Steinbach-Eklat auf Twitter: "Die Nazis waren eine linke Partei"

Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach twittert erst seit wenigen Wochen - dafür aber umso intensiver: über Hitler, Stalin*und die NSDAP, die sie als "linke Partei" bezeichnet. Eine Provokation, sagt Steinbach selbst. Kritiker und Historiker sind befremdet.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...812950,00.html
  1. #250

    Klitterung

    Zitat von Hamstedt Beitrag anzeigen
    Ich verstehe die Aufregung nicht. Die Nazis waren nachweislich eine linksextreme Partei, Hitler hat seine NSDAP sogar selbst als die "neue linke Kraft" Europas bezeichnet. Nachdem die Nazis Frankreich besetzt hatten, kollaborierte die kommunistische Resistánce bis zum Angriff auf die Sowjetunion Juni 1941 sogar mit den Nazis, ohne diese Zusammenarbeit wäre die Errichtung Vichy-Frankreichs überhaupt nicht müglich gewesen! .
    Das ist absolut falsch. Vichy Frankreich wurde von rechtskonservativen Nationalisten getragen, die Kommunisten waren im Untergrund. Beschäftigen sie sich bitte mit der Geschichte des 2. Weltkriegs.
  2. #251

    Und da haben wir unsere Unterschiede

    Zitat von karloo Beitrag anzeigen
    Sie verstehen mich falsch. Ich habe keine Probleme mit der sozialen Marktwirtschaft nur das sich (meiner Meinung nach) unser System immer mehr zur unsozialen und Pseudomarktwirtschaft entwickelt. Meine Intention war den Blick auf Utopien zu lenken um sich den machbaren anzunähern. Die soziale Marktwirtschaft war ja im Mittelalter auch noch eine Utopie.

    Im Bereich Bildung sehen Sie doch (anhand zahlreicher Studien) das es Akademikerkinder leichter haben las andere. Nun kann das an der Erziehung liegen aber es liegt ganz sicher auch am Geld.

    Zum Thema Steuern. Da gibt es so viele Schlupflöcher das komischer weise nur die "dummen" Reichen den vollen Steuersatz zahlen. Anders ist der Gewinnzuwachs der besonders Reichen nicht zu verstehen zumindest hätte der Reichtum der Mittelschicht dann ja auch in dem Maße zunehmen müssen.

    Zum Thema Grundbesitz: Für mich ist es irgendwie nicht einleuchtend das (ehemalige) Adlige soviel Grund und Boden besitzen. Ich bin der Meinung das ein groß teil an den Staat fallen sollte da dies Land, den Menschen der Bundesrepublik gehört.
    Ich weiß, klingt nach Enteignung andererseits wurde ihnen das Land ja nicht von Gott geschenkt. Sondern es wurde geerbt und hätte bei der Errichtung der Republik schon enteignet werden müssen.

    Die Definition des Rahmens "Wie viel Besitz" kann natürlich nur der Gesetzgeber machen.
    Warum entwickelt sich das System Ihrer Meinung nach in die falsche Richtung? Die Sozialhilfe ist meiner Meinung und meiner Erfahrung nach ausreichend. Mehr wäre wirtschaftlicher Selbstmord und auch gegenüber jenen, die die Sozialabgaben erwirtschaften, nicht fair. Ich hätte kein Problem mit einer "machbaren" Utopie. Aber ich kann an keine Utopie glauben, die Wesenszüge des Menschen außer Acht läßt und daher weder realisierbar noch erstrebenswert ist.

    Natürlich haben es Akademikerkinder leichter als etwas Kinder aus der Arbeiterschicht. Bestimmte Interessen werden ja auch über die Erziehung vermittelt. Aber auch das ließe sich in unserem System Schritt für Schritt, beispielsweise über ein besseres Bildungssystem, lösen. Aber es wird nie eine Möglichkeit geben, alle Unterschiede, zu denen auch Veranlagungen gehören, auszumerzen. Am Geld aber liegt es nicht. Die Schule ist kostenlos und das Studium in vielen Bundesländern auch. Selbst wenn man einen Kredit aufnehmen müßte, so ist dieser erst ab einem bestimmten Einkommen zurückzuzahlen.

    Reichtum vermehrt sich nun mal umso schneller, desto mehr man hat. Mit mehr Geld kann man in Bereichen investieren, die anderen verschlossen bleiben. Der Maßstab ist für mich auch nicht, wieviel Geld jemand hat, der reich ist, sondern wieviel Geld der hat, der als arm gilt. Ich habe selber zwei Jahre Hartz4 bekommen und mußte weder hungern noch frieren. Andererseits habe ich nichts dagegen, juristisch gegen Steuerschlupflöcher vorzugehen. Aber ich denke, ständige Steuererhöhungen sind keine Lösung.

