Statistik-Tücken: Arm ist nicht gleich arm

dapdEin geringes Einkommen bedeutet nicht zwangsläufig Armut - das hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft ergeben. Demnach besitzt jeder sechste Erwachsene, der offiziell als arm gilt, ein nennenswertes Vermögen: etwa Aktien, Sparbücher, Immobilien.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...828175,00.html
  1. #90

    Zitat von wohlmein Beitrag anzeigen
    Aus Wikipedia:
    Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) mit Hauptsitz in Köln und einem Hauptstadtbüro in Berlin ist ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschunginstitut.
    Machen Sie auch so einen Aufriss, wenn es um Studien von Instituten geht, die eben gewerkschaftsnah oder gar der Linken nahe stehen. Da konnte ich noch keinen Beitrag von Ihnen lesen. Ich erinnere mich nur an den "Statistikfehler" vor der letzten BT-Wahl, wo es danach dann hieß, ach sind doch nit so viele Kinder arm.
  2. #91

    Schwer

    Die ganze Diskussion hier zeigt eines ganz deutlich:
    Es ist unmöglich sich objektiv und sachlich über das Thema Armut zu unterhalten!
    Das beginnt schon damit, dass es keine einheitliche Definition des Begriffes "Armut" gibt. Wenn man also zunächst mal darüber streiten muss, was Armut eigentlich ist, kommt man kaum zu einem Ergebnis, ob die Armut in Deutschland nun wächst oder zurück geht oder wer überhaupt arm ist und wer nicht.
    Jedem Versuch, Armut statistisch zu erfassen, wird mit Einzelbeispielen begegnet. Das gilt übrigens für alle Beteiligten. Es werden einerseits ein paar einkommensschwache aber ansonsten Vermögende erwähnt und andererseits die hart arbeitenden aber ansonsten unvermögenden Geringverdiener ins Feld geführt, die als exemplarisch für die Klasse der 'Nicht Reichen' angesehen werden.
    Das Eine ist so falsch wie das Andere. Natürlich gibt es diese Fälle, aber sie stellen jeweils nur einen kleinen Ausschnitt dar.
    Armut ist zudem vom Prinzip her subjektiv, da jeder eine Situation mit geringem Einkommen oder Vermögen anders empfindet. Ich kenne Leute, die mit wirklich wenig Geld auskommen müssen, diese Situation aber eher als Herausforderungen denn als Schicksal betrachten. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch Leute, die mit einem zwar niedrigen aber auskömmlichen Einkommen nicht zurecht kommen und sich deshalb als arm empfinden.
    Weil das so ist, kann man keine allgemein zufriedenstellende Definition des Begriffes Armut über Parameter wie Einkommen oder Vermögen finden.
    Wenn man Strategien zur Armutsvermeidung entwickeln will, muss aber nunmal irgendwie den Begriff Armut in ein Zahlenkorsett zwingen, das mal mehr und mal weniger gut passt. Insofern ist jeder neue Ansatz jenseits der einfachen <60%-Betrachtung erstmal zu begrüßen und deswegen auch die im Artikel erwähnte Studie nicht komplett zu verneinen.
    Man muss aber natürlich aufpassen, für wen die erzielten Ergebnisse Gültigkeit besitzen und für wen nicht.
  3. #92

    Zitat von pepe_sargnagel Beitrag anzeigen
    vgl. zu den Aufstockern auch
    http://www.ifm-bonn.org/assets/docum...aper-02-11.pdf
    oder
    &bull; Aufstocker | Daten & Fakten

    Es scheinen erheblich mehr als 0,25 Prozent zu sein.
    Hmm,

    lt. Sozialstaat: Der Aufschrei der Hartz-IV-Aufstocker - Deutschland - Politik - Wirtschaftswoche

    gibt es z.Zt. 300.000 Beschäftigte, welche trotz Vollzeitjob aufstocken müssen.
    M.E. darf man von diesen 300.000 lediglich Einzelpersonen (Singles) berücksichtigen, denn wenn von dem Lohn noch mehrere Mäuler gestopft werden müssen, ist es logisch, das der Lohn evtl. nicht ausreichen kann.
  4. #93

