CorbisLieber praktische Fischstäbchen, als eine ganze, grätige Forelle: In einer Welt aus Analogkäse und Mango-Espuma ist das Künstliche zum Normalem geworden. Und das Normale? Wird zum Problem - oder wenigstens zur Kuriosität.
http://www.spiegel.de/gesundheit/ern...844327,00.html
Als einer (Jahrgang 62) der in Ostdeutschland aufgewachsen ist, finde ich es sehr traurig wie weit sich der Mensch von seinen Nahrungsmitteln entfernt hat. Bei uns war es nicht anders moeglich sich vernuenftig zu ernaehren, wenn man sich nicht sein eigenes Gemuese und Obst angebaut hat. Mein Grossvater war ein Meister dies zu tun und hat es auch an mich weitergegeben. Die Kaninchenzucht war zum Essen da und nicht zum Streicheln. Keines von denen hatte einen Namen und im zarten Alter von 13 Jahren war es dann auch mal meine Zeit unter seine Aufsicht einen Hasen zu schlachten. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich dann aber auch warum wir die nicht streicheln sollten und keine Namen geben. Hats mir geschadet? Nein, absolut nicht. Ich lebe jetzt in Canada und nichts schmeckt besser als selbst gefangene Forelle oder Lachs. Es geht einfach nicht frischer. Von den Rehen die im Herbst in den Gefrierschrank einziehen mal ganz zu schweigen. Natuerlich kann man das nicht mit Deutschland wie es heute ist vergleichen, aber mit ein bisschen Muehe kann man sich immer noch ein bisschen Futter selbst anbauen und wenn man von klein auf damit gross wird ist alles kein Problem, es sei denn... naja es kommt halt drauf an wie man aufwaechst. Mein Sohn war mit 5 das erstemal beim Scheineschlachten dabei und fuer ihn war das nicht ein totes Schwein, sondern Schinken Kotletts und Wuerste.
Gruss aus BC
Mal eben alle Verbraucher, die sich entweder keine Zeit oder keine Lust haben, sich mit aufmerksamem Einkauf beim Händler ihres Vertrauens und anschliessender fachkundiger Zubereitung frischer Lebensmittel zu beschäftigen, als "dusselige Konsumenten" ohne Rückgrat bezeichnen.
Das ist eine sehr hohe Warte, Herr Speilhagen.
Als Mitteleuropäer könnte ich ausschließlich im Supermarkt einkaufen, und mich trotzdem gut, ausgewogen und fast erschreckend preiswert ernähren. Tiefgefrorenes Gemüse, direkt nach der Ernte verarbeitet, tiefgefrorenen Fisch oder aus der Konservendose, Teigwaren, Fertigsuppen ... Sie wissen schon.
Das ist ein Weg, um 300 Mio Europäer mit Allem zu versorgen, was sie benötigen. Und alles ist jederzeit und im nahen Umfeld verfügbar. Und ja, ich werde von der Werbung hinters Licht geführt oder gar belogen, und hier und da gibt es ein Lebensmittel-Skandälchen. Und richtig schwarze Schafe gibt es in der Branche auch. Trotzdem: unterm Strich funktioniert unsere Versorgung mit Lebensmitteln hervorragend. Und wenn ich möchte, muss ich - anders als meine Oma - nur sehr sehr wenig Zeit und Energie in meine Ernährung investieren und kann andere Dinge tun.
Mit Kochkunst hat das nichts zu tun, schon klar.
Aber alles, was darüber hinaus geht, ist Kultur, Luxus und Genuß.
Und dann gibt es Zeitgenossen, die haben Zeit, Lust und - nicht zu vergessen - auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten, auf höchstem Niveau zu kochen. Tolle Gerätschaften, beste Quellen für hochwertige Rohstoffe, Fachwissen und Erfahrung. Ich finde das toll und bin jedesmal beeindruckt. Viele haben Kochen als Hobby. Super.
Wie gesagt: Kultur, Luxus und Genuß.
Am besten finde ich, dass sich jeder aussuchen kann, wie er es handhaben möchte. Die meisten wählen für sich irgendetwas zwischen beiden Möglichkeiten. Und fahren gut damit.
