Forum


 

Start-up-Pioniere: "Ich dachte, die ziehen eine schnelle Nummer ab"

BonusboxWindbeutel oder Geschäftsgenie? Für Unternehmensgründer müssen potentielle Geldgeber nicht nur von ihrem Produkt überzeugen, sondern auch von den eigenen Fähigkeiten. Das Beispiel des Start-ups Bonusbox zeigt, mit welchen Vorurteilen sie oft kämpfen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...832460,00.html
  1. #1

    Von solchen Windbeuteln bekomme ich immer Anfragen

    Ich bekomme pro Monat ca. auch bis zu 10 Anfragen von solchen Windeiern. "Einzigartiges revolutionäres Konzept mit riesen Potential, suchen Entwickler, gegen Gewinnbeteiligung/Unternehmensanteile (ohne Mitspracherecht,...)".

    Kein Wunder, dass die keine vernünftigen Entwickler finden, denn dieser soll für ein paar Erdnüsse Wunder vollbringen.

    Anstatt das Geld gleich für 5 Geschäftsführer, schicke Büros, gedruckte T-shirts und sonstiges Brimborium rauszuhauen, sollte man die Entwickler entsprechend bezahlen (die meist noch gar nicht vorhanden sind), mit dem steht und fällt der Erfolg des Produktes. Wenn das mal fertig ist, kann man sich verstärkt ans Marketing machen und nicht umgekehrt.

    Die sind meistens Vollhonks die die verfilmte Zuckerbergsaga gesehen haben und sich denken: "Das können wir auch!. Irgendwas wie facebook, jetzt brauchen wir nur noch einen Entwickler".

    Da wundert das hier nicht:
    Deutlich schwieriger gestaltete sich dagegen die Suche nach einem Programmierer, der die theoretische Idee in praktische Software umwandeln konnte: "Nach einem IT-Spezialisten haben wir länger gesucht als nach einem Geldgeber", beschreibt der Jungunternehmer das derzeit größte Problem für Gründer. Jeden Tag schrieben sie 30 bis 40 Softwareentwickler an, fragten permanent im persönlichen Netzwerk herum, besuchten Technikertreffen, um sich Knowhow und die passende Fachsprache anzueignen.
    Genau solche Typen schlagen oben jeden Monat bei mir und anderen Kollegen auf, rauben einem Zeit und Nerven.

    "Den Programmierern musst du ebenso eine Vision verkaufen wie dem Investor",
    Wer Visionen hat sollte zum Arzt gehen. Entwickler wollen Geld und nicht mit spinnertem Gequatsche genervt werden.

    beschreibt Heesen die Methode, die ihm schließlich zum Erfolg verhalf: "Er muss das Produkt für sein Baby halten."
    Aha, sehr seriös. Ein typisches Windei. Andere über den Tisch ziehen.

    Ohne Unternehmensbeteiligung für den Technologen gehe es deshalb auf keinen Fall. Zwischen 10 und 20 Prozent sind derzeit offenbar der gängige Anteil für den Chefentwickler. Doch selbst die locken nicht, wenn der Spaßfaktor fehlt.
    Nein, weil die oft erkennen dass es eine Schnappsidee ohne Erfolgsaussichten ist. Die wollen vorher ihr Geld für ihre Arbeit.

    "Die guten Programmierer wollen sich selbst verwirklichen, etwas wirklich Einmaliges und Innovatives erschaffen", sagt der Gründer. Zumindest da passen sie ja perfekt mit den Start-ups zusammen.
    In seinen feuchten Träumen vielleicht. Der sollte sich mal fragen warum er keine Leute findet.
  2. #2

    You can't have it all

    Zitat von hartholz365 Beitrag anzeigen
    Ich bekomme pro Monat ca. auch bis zu 10 Anfragen von solchen Windeiern. "Einzigartiges revolutionäres Konzept mit riesen Potential, suchen Entwickler, gegen Gewinnbeteiligung/Unternehmensanteile (ohne Mitspracherecht,...)".

