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Sieg in EU-Machtkampf: Triumphator Sarkozy provoziert die Briten

Das saß: Nach der Berufung des mächtigen EU-Marktkommissars Michel Barnier jubelte Nicolas Sarkozy über den Triumph der Franzosen - die Briten seien "die großen Verlierer". Jetzt ist die Regierung Brown vergrätzt, Londons City tobt, die Banken fürchten den neuen Regulierer in Brüssel.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...664885,00.html
  1. #40

    Ein schönes Paar... II

    Zitat von Parismatique Beitrag anzeigen
    Ich bin ehrlich und bestreite das. Der kleine Sarkoleon als großer Napoleon wäre eine groteske Fehlbesetzung. Denn erstens hat der kleine S. nichts vom Genie des großen N. Er ist gerade mal so schlau wie man es als Winkeladvokat eben sein muss. Und an einem vergleichbaren Bildungsstand fehlt es ihm auch. Sein Machthunger und sein diktatorischer Regierungsstil haben ihm Vergleiche mit Bonaparte (der jüngeren Inkarnation Napoleons) eingebracht, aber auch das ist eine Beleidigung für den großen N.
    Es wäre mir neu, dass man diesen Antichristen Napoleon neuerdings den Großen nennen würde! Ich darf hier aus einer bekannten Flugschrift gegen den selbigen zitieren: "Lauter Jubel begleitete die Hammerstreiche, wodurch nach den Wahne der Franzosen, in dieser Burranischen Werkstätte für fremde Reiche die Ketten bereitet werden sollten. Die erste wurde für Frankreich selbst fertig und Vulkan Napoleon, wusste sie der Nation mit so viel Geschmeidigkeit anzulegen, dass dieselbe jetzt noch für ein Gängelband angesehen wird, womit man den französischen Staat, wie einem noch schwachem Kind auf die Beine helfen wolle. Helle Köpfe, die der Sache auf den Grund zu sehen gewohnt sind, lassen sich von dergleichen Blendwerk nicht täuschen. Diese, wenn auch sie bei obigen Gleichnis stehen bleiben, sagen: Napoleon, der jetzo den französischen Staat nach Willkür leitet, ist mit der Armee zu vergleichen, welche, indem sie ein königliches Kind gängelt, sich im größten Aufputz zeigt und dadurch Jedermanns Blick an sich zu locken sucht; einer Armee, die das Kind, unter dem Vorwand, es Gehen zu lernen, ermüdet oder durch übertriebenes Hin- und Herführen endlich gar lähmet. Welch ein hetepodorer Vergleich! (...)Weltkundig ist es, das Napoleon von ersten Augenblick seiner konsularischen Regierung an, Frankreichs ganze Macht in sich zu vereinigen suchte. Was nur immer von Befehlen, Verordnungen und neuen Einrichtungen ausging, war mit seinem Namen gestempelt. Die wichtigsten Geschäfte und Ehrenstellen wurden seinen Brüdern übertragen. Wenige Monate vergingen und Napoleon lebte im königlichen Hofstaat. Der Sorge, diese Glückseeligkeiten nach Umlauf der konstitunellen Frist, an andere abtreten zu müssen, wusst er sich bald durch das immerwährende Konsulat zu entledigen. Dadurch nicht völlig beruhigt, macht er die Einleitung, dass ihm auch die Vollmacht zu Ernennung eines Nachfolgers zugestanden wurde. Jetzt stand er am Ziel seiner Wünsche. Die große Pforte durfte nur aufgehen und der Oberkonsul zog als Kaiser ein. Er fand den Schlüssel dazu mit leichter Mühe. Der französische Staatsrat war aus Männern zusammengesetzt, deren Barometer mit dem des Napoleons stieg und fiel. Ohr und Herz des Volks wurde indessen durch den stolzen Namen der großen Nation so aufgeblasen, dass man darüber den gang der Regierung weiter nachzuspüren vergaß. Napoleon wusste noch mehr zu tun. Er fand in der sogenannten Verschwörung eines Georges, Pichegru und ihres Anhangs, ein höchstbequemenes Mittel, sich der Nation noch wichtiger, ja ganz unentbehrlich zu machen." – und abgesehen davon wären ja auch die Gegner des Napoleondarstellers weit hinter ihren historischen Gegenstücken: Oder sieht man heute in England noch einen Wellington oder Nelson? In Deutschland einen Blücher, Hardenberg, Yorck oder Metternich? Also, dass passt schon, in 6 Jahren ist 200 jähriges Jubiläum...
  2. #41

