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Sehnsucht nach dem Krisenende: Wir leben in einer Blase der Euphorie

In regelmäßigen Abständen rufen Banker, Gelehrte und Europa-Politiker das Ende der Krise aus. Das ist furchtbar naiv! Auch wenn es Deutschland derzeit gutgeht: Europa steht noch immer am Abgrund. Dutzende EU-Gipfel und hyperaktive Politik-Shows haben daran nichts geändert.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...805866,00.html
  1. #80

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Die Geschichte der Menschheit widerlegt Sie vollständig.

    Wirtschaft bedeutet die Versorgung der Menschen mit den notwendigen (oder auch nicht-notwendigen) Gütern. Mehr nicht. Und die Menschheit wurde den allergrößten Teil ihrer bisherigen, etwa 500.000 Jahre langen Geschichte allerbestens ohne ein kapitalistisches Wirtschaftssystem versorgt.
    Klar doch, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 32 Jahren!!!

    Es ist sogar umgekehrt: Tatsächlich hat es in der Menschheitsgeschichte niemals zuvor vergleichbare Versorgungsengpässe gegeben, wie in den Staaten, in denen ungezügelter Kapitalismus herrscht(e). Mitten im reichsten und wohlhabendsten Wirtschaftsgebiet der damaligen Welt gab es in Irland im vorletzten Jahrhundert Millionen Hungertote! Und die gibt's bis heute in vielen Staaten, die nicht stark genug sind, den Kapitalismus zu zügeln.
    Es ging noch NIEMALS in der Geschichte der Menschheit so vielen Menschen so gut wie heute. Früher sind die Leute auf dem Land wie die Fliegen an Krankheit und Hunger verreckt, es ist nur niemandem aufgefallen, weil es normal war.

    Kapitalismus in Reinform ist vollkommen ungeeignet, große Bevölkerungsmassen so zu versorgen, dass der Allgemeinen Menschenrechtserklärung Genüge getan wird. Kapitalismus in Reinform ist nur ein anderer Begriff für das "Recht des Stärkeren".
    Deswegen gibt es auch keinen Kapitalismus in Reinform. Nirgendwo auf der Welt! Und um dem üblichen Geschwalle gleich vorzubeugen. Mit Ausnahme von ein paar Freiheiten für die Märkte ist dieses unseres Land seit Jahren immer sozial(istisch)er geworden, als zuvor. Und zwar unter allen Regierungen. Lediglich Schröder hat es sich erlaubt, einen winzigen Teil dessen, was Kohl eingeführt hat, wieder rückgängig zu machen ( sie erinnern sich sicher, dass es zu den gelobten Zeiten von Willy und Helmut S. OHNE Ausnahme maximal 12 Mon. ALG gab, oder nicht??? ) und wird dafür bis heute von dem nichtdenkenden Teil der Bevölkerung immer noch als Satan betrachtet.

    Ich gönne Traumtänzern wie Ihnen mal eine Woche im Vorindusrialisierten Deutschland. Sie wären von Ihren antikapitalistischen Träumereien für immer geheilt.
  2. #81

    Blase kommt von Blablabla

    Zitat von kleinbürger Beitrag anzeigen
    das man trotz der untergangskoketterie der medien immernoch am abgrund steht, d.h. der boden unter den füssen ist fest wie eh und je, kann im umkehrschluss nur bedeuten, man arbeitet und das nicht ohne erfolg.

    Es gilt, was Omma schon immer sagte: Hauptsache, man ist gesund und hat Arbeit.
  3. #82

    Was?

    Zitat von kalle blomquist Beitrag anzeigen
    Die Kapitalgeber sind vielleicht nicht "wir alle", aber doch die meisten von uns. Es sind die Besitzer der ca. 90 Millionen Lebensversicherungen und die vielen Millionen kleinen Sparer, es ist meine Oma mit ihren Sparverträgen, die sie "für ihre Enkel" (also für mich und meine Geschwister und Kusinen) seit Jahrzehnten Pfennig für Pfennig anghesammelt hat. Es ist mein Jugendfreund, der Kleinunternehmer, Kioskbesitzer, der für sein Alter sparen muss, da er nicht ordentlich rentenversichert ist.

    Mit Ihrer wunderbaren "Abwertung der Schulden" enteignen Sie fröhlich all diese ganz normalen Menschen. Herzlichen Glückwunsch. (Aber die allgemeine Ideologie ist eben, dass nur "das Großkapital", wie der kleine Max sich das eben so vorstellt, als Gläubiger auftritt. Das bittere Erwachen kommt später).

