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Steueraffäre: Was die Schweiz von Deutschland lernen kann

dapdDie Steueraffäre hat das Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz wohl endgültig vergiftet. Jetzt hilft nur noch Nüchternheit: Die Eidgenossen sollten sich die Bundesrepublik als Vorbild nehmen - und eine eigene Streitkultur entwickeln.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,825650,00.html
  1. #30

    Die Schweiz und die DDR

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Steueraffäre hat das Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz wohl endgültig vergiftet. Jetzt hilft nur noch Nüchternheit: Die Eidgenossen sollten sich die Bundesrepublik als Vorbild nehmen - und eine eigene Streitkultur entwickeln.

    Steueraffäre: Was die Schweiz von Deutschland lernen kann - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Die Schweiz hat sich leider schon Deutschland zum Vorbild genommen, allerdings die DDR, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.
    1. Sie wendet ihre Gesetze an, als wäre sie ein Unrechtsstaat. Z.B. dient das Bankgeheimnis vornehmlich dem Schutz der Hehler und Stehler.
    2. Sie mauert sich ein und isoliert sich zunehmend. (Wie wäre es mit einer Ringmauer rund um die kleine Schweiz mit kleinen Schlitzen zum Einwerfen des Schwarzgeldes?)
    3. Sie untergräbt die demokratischen Strukturen in der BRD und das Vertrauen in die Politik.

    Wann kommt die Wende? Die mit anderem Vorzeichen! Nicht Anschluss, Gott behüte, sondern Abkoppelung und Sanktionen, so wie beim Iran?
  2. #31

    Zitat von Tjoffke Beitrag anzeigen
    Ich frage mich, was sich die Bürger unserer Nachbarländer - keineswegs nur der Schweiz - beim Lesen solcher angeblich "nüchterner" Bestandsaufnahmen denken sollen. Schließlich schreibt der Autor des Artikels nicht über irgendein Land, sondern über sein eigenes - in dem er selbst zur Meinungsbildung mit beiträgt.

    Wenn ein deutscher Journalist an die Adresse der Schweizer schreibt: "Seht es nüchtern - Deutschland ist kein Freund", dann ist das sehr nah dran an: "Ich will auch gar nicht, dass Deutschland ein Freund ist". Eine seltsame Einstellung gegenüber einem demokratischen Nachbarland, in dem überdies sehr viele Deutsche leben und arbeiten.
    Schon der Name hätte Ihnen sagen können, dass der Autor Schweizer ist. Deutschland ist eine regionale Großmacht, dass war es schon vor der Wiedervereinigung und ist es seitdem erst recht. Insofern sitzt Deutschland in jedem Streit mit der Schweiz am längeren Hebel.
    Wenn gewisse Kreise in Deutschland nicht ein Interesse daran hätten, dass die Skandale der Schweizer Banken und deren deutscher Kunden unter den Teppich gekehrt werden, dann wäre Deutschland auch mit der Maximalforderung - permanenter Datenaustausch - angetreten und durchgekommen.
  3. #32

    Ich habe aus beruflichen Gründen 6 Monate in der Schweiz gelebt. Um die heftigen Schweizer Reaktionen gegenüber Deutschland zu verstehen, muss man wissen, dass die Schweizer grundsätzlich äußerst skeptisch gegenüber Deutschland und den Deutschen sind. Dies resultiert aus der Größe Deutschlands und der Rolle die Deutschland dadurch spielt. Die Schweizer fühlen sich gerne selbst "zu" klein und als Ausdruck daraus entstehender Minderwertigkeitskomplexe überzieht man gerne mit der Kritik an Deutschland.
    Es liegt, wie so oft im Leben, im Auge des Betrachters, wie man den sich zuspitzenden Streit bewerten will. Aus deutscher Sicht hilft die Schweiz ganz offensichtlich dabei, dass Steuerbetrüger den Deutschen Staat massiv hinters Licht führen. Statt Deutschland zu helfen, verdienen sich die Bankhäuser an dabei noch dumm und dämlich, obwohl sie genau wissen, dass das Geld nicht legal in die Schweiz verschafft wurde. Aus Sicht der Schweiz ist es ein unerhörter Vorgang, dass in der Schweiz gestohlene Daten von Deutschen Behörden angekauft werden. Sprich: Deutschland bezahlt Verbrecher, damit diese widerrechtlich beschaffte Daten zur Auswertung zur Verfügung stellt.