    Bingo

    Zitat von brux Beitrag anzeigen
    In Frankreich stehen Regionalwahlen an und Sarko muss den rechten Rand sichern. Deshalb das Getöse.
    Barnier ist ein alter Hase und am Ende gilt EU-Recht, nicht nationaler Anspruch.
    Bingo. Das sehe ich genau so. Sarkozy will mit aller Macht Gross-Paris voranbringen und das Herz seiner Vision ist die La Défense - die wiederum vor allem vom Investmentbanking lebt (z.B. SGCIB). Aber wie immer mit Sarkozy : Sehr gut analysiert, nur wird der Ankuendigung nichts folgen, ausser der naechsten Ankuendigung die wiederum ebenfalls im Grunde politisch klug ist.
  3. #42

    Groß & klein

    Zitat von jens-daniel Beitrag anzeigen
    Es wäre mir neu, dass man diesen Antichristen Napoleon neuerdings den Großen nennen würde!
    Dass Napoleon größer war als es Sarkoleon je sein wird, dürfte unbestritten sein -- und nur so war meine Qualifizierung gemeint. Das Prädikat "groß" ist ohnehin nicht unbedingt positiv zu sehen, denn es wurden damit auch ganz andere, nicht weniger blutige Figuren der Geschichte ausgezeichnet. Auch verstehe ich nicht, was "Antichrist" hier zu suchen hat. Despotisch und blutrünstig war auch der ach so verehrte Friedrich der Große, ohne dass Sie ihn deshalb als Antichristen denunzieren würden, nicht wahr? Dass Napoleon Europa in mehr als 170 Schlachten ausblutete, ist eine Sache. Eine andere ist, was er der Welt als Staatsmann hinterließ. Da empfehle ich Ihnen, Jean Tulard, den wohl objektivsten Historiker der napoleonischen Epoche, zu lesen.

    Noch ein Wort zu der von Ihnen zitierten anonymen Flugschrift unter dem Titel "Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung": Einige der Beobachtungen des Verfassers gelten für Frankreich heute noch (beziehungsweise wieder). Schon unter De Gaulle und Mitterrand war Frankreich eine verkappte Monarchie. Sarkozy hat das Mäntelchen der Demokratie nun ganz abgelegt und regiert in aller Offenheit wie ein absoluter Herrscher. Und begründen tut er das damit, dass dies früherer Praxis entspräche, ehrlicher und weniger scheinheilig sei. Das Parlament untersteht seinem persönlichen Willen ebenso wie Justiz, Verwaltung und nicht wenige der größten Wirtschaftsunternehmen des Landes. Er selbst ist wohl der einzige Europäer, der eine absolute und totale Immunität vor dem Gesetz geniesst. Im Unterschied zu Napoleon, De Gaulle und Mitterrand ist Sarkozy jedoch ein kleingeistiger, nur mittelmäßig begabter, selbstgefälliger und von einer winzigen Clique von Oligarchen gesteuerter Geselle. Und darin liegt die Gefahr, die von diesem kleinen Sarkoleon mit der großen Schnauze ausgeht.

    Insofern bleibe ich bei meiner Meinung, dass der kleine Sarkoleon eine glatte Fehlbesetzung als großer Napoleon wäre.
  4. #43

