeitstudierende fordert.
    Zumal in Sachsen, die Förderung des Steuerzahlers in für Studierende relevanten Bereichen (wie Beispielsweise Mensa und ähnliches) gerade mal 5 Prozent beträgt!!!
  7. #7

    Ist schon traurig...

    ...dass die meisten Studenten den Wert einer verfassten Studierendenschaft und der damit verbundenen studentischen Mitbestimmung nicht zu schätzen wissen...!!! Wie viele Diskussionen habe ich schon mit Studenten geführt, die einerseits nicht zur Wahl gehen weil sie sagen das bringt ja eh nix, aber sich andererseits drüber aufregen, dass die studentischen Vertreter in Gremien nicht ernst genommen werden weil sie ihr Amt nur unter so geringer Wahlbeteiligung bekommen haben... Auf die Idee dass das eine mit dem anderen zusammenhängen könnte kommen die wenigsten!
  8. #8

    Wenn den die stud. Vertretungen FÜR Sstudierende da seien ...

    Zitat von der-ich Beitrag anzeigen
    ...dass die meisten Studenten den Wert einer verfassten Studierendenschaft und der damit verbundenen studentischen Mitbestimmung nicht zu schätzen wissen...!!! Wie viele Diskussionen habe ich schon mit Studenten geführt, die einerseits nicht zur Wahl gehen weil sie sagen das bringt ja eh nix, aber sich andererseits drüber aufregen, dass die studentischen Vertreter in Gremien nicht ernst genommen werden weil sie ihr Amt nur unter so geringer Wahlbeteiligung bekommen haben... Auf die Idee dass das eine mit dem anderen zusammenhängen könnte kommen die wenigsten!
    ,,, das sind die nämlich wohl kaum, ob die stud. Lobbyistenvereinigung AStA oder StuRa heißen, das ist wurschtegal. Manche ASten weisen Stufierende ab, die stud. Projekte gestalten wollen; andererseits werden von vielen ASten allgemeinpolitische Veranstlatungen von links bis rechts finanziell unterstützt; auch die linken ASten sind für die dort die Zeit absitzenden Studierenden ein Verbindungen in städtische, landesweite Parlamente, aus denen die Studierenden sich von Sessel zu Sessel bis in den Bundestag hinüber wälzen.
    Die wenigsten in die ASten und in die StuRäte 'gewählten' Studierenden haben doch je eine Werkbank gesehen, noch an ihr bisher gearbeitet.
    Es wird doch eh' nur das kleine Möchtegern-Revoluzzr-Kindchen im AStA und im StuRa weiter gehätschelt; (studierenden)politisch werden doch nur ein, zwei der in den StuRäten und in den ASten die Zeit absitzenden und zum Teil (in Anbetracht ihres bis dato nur kurz gelebten Lebens) fürstlich aus den Gelder ALLER Studierenden der jeweiligen Universität bezahlt.
    Wäre ich Studierende, verließe ich sofort die Zwangsmitgliedschaft, die mir als Studierende auferlegt wäre.
  9. #9

    Zitat von Gebetsmühle Beitrag anzeigen
    ich bin auch dafür, dass das studium möglichst zügig durchgezogen wird und es nix bringt, wenn man leute viele jahre an der uni durchschleppt und die dann doch nur berufspolitiker werden anstatt zum arbeiten. wer länger als 5 jahre studiert und in der zeit keine kinder bekommt, soll zahlen. dadran ist nix verwerflich.

    außerdem find ich, dass leute, die nach dem vom steuerzahler finanzierten studium mehr als 200.000 euro im jahr brutto verdienen, dafür jedes jahr 10.000 euro studiengebühren nachträglich bezahlen. das ist nur recht und billig, dass sie dem steuerzahler vergüten, was sie in die lage zum wohlstand versetzt hat. sie werden es verschmerzen, denn so viele sind das eh nicht.

    1. Wer länger als fünf Jahre studiert....
    ... der ist in der Regel in der Regelstudienzeit. Erstens gibt es noch einigen Studiengänge, die länger als 10 Semester (=5 Jahre) dauern, zweitens ist es in der Regel so, dass ein Bachelor in der Regelstudienzeit 3, der Master, der sich in den meisten Fällen aber aufdrängt, nochmal zwei Jahre dauert.
    Darüber hinaus hat die Regelstudienzeit nichts mit der Durchschnittstudienzeit zu tun, erster ist eine rein bürokratisch definierte Zeit, die mit den tatsächlichen Zeiten, die benötigt werden, nichts zu tun hat.
    An der Uni, an der ich bin, ist es in den technischen Fächern normal, dass die Studenten länger brauchen, einfach, weil ein Studium in Regelstudienzeit allein wegen des Arbeitspensums nur in den sehr, sehr selten schaffbar ist.
    Überschneidende Veranstaltungen, 12 und mehr Klausuren am Schluss des Semesters, Veranstaltungen, die ausfallen, weil keine Dozenten da sind usw.
    Dazu kommt, dass man zwar drei Fehlversuche für eine Klausur hat, der dritte aber meist erst im folgenden Semester - oder sogar erst ein Jahr später - absolviert werden kann.

    Zack - man ist außerhalb der Regelstudienzeit.

    Wenn man eine Gebühr für Langzeitstudenten fordert, dann sollte man sich nicht an der Regelstudienzeit- sondern an der Durchschnittstudienzeit pro Fach (!) orientieren.

    2. Die meisten Studenten verdienen nachher ganz gut und zahlen allein über die Steuern doch relativ viel wieder in die Kassen ein.
    Zudem ist ein Studium nicht billig, wenn man nicht gerade im Hotel Mama wohnen bleiben kann.


TOP



TOP