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Start-up-Pioniere: Dann werd' ich eben Chef

CorbisSelbständigkeit ist ein Abenteuer - aber warum Risiken eingehen, wenn es auch Angestellten gut geht? Wer in Deutschland eine Firma gründet, hat oft keine andere Wahl. Doch die Wirtschaft lebt von neuen Ideen. Deswegen trommeln Politik und Wirtschaft: Der Nachwuchs soll bald doch davon träumen, Chef zu werden.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...828707,00.html
  1. #1

    IHK und die Selbständigen

    Genau die in diesem Artikel so oft zu Wort kommenden IHK sind mit schuld daran, daß man als Deutscher keine rechte Lust an der Selbständigkeit hat, vom Steuerdickicht und dem Abmahnunwesen mal abgesehen!
    Sobald man ein Gewerbe oder einen Handwerksbetrieb eröffnet hat, ist man automatisch Zwangs-Mitglied bei den IHKs oder den Handwerkskammern und darf ab dann mit seinen zwangsweise eingetriebenen Pflichtbeiträgen dafür sorgen, daß die Präsidenten und Funktionäre dieser vordemokratischen Organisationen ein auskömmliches Leben in ihren repräsentativen Innenstadt-Palästen haben und üppige Pensionen bekommen.
    Wer mehr darüber lesen will: ihk zwangsmitgliedschaft - Google-Suche
  2. #2

    Ich habe meine Selbständigkeit nicht als sonderlich unkompliziert empfunden und es wird offenbar nicht leichter:

    - Bürokratie ohne Ende
    - Formulare, Formulare
    - Gründungszuschuss wird weniger attraktiv
    - der Beitrag zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung steigt
    - die Krankenkassenbeiträge sind hoch und sind ungerecht bemessen: Wenigverdiener zahlen im Verhältnis mehr als Vielverdiener
    - als nächstes drohen Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung
    - IHK-Beiträge, Steuerberater und was weiß ich noch

    Solange einem nicht wegen einer Superidee das Venture Capital nur so nachgeworfen wird, wollen alle erstmal nur Dein Geld.

    Man muss schon eine hohe Motivation mitbringen und sie ständig auffrischen - ich kann gut verstehen, wenn viele von den Hürden und Steinen-im-Weg abgeschreckt werden oder bald wieder die Lust verlieren.

    Und wer jetzt immer noch Laune hat, und seine vermeintlich sichere Anstellung aufgibt, erntet im Bekannten- oder Familienkreis zusätzlich nur Unverständnis. Alle akzeptieren zwar, dass es irgendwelche Großkonzerne gibt, für man bitteschön knechten soll - dass aber zu Beginn dieser Unternehmen meist ein mutiger Gründer stand, wird gerne ausgeblendet. Die Deutschen sind vielleicht einfach nicht zur kreativen Gestaltung ihrer Arbeitswelt geschaffen ;)
  3. #3

    Das...

    ... lässt sich durch einfache Lösungen vermeiden.

    Vergleiche die Diskussion zur Eindämmung der Macht der IHK und deren Zwangsgebühren in den Piraten-Foren.

    Ein Klaks.
  4. #4

    Nur ein Verrückter gründet noch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Selbständigkeit ist ein Abenteuer - aber warum Risiken eingehen, wenn es auch Angestellten gut geht? Wer in Deutschland eine Firma gründet, hat oft keine andere Wahl. Doch die Wirtschaft lebt von neuen Ideen. Deswegen trommeln Politik und Wirtschaft: Der Nachwuchs soll bald doch davon träumen, Chef zu werden.

    Start-up-Pioniere: Dann werd ich eben Chef - SPIEGEL ONLINE
    Ich würde mich heute keinesfalls mehr selbständig machen, denn der Staat legt einem Steine in den Weg wo er kann und das ohne Ende.