    Von Enteignungen halte ich gar nichts. Auch nicht die von irgendwelchen Adligen. Viele Leute haben viel gearbeitet, Geld gespart, irgendwann klug investiert oder sie hatten eine gute Idee und haben ein Vermögen gemacht. Warum sollten sich diese Leute nicht ein großes Grundstück kaufen dürfen? Warum sollte man es Ihnen wegnehmen? Das Streben nach Reichtum, der ja auch Unabhängigkeit bedeutet, ist eine starke Antriebsfeder. Wenn man diese reguliert, dann schneidet sich die Menschheit in das eigene Fleisch.
  3. #252

    Sozialismus?

    Zitat von andynm Beitrag anzeigen
    Der russische Kommunismus hat mit Sozialismus so wenig zu tun wie Nazis mit demokratischen Konnservativen. Pervertieren kann man jede Idee. Leider.
    Wo ist denn dann der Sozialismus? Steht er nur in Büchern?
    In den Wertmaßstäben der "demokratischen Konservativen" sind nicht die "Samen" des Faschismus verborgen.
    Wohl aber in Marx die Samen der kommunistischen Massenvernichtungen des 20. Jahrhunderts. Siehe seine Ausführungen, wie man über die Revolution zum Kommunismus gelangt.
  4. #253

    nicht nur

    Zitat von Vorzeichen Beitrag anzeigen
    Getragen wurde die NSDAP durch den von ihr verbreiteten Terror.
    Ich habe mich mit meinem Opa unterhalten und er meinte, daß ihn die NSDAP anzog, weil sie viel für die Wohlfahrt taten und sehr dynamisch und schwungvoll auftraten. Zumindest anfangs waren die Grenzen zwischen KPD und NSDAP fließend und es gab viele Leute, die die Partei wechselten, ohne ihre Wertvorstellungen umzustülpen.
  5. #254

    Nur zu dumm...

    Zitat von karloo Beitrag anzeigen
    Der signifikante Unterschied dürfte wohl darin liegen das der Marxismus ohne Staat auskommen kann der Faschismus jedoch nicht. Außerdem soll im Marxismus die Mehrheit (Arbeiter und Bauern) den Staat lenken im Faschismus werden aber die Arbeiter und Bauern gelenkt (Führerprinzip). Also ich sehe da immense Unterschiede.


    Fleischhauer ist nicht unbedingt das Maß aller Dinge.
    dass in den Staaten heute nicht mehr soviel Arbeiter und Bauern leben, sondern die Masse sich zum Mittelstand (Besitzende) zählt.
    Nennen Sie mir bitte einen sozialistischen Staat, der von der Masse gelenkt wurde??? Ich glaube, das ist wieder das marxistische Idealdenken. War Stalin, Crustchov, Breschnjew oder Honnecker, Mielke und das verhasste Politbüro die Masse die gelenkt hat??? Waren nicht gerade das FÜHRER, die sich in nichts hereinreden ließen? Gab es niocht gerade im Marxismus Puppen als Parlamente?
    Also ihre Theorie aus dem 150 Jahre alten Lehrbuch hört sich gut an, die Praxis sah aber überall ganz anders aus. Und... alle diese Staaten gingen derbe pleite.
  6. #255

    falscher Dogmatismus

    Zitat von mm71 Beitrag anzeigen
    ...eher "national-romantischen" NS-Ausprägung. Dennoch bleiben zentrale Unterschiede, so definierte die NS-Ideologie sich über die "Rasse", der Sozialismus/ Kommunismus über die "Klasse" etc.
    Ja und? Ist "Klassenfeinde" umbringen legitimer als "Rassenfeinde" umbringen?`

    Zitat von mm71 Beitrag anzeigen
    Unabhängig davon gibt es natürlich ähnliche Elemente in beiden Ideologien in ihrer EIgenschaft als autoritäre Staatsformen, z.T. auch in ihrer Gewalttätigkeit gegenüber den Feinden der jeweiligen Ideologie, aber das gilt ebenso für alle anderen autoritären Regimes.
    Ähnliche Elemente ist hier nun stark untertrieben. Da kann man bereits getrost von einem identischen Schema sprechen.

    Von diesem "links = gut / rechts = schlecht" schwarz-weiss Dogma wird mir ganz schlecht! Extremismus und Fanatismus ist grundsätzlich falsch und gefährlich! Egal, ob er nun von links oder rechts kommt!
  7. #256

    nicht nur links und nicht nur rechts

    Zitat von jolip Beitrag anzeigen
    Es ging doch um die Frage,ob die NSDAP eine linke Partei gewesen sein soll.

    Und da ist eine Zusammensetzung der NSDAP Fraktionab November 1933, die im wesentlichen die Machtkonzentration aus dem wilhelminischen Kaiserreich wiederspiegelt, doch ein ganz deutliches Argument, das dem nicht so war.

    Abgesehen davon waren die Adeligen und/oder Militär ja nur ein kleines Beispiel.