Und dann kommen Sie, von der Warte der hohen Kunst und des Genießens, und bezeichnen alle, die es anders handhaben als Sie, als rückgratlose, dusselige Konsumenten.
Das ist, mit Verlaub, eine Frechheit.
Ein Hoch auf Fischstäbchen! Und dazu eine Cola!
(Folgende Antwort bitte nicht zu ernst nehmen:)
Lieber Spiegel! Du beharrst auf Original-Fisch aus dem Wasser, ich auf Simplizität. Da mache ich dir einen Vorschlag: statt Fisch und [strike]Fischstäbchen[/strike] Surimipastestäbchen einigen wir uns auf Bismarckheringe aus dem Glas. Die sehen noch glänzend aus, sind aber für mich schon entgrätet.
Meine Enkel(13 und 11) lieben Schollen und essen keine Fischstäbchen und das schon sehr lange. Ihr Lieblingsfisch ist Zander!
Ich stimme Ihnen absolut zu! Gerade aus Schweden zurückgekehrt, hat diese Erfahrung noch eine nachhaltige Wirkung. Den selbstgefangenen Hecht (Schweden bietet hierzu ausgezeichnete Möglichkeiten) zu filetieren gerät zum nervenaufreibenden "Gefriemel". Die komplette Zubereitung ist die bessere Alternative....allerdings mit den von Ihnen gut beschriebenen Nebenwirkungen. Die an anderer Stelle vorgeschlagene Alternative "Frikadelle" halte ich bezüglich des Hechts für eine klare Fehlentscheidung.
Im Gegensatz zum Autor des Artikels halte ich ein Fischstäbchen nicht für eine Küchensünde. Es ist Fisch in anderer Form (es sind Fischfilets, die verarbeitet werden) und für mich ernährungstechnisch (Seefisch!!) und pädagogisch wertvoll. So konnte mein Sohn wieder an den Genuss von Fisch herangeführt werden (er hatte das frühe traumatische Erlebnis, dass im Sommerurlaub an der Küste auf meinem Fischteller ein Knurrhahn thronte, der ihn anschaute und in der Folge von Fischspezialitäten abhielt...). Mittlerweile beteilgt er sich auch ohne Probleme an dem o.g. Hecht.
Volle zustimmung. Habe das Forum kurz unterbrochen um mir die Rundschau des BR anzusehehen.Unteranderem kam ein Bericht über das Frauenhofer Institut zur Lebensmittel Herstellung.in nächster Zukunft werden wir nur noch vom Laborfrass ernährt werden,Kochen backen alles überflüssig.Mir graut es nur noch.Übrigens ich koche jeden Tag frisch.
mal ehrlich: die allermeisten menschen hierzulande sind "quadratfleisch-vegetarier": Man möge dem tierischen produkt bitteschön nicht ansehen, dass es tierisch ist, und solange damit auch nichts zu tun haben, bis es schön quadratisch und in folie eingeschweisst in der kühltheke liegt.
- Wer hat schonmal ein Huhn selbst geschlachtet und gerupft ?
- Einen Fisch wirklich selbst gefangen, getötet, ausgenommen ?
- Wer einem Kaninchen eins über den Schädel gezogen, um über den selben ihm das Fell abzuziehen, um sich einen Hasenbraten zu bereiten?
Und dabei sind wir noch nicht mal bei den "Exoten":
In China sind Hund, Katze, Maus und lebende Käfer oder Garnelen zu essen nicht wirklich was besonderes. Da dreht sich unseren Quadratfleisch-Vegetarieren glatt der Magen um!
Der Witz ist: inzwischen ist das sogar auf dem flachen Land so: Wer nicht zufällig selbst in der Landwirtschaft lebt oder zumindest gut-Nachbar ist, kennt selbst dort nicht Aufzucht und Tötung von tierischem Produkt. (soviel ich weiss sind hausschlachtungen von größeren tieren sowieso verboten, und hund & katz' stehen unlogischerweise sogar unter totalem verzehr-schlacht-verbot.)
Wir haben Tiere zum fressen gern ... aber nur, wenn sie nicht mehr nach tier aussehen.