    Mutter war fleissig und eigenverantwortlich

    Zitat von box-horn Beitrag anzeigen
    Wenn ein Millionär keine Millionen hätte, wäre er auch "arm". "Arm" ist eben keineswegs nur eine Frage der laufenden Einkünfte. Ihre Mutter hat anscheinend nie gearbeitet und hat daher nur die Witwenrente. Aber sie besitzt die Eigentumswohnung, und die ist dabei sehr wohl zu berücksichtigen, denn sie ist werthaltig. Zu den genannten Einkünften müssen Sie daher die ersparte Miete hinzurechnen, und dann wäre sie vermutlich bei weit mehr als 1000 € monatlich entschieden nicht "arm" zu nennen. Würde sie die ETW verkaufen, hätte sie mit einem Schlag 150.000 oder mehr Euronen mehr auf dem Konto. Ist DAS Ihr Begriff von "arm"?
    Sie hat 5 Kinder großgezogen und hatte eine Putzstelle um die Hypothekenzinsen für die EW mit abzahlen zu können. Klar hatten wir auch einen Vater. Der hat als Verkäufer im Einzelhandel (Lebensmittel) aber auch nicht Unsummen verdient! Für die Wohnung bekäme sie hier mal gerade so um die 60 000 € von denen sie die Hälfte (Erbe) den Kindern auszahlen müsste. Rechnet man die restlichen 30 000 auf Ihre weitere Lebenserwartung aus, so hätte sie mal gerade 130 € mehr im Monat.
  5. #94

    Zitat von moeschtijall Beitrag anzeigen
    Für die Wohnung bekäme sie hier mal gerade so um die 60 000 € von denen sie die Hälfte (Erbe) den Kindern auszahlen müsste.
    Wenn das nicht gewollt war, hätten die Eheleute ein Berliner Testament abschließen können.
  6. #95

    Wozu ?

    Zitat von gazettenberg Beitrag anzeigen
    Wenn das nicht gewollt war, hätten die Eheleute ein Berliner Testament abschließen können.
    Wir Kinder sind doch auch dafür, daß sie so lange wie möglich, evtl. auch bis zu ihrem Ableben, in der ihr vertrauten Wohnung und Umgebung leben kann! Das Recht darauf hat sie sich doch erarbeitet! Mutter bezeichnet sich selbst ja auch nicht als arm. Vermögend ist sie aber auf keinen Fall. Reisen, Hobbys oder sonstiges kann sie sich jedenfalls nicht leisten.
  7. #96

    Gegenrechnung

    Zitat von moeschtijall Beitrag anzeigen
    Sie hat 5 Kinder großgezogen und hatte eine Putzstelle um die Hypothekenzinsen für die EW mit abzahlen zu können.
    ... den Fleiß Ihrer Mutter will ich nicht in Abrede stellen. Offensichtlich hat sie aber wie so viele andere Frauen auch, nie in die Rentenkasse eingezahlt. Und darum hat sie jetzt eben nicht mehr als die Witwenrente.
    Klar hatten wir auch einen Vater. Der hat als Verkäufer im Einzelhandel (Lebensmittel) aber auch nicht Unsummen verdient! Für die Wohnung bekäme sie hier mal gerade so um die 60 000 € von denen sie die Hälfte (Erbe) den Kindern auszahlen müsste. Rechnet man die restlichen 30 000 auf Ihre weitere Lebenserwartung aus, so hätte sie mal gerade 130 € mehr im Monat.
    Diese Rechnung bringt's nicht. Sie müssen die ersparten Aufwendungen gegenrechnen, und das ist die Miete, die sie nicht zahlt. Sie könnten auch gegenrechnen, was die Vermietung der Wohnung Ihrer Mutter an Einkommen brächte, und das wären unter Garantie weitaus mehr als 130 € monatlich auf Lebenszeit.
  8. #97

    ok....

    Zitat von box-horn Beitrag anzeigen
    ... den Fleiß Ihrer Mutter will ich nicht in Abrede stellen. Offensichtlich hat sie aber wie so viele andere Frauen auch, nie in die Rentenkasse eingezahlt. Und darum hat sie jetzt eben nicht mehr als die Witwenrente.