    Hier fehlt es offenbar gegenseitig an der Fähigkeit, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Der Deutsche Fiskus musste jahrelang tatenlos mit ansehen, wir er in der Schweiz betrogen wurde. Wen hat dies ernsthaft in der Schweiz ob der guten Geschäfte interessiert? Jetzt kooperieren die Deutschen Behörden pragmatisch mit Straftätern. Das ist ebenfalls kein Ruhmesblatt.
    Statt sich gegenseitig mit Vorwürfen, Anzeigen, Klagen und Haftbefehlen zu überziehen, hätte man vielleicht frühzeitig das gegenseitige Gespräch suchen müssen, um auf einen Nenner zu kommen.
    Insofern ist die Eskalation ein Offenbarungseid der Diplomatie.
  4. #33

    Zitat von lomert Beitrag anzeigen
    Für Europa geben Deutsche mehr als was sie von Europa bekommen, würde man dies auch nur annährend versuchen ausgeglichen zu handhaben wäre die EU und die Eurozone sowieso sofort Geschichte. Im Prinzip spricht für die Deutschen, im Gegensatz zu den Schweizern, nichts dagegen, wenn der potentiell Starke mehr gibt als er nimmt. Nur sollte das mit Augenmaß geschehen und Unverschämtheiten müssen die Deutschen nicht hinnehmen.
    Und genau das ist ein Irrtum. All die verschuldeten Länder haben doch den grössten Teil des geliehenen Geldes für deutsche Produkte ausgegeben. Deutschland hat also gewaltig profitiert. Nur wird der Profit in Deutschland ungerecht verteilt. Das ist aber ein innerdeutsches Problem und nicht das der anderen Europäer oder der Schweiz.
  5. #34

    Bitte genau hinschauen

    Zitat von Tjoffke Beitrag anzeigen
    ...
    Wenn ein deutscher Journalist an die Adresse der Schweizer schreibt: "Seht es nüchtern - Deutschland ist kein Freund", dann ist das sehr nah dran an: "Ich will auch gar nicht, dass Deutschland ein Freund ist". Eine seltsame Einstellung gegenüber einem demokratischen Nachbarland, in dem überdies sehr viele Deutsche leben und arbeiten.
    ...
    Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass der Autor dieses Textes Schweizer, und der Text laut Quellenangabe am Ende in der schweizerischen Handelszeitung erschienen ist.

    Und er stellt fest, Deutschland handele in eigenem Interesse - ja saperlott, was für eine unglaubliche Unterstellung!
    Nationen behandeln sich also nicht wie Liebende, sondern wie... Nationen? Das schlägt dem Faß den Zacken aus der Krone!

    Einem französischen Journalisten (oder gar Politiker) läge soetwas natürlich vollkommen fern ....
  6. #35

    Zitat von qranqe Beitrag anzeigen
    Seit wann sind der Schweiz denn bitteschön Kompromisse und Konsens wichtig?

    In Bezug auf Europa wird alles mitgemacht, was der Schweiz nützt, aber alles abgelehnt, wovon das Land weniger haben könnte als es investieren muss.

    Da hat jemand ein sehr merkwürdiges Bild vom Alpenstaat.
    Ja, sie haben ein merkwürdiges Bild vom Alpenstaat.

    Wir machen unsere Kompromisse auch intern. Das wird z.B. offensichtlich, wenn man sich die Zusammensetzung des Bundesrates anschaut und auch in Tausenden anderen Dingen ist es offensichtlich, dass Kompromisse in der Schweiz bedeutender sind, als z.B. im winner-takes-all System in UK.

    In Bezug auf Europa gibt es jene, die aus irgendwelchen ideologischen Gründen mitmachen und die anderen, die das nicht tun. Wenn ein Verhandlungspartner versucht, das Beste für sich rauszuholen, nennen wir das vernünftig.

    Wenn die Gegenseite das nicht versucht, freuen wir uns.

    Als Kleinstaat wird man pragmatisch...
  7. #36

    Zitat von Tjoffke Beitrag anzeigen
    Und wie offenbar Sie haben auch mich folgende Sätze in dem Artikel einigermaßen schockiert:

    Ich frage mich, was sich die Bürger unserer Nachbarländer - keineswegs nur der Schweiz - beim Lesen solcher angeblich "nüchterner" Bestandsaufnahmen denken sollen. Schließlich schreibt der Autor des Artikels nicht über irgendein Land, sondern über sein eigenes - in dem er selbst zur Meinungsbildung mit beiträgt.

    Wenn ein deutscher Journalist an die Adresse der Schweizer schreibt: "Seht es nüchtern - Deutschland ist kein Freund", dann ist das sehr nah dran an: "Ich will auch gar nicht, dass Deutschland ein Freund ist". Eine seltsame Einstellung gegenüber einem demokratischen Nachbarland, in dem überdies sehr viele Deutsche leben und arbeiten.

