Die Skandalbank IKB lockt Sparer mit ungewöhnlich hohen Zinsen: Wer sich für drei Jahre festlegt, bekommt vier Prozent pro Jahr - ein Topwert. Doch hinter dem Angebot steckt*möglicherweise ein Problem: Die Bank*kommt auf anderem Wege nur schwer an frisches Geld.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...807212,00.html
Billiges Geld der EZB? Erstens, weil die EZB den Banken nur (sehr) kurzfristiges Geld leiht und die IKB ganz offensichtlich Bedarf im 3-Jahres-Bereich hatte. Das ist auch nichts Unübliches, denn wie wir ja alle wissen (siehe Ursache der ersten Bankenkrise) sollte man langfristige Ausleihungen besser auch langfristig refinanzieren. Zweitens verlangt auch die EZB bestimmte Sicherheiten, z. B. Wertpapiere. Wenn die nicht vorhanden sind, dann muss man sich Geld eben woanders beschaffen. Auch dies durchaus nichts Ungewöhnliches. Normalerweise geht man dann als Bank eben an den Kapitalmarkt, was aber für die IKB grad' nicht funktioniert.
Warum der Vorstand noch nicht gefeuert wurde? Weil der Eigentümer der IKB hoffentlich mehr Ahnung vom Geschäft hat, als Altesocke. Wenn die IKB Geld braucht (was jede Bank tut, wenn sie Geschäft machen will) und sie es aus den üblichen Quellen - aus welchem verrückten Grund auch immer - nicht bekommt, dann muss der Vorstand natürlich handeln und andere Quellen auftun. Ein Sonderangebot an Privatkunden ist - betriebswirtschaftlich gesehen - whrscheinlich nicht gerade ein Highlight für die Bank (und ob ich da Anlager sein wöllte, ist noch einmal eine andere Frage). Aber wenn der Vorstand NICHTS tun würde, DANN wäre das ein Grund, ihn zu feuern.
Um das klarzustellen: Die Frage der Existenzberechtigung einer Bank wieder der IKB stellt sich m. E. durchaus. Und ich will auch nicht das jahrelange Missmanagement in diesem Haus rechtfertigen. Für diese Bank wurde bei fraglicher Wettbewerbsfähigkeit in der Tat (öffentliches und privates!) Geld verschleudert. Was mir gegen den Strich geht, sind die unqualifizierten Kommentare einiger Forumsschreiberlinge.
Bezüglich der Staatsanleihen hat man sich darauf verständigt, die von Mitgliedsländern der Eurozone auf jeden Fall zu akzeptieren. Dagegen gibt es sicherlich gute Argumente, aber durchaus auch Pro-Argumente. Und die viel gescholtetenen Verbriefungen haben sich hinsichtlich der Verluste auf die oberen (ursprünglich AAA gerateten) Tranchen erstaunlich gut erhalten, untere Tranchen werden nicht von der EZB akzeptiert.
Vielleicht hat sie das bereits bei der EZB eingereicht oder benötigt das Geld längerfristig oder möchte sich die vorhanden Sicherheiten aufsparen, weil man mit steigenden Zinsen rechnet und bald nicht mehr für "nur" 4% Geld von Privatkunden erhält etc.Da ist es schon hart, wenn die IKB offenbar nicht mal mehr sowas im Portfolio hat, sondern offenbar noch schlechtere Papiere...
Ist das wirklich überraschend? In Krisenzeiten ist die Liquiditätsversorgung ja auch extrem wichtig; ich würde mir als EZB-Chef auch nicht gerade vorwerfen lassen wollen, dass Banken reihenweise in Liquiditätsnot oder gar Zahlungsunfähigkeit gekommen sind, nur weil allzusehr auf die bürokratischen Vorschriften geachtet wurde.
Zudem: Ich finde es schon beachtlich, wenn Staatsanleihen, die noch vor wenigen Jahren, ach, was sage ich - vor einigen Monaten - eigentlich die Anlageklasse mit der besten Schuldnerbonität waren, jetzt plötzlich als Ramsch gelten. Und in Frage gestellt werden, als EZB-Sicherheit gelten zu dürfen. Dafür, dass Länder (und nicht etwa der Sudan oder Äthopien, sondern Griechenland, Portugal, Italien...!) fast oder faktsich pleit sind, das kann man denen, die Ihnen Geld geliehen haben nun wahrlich nicht anlasten!