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Staatsschulden-Debatte: Konto überziehen macht glücklich

REUTERSSparen? Ist von gestern! In einem neuen Buch erklärt Nobelpreisträger Paul Krugman, warum Staaten dringend mehr Geld ausgeben müssen. Der Occupy-Vordenker David Graeber geht sogar noch weiter: Kredite seien nur ein Mittel, um Menschen zu versklaven - und der IWF ein Inkasso-Gangstertrupp.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...833520,00.html
  1. #1

    Krugman

    Krugman will nicht erkennen, dass die Krise der 30er Jahre durch Faschismus und Krieg beendet wurde - mit suboptimalem Ergebnis fuer alle ausser den Amerikanern. Diese hatten danach ein Monopol und haben es heute noch. Sie koennen einfach Geld drucken ohne massiv an Glaubwuerdigkeit zu verlieren.

    Da hilft es sicherlich auch, wenn die meisten Wirtschaftstheoretiker Amerikaner sind, die diese Dominanz wunderbar wissenschaftlich verbraemen koennen.

    Tatsache bleibt aber, dass wir uns alle sehr lange reich gerechnet haben. Irgendwann kann man diese Luege nicht aufrecht erhalten. Natuerlich ist das eine bittere Erkenntnis, wenn man eh mitten in einer Krise steckt. Nur zu den guten Zeiten wollte eben niemand ans Sparen denken. Jetzt kommt keiner daran vorbei, auch Krugman nicht.

    Anstatt des Gelddrucken zu fordern, koennte Krugman vielleicht ein paar Worte zur Umverteilung des vorhandenen Reichtums sagen. Anstatt unfaehigen und korrupten Regierungen in Suedeuropa neues Geld zu schenken, kann man doch erwarten, dass die Reichen in diesen Laendern erstmal einen Beitrag leisten. Die revolutionaere Alternative ist doch fuer die Reichen nicht wirklich erstrebenswert.
  2. #2

    Krugman

    Dass der ehemalige Enron-Berater Paul Krugman gerne noch mehr Geld verschleudert sehen möchte, wundert mich nicht... Krugman liegt mit derartiger Regelmäßigkeit falsch, dass man mittlerweile reflexmäßig das Gegenteil seiner Empfehlungen tun kann und in 80% der Fälle das richtige tut (in den restlichen 20% der Fälle widerspricht er seinen eigenen früheren Empfehlungen). Wer ein bisschen Zeit hat, möge mal die Kolumne "Best of the Web Today" von James Taranto nach dem Suchbegriff Krugman durchforsten - man kommt aus dem Schmunzeln über den wirren Ökonomie-Zausel von Princeton nicht mehr heraus...

    Das wird übrigens auch durch die ständige Anbetung als Nobelpreisträger durch den "Spiegel" nicht besser; aber da ist angesichts der identischen politischen Richtung (stramm links) wohl nicht mit Objektivität zu rechnen. Immerhin wird ja auch George Soros (ebenfalls stramm links) im selben Artikel als "Investorenlegende" gefeiert, in dem John Paulson (meines Wissens unpolitisch) als "Hedgefonds-Zocker" tituliert wird, obwohl beide das gleiche tun... Nachtigall, trapsen usw. ;-)
  3. #3

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sparen? Ist von gestern! In einem neuen Buch erklärt Nobelpreisträger Paul Krugman, warum Staaten dringend mehr Geld ausgeben müssen. Der Occupy-Vordenker David Graeber geht sogar noch weiter: Kredite seien nur ein Mittel, um Menschen zu versklaven - und der IWF ein Inkasso-Gangstertrupp.

    David Graeber: Schulden und Inside Occupy Paul Krugmann: Vergesst die Krise - SPIEGEL ONLINE
    Krugmans Auslassungen sind an Zynismus kaum mehr zu überbieten. Wie kann ein solcher Ökonom nur den Nobelpreis erhalten?
    Realisiert Krugman denn gar nicht, AUF WESSEN KOSTEN die Staaten denn mehr Geld ausgeben würden, oder ist ihm das vollkommen gleichgültig? Was sein Heimatland betrifft: die JÄHRLICHE Neuverschuldung der USA frisst über 70% der Weltersparnisse auf!!
    "Der Konsumrausch der US-Bürger und das Ausgabendelirium der US-Regierung wird zu einem erheblichen Teil mit den Ersparnissen der übrigen Erdenbürger... bezahlt. All diese fleißigen Menschen werden ihre hart erarbeiteten Rücklagen nie mehr wiedersehen (allenfalls, wenn sie Glück haben, zu Bruchteilen)." (Roland Baader, Geld, Gold und Gottspieler, S.154)
    Und möglich ist der ganze Spuk nur durch den Status des USD als Weltleitwährung. Nur aus diesem Grund kann man sich in Krugmans Amerika mit der Aussage zurücklehnen: "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem". Was für eine tolle Geld- und Wirtschaftspolitik! Und wie nachhaltig vor allem...
  4. #4