    Fazit: Es mag ja sein, dass irgendwann keine Alternative zur "Abwertung der Schulden" mehr besteht. Aber das wird kein guter Tag sein für die kleinen Leute. Auch Ihnen wünsche ich, dass Sie zu der Mehrheit der 80% der Deutschen gehören, die über Ersparnisse verfügen und sodann auch, dass es Ihnen erspart bleibt, dass die "abgewertet" (= enteignet) werden. Ferner wünsche ich Ihnen die Gabe, Vorurteile und Ideologien in Frage zu stellen. Das wäre vielleicht sogar noch nützlicher als Ersparnisse, denn klares Denken kann nicht so leicht enteignet werden.
    Zunaechst einmal 27% der Deutschen haben keine oder nur negative Ersparnisse. Die 5% reichsten Deutschen gehoert aber 46% des gesamten Volksvermoegen. Und den aermsten 70% besitzen nicht einmal 10% des Vermoegens. Also Ihr elendes "kleine Leute" Gefasele versucht doch nur Angst zu schueren. Wieviel spart denn Ihre liebe Oma so fuer Sie? Und wenn schon, dann sind die paar Kroeten eben weg, was auch niemandem schadet, Ihnen nicht, weil Sie keine Leistung dafuer erbringen und Ihrer Oma nicht, da sie ja das Geld offensichtlich nicht braucht. Besser kann es ja kaum kommen. Und gut, die Lebensversicherungsbesitzer werden natuerlich geschaedigt, aber vielleicht lernt man daraus, dass Lebensversicherungen eine sehr schlechte Geldanlage sind. Meinetwegen, sollte man erlauben alle Versicherungsangestellten zu verpruegeln, um den Zorn der Versicherten ein Ventil zu geben, denn nicht die Griechen haben das Geld falsch angelegt es waren die tollen Manager der Versicherungen und Banken, die wider besseres Wissen in Griechenland Geld angelegt haben.
  4. #83

    Wir leben in der Realität

    Tja, Herr Münchau, die Welt ist wohl manchmal ungerecht. Und nun auch das noch. Gerade wir Deutschen, die wir doch angeblich immer alles falsch gemacht haben (Erinnern Sie sich an Ihre früheren Blogs?), haben Wachstum. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, oder?

    „… in Wahrheit findet der Aufschwung nur in Deutschland statt. Das zeigt, dass es sich um einen kurzfristigen Effekt handeln muss.“

    Wieso das denn? Immerhin dauert das Wachstum seit 2010 an. Und es stützt sich – dumm gelaufen für Postkeynesianer – keineswegs auf niedrige Zinsen und die Bauwirtschaft sondern auf den Export. Aber den hatten sie ja auch schon mal an den Pranger gestellt. Deutschland hat sich mit dem Export an die Bedürfnisse der aufsteigenden BRICS-Staaten gehängt und profitiert nachhaltig davon – und das aufgrund der Qualität der Güter und nicht des billigen Euro (auch so ein tiefgelegtes Argument) und schon gar nicht „auf Kosten anderer Länder“. Oder können Sie Wettbewerber für unsere Werkzeugmaschinen in Griechenland ausmachen?

    So funktioniert nun mal Marktwirtschaft. Ganz ohne staatliche Visionen. Diese Visionen haben ganz andere Spielfelder eröffnet, die wirklich die Namen „Krisen“ und „Blasen“ verdienen. Die Staatschulden haben Regierungen angehäuft, die Idee Schuldenkrisen mit neuen Schulden zu bekämpfen entstammt auch verzweifelten Politikerhirnen - ebenso die Idee, ein Europa, in dem sich nicht einmal die Eliten einig sind, mit einer Währung zu einen. Und eben diese Krisen werden uns in der Tat erhalten bleiben. Sie liegen wie ein Fluch auf der Realwirtschaft.

    Sie vereint Staaten und ihre Hauptgläubiger, die Banken, die sich gegenseitig vor der Stunde der Wahrheit, dem Bankrott bewahren wollen – die einen in der Rolle des Retters, die anderen in der des Buh-Mannes. Hier bildet sich in der Tat die nächste Blase. Aufgeblasen wird sie nun auch von der EZB, die den Banken Geld zuführt, welches diese abends als Einlagenfazilität wieder bei ihr hinterlegen, weil sie anderen Geschäften misstrauen. Absurd.

