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Seuchen: Chronik einer Hysterie

Fast ein Jahr lang hielt die Schweinegrippe die Welt in Atem. Eine gigantische Impfkampagne sollte ihr Einhalt gebieten. Dabei handelte es sich nur um einen eher harmlosen Virenstamm. Wie konnte es zu solch einer Überreaktion kommen? Eine Rekonstruktion.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,682149,00.html
  1. #90

    Danke -Teil 1

    Zitat von Wolf_68 Beitrag anzeigen
    Im sächsischen Sebnitz kam ein Junge im Hochsommer beim baden in einem vollen Freibad ums Leben.
    Auf Grund der Initiative der Mutter des Jungen kam eine mediale Lawine ins Rollen, in der behauptet wurde, Neonazis hätten das Kind ertränkt und die Stadt Sebnitz ist eine Hochburg der Neonazis in dem unter anderen ein Haus existieren soll, in dem Arier herangezogen werden.
    Ein Soziologe namens Pfeiffer erstellte ein Gutachten, dass es wahrscheinlich ist, der Junge sei von Neonazis ermordet worden, Spiegel recherchierte und deckte einen Naziskandal in Sebnitz nach dem anderen auf, wie der Spiegel halt so ist.
    Am Ende stellte sich als Todesursache heraus, der Junge hatte einen angeborenen Herzfehler, den die Mutter verschwiegen hatte.
    Das allerschlimmste war:
    Nahezu alle haben den Medien geglaubt.
    Hmmm. Auch wenn das hier eigentlich nicht zum Thema gehört, habe ich mir das Archiv angeschaut. Ich erinnere mich dunkel an den Fall. Sicher kein Ruhmesblatt des Journalismus, soviel ist klar.

    Zu den Fakten:

    Initiiert wurde der Skandal von der Bild-Zeitung. Hier gebe ich jedem sofort recht: Bild betreibt keinen seriösen Journalismus. Deren Praktiken sind auch mir hinreichend bekannt.

    Hier geht es um den Spiegel bzw. um SPON. Sie sagen, der Spiegel hätte damals "einen Nazi-Skandal nach dem anderen aufgedeckt". Daraus leiten Sie eine generelle Sensationssucht des Spiegels ab ("... wie der Spiegel halt so ist.")

    Die Print-Ausgabe(n) des Spiegels zu dem damaligen Skandal liegen mir nicht vor, daher kann ich sie nicht beurteilen. Bei SPON beginnt die Berichterstattung am 23.11.2000 mit diesem Artikel:

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...104402,00.html

    Titel: Mordverdacht - Folterten Neonazis ein Kind zu Tode?
    In dem Artikel wird sehr sachlich über Vorwürfe berichtet, die die Mutter des Jungen sowie die Bild-Zeitung erhoben haben. Das kann jeder nachlesen. Journalistisch einwandfrei werden die Quellen zitiert. Es wird keine Wertung vorgenommen.

    In den folgenden Tagen erscheinen eine Reihe von Artikeln zum Thema bei SPON. Das lässt sich leicht anhand des Archivs nachvollziehen. Zwar spitzt sich die Stimmung in den Artikel deutlich zu, aber nicht deshalb, weil der Spiegel Stellung bezieht und Meinung macht, sondern weil die Stimmung damals insgesamt sehr aggressiv war. SPON gibt das korrekt wieder. Bitte zeigen Sie mir Zitate, in den der Spiegel die Vorwürfe als Tatsachen darstellt und behauptet, es sei so gewesen. Im Gegenteil: SPON ist offenbar zu jener Zeit sehr vorsichtig und lässt sich zu keinem Kommentar hinreißen. Veröffentlicht werden lediglich Zusammenfassungen der Ereignisse, in der Regel vorgetragen durch Beteiligte oder Personen des öffentlichen Interesses wie z.B. Politiker.

    Für investigativen Journalismus blieb wenig Zeit. Schon am 26.11.2000, also nur drei Tage nach dem Erscheinen des ersten Artikel, platzte die Blase:

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,104906,00.html

    SPON titelt: Mord in Sebnitz - Keine Verbindung zur rechtsextremen Szene? In der Folge erscheinen eine Reihe von Artikeln, die den Fall klären.
  2. #91

    Danke -Teil 2

    Fassen wir zusammen: Der Skandal wurde losgetreten von der Mutter des Jungen in unheilvoller Allianz mit der Bild-Zeitung (und möglicherweise noch anderen Medien, das habe ich hier nicht geprüft). SPON ist keineswegs auf den Sensationszug aufgesprungen sondern hat lediglich berichtet über die Vorgänge. Das ist weder journalistisch noch moralisch zu beanstanden. Die Zeit für investigativen Journalismus war knapp bemessen. Der Skandal kochte im Hauptteil nur drei Tage auf SPON. Zudem lagen die eigentlichen Ereignisse schon Jahre zurück. Der Tod des Jungen war 1997, was die Recherche sicher erschwert hat. Den Journalisten unter diesen Umständen vorzuwerfen, sie hätten nicht tief genug recherchiert erscheint mir hart.

    Natürlich können Sie immer sagen, dass man gar nichts schreiben sollte, wenn man nichts sicheres weiß. Aber dann dürften Sie fast nie etwas schreiben. Als Journalist haben Sie zumindest die Pflicht zu berichten. Sie müssen nur klar stellen, dass es sich um Behauptungen handelt, um unsichere Sachverhalte, um Meinungen, und das deutlich kennzeichnen mit der Quellenangabe. Anderenfalls betreiben Sie natürlich unseriösen Journalismus.