    All die linken Revoluzzer in der NSDAP Reichstagsfraktion wie z.B. die Herren Strauß, Generaldirektor der Deutschen Bank, Dr, Thyssen, Alfred Hugenberg etc. aufzuzählen, war mir dann doch zu viel Arbeit.
    MFG
    jolip
    Ich bin nicht der Meinung, daß die NSDAP ausschließlich links oder ausschließlich rechts gewesen ist. Jedoch ihr Drang, eine Gesellschaft von Grund auf neu zu erschaffen, ihre Abneigung gegen das Bürgerliche (was auch schön in der Architektur zu beobachten ist - faschistische und kommunistische Architektur gleichen sich nicht zufällig), ihr Streben nach Gemeinschaft statt nach Individualität, ihr Drang nach einer umfassenden Ideologie, all das hat sehr viel zu tun mit Sozialismus und Kommunismus. Und mit diesen Punkten möchte man sich in Deutschland, zumindest auf linker Seite, nicht auseinandersetzen.
  8. #257

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach twittert erst seit wenigen Wochen - dafür aber umso intensiver: über Hitler, Stalin*und die NSDAP, die sie als "linke Partei" bezeichnet. Eine Provokation, sagt Steinbach selbst. Kritiker und Historiker sind befremdet.

    Steinbach-Eklat auf Twitter: "Die Nazis waren eine linke Partei" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Ich möchte mal eine wissentschaftliche Definition sehen, was links ist.
    Bei Klemperer (Tagebücher) habe ich gelesen, dass er (Klemperer) die NSDAP für eine linke Partei hielt. Nicht, dass er im wissentschaftlichem Sinn recht hatte. Kann ich gar nicht beurteilen. Jedoch war er Zeitzeuge. Und wenn man die Bücher hier nicht gefälscht hat, so war er 1930 tatsächlich der Meinung, die Nazis ständen links. Ich halte den Herrn Klemperer für einen zu dieser Zeit hochgebildeten Menschen. Offenbar gab es damals die Einteilung von "extrem links" und "extrem rechts" nicht.
  9. #258

    Erklärungsbedarf

    Zitat von TeeAt5 Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht der Meinung, daß die NSDAP ausschließlich links oder ausschließlich rechts gewesen ist. Jedoch ihr Drang, eine Gesellschaft von Grund auf neu zu erschaffen, ihre Abneigung gegen das Bürgerliche (was auch schön in der Architektur zu beobachten ist - faschistische und kommunistische Architektur gleichen sich nicht zufällig), ihr Streben nach Gemeinschaft statt nach Individualität, ihr Drang nach einer umfassenden Ideologie, all das hat sehr viel zu tun mit Sozialismus und Kommunismus. Und mit diesen Punkten möchte man sich in Deutschland, zumindest auf linker Seite, nicht auseinandersetzen.
    Dann erklären Sie uns doch bitte mal, inwieweit eine Gesellschaft, in der nach Ausschaltung der Gewerkschaften und Beseitigung des Streikrechts, ein Fritz Thyssen dann zum Treuhänder der Arbeit bestellt wird, sozialistisch ist.

    Wenn der Betriebschef auch gleichzeitig Betriebsrat ist, entspricht das doch wohl eher dem perfekten Kapitalismus.
    MFG
    jolip
  10. #259

    Exakt!

    Zitat von gandhiforever Beitrag anzeigen
    die die NSDAP als linke Partei bezeichnen, haben eines gemeinsam:

    es handelt sich um Rechtsextreme.
    Wobei die Perfidie darin liegt, das Negative Image mit Links umzuchiffrieren und somit gleichzeitig auf den politischen Antagonisten als ursächlich zu verorten, um sich selbst scheinbar weit von seinen Bürdern im Geiste zu distanzieren.

    Nicht umsonst wird dieser Dumpfbackentrick gerne von unseren Rechtspopulisten zur Wählertäuschen bemüht.

    Unvergessen Franz-Josef Strauß, der die sozialdemokratischen Sozialisten eben die SPD als Verwandte des Hitlerschen "Nationalsozialismus" diffamierte. Und womöglich die Hälfte der Dummbeutel zupflichtete.

    Den Vogel schoss aber ein anderer:

    [QUOTE]"Die von Strauß und Stoiber angeschlagene Melodie übernahm auch bald der Parteinachwuchs. Alfred Sauter, Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) Bayern, nannte im "Bayernkurier" die "Jusos, Judos und sonstige Kommunistenspezies" kurzerhand "kriminelle Gestalten", denn: "Sie imitieren auch mit erkennbarer Lernfähigkeit und schneller Auffassungsgabe Methoden der SS und SA sowie der übrigen Nationalsozialisten vor und nach der Machtergreifung im Jahre 1933 ... Nationalsozialisten waren eben auch und vor allem Sozialisten."[QUOTE]

    DER SPIEGEL*44/1979 - Die letzten wurden 1934 ermordet