    Kein Wunder, dass die keine vernünftigen Entwickler finden, denn dieser soll für ein paar Erdnüsse Wunder vollbringen.
    [..]
    Die wollen vorher ihr Geld für ihre Arbeit.
    An ihren Aussagen sieht man deutlich ihre Angestelltenmentalität. Das ist nicht Schlimmes und ich bin selber lieber angestellt als selbstständig. Angestellt sein ist komfortabel, einträglich und sicher.

    Jedoch weiss ich auch, dass ich als Angestellter nur einen begrenzten Wohlstand in meinem Leben erreichen werde und auch nur, wenn ich einen guten Teil meines Einkommens spare. Meine Einkommensteigerungen werden nämlich sehr begrenzt sein. Ausserdem weiss ich, dass ich mit spätestens 50 entweder eine irgendwie leitende Funktion haben sollte oder einen so guten Vertrag, dass es für meine Firma schlicht zu teuer ist, mir zu kündigen. Sonst bin ich weg vom Fenster - soviel zur Sicherheit.

    Ich weiss das alles und ich habe trotzdem die Entscheidung für mich getroffen, dass ich Angestellter werde. Da es jedoch meine bewusste Entscheidung war, muss ich dann später auch nicht neidisch sein auf die Leute, welche in ihrem Leben mehr Geld gemacht haben.

    Es gibt jedoch auch Entwickler, welche mehr wollen im Leben. Sei es mehr Geld (im Sinne von richtig mehr Geld), sei es mehr Selbstbestimmung, sei es das Gefühl etwas geschaffen zu haben.

    Diese Entwickler werden dann Gründer und gehen dabei ein erhebliches Risiko ein. In der Tat werden Gründer eben nicht in harten Euros, sondern in Unternehmensanteilen bezahlt, welche sich immer nur in der Zukunft und immer nur im Erfolgsfall jemals auszahlen werden.
    Das ist höchst unsicher und kann und wird oft zu Nichts führen. Nur 1 von 10 Gründern wird jemals Land sehen. Das ist nicht notwendigerweise immer die Schuld der Gründer und nicht alle unerfolgreichen Produkte sind Luftnummern. Es gibt etliche Produkte, welche mehrere Anläufe und mehrere Gründungen brauchten und heute als großer Durchbruch gelten (vom Buchdruck bis zum Tablet).

    Jedoch, genau so funktioniert Fortschritt im Kapitalismus und das ist auch der Anreiz für Gründer. Nur wer ein höheres Risiko eingeht, kann auch höhere Gewinne machen, aber eben auch höhere Verluste. You can't have it all! .. Es sei denn du bist ein systemrelevanter Banker.
  3. #3

    Windeier

    Es ist unglaublich, was da gerade in der Startup-Szene abgeht. Ein typischer Hype. Wer schon mal irgendeine Management-Position htte, betätigt sich jetzt al Business-Angel. Wer schon mal was mit Geld gemacht hat, gründet schnell ne Crowdsourcing-Plattform oder wird Venture Capital-Berater. Hauptsache netzwerken und über 1000 Kontakte/Friends bei Xing, Linkedin oder Facebook haben. Und natürlich geht es um das schnell Geld, ein bisschen beraten, ein paar interessierte Kapitalgeber anschleppen und wenn es klappt, dann schnell ein par Milliönchen aufs Konto. Und die Medien machen mit und heizen den Hype mächtig an. Was isteigent lich aus AMEN geworden, wo ja sogar Ashton Kutcher beteiligt war ;-) ? Irgendwas mit Internet oder Facebook - und schon gehts los. Diese ganzen Luftschlösser werden bald zusammenbrechen und das investierte Geld ist bald wieder futsch. Ich stlle jetzt schon fest, dass in meinen Kreisen - alles internetaffine Early Adopters - die Social Media Nutzung deutlich zurückgeht. Ist ja auch irgendwann zum Gähnen. Diesen Coupon-Mist habe ich mir aus Interesse mal angesehen und nach zwei Wochen schnell wieder abgemeldet. Hat sich einer schon mal FB genauer angesehen. Eine mittlerweile total unübersichtliche Reklameplattform. Und Instacam? Eine Milliarde? Erst dachte ich, dass wäre schlich galoppierender Wahnsinn, bis mir jemand erklärte, dass da einfach Investoren, die sowohl bei FB als auch bei Instacam drin waren, vor Börsenstart von FB schon mal Kasse gemacht haben!
  4. #4