    Dass in dem damaligen Fall das Image der Stadt Sebnitz Schaden erlitten hat sehe ich auch so. Das ist mehr als schlimm. Hierfür sind alle beteiligten Medien, vor allem die Bild-Zeitung, auf das Schärfste zu rügen. SPON, so meine ich, kann man keinen Vorwurf machen.

    Ich habe übrigens nichts mit SPON zu tun und bekomme auch keine kostenlosen Abonnements oder dergleichen. Ich mag es nur nicht, wenn Sachverhalte einseitig dargestellt werden.
  3. #92

    .

    Zitat von Stefan D. Beitrag anzeigen
    Fassen wir zusammen: Der Skandal wurde losgetreten von der Mutter des Jungen in unheilvoller Allianz mit der Bild-Zeitung (und möglicherweise noch anderen Medien, das habe ich hier nicht geprüft). SPON ist keineswegs auf den Sensationszug aufgesprungen sondern hat lediglich berichtet über die Vorgänge. Das ist weder journalistisch noch moralisch zu beanstanden. Die Zeit für investigativen Journalismus war knapp bemessen. Der Skandal kochte im Hauptteil nur drei Tage auf SPON. Zudem lagen die eigentlichen Ereignisse schon Jahre zurück. Der Tod des Jungen war 1997, was die Recherche sicher erschwert hat. Den Journalisten unter diesen Umständen vorzuwerfen, sie hätten nicht tief genug recherchiert erscheint mir hart.

    Natürlich können Sie immer sagen, dass man gar nichts schreiben sollte, wenn man nichts sicheres weiß. Aber dann dürften Sie fast nie etwas schreiben. Als Journalist haben Sie zumindest die Pflicht zu berichten. Sie müssen nur klar stellen, dass es sich um Behauptungen handelt, um unsichere Sachverhalte, um Meinungen, und das deutlich kennzeichnen mit der Quellenangabe. Anderenfalls betreiben Sie natürlich unseriösen Journalismus.

    Dass in dem damaligen Fall das Image der Stadt Sebnitz Schaden erlitten hat sehe ich auch so. Das ist mehr als schlimm. Hierfür sind alle beteiligten Medien, vor allem die Bild-Zeitung, auf das Schärfste zu rügen. SPON, so meine ich, kann man keinen Vorwurf machen.

    Ich habe übrigens nichts mit SPON zu tun und bekomme auch keine kostenlosen Abonnements oder dergleichen. Ich mag es nur nicht, wenn Sachverhalte einseitig dargestellt werden.
    Als Ehrenrettung sei angemerkt, dass als einziges Blatt die Süddeutsche Zeitung unter Hans Leyendecker, einem ehemaligen "Spiegel-Mann", sich damals zurückhielt, was sich als richtig herausstellte.

    Leider haben , um auf das eigentliche Thema zurückzukommen, zu viele Mitarbeiter der medialen Zunft aus solchen Desastern nicht viel dazugelernt
    und gehen nach wie vor verantwortungslos mit der Art und Weise um, Nachrichten zu verbreiten.
  4. #93

    Frage:

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    (...)Wie konnte es zu solch einer Überreaktion kommen? (...)
    Antwort:

    Weil ihr Möchtegern-Journalisten jeden, aber auch wirklich jeden Unsinn abschreibt bzw. copy-pastet, der euch von oben vorgesetzt wird bzw. den ihr woanders gelesen habt.

    Recherche? Kennemernet.

    Mal einen ECHTEN Doc (20 Hausärzte in der Umgebung) befragen? Viiieel zu anstrengend.

    Selber denken? Könnemernet.

    Dies betrifft aber auch andere Spiegel-Themen: Klimaerwärmung, Vogelgrippe, gierige Banker, gierige Ärzte, unliebsame Politiker (ab in die rechte Ecke, aber zack!) etc. pp.

    Ideologie als Selbstzweck und Alarmismus als Geschäftsgebahren? DAS zuzugeben würde ja an Wahrheit grenzen - geht GAR nicht. (Schon Luis Bunuel sagte, die Presse sei der 4. apokalytische Reiter. Yep.)

    Eure "Rekonstruktion der Ereignisse" ist also überflüssig.

    Ein großes, deutliches und ausführliches "SORRY" samt dem Versprechen eines seriösen Neuanfanges - davon träumt ein Spiegel-Leser, da er aber weiß, dass dies niemals eintreffen wird, kündigt er sein Abo.

    Und liest fremd.

    Da, wo es mehr Spaß macht, und wo es objektiver und informativer ist.

    Leider muss man hierzu auf ausgewählte Presseerzeugnisse aus dem Ausland zurückgreifen, Qualitätsjournalismus kommt außer in einigen Fachpublikationen in D nicht mehr vor.

    Zitat von t.brenner Beitrag anzeigen
    Waldsterben, BSE, Ozon, Acrylamid, Feinstaub, Hühnergrippe, Schweinegrippe sind alle schon durch. Ich kann es gar nicht erwarten bis die Klimahölle uns endlich dahingerafft hat. Geht mir nämlich mächtig auf den Senkel.
    Da hoffen Sie vergeblich! Denn gestern mussten wir ja (TV-Nachrichten) erfahren, dass in Afrika für eine einzige Tasse unseres geliebten Fair-Kaffees 140 Liter Wasser verbraucht werden. Was Sie und ich nämlich noch gar nicht wussten, ob in Afrika oder auf unserem westlichen Lokus, egal: wenn das Wasser weg ist, ist es weg! Für immer! Futschikato! Egal, was wir in der Schule darüber gelernt haben!

    Und wieder schreiben's alle: Wasser sparen! Wasser ist knapp! Wir verdursten ALLE!!

    Na? Oink, oink! Trappel, trappel! Dorf, Dorf! Und mit jeder neuen Sau wandert auch ne neue Mark aus unserem Portemonnaie in das des Staates....








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