(Aber aus sojabohnenquark macht man neuerdings auch wurst ... welch trost ...)
Das mag stimmen, man fragt sich aber, wieso anschliessend dann eine Aufzählung von Tiefkühlprodukten, Fertigessen oder Konserven folgt. Meines Wissens verfügen die meisten Supermärkte auch über ein durchaus passables Angebot an frischen Zutaten. Es scheint mir eh ein primär deutsches Phänomen zu sein, sich mit Discounter-Niveau zufrieden zu geben. Gehen Sie schon nur mal in den Nachbarländern Frankreich oder Schweiz in einen durchschnittlichen Supermarkt - da können Sie sich den Fachhändler effektiv sparen.
Diese Vorurteile sind ziemlich absurd. Ordentliches Essen ist unter dem Strich wohl kaum teuer als all die Convenience-Produkte, im Gegenteil, und benötigt weder übermässig Zeit noch irgendwelches abgedrehtes Equipment. Ein Fisch - wenn wir schon beim Thema sind - benötigt genau eine Pfanne und ein paar Minuten Zubereitung, fertig. Das ist vielleicht nicht "höchstes Niveau", aber es gibt halt sehr viel zwischen dem und dem Aufwärmen einer Dosensuppe.Und dann gibt es Zeitgenossen, die haben Zeit, Lust und - nicht zu vergessen - auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten, auf höchstem Niveau zu kochen.
aber das sind ausreden und geanu so eine Frechheit.
Erstens, brauch man zum vernünftigen Kochen keine "hochwertigen Gerätschaften", noch mehr Geld, noch mehr Zeit ... das sind nichts als Ausreden.
Lediglich bei der Beschaffung wird es schwieriger. Und da sind schon die Konsumenten schuld (Attribute spare ich mir).
Von Discountern brauchen wir nicht zu reden. Wenn dort nicht manchmal Einheimisches Obst und Gemüse aufschlagen würde, könnte man die Läden meinetwegen zumachen.
Aber auch die Supermärkte beugen sich immer mehr dem Konsumentendruck: Fleisch- Wurst- und Käsetheken, an denen ich die Ware in der Menge, Scheibenstärke und Qualität ("ich möchte lieber von dem Stück als von jenem"), von Fischtheken ganz zu schweigen, verschwinden immer mehr. Wir erwarten alles im Überfluss. D.h. z.B. Obst ... das muss ja auf seine Käufer warten (beim Hersteller, bei zig Zwischenhändlern, beim Händler). Da bleibt garnichts anderes übrig als Sorten nach Lagerfähigkeit zu züchten und unreif zu ernten.
Nicht dass die DDR gut war, aber dort gab es zur Saision z.B. einige Male Pfirsiche aus den "Bruderländern". Die mussten nicht unreif hierhergebracht werden. Ausser 2-3 Tage Transport/Verteilung hatten die nicht auszuhalten ... die waren sofort weg. Ergo wurden Sorten verwendet die gut schmecken und diese reif geerntet. Solche Pfirsiche konnte ich nach der Wende in D nie wieder geniessen.
Und so ist mit vielen Lebensmitteln. Die Kehrseite, es erfordert etwas Einschränkung. Aber das geht ja nicht, wir leben ja nach dem Motto "wasch mich aber mach mich nicht nass".
Und das Argument, wir könnten die Welt sonst nicht ernähren kann so nicht stehen. Selbst wenn es zynisch klingt und ich mir Beschimpfungen einfange: Warum sollen wir auf dem noch wohlhabenderen Teil der Welt indusriellen Dreck "fressen" um damit die Schwellenländer ernähren? Nein dem ist nicht so. Die Konzerne wollen Profit machen. Und uns könne die eine Beutelsuppe für 2 Euro verkaufen. In der 3. Welt gibt es dafür vielleicht 5 Cent.
Und die Schwellenländer, z.B. Peru (weil ich es aus Reisen kenne) müssen nicht diesen Dreck essen, den man versucht uns täglich unterzuschieben. Dort ernährt man sich saisonal und regional und fährt recht gut damit.