Forum


 

Sensationeller Kunstfund: Das Geheimnis des doppelten Lieschens

Mindestens*350 Jahre lagerte die Mona Lisa-Kopie in den Archiven des Madrider Prado. Erst jetzt haben Restauratoren festgestellt, dass die angeblich minderwertige Replik zeitgleich zum Original*von einem Leonardo-Schüler gemalt wurde. Wie konnte die zweite Lisa so lange unentdeckt bleiben?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...812880,00.html
  1. #20

    Ml

    Zitat von nixus_minimax Beitrag anzeigen
    Es wäre wirklich hochinteressant die Pariser Lisa restauriert zu sehen.
    Ob sich die Gemälde dann doch stärker gleichen würden als jetzt.

    Die Pariser Lisa sieht entrückter und etwas amorfer und weniger "menschlich" aus. Das Linke Auge ist einen Tick nach unten versetzt (besser zu erkennen auf dem El Pais Overlay ohne den Strich und dem Kästchen in der Mitte) gar ein wenig mondgesichtiger. Die Madrider Lisa scheint das bessere Portrait zu sein dafür hat die Pariser Lisa eine misteriösere Aura die sicher viel von dem Reiz ausmacht und der dunkle Firnis verstärkt das ganze noch.

    Ich frage mich nur wie man von der einen oder der anderen sagen kann das Sie zuerst da war wenn doch bei beiden die Arbeitschritte identisch
    waren. Sehr spannend das ganze.
    Also mir gefällt die Pariser ML als Frau auch besser. Wenn man sie doch nur von der ganzen Firnis befreien dürfte. Könnte dann fast 'wie Neu' sein, wie bei der Madrider ML schön demonstriert wurde. Gute Arbeit! Muss wohl im Frühjahr nach Paris fahren. Dann seh ich beide in echt
  2. #21

    dichtet man

    leonardo nicht an, das eben dieses bild sein persönlich(st)es lebenswerk sein soll(te). überallhin bis zum ende seines eremitären endes mitgenommen, vollendet unvollendet ?

    die geschichte dahinter ist für mich weitaus spannender als das bild selbst.

    beide gemälde berühren mich überhaupt nicht und handwerklich finde ich aus laiensicht wohl so einiges das besser ist (scheint).
  3. #22

    Zitat von Emil Peisker Beitrag anzeigen
    Die Konturen der Berge und der Berglinien sind bis in die feinsten Details deckungsgleich. Daher ist kaum von einem zeitgleichen Porträt auszugehen, sondern von einer sklavischen Kopie.

    Wobei die Gesichtszüge der neuen Mona Lisa schlecht getroffen wurden. Der Augenbereich und die Stirnpartie sind klar unterschiedlich.
    Ich denke, Sie irren sich. Die Landschaft ist perspektivisch verschoben und der leicht andere Gesichtsausdruck scheint dem besseren Zustand des zweiten Gemäldes geschuldet zu sein.
    Im bisher bekannten Gemälde sind viele Details einfach verblasst /abgedunkelt. So sieht die originale Mona Lisa für mich deutlich weniger frisch und auch älter aus. Sehen Sie sich die Details am Schleier an oder die Augenbrauen. Vermutlich ist das neue Exemplar näher am Original.
  4. #23

    Das Louvre-Exemplar sollte auf gar keinen Fall restauriert werden.
    Der Reiz des Gemäldes ist das Geheimnisvolle und auch ein wenig Düstere was es austrahlt. Es ist mehr die Athmosphäre die bei der Mona Lisa fasziniert als das Motiv selbst (selbst in unmittelbarer Umgebung hängen unzählige weitaus spektakulärere Werke)
    Ein Restauration - auch wenn sie so perfekt wie bei dem Madrider Exemplar geschieht - würde all dies zerstören. Manchmal ist auch Firniss und Schmutz ein Kulturgut ;-)

    Aber trozudem ist es faszinierend zu wissen wie das Gemälde im Orginalzustand aussah....
  5. #24

    Das waren noch Zeiten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mindestens*350 Jahre lagerte die Mona Lisa-Kopie in den Archiven des Madrider Prado. Erst jetzt haben Restauratoren festgestellt, dass die angeblich minderwertige Replik zeitgleich zum Original*von einem Leonardo-Schüler gemalt wurde. Wie konnte die zweite Lisa so lange unentdeckt bleiben?

    Sensationeller Kunstfund: Das Geheimnis des doppelten Lieschens - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Damals als das Kopieren noch kein juristisches Problem darstellte, sondern, wie hier plausibel nachvollziebar, durchaus erwünscht war.
  6. #25

    Überraschend wäre es nicht

    Zitat von Waldesmeister Beitrag anzeigen
    Wer sagt uns denn, dass die originale Mona Lisa nicht auch von einem Schüler gemalt wurde? So fest steht das nämlich in der kunsthistorischen Forschung nicht, dass sie wirklich von Leonardo persönlich gemalt wurde.
    Auch in der heutigen Zeit gehen noch diverse Profs recht locker damit um, etwa das, was ihre Schüler an Wissen zusammengetragen haben, als ihr eigenes Werk zu verkaufen.
  7. #26

    Hintergrund exakt nachgezeichnet

    Zitat von tetaro Beitrag anzeigen
    Ich denke, Sie irren sich. Die Landschaft ist perspektivisch verschoben und der leicht andere Gesichtsausdruck scheint dem besseren Zustand des zweiten Gemäldes geschuldet zu sein.
    Im bisher bekannten Gemälde sind viele Details einfach verblasst /abgedunkelt. So sieht die originale Mona Lisa für mich deutlich weniger frisch und auch älter aus. Sehen Sie sich die Details am Schleier an oder die Augenbrauen. Vermutlich ist das neue Exemplar näher am Original.
    Sprechen Sie mal mit Künstlern, die alte Meister als Teil ihrer Ausbildung kopierten.

