Der malayaische Staat ruft im 21. Jahrhundert zur Schwulen-Hatz auf und ist auch noch stolz darauf. Schon in den Schulen wird so den Kleinen der Hass auf Homosexuelle regelrecht anerzogen, später ist er dann Bürgerpflicht - kaum zu glauben, dass es solche Verhältnisse auf der Welt heute noch gibt. Doch es gibt sie massenhaft. Auf Reisen hat man nicht selten den Eindruck, dass die Schwulen- und Lesben-Emanzipation ihren Zenit überschritten hat und wieder in die Defensive gedrängt wird. Die Kommentare über Schwule werden wieder häufiger und verächtlicher, sie werden nicht mehr hinter vorgehaltener Hand von sich gegeben, sondern laut, so dass es auch alle hören können. Bei einem Besuch in einem arabischen Land vor nicht langer Zeit war ich mehrmals schockiert über die Bösartigkeit, mit der über Homosexuelle gesprochen wurde, und das auch noch mit einem Lächeln auf den Lippen.
In Malaysia bestimmt der Islam das öffentliche Leben, 60 Prozent gehören ihm an, seit den letzten vier Jahrzehnten wird der Vielvölkerstaat von zunehmenden fundamentalistischen Tendenzen geprägt. Die Malayen, die fast alle Moslems sind, loben ihr Land gern als modern und aufstrebend - die Petronas Towers in Kuala Lumpur waren schließlich bis 2004 die höchsten Gebäude der Welt. Aber so kann man sich täuschen: Unter den Wolkenkratzern führt der Weg zurück in die Steinzeit.
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