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Städtetipp Buenos Aires: Tangoparty im Sonnenuntergang

Getty Images / CoverTanzende Egomanen, Straßentrommler, Einradkünstler im Park: Buenos Aires strotzt vor Lebensfreude. Reisebuchautor Wolfgang Rössig lotst Argentinien-Urlauber in die besten Nachtclubs - und erklärt Tango-Frischlingen, wie sie ihre erste Milonga überleben.

http://www.spiegel.de/reise/staedte/...827343,00.html
  1. #1

    Kein Gesamtkunstwerk

    Zitat: „Italienischer Lebenslust und Stilsicherheit begegnet man überall. Very british gibt man sich dagegen im Polo-Club, beim Schlangestehen und im Richmond Café zur heiligen tea time. In den Kaffeehäusern glaubt man sich hingegen eher nach Wien oder Prag versetzt, und die Melancholie der Vorstädte trägt osteuropäische Züge. Zu guter Letzt: Die Eleganz der Viertel Retiro und Recoleta zeugen von der Bewunderung für das Frankreich des Fin de siècle. Eigentlich ist Buenos Aires ein europäisches Gesamtkunstwerk, das es in der alten Welt so nie gegeben hat.“

    Angenehm zu lesen. Ein Reisebericht soll animieren und nicht deprimieren, er soll die die Schönheiten eines Ortes herausstellen, Atmosphärisches einfangen, er soll Lust darauf machen, dorthin zu fahren. Gegen diese rosarote Brille ist nichts zu sagen, allerdings darf sie nicht zu tief eingefärbt sein, weil dann der Blick für die Realitäten verschmiert. Der Autor, Herr Rössig, erfährt man, ist ein Kenner Mittel- und Südamerikas, immer ein halbes Jahr lang zwischen Mexiko und Feuerland unterwegs, beneidenswert. Da kann ich nicht mithalten, aber einen Eindruck von Buenos Aires habe ich aus mehreren Besuchen. Ich will diesen Eindruck hier nicht ausführlich wiedergeben, das würde Seiten füllen, ich will auch kein Spielverderber sein und alles schlechtmachen, nur so viel: Buenos Aires ist nicht nur die Welt des Tango, der Leichtigkeit, der illustren Melancholie, des nostalgischen Fin de siècle-Feelings. Buenos Aires ist für mich auch kein nach Südamerika ausgelagertes Gesamtkunstwerk.

    Buenos Aires ist auch eine Stadt der Verzweiflung, ein Moloch der Armut, einer der hässlichsten Orte der Welt. Herrn Rössig sei als Kontrastprogramm ein Besuch zum Beispiel der „Villa 31“ empfohlen, ausgesprochen „Vischa“, Villa 31 liegt in der Innnenstadt im Stadtteil Retiro, den Herr Rössig so elegant findet, also leicht zu erreichen. Die Villas miserias mit der beschönigenden offiziellen Bezeichnung „Villa de emergencia“ sind in keinem Stadtplan verzeichnet, sie wuchern namenlos weiter in der Peripherie der 3-Millionen-Stadt, in deren Großraum 12 Millionen leben, besser gesagt, mehrheitlich hausen. Mit dem Elendstourismus ist das so eine Sache... mir persönlich liegt er ebenso wenig wie der Tourismus mit der rosaroten Brille – aber trennen lassen sich beide nicht, besonders in den Mega-Städten nicht.
  2. #2

    Schlimm ist, wie die Leute leben: Alle Fenster sind vergittert, ständige Panik vor Überfällen und Entführungen, wenn man ins falsche Taxi einsteigt, kann das übel enden.
    Man kann seine Kinder nicht einfach auf der Straße spielen lassen, viele ziehen in private Wohnanlagen, die mit Mauern und privaten Sicherheitdiensten das Elend von draußen abhalten.
    Seit der Wirtschaftskrise hat sich die Stimmung sehr gewandelt, vorher konnt man wirklich toll durch die Stadt spazieren und alles genießen, jetzt haben die Leute nur noch Panik vor der gewaltig gestiegenen Kriminalität.
    So hab ich es jedenfalls währen den letzen 22 Jahren in 4 teilweise mehrmonatigen Aufenthalten in Bs As erlebt.
  3. #3

    es liest sich alles so schön glatt und wohlgeformt..

    , wie aus dem tui-katalog, mit beilagen aus dem polyglott, der immer alle geheimtips einer statt offenbart.
    ich war noch nie dort und würde doch zu gerne dort hin fahren-wollen- diesen bericht finde ich da eher nicht dafür geeignet, höchsten dazu selbst nachzusehen was es anderes zu entdecken gibt, das neben den gängigen klischees auch den realen alltag eines landes zeigt, dem es gerade mal besser geht als einer armen kirchenmaus.
    na ja und was sagt mir bild 14?
    "Eigentlich ist Buenos Aires ein europäisches Gesamtkunstwerk, das es in der alten Welt so nie gegeben hat."
    und dazu gehört wohl auch der ins bild geklebte mond..
    ciao
  4. #4

    Schöner Artikel, aber mit der Übersetzung hapert es: Che bedeutet, He Alter, oder He Du ... und BOLUDO, ist jemand mit dicken Eiern, so wie früher, He Du Eiermann. Daß heute jeder einen BOLUDO geschimpft wird, steht auf einem anderen Blatt, es ist und bleibt ein Gassenwort
  5. #5