    Und die kompromisslose Durchsetzung deutscher Großmachtinteressen hatten wir schon einmal, mit den bekannten Folgen, die übrigens bis heute andauern. Ich vermute, dass diese Assoziation fast allen ausländischen Lesern eines Artikels wie diesem sofort in den Sinn kommt.
    Ich glaube, im Gegensatz zu Ihnen, sind die meisten der ausländischen Mitbürger und Bürger ausländischer Nationen dazu fähig, zu verstehen, was sie lesen. Dass das unglücklich formuliert ist, ist zweifellos. Aber zu verneinen, dass Deutschland eine Wirtschaftsgroßmacht ist als viertgrößte Volkswirtschaft dieser Erde, wäre nur dumm.
    Und dass Deutschland kein "Freund" oder "Feind" ist, ist völlig klar - Deutschland ist ein Staat, der genau wie jeder andere Staat nicht zu emotionalen Bindungen wie "Freundschaft" fähig ist.

    Also hängen Sie sich nicht an Formulierungen auf, sondern versuchen zu verstehen, was dahintersteckt. Und da ist ganz klar die Aussage: wenn die (wirtschaftlich) kleine Schweiz versucht, dem (wirtschaftlich) großen Deutschland ans Bein zu pinkeln, kann sie das gerne tun, sollte aber damit rechnen, dass das nicht einfach hingenommen wird.

    Im übrigen unterstütze ich auch die Idee, schweizer Bankmitarbeiter der Beihilfe zum Betrug anzuklagen, und dank Rechtshilfeabkommen auch ausliefern zu lassen.
  8. #37

    Scheuklappen!

    Zitat von ocs1411 Beitrag anzeigen
    Die Selbstmordraten auch?
    Ich sehe nicht wo Holländer oder Polen Probleme mit den Deutschen haben sollten, diese Beziehungen sind immer sehr entspannt. Deutsche, die in der Schweiz leben, berichten da durchaus anderes.
    Dann fragen Sie bitte bei den Auslandsdeutschen in den von Ihnen genannten Ländern einmal nach. Alle im Ausland lebenden Deutschen sind in den vergangenen Jahren – vornehmhlich in den Nachbarländern – mehr und mehr Kritik bis Argwohn ausgesetzt.

    In der Schweiz ist das gewiss auffallender - aber es leben hier auch bedeutend mehr Deutsche als in den anderen Nachbarländern.
  9. #38

    Zitat von FXRichter Beitrag anzeigen
    Die Schweiz hat sich leider schon Deutschland zum Vorbild genommen, allerdings die DDR, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.
    1. Sie wendet ihre Gesetze an, als wäre sie ein Unrechtsstaat. Z.B. dient das Bankgeheimnis vornehmlich dem Schutz der Hehler und Stehler.
    2. Sie ......
    falsch mein lieber... stellen sie mal kurz das Hirn um und versuchen sie es aus der anderen Perspektive zu sehen.
    1. Das Bankgeheimnis dient den Schweizern. Dem Staat hat es nicht zu interessieren wieviel Geld jeder Schweizer hat. Hier steht halt in erster Linie der Bürger, nicht wie bei euch der Staat

    2. Unsere Entscheidung. Wenn man sieht was für Quatsch in der EU passiert, ist es das Recht der Schweiz da nicht mitzumachen. Um 1940 hat sich die Schweiz schon mal aus etwas rausgehalten zu Beginn. Am Schluss gezwungenermassen als Banker mitmachen müssen, wofür Milliarden Entschädigungen bezahlt wurden.

    3. Deutschland untergräbt genauso die demokratischen Strukturen eines anderen souveränen Landes, wenn sie das vorwerfen, schauen sie es sich auch umgekehrt an.

    Sanktionen? dann macht halt...
  10. #39

    Zitat von FXRichter Beitrag anzeigen
    Die Schweiz hat sich leider schon Deutschland zum Vorbild genommen, allerdings die DDR, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.
    1. Sie wendet ihre Gesetze an, als wäre sie ein Unrechtsstaat. Z.B. dient das Bankgeheimnis vornehmlich dem Schutz der Hehler und Stehler.
    2. Sie mauert sich ein und isoliert sich zunehmend. (Wie wäre es mit einer Ringmauer rund um die kleine Schweiz mit kleinen Schlitzen zum Einwerfen des Schwarzgeldes?)
    3. Sie untergräbt die demokratischen Strukturen in der BRD und das Vertrauen in die Politik.

    Wann kommt die Wende? Die mit anderem Vorzeichen! Nicht Anschluss, Gott behüte, sondern Abkoppelung und Sanktionen, so wie beim Iran?
    1. Die Schweiz hat keiner davon bestohlen.
    2. Naja, ich dachte die EU baut gerade eine Brandschutzmauer. Da die Schweiz von der EU umgeben ist, wurden wir also bereits ausgemauert.
    3. Wenn wir schon provokativ sind: Welche demokratischen Strukturen? Und vor allem: In welcher BRD?

    Die Wende kam vor 20 Jahren und daher heisst BRD nun auch D!


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