    Schulden

    sind auch nur ein Vehikel zur Lösung eines alten gesellschaftlichen Problems: Wie schaffe ich es, Menschen dazu zu bewegen, anderen ihre Güter und Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.

    Der Mensch ist grundsätzlich egoistisch und gibt (außer vllt seiner Familie) nichts freiwillig ab. Zwangsarbeit und Enteignung führen wegen der Gegenreaktionen (Flucht, passiver Widerstand) zu suboptimalen Ergebnissen. Tauschwirtschaft ist ebenfalls ineffektiv, da häufig nicht das präsentiert werden kann, was derjenige, der zum Arbeiten oder Abgeben bewegt werden soll, gerade benötigt.

    Deshalb hat man das Geld erfunden. So kann man Menschen für ihre Arbeit und ihre Güter einen Gegenwert präsentieren. Aber dieses Geld muss auch ein Gegenwert sein, ein verläßliches Versprechen auf künftige Gegenleistung. Wenn die Menschen den Eindruck gewinnen, dass dieses Geld nichts mehr wert ist, bedrucktes Papier, leere Versprechen, werden sie nichts mehr für andere geben. Das Ergebnis sehen wir: Rezession.

    Und die bekämpft man nicht dadurch, dass man noch mehr leere Versprechen macht und ungedeckte Schecks ausstellt.
  5. #5

    Zitat von brux Beitrag anzeigen
    Krugman will nicht erkennen, dass die Krise der 30er Jahre durch Faschismus und Krieg beendet wurde - mit suboptimalem Ergebnis fuer alle ausser den Amerikanern. Diese hatten danach ein Monopol und haben es heute noch. Sie koennen einfach Geld drucken ohne massiv an Glaubwuerdigkeit zu verlieren.

    Tatsache bleibt aber, dass wir uns alle sehr lange reich gerechnet haben. Irgendwann kann man diese Luege nicht aufrecht erhalten. Natuerlich ist das eine bittere Erkenntnis, wenn man eh mitten in einer Krise steckt. Nur zu den guten Zeiten wollte eben niemand ans Sparen denken. Jetzt kommt keiner daran vorbei, auch Krugman nicht.[...]
    Dass die Krise der 30er Jahre durch Faschismus und Krieg beendet wurde, halte ich nicht für ganz richtig.
    Krieg: Ausgaben für das Militär schaffen keinen Wohlstand für die Bevölkerung. Das entscheidende ist die vorhandene Menge an Gütern.
    Die vorhandene Gütermenge entscheidet über den Wert des Geldes,
    nicht die Menge des Geldes über den Wohlstand.
    Wenn die Bevölkerung nichts brauchbares herstellt, gibt es nichts brauchbares zu konsumieren. Auch Rüstungsgüter schaffen keinen Wohlstand.
    Das entscheidende in der Endphase der Depression war mMn. die hohe Arbeitslosigkeit. Die Menschen (USA) mussten Arbeit annehmen. Auch zu sehr niedrigen Löhnen.
    Wenn der Abstand zwischen Preis und Lohn hoch ist und die Unternehmen die Nachfrage noch nicht erfüllen, können sie durch neue Arbeiter (scheinbar) hohe Gewinne machen.
    Die Voraussetzung ist die Nachfrage.
    In der Depression war das Vertrauen aber weg und die Menschen haben sich mit Ausgaben zurückgehalten. Der Staat hat die ausbleibende Nachfrage (die z.T. wieder in die gleichen Sektoren geflossen wäre) nicht ersetzt. Deshalb wurde nicht neuangestellt, das Angebot lag (recht weit) über der Nachfrage, die Preise sind gesunken.
    Geändert hat sich das erst als die Überproduktion und ein großer Teil der eigentlich "überlebensfähigen" Produktion weggefallen ist.
    Dann kam der Aufschwung und er wäre auch ganz sicher, wenn auch nicht in gleichem Tempo, in Deutschland ohne Faschismus gekommen.
    Ausgaben wären damals glaube ich notwendig gewesen.
  6. #6

    Zitat von otto_iii Beitrag anzeigen
    [...]
    Deshalb hat man das Geld erfunden. So kann man Menschen für ihre Arbeit und ihre Güter einen Gegenwert präsentieren. Aber dieses Geld muss auch ein Gegenwert sein, ein verläßliches Versprechen auf künftige Gegenleistung. Wenn die Menschen den Eindruck gewinnen, dass dieses Geld nichts mehr wert ist, bedrucktes Papier, leere Versprechen, werden sie nichts mehr für andere geben. Das Ergebnis sehen wir: Rezession.