    Dabei gäbe es auch hier einen Tipp aus dem wirklichen Leben: Scheitern gehört zum Geschäft. Nicht nur für Unternehmen. Auch für Staaten und Banken. Dann würde das Vermögen auch dort vernichtet, wo es falsch eingesetzt wurde und es bewahrt uns vor falschen Schuldzuweisungen und verlogenen Solidaritätsgefasel.
  5. #84

    Euro-Bonds eröffnen den europäischen Pleite-Staaten nur einen einzigen "Ausweg":

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In regelmäßigen Abständen rufen Banker, Gelehrte und Europa-Politiker das Ende der Krise aus. Das ist furchtbar naiv! Auch wenn es Deutschland derzeit gutgeht: Europa steht noch immer am Abgrund. Dutzende EU-Gipfel und hyperaktive Politik-Shows haben daran nichts geändert.

    S.P.O.N. - Die Spur des Geldes: Wir leben in einer Blase der Euphorie - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Noch weitaus mehr Schulden als bisher anzuhäufen!

    Und dies überwiegend, ja nahezu ausschließlich zu Lasten Deutschlands, nachdem inzwischen jedem klar sein dürfte, daß selbst Frankreich bereits schnorchelnd beim Wasserschlucken ist, anstatt oben noch wirklich kraftvoll mitzuschwimmen. Sondern mehr und mehr selbst Hilfe benötigt, um bald unter der Wasserlinie zwangsbeatmet wirtschaftlich am Leben zu bleiben.

    Es bleibt zu hoffen, daß den Deutschen endlich einmal die Lust vergeht, einen Großteil ihrer Nachbarn dauerhaft zu alimentieren, bevor ihnen die Kräfte dazu ausgehen werden! Dann mit der Folge, auch ihr eigenes Wohl nicht mehr retten zu können, sondern den umliegenden Betonklötzen in Richtung Grund zu folgen.

    MfG
  6. #85

    Was interessiert mich die Krise?

    Was soll dieses ganze Geschwafel? Seitdem wir den Euro haben, komme ich gerade mal so mit Müh und Not über die Runden. Schlimmer kann es doch für mich gar nicht werden. Glauben Sie im Ernst, dass der kleine Mann auch nur einen Gedanken an solche Dinge verschwendet ? Wir sind froh, wenn wir ohne Schulden das Monatsende erreichen.
    Aber wer natürlich dick verdient hat immer gut reden.
  7. #86

    Schleichende Veränderung

    Zitat von ogg00 Beitrag anzeigen
    Der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft wird weder durch Vernunft noch durch einen großen Knall (oder einen irgendwie gearteten "ehrlichen Politiker" erfolgen) sondern langsam und schleichend auf Basis der täglichen Bedürfnisse.
    Wann kommt das Krisenende? Möglicherweise überhaupt nicht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Lehmanpleite, sondern um eine permanente Reduzierung unsererer wirtschaftlichen Umstände -- eine Tatsache, die in Alteuropas Spaßgesellschaft bis heute nicht eingedrungen ist. Nichts wird wieder wie es 50 Jahre lang war -- daran ändern alle Verdrängungsbemühungen nichts.
  8. #87

    Hier meine Kurzanalyse

    a) Münchau hat Recht: Die Krise ist nicht zu Ende - ja, es ist bisher kaum etwas getan um sie zu überwinden(!), weil Liquiditätsspritzen die europäische Strukturkrise nicht lösen können.

    b) Die hohe Politik gaukelt sich und dem Publikum vor, es handele sich nur um eine Staatsschuldenkrise, dies ist falsch. Vielmehr hat Neapolitaner Recht:
    Zitat von Neapolitaner Beitrag anzeigen
    Nach Euroeinführung gab es eine Preis/Lohnblase in den südlichen Ländern der EU, ... Die südeurop. Länder müssten ihr Preisniveau um 30 - 40 % reduzieren, um Wettbewerbsfähigkeit herzustellen ... Früher geschah dies über eine Abwertung der nationalen Währung. Spanien und Italien werteten bis in die 90er ihre Währungen regelmäßig ab.
    D.h., ohne Austritt der südlichen Staaten aus dem Euro oder eine "innere Abwertung", d.h. explizite Reduzierung der Löhne/Preise in diesen Ländern, wird die Krise nicht gelöst werden.

    c) Eurobonds oder eine EU-Wirtschaftspolitik (wie von Autor Münchau gefordert) werden diese Abwertung oder innere Abwertung nicht hinbekommen. Eine EU-Wirtschaftspolitik, die langfristig die Lohn-/Preisniveaus der Euroländer im Gleichgewicht hält, halte ich für technisch als auch für politisch nicht für möglich; wäre sie möglich, hielte ich sie für politisch nicht wünschenswert: wer will, dass Brüssel sich überall als Preiskommissar aufführt?

