Speis und Zank: Gräten-Alarm!

CorbisLieber praktische Fischstäbchen, als eine ganze, grätige Forelle: In einer Welt aus Analogkäse und Mango-Espuma ist das Künstliche zum Normalem geworden. Und das Normale? Wird zum Problem - oder wenigstens zur Kuriosität.

http://www.spiegel.de/gesundheit/ern...844327,00.html
  1. #1

    Woher soll die Wertschätzung des Essens auch kommen?

    Woher soll der heute Nachwuchs denn auch das unnatürliche vom natürlichen unterscheiden können - er kennt es doch gerade in Sachen Essen längst nicht mehr.
    Verarbeitung und Zubereitung von Naturprodukten? Wie geht denn das überhaupt? Viele jungen Menschen verzweifeln doch heute schon an so simplen Dingen wie Kartoffel-Schälen und Kräuter hacken...
    Da ist meines Erachtens die Schule wieder mehr gefordert - Kochunterricht hat noch keinem geschadet - ich selbst bringe mir die Sache als Single mittlerweile selbst bei, denn ich habe keine Lust mehr auf E-Nummern-Salat. Mühselig muss ich sagen - die Schule sollte uns doch aber auf das Leben vorbereiten ...
  2. #2

    Ich stimme Ihnen rückrat- o Gott, nein - rückhaltlos zu!

    Aber mal ehrlich...
    So 'ne richtige Freude ist es nicht, wenn man den Hecht erst 20 Mal im Mund wenden muss, weil er so mickrige Grätchen hat, die man sonst verschlucken könnte. Was man dann schlussendlich runterkriegt, ist nicht mehr so wirklich appetitlich.
  3. #3

    Düsteres Bild

    Da wird mal wieder ein düsteres Bild gezeichnet. Ich glaube jeder, der sich mit seinem Essen auseinandersetzt, ist froh, wenn er eine frisch zubereitete Mahlzeit erhält oder sich zubereiten kann.
    Oft ist es einfach der Mangel an Zeit, der einen zwingt zu Fertigprodukten zu greifen.
    Gefährlich wird es nur, wenn Kinder mit Fertigprodukten großgezogen werden. Bis ich die selbstgemachten Maultaschen meiner Mutter wertzuschätzen gelernt hatte, sind schon ein paar Jahre ins Land gegangen :D.
  4. #4

    Mangel an Zeit?

    Ist aber eine schlechte Ausrede. Nennen wir es doch lieber Faulheit. Lieber 30 Minuten weniger fern gucken oder vorm PC hängen und dafür essen Zubereiten ;-) Geht alles. Man muss halt nur wissen was einem wichtiger ist. Gesunde Ernährung oder das Wissen wie die nächste Soap weitergeht :)
  5. #5

    Die Forelle ist ein schlechtes Beispiel

    Die Forelle ist ein schlechtes Beispiel, da die Gräten hier absolut vorhersehbar verteilt sind. Wer nur dreimal eine Forelle zerlegt hat, erlebt keine Überraschungen mehr und kann verhindern, daß Gräten mit in den Mund wandern. Andere Fische wie Hecht oder Karpfen sind da viel unangenehmer.
  6. #6

    Tjaja, die Fischgraete: Wissen wir nicht seit letzter Woche, dass man von denen eh nur riesige, schlecht diagnostizierbare Leberabszesse bekommt?

    Dann doch lieber Fischstaebchen oder gleich -burger ... ;-)
  7. #7

    Eine Frage des Geschmacks

    Zitat von nimue11 Beitrag anzeigen
    Aber mal ehrlich...
    So 'ne richtige Freude ist es nicht, wenn man den Hecht erst 20 Mal im Mund wenden muss, weil er so mickrige Grätchen hat, die man sonst verschlucken könnte. Was man dann schlussendlich runterkriegt, ist nicht mehr so wirklich appetitlich.
    Einen Hecht kann man wunderbar zu Frikadellen verarbeiten, Gräten sind dabei dann kein Thema mehr. Natürlich sollte er vorher, wie bei einigen Weißfischarten, nach dem filetieren erst zweimal durch den Fleischwolf gedreht werden. Anschließend die Standardnummer die jeder Herdbesitzer eigentlich im Schlaf können sollte: Mit Eiern, leicht eingeweichtem Weißbrot, evtl. Zwiebeln, Gewürzen nach Geschmack, Salz und speziell bei Fisch Petersilie vermengen. Dann formt man die Frikadellen und ab in die Pfanne damit, lassen sich anschließend wunderbar 1-2 Tage im Kühlschrank aufbewahren oder auch einfrieren.