    Und die bekämpft man nicht dadurch, dass man noch mehr leere Versprechen macht und ungedeckte Schecks ausstellt.
    "Wenn die Menschen den Eindruck gewinnen, dass dieses Geld nichts mehr wert ist, bedrucktes Papier, leere Versprechen, werden sie nichts mehr für andere geben."
    Genau, notwendig bei der Kreditvergabe ist das Vertrauen in den Schuldner. Das Vertrauen geht verloren, wenn die Staaten nicht glaubwürdig ihren Haushalt sanieren.
    Gelddrucken heißt aber nicht, dass weniger Kredite vergeben werden. (Solange keine Hyperinflation erwartet wird.)
    Die Inflationserwartungen schlagen sich ja schon in den Renditen auf Staatsanleihen nieder (Fisher-Gleichung).
    Sicher ist: Bürger die an die Hyperinflation glauben, wollen ihr Geld loswerden. Solange das nur ein paar Hundert tun, nützen sie zuerst einmal der Wirtschaft.
    Solange die Menschen kräftig steigende Preise erwarten, aber keine Hyperinflation, und so lange keine Gefahr zu dieser besteht, nützt das zunächst der Wirtschaft. Die Leute geben ihr Geld aus.
    Aber aus hoher Inflation wird ja schnell Hyperinflation...
  7. #7

    Zitat von DHH Beitrag anzeigen
    Krugman liegt mit derartiger Regelmäßigkeit falsch, dass man mittlerweile reflexmäßig das Gegenteil seiner Empfehlungen tun kann und in 80% der Fälle das richtige tut
    Dann nennen Sie doch bitte Beispiele.
  8. #8

    Wer sich verschuldet, liefert sich aus

    So einfach ist das.
    Es betrifft den Leasing-Nehmer, der ein Auto fährt, das er sich eigentlich nicht leisten kann, ebenso wie den Ratenzahler einer "Ich bin doch nicht blöd-0% Finanzierung" - ebenso wie einen Staat. Denn Regierungen sind auch nicht besser als die Gesellschaften, aus denen ihre Mitglieder hervorgehen.
    Es ist ein grundlegender Wandel nötig: Kindern muss Redlichkeit vorgelebt werden. Stattdessen werden sie in geleasten Mittelklasse-Wagen zur Schule gefahren und nehmen Schulden als etwas völlig Normales wahr.
    Eine meiner Firmen hat Geld verliehen, zum Teil zu sehr hohen Zinsen ...weil das Ausfallrisiko immens war. Zinsen reflektieren schlichtweg die Bonität eines Schuldners, und manche wirken fast wie Junkies auf Entzug. Die Zinsen jenes einen Kredites musste mein Unternehmen abschreiben, nachdem verspätet wenigstens der Kreditbetrag gestundet worden war. Kreditnehmer war eine Gewerkschaftsorganisation.
    Lernt endlich mit Geld umzugehen! Macht Euch nichts vor! All die schicken Autos auf den Straßen spiegeln Wohlstand vor, der so in Wahrheit nicht existiert!
  9. #9

    Schulden

    Geld entsteht ausschließlich durch Schuld. Jeder Geldschein ist ein Schuldschein. Auf jeder Dollar-Note nachzulesen.
    Dieses Geldsystem (Fiat-Money) ist darauf angewiesen immer neue Schuldner/Kredit-nehmer zu finden. Banken verleihen kein geld aus ihren Bestand, nein, es entsteht durch jeden neuen Kredit neues Geld.
    Das heisst: Wenn ALLE Schulden bezahlt wären, gäbe es KEIN GELD mehr.
    Soweit erstmal dazu.
    Das wirkliche Problem aber sind Zinsen.
    Mathematisch berechenbar MUSS jedes Geldsystem das mit Zinsen arbeitet nach ca 60 - 80 Jahren implodieren.
    Und wo stehen wir zeitlich grad?
    Ahja...


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