    Hier nur ein paar Punkte:

    - IHK Zwangsmitgliedschaft
    - Bürokratie ohne Ende (jeder Fleigenschiß bedarf einer behördlichen Genehmigung)
    - Völlig ungerechte Beiträge zur Krankenkasse bezogen auf das Einkommen
    - Bald völlig ungerechte Beiträge zur Rentenversicherung bezogen auf das tatsächliche Einkommen, dank Frau von der Leyen
    - Tyrannei durch das Finazamt (Willkür)
    - 70 Stundenwoche

    In Summe ist Deutschland alles andere als ein Gründerfreundliches Land. Die von Fr. von der Leyen angestrebte und völlig ungerechte Renetnversicherungspflicht (20% vom Gewerbertrag müssen abgeführt werden) schießt den Vogel jetzt vollends ab. Unter diesen Rahmenbedingunegn, macht die Gründung schlicht keinen Sinn, viele werden vermutlich sogar über kurz oder lang über eine Geschäftsaufgabe nachdenken. Denn in Deutschalnd werden Kleinbetrieb seit rund zehn Jahren systematisch benachteiligt.
  5. #5

    Abgesehen von den wenigen Leuten, die tatsächlich eine tolle Idee haben oder was erfunden, muss man ganz schon verrückt oder verzweifelt sein, um sich im heutigen Deutschland selbstständig zu machen.
    Von den Behörden und Finanzämtern wird einem unterstellt, man sei sowieso ein Steuerbetrüger, Krimineller, Geldwäscher, Schmuggler und auch sonst ein schlecher Mensch.
    Und damit liegen die gar nicht so falsch, denn ohne krumme Nebengeschäfte und Steuer.... überlebt keiner die erste Zeit, bis es dann vielleicht läuft.
    Die Schlauen gründen eine Firma im EU Ausland, kassieren hier nur das Geld ab und sind wieder weg.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Selbständigkeit ist ein Abenteuer - aber warum Risiken eingehen, wenn es auch Angestellten gut geht? Wer in Deutschland eine Firma gründet, hat oft keine andere Wahl. Doch die Wirtschaft lebt von neuen Ideen. Deswegen trommeln Politik und Wirtschaft: Der Nachwuchs soll bald doch davon träumen, Chef zu werden.

    Start-up-Pioniere: Dann werd ich eben Chef - SPIEGEL ONLINE
    Ja, richtig. Die IHK ist Teil des Problems. Glaspaläste gebaut mir Zwangsbeiträgen und statt sich als Dienstleister für die Unternehmen zu sehen agieren sie als bürokratische Hemmschuhe. Was als eigentlich sinnvolle Selbstverwaltung gedacht war, verkommt zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für gelangweilter Mitarbeiter und zur Pöstchenbörse für verdiente Alt-Unternehmer.

    Die andere Seite des Problems sind die in den letzten Jahrzehnten überbordenden Verpflichtungen neben dem eigentlichen Geschäft. So sind viele Sachen z.B. im Bereich Arbeitssicherheit lediglich Biotope für eine Beratungsindustrie ohne praktischen Nutzen.

    Ähnliches gilt für die zunehmende Verlagerung eigentlich hoheitlicher Aufgaben wie die des Zolls auf die Unternehmen. Natürlich immer verbunden mit aufwendigen und teuren Zertifizierungen.

    Und so könnte ich jetzt zwei Seiten weitermachen. Und ja, ich bin selbständig. Die IHK hab ich jedenfalls vor 25 Jahren nicht gefragt.
  7. #7

    Tja ...

    ... um nur mal zwei Dinge zu nennen ...