    Risiko

    Zitat von opag78 Beitrag anzeigen
    Jedoch, genau so funktioniert Fortschritt im Kapitalismus und das ist auch der Anreiz für Gründer. Nur wer ein höheres Risiko eingeht, kann auch höhere Gewinne machen, aber eben auch höhere Verluste. You can't have it all! .. Es sei denn du bist ein systemrelevanter Banker.
    Was für ein Risiko gehen denn die "Gründer" ein. Nach dem Studien gründen die halt ein bisschen, statt sch durch mies oder gar nicht bezahlte Praktika zu schleppen. Ist ja auch viel cooler. Das Risiko gehen die Investoren (und natürlich die Programmierer etc. ein). Die Gründer haben etwas Arbeits-/Lebenszeit investiert, für die zu dem Zeitpunkt meist nicht viel erlöst hätten.
  5. #5

    Zuhöhren!

    Ich bin auch so ein Programmierer, der für die Umsetzung solcher Ideen dringend gebraucht wird. Und ich kenne die Anfragen, die dann so kommen. Ich baue mal was wie Ebay, oder ich hab eine Idee für das zehnte Browserspiel wie XXX. Natürlich soll man seine Arbeitszeit kostenlos einbringen, gegen Beteiligung am Unternehmen, am Gewinn oder was immer.
    Wenn man dann ein paar Fragen zur Idee stellt, trennt sich ganz schnell die Spreu vom Weizen. Zum Beispiel: Schon mal überlegt, wie die Leute zu deinem Produkt kommen? Mal überlegt, ab wieviel Benutzern sich Deine Idee rechnet?
    Es gibt aber auch viele "Gründer", die sich wirklich schon diese Fragen gestellt haben. Die ein Konzept haben. Und dann wird es spannend. Da bringe ich mich auch gerne mit ein - auch wenn aus dem Projekt dann mal nichts wird.
    Aber ich denke, dass man eine gute Zukunft nur noch als erfolgreicher Selbständiger hast. Die Perspektive für Angestellte wird immer düsterer. Muss man ja nur einmal bei einem erfolgreichen Gründer mit im Boot sein. Und deshalb freue ich mich immer auf neue Ideen. Zumindest erstmal zuhören.
  6. #6

    Es gibt wie überall jede menge Idioten. Gibt ja auch Tausende jedes Jahr die Restaurants eröffnen und jämmerlich Pleite gehen, weil Sie keine Ahnung von nichts haben.

    Generell fand ich das Beispiel mit Rabatt Codes jetzt auch nicht so perfekt, weil der Markt ja schon gezeigt hat, das viele Unternehmen auf Coupon Codes immer weniger Lust haben.

    Davon abgesehen ist SAAS schon die Zukunft. Mit einem nützlichen Projekt hat man da gute Chancen, viel Geld zu verdienen.

    Programmierer müssen natürlich ordentlich belohnt werden. Wenn es etwas gibt wo man nicht sparen darf ist es die Programmierung und vor allem das Design bzw. die Usability. Wenn das nicht perfekt ist wird man ganz schnell kopiert und dann einfach ersetzt, weil die Kopierer in der Regel schöne Seiten machen.
  7. #7

    Lebenszeit ist kein Verlust?