    Gräten sind eigentlich kein Argument für Fischstäbchen. In anderen Ländern ist es noch weit verbreitet, dass man Fisch einfach salzt und trocknet. Natürlich hat man beim Essen die ein oder andere Gräte im Mund, aber im Gegensatz zu Fischstäbchen schmeckt dieser Stockfisch auch noch richtig gut.

    Ich denke viele sind einfach zu bequem geworden, was Ernährung und Eßkultur betrifft. Das erklärt das Warenangebot der Discounterketten genauso wie die Wegwerfmentalität bei Lebensmitteln. Eines der Argumente für diese Fertignahrung mag Mangel an Zeit sein. Allerdings bezahlt man die eingesparte Zeit häufig mit höheren Preisen, im Vergleich zu Rohware, bei schlechterer Qualität. Eine frische Forelle oder auch Scholle ist etwas völlig anderes als ein Stäbchen mit Standardgeschmack, mit nicht selten verwirrenden Fischartangaben.
  8. #8

    Gräten/Knochen

    Wenn ich die Wahl habe zwischen (panierten) Filet und einem Fisch am Stück nehme ich immer den Fisch am Stück, schmeckt einfach besser. Grundsätzlich ist es schon traurig, wenn „wir“ uns immer mehr von unserer Nahrung entfremden. Das hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Ernährung sondern auch auf die Umwelt. Wie sollen Kinder eine Beziehung zur Nahrung und ihrem Essen aufbauen, wenn alles fertig aus der Packung kommt? Klar wird heute ein schicker BIO-Lebenswandel vorgelebt, aber der alleine reicht nicht, insbesondere da dabei nur das geschützt wird was niedlich ist. Dies trifft dann auf den Backfisch in Panade nicht mehr zu. Darüber hinaus sehe ich auch die grundsätzliche Einstellung zum Tier als Problem. Tiere töten und verspeisen ist eine natürliche Sache, nur der Respekt für das Tier darf dabei nicht verloren gehen. Genau dies ist aber der Fall, eckiger Fisch ist kein Fisch mehr und Fleisch in Plastik verschweißt unterbindet die Assoziation zu Rind und Schrein. Wenn man aber schon als Kind lernt, dass alles mit Gräten/Knochen „iii“ ist, wird man es auch nicht mehr als Erwachsener Essen, egal wie lecker es ist.

    @nimue11
    Wer Hecht (Esox Lucius) isst, weiß worauf er sich Grätenmäßig einlässt, der Geschmack entschädigt das aber vielfach.

    Grundsätzlich gilt, wenn man mal eine Gräte mitisst, wird man daran nicht sterben.
    Wie hat mein Opa immer gesagt: „Wird die Futt (=Hintern) schon wiederfinden!“
  9. #9

    die lebensmittelindustrie hat die denaturierung zum programm erhoben

    Zitat von murphy83 Beitrag anzeigen
    Woher soll der heute Nachwuchs denn auch das unnatürliche vom natürlichen unterscheiden können - er kennt es doch gerade in Sachen Essen längst nicht mehr.
    Verarbeitung und Zubereitung von Naturprodukten? Wie geht denn das überhaupt? Viele jungen Menschen verzweifeln doch heute schon an so simplen Dingen wie ......
    wie soll denn ein nachwuchs kochen können, wenn schon den eltern seit 30 jahren von "modernen" errungenschaften der food-industrie der praktische ansatz aberzogen wurde. kochende frauen galten lang als uncool, kochende männer konzentrieren sich meist auf top-performance an schnickschnack auf sternegrütze - und dann erschlägt kraft, unilever, nestlé & co die letzte kochvernunft der menschheit mit zig millionen in werbebudgets auf allen medienkanälen. nur durch die strategie der ent-natürlichung (nette wortschöpfung, oder?) ist es doch möglich, abfallprodukte der industrie (nahrungsergänzungsmittel), antibiotikaverseuchtes geflügel oder pestizid-belastetes pseudobrot an den verbraucher zu bringen. er kennt's doch gar nicht mehr anders, weil er es nicht mehr kennen soll! mündige verbraucher? quatsch, stimmvieh mit verkümmerten sinnesorganen...