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Statistik-Know-how: Warum viele Ärzte ihre Patienten falsch beraten

CorbisViele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen. Berliner Wissenschaftler fordern deshalb eine verbesserte Ausbildung von Ärzten. Problematisch wird das fehlende Know-how bei der Beratung von Patienten. Denn falsche Auskünfte haben manchmal dramatische Folgen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...844210,00.html
  1. #1

    Ja...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen. Berliner Wissenschaftler fordern deshalb eine verbesserte Ausbildung von Ärzten. Problematisch wird das fehlende Know-how bei der Beratung von Patienten. Denn falsche Auskünfte haben manchmal dramatische Folgen.

    Viele Ärzte verstehen Statistiken zu Diagnosen nicht - SPIEGEL ONLINE
    Ja, das bestätigt meine Erfahrung - nicht bezogen auf Ärzte im Speziellen, sondern auch die Bevölkerung im Allgemeinen.

    Schon relativ "leichte" Modelle der Statistik, wie zum Beispiel das Ziegenproblem (auch unter Monty-Hall-Problem zu finden), werden von kaum jemandem richtig vorher gesagt geschweige denn verstanden.

    Probleme wirft das dann auch in der Kriminalistik oder am Flughafen auf, wenn Tests oder technische Kontrollen dann halt mal fälschlich positiv anschlagen.
  2. #2

    Zitat von khaja Beitrag anzeigen
    Ja, das bestätigt meine Erfahrung - nicht bezogen auf Ärzte im Speziellen, sondern auch die Bevölkerung im Allgemeinen.

    Schon relativ "leichte" Modelle der Statistik, wie zum Beispiel das Ziegenproblem (auch unter Monty-Hall-Problem zu finden), werden von kaum jemandem richtig vorher gesagt geschweige denn verstanden.

    Probleme wirft das dann auch in der Kriminalistik oder am Flughafen auf, wenn Tests oder technische Kontrollen dann halt mal fälschlich positiv anschlagen.
    Ja, das trifft auf die bei weitem überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zu. Wäre es nicht so, würde auch keiner mehr Lotto spielen und, wenn überhaupt Glücksspiel, z.B. Roulette. Aber was will man erwarten, wenn schon der Dreisatz kein Allgemeingut (mehr) ist.
  3. #3

    Schade, dass sich im Medizinstudium so wenig bewegt. Das ist eben der Nachteil des Staatsexamens, alles ist mehr oder weniger in Stein gemeißelt - und die Maxime lautet immer noch wie vor hundert Jahren: Fakten, Fakten, Fakten - man prügelt sich in den Kopf, was nur irgendwie geht. Dabei sind Informationen heutzutage sekundenschnell überall abrufbar, aber "soft skills" und Methodenkompetenz müsste man immer wieder trainieren. Mir wäre ein Arzt, der Statistiken versteht, gut und sorgfältig untersuchen kann, aber ein Therapieschema mal kurz nachschlägt deutlich lieber als einer, der alles mögliche auswendig auf Abruf hat aber mit diesem Stapel zusammenhangsloser Informationen nicht richtig umgehen kann - und so funktioniert das Studium heute: Hauptsache, man kann das Multiple-Choice-Kreuzchen richtig setzen...
  4. #4

    Sehr nötiger Artikel

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen.
    Viele Ärzte verstehen Statistiken zu Diagnosen nicht - SPIEGEL ONLINE
    Nur fürchte ich, gerade die Ärzte, die es am nötigsten hätten, werden solche Artikel nicht lesen, da sie als selbstempfundene Halbgötter ihren Lernbedarf nicht wahrhaben wollen.
  5. #5

    Stellt sich die Frage...

    ...hat schon mal jemand Medizin studiert, weil er in der Schule so gut in Mathe war? Mein Eindruck ist, dass eher das Gegenteil zutrifft.

    Da Mathematik bei weitem nicht die einzige Schlüsselqualifikation ist mag das sogar sinnvoll sein, aber dann sollte man in der Ausbildung gezielter daran arbeiten, diese Schwäche auszugleichen.
  6. #6

    So ist das

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen.
    Damit reihen sich die Mediziner in weite Teile der Bevölkerung ein. Man erkennt Menschen, die Statistiken nicht interpretieren können, an einem einfachen Zitat. "Ich traue nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe".