    Der Hintergrund der Mona Lisa ist eine aufwendige Struktur, die so exakt nur als Kopie erreicht werden kann. Wenn Sie zeitgleich ein Porträt malen, werden Sie den Hintergrund später erstellen.

    Es ist meiner Meinung nach so abgelaufen, dass der zuerst erstellte Hintergrund exakt nachgezeichnet wurde. Perspektivische Abweichungen kommen bei einem solch komplex strukturierten Hintergrund leicht vor.

    Aber entscheidend ist doch, dass bei zwei gleichen Porträts an ca. 50 Bildstellen so exakte Kanten und Strukturen zu erkennen sind, dass eine freie Arbeitsweise ohne das Vorbild eines Originals als völlig unwahrscheinlich anzusehen sind.
  8. #27

    Mona Lisa Prado nicht alles ganz richtig

    Ich möchte die Agentur und Presse Meldungen zur Mona Lisa des Prados kommentieren

    Da ich mich seit vielen Jahren mit der Schule Leonardo da Vincis beschäftige und auf dieses Bild bereits vor vier Jahren gestoßen bin, verfüge ich über ausreichend Informationen, die zeigen, dass das meiste was zu dem Bild gemeldet wird nicht ganz richtig ist.

    1. Es gab schon vor hundert Jahren um 1910 einen Streit zwischen dem Louvre und dem Prado, wer eigentlich die "richtige " Mona Lisa hat.
    Wenn man bei Google Book search Mona Lisa Prado eingibt und die Zitate einiger der angezeigten Bücher liest wird man ganz schnell fündig.

    2. Den Streit hat Walter Littlefield durch seinen Artikel im Century Magazin von 1914 zu schlichten versucht, indem er beide Lisas Leonardo zu schrieb.
    Das meiste in dem Artikel ist erstaunlich richtig und lässt viele der "Entdeckungen " zu dem Gemälde der letzten zehn Jahre in einem anderen Licht erscheinen.

    3. Miguel Falomir selbst hat bereits 2006 im Apollo Magazine richtig analysiert, dass seine Version vom Original kopiert wurde, d.h. er ist nicht jetzt erst dahinter gekommen.
    Apollo Magazine | Reynolds’s Mona Lisa Lesen Sie bitte dort den Kommentatar zur Mona Lisa des Prado

    4. Pascal Cotte hatte 2007 mit einer Spezial Kamera die Mona Lisa des Louvre untersucht und dabei einige Merkmale (insgesamt 25) entdeckt, die auf dem Prado Gemälde mit bloßem Auge sichtbar waren. Die Meldung über diese Entdeckungen zu der Louvre Mona Lisa gingen durch alle Kunstseiten und Magazine. Eigenartig, dass Falomir und seine Kollegen nicht das bei Ihnen sich befindliche Gemälde auf diese Merkmale hin untersucht hatten.

    5. Die Prado Mona Lisa Leonardos Schülern Melzi oder Salai alleine zuzuschreiben, hat fast schon satirische Züge, weil Salai wahrscheinlich überhaupt kein Bild gemalt hat (ich sage das aus gutem Grund auch wenn es einige Zuschreibungen gibt) und Melzi, wenn man von der Analyse von Littlefield ausgeht noch gar nicht in Leonardos Werkstatt beschäftigt (1493 geboren) war, als das Gemälde entstanden ist. Melzi kommt auch aus stilistischen Gründen nicht für das Bild in Frage. Ich kann aber, da ich mich mit diesem Thema ausführlich beschäftigt habe einen Schüler aufzählen, der sehr oft mit Leonardo zusammengearbeitet hat.
    Er wird meistens als Giampietrino bezeichnet und hat in enger Zusammenarbeit mit Leonardo eine ganze Reihe von Gemälden gemalt, darunter die Leda in Kassel, sowie die Leda aus den Uffizien und die dritte Felsgrottenmadonna, die von Carlo Pedretti in mehreren Büchern erwähnt wird.

    Leonardo hat des Öfteren seine Kunstwerke von Schülern vollenden lassen.

    Er hatte was das Fragment angeht einige Züge von Künstlern der Hochromantik. Es ist gut möglich, dass das Unvollendete Kunstwerk für ihn eine Obsession war.

    Leonardos eigener, von ihm entwickelter Malstil, das Sfumato, entstand durch das allmähliche Auftragen von unzähligen Malschichten. Ein Gemälde entstand so über viele Jahre, gleich einer Meditation. Es ist klar, dass Leonardo diese Art zu malen nicht an seine Schüler vermitteln konnte und wollte. Er entschloss sich deshalb mit seinen Schülern zusammen Gemälde und Skulpturen anzufertigen, einerseits um die Bedürfnisse der Auftraggeber zu befriedigen andererseits um seine zahlreichen Ideen zu verwirklichen.


TOP



TOP