    * die Arbeitslosenversicherung, die ich über viele Jahre eingezahlt und natürlich nicht verwendet hatte, ist weg, nachdem ich mich aus ungekündigter stellung selbständig gemacht habe. Meiner Meinung nach sollte diese Versicherung nicht verfallen können, solange man selbständig ist, so daß man sie zur Verfügung hat, wenn es mit der Selbständigkeit nicht funktioniert und man auf normale Jobsuche geht ... so wie's jetzt ist, ist man dann auf Hartz IV mit allen Nebenwirkungen

    * warum man keine Riester-Förderung nutzen kann versteht keiner ... die sog. Rürrup-Rente ist keine Alternative und die oft behauptete anderseitige Besserstellung durch Steuerbegünstigung ist Käse, wenn die Einnahmen nicht so hoch sind ... d.h. man ist bzgl. der Rente deutlich benachteiligt, auch Stichwort Wohnriester

    Ein weiterer bitterer Punkt ist die systematische Bevorteilung von Großunternehmen durch die Politik, z.B. haben wir über Jahre mit verschiedenen Projekten versucht, in unterschiedlichste Förderprogramme zu kommen. Kann man vergessen. Über diesen Programmen kreisen die Aasgeier, die einen Teil des Geldes dafür wollen, daß sie es einem durch Kontakte verschaffen ... Oder die Politik, die dafür sorgt, daß selbst einfachste Dinge immer komplizierter werden, so daß kleine Unternehmen aus diesen Bereichen herausgedrückt werden. Was man z.T. vor 10 Jahren noch problemlos machen konnte erfordert heute z.T. irre Verrenkungen.

    Aber zumindest hat man seine Freiheit :-) ...
  8. #8

    Ich bin jetzt seit 2 Jahren selbständig - und ich habe niemals damit gerechnet, wie viele Steine einem in den Weg gelegt werden können. Die ersten fünf Jahre sollen die schwersten sein, habe ich von befreundeten Unternehmern gehört.

    Wenn man sich aus dem Nichts selbständig macht, ohne Rücklagen und ohne sonstiges "geregeltes" Einkommen wird man merken, dass zwar immer mehr Leute die Hand aufhalten, aber die entsprechende Unterstützung von irgendeiner Seite ausbleibt.

    Sobald die Hausbank, bei der man seit über 10 Jahren ein Konto hat, mitbekommt, dass man statt Gehalt jetzt ein unregelmäßiges Einkommen hat, wird der Dispo gekürzt. Wenn die Bank mitbekommt, dass der Großteil der Einnahmen gleich wieder für Mieten, Versicherungen etc abgebucht werden, und der Dispo im Minus ist, wird er gestrichen.

    Möchte man mit seinem Geschäftskonto einen Dispo erhalten, so geht das von vornherein nicht, weil Geschäftskunden-Dispos erst bei 5000€ beginnen.

    De facto ist genug Geld von bereits abgearbeiteten Projekten vorhanden - Liquiditätsengpässe entstehen aber immer wieder durch nicht bzw. arg verspätet zahlende Kunden.

    Wir leben derzeit unter dem Hartz4-Satz, arbeiten dafür den ganzen Monat und sehen das Geld für Fixkosten verpuffen.

    Ob die ersten fünf Jahren die schwersten in der Selbständigkeit sind, kann ich noch nicht beurteilen.

    Die ersten zwei sind jedenfalls die härtesten, die ich in 15 Jahren Berufsleben hatte.
  9. #9

    kann man denn davon wenigstens leben?

    Zitat von quark@mailinator.com Beitrag anzeigen
    ...

    Aber zumindest hat man seine Freiheit :-) ...
    ist das denn auch so?

    wenn soviele Selbstständigkeiten aus der Not geboren werden:
    - Ist die Arbeit dann nicht immer noch genauso beschissen und sinnlos wie in einem Angestelltenverhältnis?
    - Verhält es sich evtl. so, dass man als Angestellter den Chef und die Firma nicht leiden kann und als Selbstständiger eben die IHK und die jeweiligen Politfrösche?
    - Wie denken die Selbstständigen denn im Schnitt über den Schritt in die Freiheit / Unsicherheit?
    - Woran scheitern sie?
    - Kommen die Erfolgreichen nach einer Startphase mit normalem Aufwand über die Runden, oder wird tatsächlich allerorten gebuckelt bis die Schwarte kracht?

    Das würde ich alles gerne mal wissen :)


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