    Diese Rechnung bringt's nicht. Sie müssen die ersparten Aufwendungen gegenrechnen, und das ist die Miete, die sie nicht zahlt. Sie könnten auch gegenrechnen, was die Vermietung der Wohnung Ihrer Mutter an Einkommen brächte, und das wären unter Garantie weitaus mehr als 130 € monatlich auf Lebenszeit.
    also nochmal. Mutter hat jetzt 620 € Witwenrente. Sie wohnt in eben dieser Wohnung mietfrei. Muß von der Witwenrente aber auch Krankenkasse, Heizung, Strom, Umlagen (incl. 50,-€ Rücklagenbildung), Haftpflichtverung, GEZ und Grundsteuer bezahlen. Für meine Begriffe ist Mutter also keineswegs *vermögend*. Sie selbst bezeichnet sich auch nicht als arm und ist aufgrund ihrer Bescheidenheit auch zufrieden.
  9. #98

    letzter Versuch...

    Zitat von moeschtijall Beitrag anzeigen
    also nochmal. Mutter hat jetzt 620 € Witwenrente. Sie wohnt in eben dieser Wohnung mietfrei. Muß von der Witwenrente aber auch Krankenkasse, Heizung, Strom, Umlagen (incl. 50,-€ Rücklagenbildung), Haftpflichtverung, GEZ und Grundsteuer bezahlen. Für meine Begriffe ist Mutter also keineswegs *vermögend*. Sie selbst bezeichnet sich auch nicht als arm und ist aufgrund ihrer Bescheidenheit auch zufrieden.
    habe ich das irgendwo abgestritten? Fraglos hat Ihre Mutter keine hohen Einkünfte durch die Rente. ABER wegen der ETW ist sie andererseits nicht "unvermögend". WOLLTEN Sie den tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzen für Ihre Mutter ermitteln, ihre wirkliche Vermögenssituation, müßten Sie zu der Rente den virtuellen Ertrag hinzurechnen, der sich aus der Mietersparnis ergibt oder den potentiellen Ertrag aus einer Vermietung, d.h. einer wirtschaftlichen Nutzung der Wohnung hinzurechnen. Und damit läge sie vermutlich bei über 1000 €.

    Ganz anders sähe die Sache nämlich aus, hätte sie eben nur die 620 € Witwenrente und KEINE ETW, denn davon müßte sie außerdem auch noch Miete zahlen und käme in der Tat finanziell nicht ohne Hilfe "vom Amt" oder durch Unterstützung von Ihnen und Ihren Geschwistern über die Runden. Und eben WEIL ihr die ETW dies erspart, ist diese Ersparnis in Wirklichkeit zu der Rente hinzuzurechnen. Jetzt klar?
  10. #99

    Zitat von ginfizz53 Beitrag anzeigen
    ..zwei Begriffe sind, die nichts miteinander zu tun haben, ist eine solche Trivialität, dass es sich eigentlich gar nicht lohnt, zu erwähnen.

    Das Eine bedingt noch nicht einmal zwangsläufig das Andere. Man kann Einkommen erzielen, ohne Vermögen zu besitzen oder es daraus anzuhäufen und man kann Vermögen besitzen, ohne daraus Einkünfte zu generieren.

    Dass sich darüber die Rächer der Enterbten mit den roten Strumpfhosen aus dem Sozi-Forest aufregen, zeigt nur, wie beschränkt und zirkulär deren Denken ist.

    Dass sie dabei auch den Besitzer einer großen Villa mit dickem Daimler , der seinen Hunderttausende-von-Euro-Job geschmissen hat um von seinem Kapital zu zehren, mit dem gemeinen Hartz IV-er in einen Topf werfen, fällt ihnen in ihrer Beschränktheit nicht ein.

    Genausowenig wie die Tatsache, dass einige (Achtung: Tabubruch!) sich tatsächlich in der sozialen Hängematte wohlfühlen.

    Da es beides nach ihrem Menschenbild nicht gibt, kann es nicht stimmen.

    Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf...
    Also ich denke dass sich auch viele Wohlhabende in die Hängematte legen obwohl sie nie dafür gearbeitet haben. Nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis sprich Job zu stehen heißt noch lange nicht, dass man faul ist. Im Gegenteil die freien Menschen machen viel sinnvollere und wertvollere Tätigkeiten für die Gesellschaft als die arbeitende Bevölkerung.