    Zitat von blowup Beitrag anzeigen
    Was für ein Risiko gehen denn die "Gründer" ein. Nach dem Studien gründen die halt ein bisschen, statt sch durch mies oder gar nicht bezahlte Praktika zu schleppen. Ist ja auch viel cooler. Das Risiko gehen die Investoren (und natürlich die Programmierer etc. ein). Die Gründer haben etwas Arbeits-/Lebenszeit investiert, für die zu dem Zeitpunkt meist nicht viel erlöst hätten.
    Dir ist aber schon klar, dass sich die Firmen nicht unbedingt um gescheiterte Gründer reißen, oder. Diese mies bezahlten Praktika bringen dir Arbeitserfahrung ein und nach spätestens 3-5 Jahren bist du dann drin im System und bekommst ein schönes Gehalt. Was für Arbeitserfahrung sammelt man denn als Gründer ? Wenn du als Gründer scheiterst (was du auch erst nach 3-5 Jahren weißt) fängst du danach wieder bei Null an und hast in der Regel noch dein Eigenkapital verloren.
  8. #8

    gut überlegen

    Zitat von opag78 Beitrag anzeigen
    Dir ist aber schon klar, dass sich die Firmen nicht unbedingt um gescheiterte Gründer reißen, oder. Diese mies bezahlten Praktika bringen dir Arbeitserfahrung ein und nach spätestens 3-5 Jahren bist du dann drin im System und bekommst ein schönes Gehalt. Was für Arbeitserfahrung sammelt man denn als Gründer ? Wenn du als Gründer scheiterst (was du auch erst nach 3-5 Jahren weißt) fängst du danach wieder bei Null an und hast in der Regel noch dein Eigenkapital verloren.
    als gescheiterter gründer aus eigenem willen (also nicht zb. auf empfehlung der aa) sammelt man genauso arbeitserfahrung wie ein angestellter - eher noch mehr und breiter gefächert sowie um aspekte erweiteret, dei man als normaler angestellter gerade nicht sammeln kann - zb. mitarbeiterführung und teamorganisation. der verlust des ek muß nicht dramatisch sein, als gründer muß man die richtigen ideen haben - um das geld kümmern sich die investoren, darin besteht ja gerade der vc-gedanke.

    problematischer scheint mir eher der raubbau, den man als gründer an gesundheit und sozialen kontakten treibt - denn vom arbeitsaufwand gehört eine existenzgründung zu den aufwendugsten und belastendsten tätigkeiten. das alles, um nach ein paar jahre festzustellen, daß die träume, große kasse zu machen, sich als luftschloß erwisen haben. denn das bleibt als ergebnis für eher mehr denn weniger als 90% der versuche: sie scheitern kommerziell.

    mfg, carsten
  9. #9

    Zitat von collapsar Beitrag anzeigen
    als gescheiterter gründer aus eigenem willen (also nicht zb. auf empfehlung der aa) sammelt man genauso arbeitserfahrung wie ein angestellter - eher noch mehr und breiter gefächert sowie um aspekte erweiteret, dei man als normaler angestellter gerade nicht sammeln kann - zb. mitarbeiterführung und teamorganisation.
    Das hast du aber falsche Vorstellungen wonach die Arbeitgeber suchen.
    In der Regel wird man nicht als Chef eingestellt, sondern als Wissensarbeiter. D.h. wenn du unerfolgeich selbstständig warst, dann ist es schön, das du dich mal als Chef ausprobiert hast (allerdings offensichtlich nicht sehr gut), aber wo ist deine Erfahrung mit Konzernabläufen, wo ist deine Erfahrung als Teammitglied, wo ist deine Erfahrung mit professioneller Software (die in der Regel ja nur von größeren Firmen eingesetzt wird), wie sind deine Spezialkenntnisse bzgl. Arbeitsmethoden und Fachwissen? Für Leute mit "breit gefächerten Arbeitserfahrung" gibt es einen Begriff : Generalisten.

    Jedoch jeder Berufsanfänger ist Generalist - und verdient entsprechend wenig, es sei denn, er schafft es in die Nachwuchsführungsprogramme. Firmen suchen keine Generalisten, sie suchen Spezialisten aka Experten.








TOP



TOP