Zitat von
Ylex
Was Sie schildern ist mir bei meinem letzten Besuch auch überdeutlich aufgefallen, und ziemlich unangenehm. Buenos Aires wird zu einer mehrfach gespaltenen Stadt – das gesamte Barrio Norte, also das Wohngebiet der reichen Bevölkerung, scheint sich zu verschanzen. Selbst das normale Treiben auf den Straßen wirkt nicht mehr so locker wie zuvor, zum Beispiel in den Edel-Stadtteilen direkt am Rio de la Plata, in Recoleta oder Palermo. Für einige Tage war ich zu Gast in einem Haus an der Grenze zwischen Villa Pueyrredón und Coghlan – hier igelt sich die gehobene Mittelklasse ein, und wie. Ich kannte das Haus von einem früheren Aufenthalt, doch nun ist alles vergittert und verrammelt, ein neuer 3,5 Meter hoher Zaun grenzt das Grundstück von der Straße ab, und natürlich gibt es einen Wachdienst: Seguridad 24 horas, Rundumsicherheit Tag und Nacht. Sicherheit ist immer ein Thema. Das geht auch auf die Stimmung der Bewohner, sogar merklich. Wenn man nur mal in der Innenstadt herumgucken will oder etwas einkaufen will, dann kommen diese unsägliche Tipps: da nicht hingehen, das meiden, soetwas lieber lassen, und dann die Frage: „Wieso bleibst du nicht hier? Ich bring‘ dir mit was du brauchst.“ Tango, Lebensart, die feurigen Argentinier... mag ja sein, aber so richtig Spaß macht das alles in Buenos Aires nicht mehr.