    Lösungsalternativen: (1) Kurzfristig könnte eine Inflation des Euro helfen; langfristig macht das die Sache vermutlich noch schlimmer. (2) Eine EU-Wirtschaftspolitik, insbesondere von Frankreich herbeigeträumt, die langfristig die europäischen Wirtschaften im Gleichgewicht halten soll, wird vermutlich nicht funktionieren, aber sicherlich durch Dirigismus/Planwirtschaft die europäischen Wirtschaften langfristig lähmen. (3) Nur eine Auflösung des Euro oder Verkleinerung der Eurozone ("Nordeuro") kann Entlastung bringen. Das würde die Idee Europas *stärken*, nicht schwächen. Bis die deutsche Politik allerdings ihre ideologisch motivierte Euro-Fixierung aufgibt, muss die Krise vermutlich (und leider) noch schlimmer werden.
  9. #88

    .

    Zitat von DMenakker Beitrag anzeigen
    Man nehme einen anderen Vergleich: Ein Flugzeug kommt ins trudeln. Anstatt Balast abzuwerfen empfiehlt Münchau alle in die Business und First zu setzen, da stirbts sich gemütlicher. Vollkommener Kappes.
    Münchau vermittelt den Eindruck, es gehe hier um objektiv richtige Lösungen und schlägt Eurobonds vor.

    Tatsächlich gibt es nicht DIE Lösung der Krise, vielmehr geht es um Interessen und Umverteilung.

    Die Financial Times, und das sagt der Name der Zeitung klar, vertritt die Interessen des Finanzkapitals, vor allem des angloamerikanischen.

    Das hat viel Geld investiert und möchte die Investition sichern. Dabei geht es nicht nur um direkte Investments in Schuldenstaaten, auch um Unterstützung für die schwache Konjunktur in den USA und GB. Daraus macht man ja auch kein Geheimnis.

    Irgend jemand in Europa muss die Krise finanzieren. Und nicht nur Münchau, auch Ökonomen und Politikern in den USA und anderen Ländern fällt da im Wesentlichen Deutschland ein, das noch Reserven hat und groß genug ist.

    Keiner der Vorschläge, die von dieser Seite kommen, haben das geringste Interesse am Wohlergehen der Arbeitnehmer und Rentner in Deutschland, geschweige denn der Geringverdiener. Es geht um die Rettung der Millionen und Milliarden des Kapitals.

    Soviel sollte man zur Beurteilung solcher Artikel bedenken, es sind keine interessenfreie Beiträge.
  10. #89

    Was haben wir denn bisher?

    Zitat von syracusa Beitrag anzeigen
    Die Geschichte der Menschheit widerlegt Sie vollständig.

    Wirtschaft bedeutet die Versorgung der Menschen mit den notwendigen (oder auch nicht-notwendigen) Gütern. Mehr nicht. Und die Menschheit wurde den allergrößten Teil ihrer bisherigen, etwa 500.000 Jahre langen Geschichte allerbestens ohne ein kapitalistisches Wirtschaftssystem versorgt.
    Dazu mal die einfache Frage: Was hatten wir denn die letzten, sagen wir mal 2.000 dokumentierten, Jahre für ein System? Doch weitestgehend ein kapitalistisches, bei dem es um den persönlichen Vorteil ausgedrückt in materiellen Wohlstand ging. Die Politik spielt dabei eine erstaunlich untergeordnete Rolle, aber seit den Römern geht es doch genau wie bei der Definition von Kapitalismus (wikipedia als Beispiel) zu:

    Allgemein begreift man Kapitalismus als eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Privateigentum an den Produktionsmitteln und einer Steuerung von Produktion und Konsum über den Markt beruht. Als weitere Merkmale werden genannt: die Akkumulation und das „Streben nach Gewinn im kontinuierlichen, rationalen kapitalistischen Betrieb“ .
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismu

    Wenn sie sich jetzt die Gewinner dieses Vorgehens ansehen, waren das genau die Staaten, denen es jetzt relativ gut geht.

    Und was das "Recht des Stärkeren" angeht: Nennen Sie mir EINEN nennenswerten Staat oder Organisation, in der das nicht so ist.

    Insofern ist ihre Widerlegung wohl Wunschtraum.








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