    Ein schönes Paar... III

    Zitat von Parismatique Beitrag anzeigen
    Das Prädikat "groß" ist ohnehin nicht unbedingt positiv zu sehen, denn es wurden damit auch ganz andere, nicht weniger blutige Figuren der Geschichte ausgezeichnet. Auch verstehe ich nicht, was "Antichrist" hier zu suchen hat. Despotisch und blutrünstig war auch der ach so verehrte Friedrich der Große, ohne dass Sie ihn deshalb als Antichristen denunzieren würden, nicht wahr? Dass Napoleon Europa in mehr als 170 Schlachten ausblutete, ist eine Sache. Eine andere ist, was er der Welt als Staatsmann hinterließ.
    Nun ja, beim I. Napoleon dürfte der Nikolaus zu kämpfen haben, aber dem III. kann er schon mühelos das Wasser reichen, mal sehen ob es demnächst zu ähnlichen Szenen kommt: "In den Orgien, die Bonaparte jede Nacht mit männlichem und weiblichem swell mob <Hochstaplergesindel> feierte, sooft die Mitternachtsstunde heranrückte und reichliche Libationen die Zunge gelöst und die Phantasie erhitzt hatten, wurde der Staatsstreich für den folgenden Morgen beschlossen. Die Schwerter wurden gezogen, die Gläser klirrten, die Repräsentanten flogen zum Fenster hinaus, der Kaisermantel fiel auf die Schultern Bonapartes, bis der nächste Morgen wieder den Spuk vertrieb und das erstaunte Paris von wenig verschlossenen Vestalinnen und indiskreten Paladinen die Gefahr erfuhr, der es noch einmal entwischt war. In den Monaten September und Oktober überstürzten sich die Gerüchte von einem coup d'état. Der Schatten nahm zugleich Farbe an, wie ein buntes Daguerreotyp. Man schlage die Monatsgänge für September und Oktober in den Organen der europäischen Tagespresse nach, und man wird wörtlich Andeutungen wie folgende finden: "Staatsstreichgerüchte erfüllen Paris. Die Hauptstadt soll während der Nacht mit Truppen gefüllt werden und der andre Morgen Dekrete bringen, die die Nationalversammlung auflösen, das Departement der Seine in Belagerungszustand versetzen, das allgemeine Wahlrecht wiederherstellen, ans Volk appellieren. Bonaparte soll Minister für die Ausführung dieser illegalen Dekrete suchen." Die Korrespondenzen, die diese Nachrichten bringen, enden stets verhängnisvoll mit "aufgeschoben". Der Staatsstreich war stets die fixe Idee Bonapartes." – durch seine Verbindung mit der Revolution galt Napoleon dem christlich-monarchischen Europa als Antichrist, namentlich Königin Louise von Preußen und sogar seine spätere (zweite) Frau nannten ihn so und in Rußland wurde er ohnehin so bezeichnet, der Beiname ist also zeitgenössisch; Friedrich den Großen kann man schon allein deshalb nicht mit Napoleon vergleichen, weil dieser ein legitimer Monarch von Gottes Gnaden war und folglich auch seine Hauptstadt verlieren konnte, ohne von seinen Getreuen im Stich gelassen zu werden – wie es Napoleon 1814 nach dem Verlust von Paris ergangen ist, weiß man ja und dass es gerade seine Kreaturen waren, die ihn verraten haben... als Staatsmann kann man ihn dem Hannibal gleichsetzen, dessen militärisches Genie er wohl erreicht: Doch sein Werk war vergeblich und unter ihm tritt Frankreich als Anwärter auf die europäische Hegemonie zumindest vorerst ab, ähnlich wie Deutschland nach dem Fall Hitlers... auch möchte ich bitten Nichtigkeiten wie De Gaulle oder gar Mitterand hier nicht zu nennen, sonst könnte man ja von deutscher Seite Adenauer und Kohl aufbieten! Wobei Frankreich ein wenig zur Monarchie verdammt zu sein scheint...
  5. #44

    Witzfigur, die zweite.

    Zitat von jens-daniel Beitrag anzeigen
    Nun ja, beim I. Napoleon dürfte der Nikolaus zu kämpfen haben, aber dem III. kann er schon mühelos das Wasser reichen...
    Da haben Sie allerdings recht, denn Napoleon III. war eine Witzfigur (worin ihm der kleine Sarkoleon ziemlich ähnlich ist). Daran ändert auch das schöne Paris nichts, das er uns hinterliess. Der kleine Sarkoleon plant ja ebenfalls ein "Grand Paris", das er gegen Parlamente und Bürger der umliegenden Gemeinden mit Sondergesetzen, Regierungsdekreten und Zwangsenteignungen durchsetzen will -- wie einst der Baron Haussmann im Auftrag von Louis Napoleon.

    Antichrist wurde der erste Napoleon von Zar Alexander genannt, weil er den Juden Freiheit gewährt hatte. Natürlich sprach der Zar damit den scheinheiligen, degenerierten Monarchen Europas, die wegen der Französischen Revolution die Seidenhosen voll hatten, voll aus dem Herzen.

