Zitat von
Ylex
Nichts, das ist doch das Geniale. Zwischen nicht zu wählen und nichts zu wählen liegen Welten. Eines von Angela Merkels beliebtesten Wort ist „alternativlos“ – das haben die Piraten schon verinnerlicht, bevor sie in den Bundestag kommen. Denn wozu braucht man im unendlichen Cyberspace politische Alternativen, wenn er selbst doch schon eine darstellt? Die Piraten sind der ins Internet verlagerte Mainstream der Jüngeren, dekoriert mit Spontaneität und luziden Tagträumen, die man wegklickt, wenn sie mit der Realität kollidieren.
Das Erstarken der Piraten beleuchtet den politischen Zustand Deutschlands wie ein greller Spot – das Land ist weitgehend entpolitisiert, weil es saturiert ist. Die Piraten wollen nichts, sie wollen nur da sein und mehr mitspielen dürfen, was darauf hinausläuft, dass sie auch eine Rolle spielen werden, für die sie aber noch nicht üben können, weil sie nicht wissen welche. Jedenfalls stehen die Piraten für eine moderne Lebensauffassung, und nicht für die muffige Fernsehbürgerlichkeit – sie bejahen die Technik, sie begeistern sich für die Komplexität, sie sind ergriffen von virtuellen Räumen, sie sind die desillusionierten coolen Weicheier, auf die ihre Erzeuger, die 68iger-Generation, mit wachsendem Entsetzen schaut.