    Sicherheit ist immer ein Thema in Buenos Aires

    Zitat von chupamela Beitrag anzeigen
    Schlimm ist, wie die Leute leben: Alle Fenster sind vergittert, ständige Panik vor Überfällen und Entführungen, wenn man ins falsche Taxi einsteigt, kann das übel enden.
    Man kann seine Kinder nicht einfach auf der Straße spielen lassen, viele ziehen in private Wohnanlagen, die mit Mauern und privaten Sicherheitdiensten das Elend von draußen abhalten.
    Seit der Wirtschaftskrise hat sich die Stimmung sehr gewandelt, vorher konnt man wirklich toll durch die Stadt spazieren und alles genießen, jetzt haben die Leute nur noch Panik vor der gewaltig gestiegenen Kriminalität.
    So hab ich es jedenfalls währen den letzen 22 Jahren in 4 teilweise mehrmonatigen Aufenthalten in Bs As erlebt.
    Was Sie schildern ist mir bei meinem letzten Besuch auch überdeutlich aufgefallen, und ziemlich unangenehm. Buenos Aires wird zu einer mehrfach gespaltenen Stadt – das gesamte Barrio Norte, also das Wohngebiet der reichen Bevölkerung, scheint sich zu verschanzen. Selbst das normale Treiben auf den Straßen wirkt nicht mehr so locker wie zuvor, zum Beispiel in den Edel-Stadtteilen direkt am Rio de la Plata, in Recoleta oder Palermo. Für einige Tage war ich zu Gast in einem Haus an der Grenze zwischen Villa Pueyrredón und Coghlan – hier igelt sich die gehobene Mittelklasse ein, und wie. Ich kannte das Haus von einem früheren Aufenthalt, doch nun ist alles vergittert und verrammelt, ein neuer 3,5 Meter hoher Zaun grenzt das Grundstück von der Straße ab, und natürlich gibt es einen Wachdienst: Seguridad 24 horas, Rundumsicherheit Tag und Nacht. Sicherheit ist immer ein Thema. Das geht auch auf die Stimmung der Bewohner, sogar merklich. Wenn man nur mal in der Innenstadt herumgucken will oder etwas einkaufen will, dann kommen diese unsägliche Tipps: da nicht hingehen, das meiden, soetwas lieber lassen, und dann die Frage: „Wieso bleibst du nicht hier? Ich bring‘ dir mit was du brauchst.“ Tango, Lebensart, die feurigen Argentinier... mag ja sein, aber so richtig Spaß macht das alles in Buenos Aires nicht mehr.
  6. #6

    lebende Tangolegende?

    "die lebende Tangolegende Carlos Gardel" heißt es im Artikel. Er ist seit 1935 tot...
  7. #7

    Ich bin doch ziemlich enttäuscht von den meisten Kommentaren. Nur weil ihr das Privileg genießt, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben (und zwar durchaus auch auf Kosten anderer Länder), schaut ihr auf andere Länder herab. Es ist klar, dass in Buenos Aires nicht alles so tadellos funktioniert und dass es mehr Armut als in Deutschland gibt.
    Aber richtig ist auch, dass Buenos Aires aufgrund seiner Zuwanderungsgeschichte über die letzten 100 Jahre ein einmaliger und hochinteressanter Ort gibt, der tatsächlich ein Europa abbildet, das es in Europa selbst nicht gibt. Das macht Buenos Aires eigentlich auch untypisch für Lateinamerika.
    Ich habe mehrere Jahre dort gelebt und muss sagen, dass die Stadt kulturell um ein Vielfaches mehr zu bieten hat als z.B. Berlin. Und auch in Berlin gibt es Kriminalität und Viertel, in denen man sich nicht sicher fühlt. Nur mal nebenbei gesagt...
    Daher danke ich dem Autor dieses Artikels dafür, die schönen und einmaligen Seiten dieser wunderbaren Stadt zu betonen!
  8. #8

    Ich wollte eigentlich nur sagen, dass sich die Stimmung in den letzten Jahren sehr verändert hat.
    Im Schüleraustausch 1990 bin ich oft alleine spät nachts durch die Stadt spaziert, ganz alleine, ohne irgend wie Angst zu haben. Die Gastfamilie hat einen sehr netten Garten mit Pool, da haben wir oft sehr schöne Feste gefeiert.
    Heute sitzt da niemand mehr am Pool, es könnte jemand über die Mauer klettern, haben sie mir erklärt.
    Eine andere Bekannte ist aus einem kleinen Häuschen in ein Hochhaus gezogen, da man da nicht so leicht einbrechen kann.
    Keine 400 Meter von unserem Haus wurde ein Nachbar erschossen, als er seine Einkäufe aus dem Auto ausgeladen hat.
    Sogar der Zeitungsausträger wurde direkt vor der Haustür überfallen.
    Das war in Villa Ballester, ein eher besseres Viertel im Norden.
    Man merkt den Leuten an, dass sie in ständiger Panik leben, Panikattacken sind wohl ein sehr weit verbreitetes Leiden.
    Ich finde das wirklich extrem schade, Bs As ist wirklich toll, nur macht es halt keinen Spaß mehr, wenn man sich ständig bedroht fühlt.
    Ich habe da sehr viele sehr liebe Freunde, die ich gerne besuche, ich kuck dann aber, dass ich so schnell wie möglich nach Patagonien oder Misiones komme, da hab ich auch viele Freunde, die leben um ein vielfaches entspannter.
  9. #9

    In Misiones oder Patagonien lebt es sich tatsächlich wesentlich entspannter :)
    In den 90ern ging es dem Land viel besser, dann kam der Crash 2001. Naja, seitdem steigt die Wirtschaft wieder an, wenngleich die Inflation den Anstieg trübt.
    Dann hoffe ich mal auf einen noch kräftigeren Wirtschaftsaufschwung, damit auch in Bs As wieder die Entspanntheit der 90er-Jahre zurückkehrt!








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