    Würden Sie übrigens auch den König von Schweden für einen illegitimen Monarchen, ja für einen Antichristen halten, nur weil sein Ahne, der Marschall Bernadotte, ebenfalls keinen Tropfen blauen Blutes in den Adern hatte?
  6. #45

    Ein schönes Paar... IV

    Zitat von Parismatique Beitrag anzeigen
    Da haben Sie allerdings recht, denn Napoleon III. war eine Witzfigur (worin ihm der kleine Sarkoleon ziemlich ähnlich ist).
    In der Tat könnte man es bedauern, dass auf der Bühne von Hugo Capet, Philipp II., Karl V., Ludwig IX., der Johanna von Orleans, Heinrich IV, der Catharina von Medici, Richelieu oder Mazarin nun Narren epilogieren, aber dies ist ja ein gesamteuropäisches Phänomen: In England, Spanien, Italien, Schweden und leider auch Deutschland sieht es ja durch aus nicht anders aus; fast fühlt man sich an den Untergang der römischen Republik erinnert: "Es ist erschütternd, daß auf jener Weltbühne, darauf so viele große und weise Männer gewandelt und gehandelt hatten, der Narr bestimmt war zu epilogieren." – abgesehen davon war der falsche Napoleon hierin natürlich ein wahrer Prometheus und ich darf hier die Lektüre der Streitschrift von Karl dem Einfältigen Marx empfehlen: "Die Bourgeoisie hatte jetzt offenbar keine andere Wahl, als Bonaparte zu wählen. Als die Puritaner auf dem Konzile von Konstanz über das lasterhafte Leben der Päpste klagten und über die Notwendigkeit der Sittenreform jammerten, donnerte der Kardinal Pierre d'Ailly ihnen zu: "Nur noch der Teufel in eigner Person kann die katholische Kirche retten, und ihr verlangt Engel." So rief die französische Bourgeoisie nach dem coup d'état: Nur noch der Chef der Gesellschaft vom 10. Dezember kann die bürgerliche Gesellschaft retten! Nur noch der Diebstahl das Eigentum, der Meineid die Religion, das Bastardtum die Familie, die Unordnung die Ordnung!" – doch hatte das Schicksal wenig Erbarmen mit ihm: Sein Krieg in Italien brachte ihm keine Frucht, da er Italien seine natürliche Hauptstadt Rom verweigerte, um sich beim Papst Liebkind zu machen, ebenso wie sein Abendteuer in Mexiko ein Desaster wurde und dann traf er auf seine Nemesis Bismarck, welcher über ihn mit bitter-bösem Spott anmerkte: „Er war kein schlechter Mensch (…) er wollte das Gute.“ – doch genug davon; wobei es natürlich reichlich übertrieben scheint, zu behaupten die Monarchen hätten vor dem Antichristen Napoleon Angst gehabt, man denke hier an Metternichs berühmte Bemerkung, als er denselbigen 1813 in Dresden aufsuchte, dass als er gekommen sei, er eine Ahnung gehabt habe, dass Napoleon am Ende sei, als er mit ihm gesprochen hatte aber anmerkte, dass er nun wisse, dass selbiger am Ende sei; nicht zu vergessen, den alten Blücher: "Der Todt ist allen gewiß, wer ihn So oft dereinst unter die Augen gesehen hat wie ich, wird der Knochen-Mann nicht erschrecken. Hein, ist die abgelaufen, so haue zu mit deiner Sense, du haust einmal auf alle ein! Lieber wäre ich freilich im Schlachten-Donner mit tausenden von Kameraden gestorben. So glücklich waren Schulenburg, Schwerin, Keith, Franz v. Braunschweig, und es muß in der anderen Welt sich auch besser ausnehmen, wenn ein Feldherr gleich mit einer Kolonne einrückt. Der Held der alle Helden bezwingt, hat sich dort nicht an mich gewagt. Ich solte noch erleben, wie der Friedenszweig, den wir Gärtner, (deren Spaten das Schwerdt ist) pflegen, lustig grünte, und blüthe. Nun 76 Jahre sind da, ich kan mich nicht wundern, daß es endlich zum Abmarsch in die ruhige Kantonierung bläset, Macht mir doch ein letztes Lager daß ich nehme, noch manche Freude." – die Frage nach der Legitimität von Monarchen verschiebe ich aus Platz- und Zeitmangel…








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