    Churchill hat zwar durchaus gelogen und betrogen, um politische Ziele zu erreichen. ABei heutigen Statistiken läuft es nur darauf hinaus, dass Menschen auf Zusammenhänge schließen, die nicht vorhanden sind. Typische Beispiel sind Korrelationen von nicht zusammenhängenden Ereignissen, wie Storchen und Kindern oder das Übertragen von Durchschnittswerten auf Einzelereignisse.
  7. #7

    Nicht nachvollziehbar

    Ich kann die Kritik an der Medizinerausbildung nicht nachvollziehen. Immerhin wird min. ein Semester Statistik (vorgeschrieben auch in der ÄAppO) ausreichend unterrichtet. Eingegliedert in den Themenbereich EBM (Evidence Based Medicine) ist gerade das Lernziel Statistiken richtig zu lesen und Studien auszuwerten und bewerten zu können (Signifikanzniveau, P-Wert etc.). Seit wann es diesen Lernplaninhalt gibt kann ich jetzt nicht sagen (2004?). Ganz davon abgesehen ist fast jeder Mediziner, der eine Dr.-Arbeit schreiben will, gewzungen sich gewisse Statistikkenntnisse anzueignen. Ohne läuft heute meistens eh nichts. Naja meine Grundaussage soll sein, dass ich mich als Student der Humanmedizin schon in der Lage sehe Testfehler wie Falsch positiv etc. zu erkennen....auch wenn ich in der Schule kein Mathe LK oder ein Grundstudium der Mathematik absolviert hatte.
  8. #8

    Ein fehlendes Verständnis für Statistik ist natürlich nicht zu leugnen. Das seh ich an mir selber (obwohl ich eine Dissertation ohne Ghostwriter/Plagiaten geschrieben habe) sowie genauso bei Kollegen oder anderen Berufen. Schlimm ist es wenn einem Statistik-Fehler bzw -Ungereimtheiten sogar in renommierten Fachzeitschriften auffallen!

    Beim Arzt außerhalb wissenschaftlicher Tätigkeiten sehe ich den Bedarf an Fortbildung aber eher eingeschränkt notwendig. Man sollte sowieso anhand von Leitlinien-Empfehlungen, Behandlungspfaden oder zB Gebrauchsanweisungen den Ablauf und die Wertigkeit von Untersuchungen grob einschätzen können. Wieso sollte man sich mühselig aus Sensitivität, Spezivität und Prävalenz den positiv prädiktiven Wert des Hämoccults errechnen wenn man ihn einfach in der Packungsbeilagen oder den offiziellen Empfehlungen zum Darmkrebs-Screening nachlesen könnte?

    Die ganze Bias-Thematik (Vorlauf-, Überdiagnose-, Publikations-Bias, retrospektive Verzerrungen, Subgruppenanalysen, sekundäre Endpunkte etc etc etc...) betrifft in erster Linie die Wissenschaft, die Industrie, die Fachgesellschaften, die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger. Dort MUSS unbedingt mit guter Statistik gearbeitet werden!
    Dann sollte es auch für den Hausarzt möglich sein die Patienten gut zu versorgen ohne selber ein Statistikfreak zu sein.
  9. #9

    Statistikverständnis für Mediziner

    Ich unterrichte im Fach Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie in der Vorklinik und behandle dort Methoden: die einzige Veranstaltung, die in der Vorklinik überhaupt auf die im Artikel genannten statistischen Aussagen eingeht. Epidemiologischer Risikobegriff, absolute und relative Risikoreduktion, Number needed to treat: bei dem meisten Studierenden ist hierzu wenig vorhanden, es wird zwar zweckorientiert zum Bestehen des Physikums gelernt (und dieser Stoff wird häufig abgefragt), aber offensichtlich im klinischen Ausbildungsabschnitt auch wieder rasch vergessen. Nicht zu vergessen Lobbyisten, die mit diesen Statistiken werben: ein neuer Blutdrucksenker reduziert das Mortalitätsrisiko vom 2,0 auf 1,5%. Die absolute Risikoreduktion beträgt somit 0,5%, die relative Risikoreduktion beträgt aber gleich mal 25%. Was glauben Sie, wer mit welcher Zahl werben geht?


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