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Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben"

Jens AhnerMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...827909,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    Dieser Kurs ist wirklich eine gute Idee. Nachdem sich in unserer Familie die Brustkrebserkrankungen gehäuft hatten, beschloss ich, mich von einer Genetikerin und einem Frauenarzt beraten zu lassen.

    Dabei ging es darum, ob es sinnvoll wäre, mich auf einen entsprechenden genetischen Defekt testen zu lassen. Natürlich hatte ich mich vorher darüber informiert und wollte eigentlich nur triftige Gründe hören, wieso so ein Test keine gute Idee ist. Der Gynäkologe hatte meine Akte noch nicht vorliegen und kam gerade aus dem OP.

    Als ich meinte, so ein Test wäre in meinen Augen nicht sinnvoll, weil ich bei einem positiven Befund trotzdem keine Chance auf Prävention hätte, schaute er mich an und sagte: "Doch - so können sich die Brüste präventiv amputieren lassen. Oder Sie lassen sich nur eine Brust abnehmen, dann minimieren Sie das Risiko um 50 Prozent".

    Erstens war mir das bekannt, zweitens wird das in Deutschland im Grunde fast nie gemacht und drittens möchte man so was - auch wenn es medizinisch korrekt ist - mit nicht einmal 30 Jahren nicht hören. Bevor ich mich entschieden hatte, das Gespräch abzubrechen, hat er aber zumindest seine Taktlosigkeit bemerkt. Das Gespräch verlief dann noch ganz gut. Aber trotzdem ist und belibt dieser Arzt für mich das beste Beispiel dafür, dass solche Kurse dringend nötig sind.
  2. #2

    .

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    Mir wurde, nachdem mir mit 16 im Krankenhaus gesagt wurde, dass ich Krebs hätte (was sich nach 3 Monaten als falsch herausgestellt hat - Ärztefehler bei der Diagnose - 3 Chemo-Phasen waren für die Katz), eine Psychologin und eine Nonne auf das Zimmer geschickt. Beide habe ich, zur Nonne war ich etwas netter als zur Psychotante, nach kurzer Zeit aus dem Raum gebeten. Man hat mir einfach nicht geglaubt, dass ich mit diesem ganzen Zirkus keine Probleme hatte. Viele Ärzte trauen sich einfach nicht, den Patienten ernst zu nehmen und dementsprechend klartext zu reden. Und die Patienten, die ihr eigenes Schicksal gerne mal an die große Glocke hängen, sollten sich auch mal fragen, ob es ihnen wirklich so schlecht geht. Mit 16 kam ich damals noch auf die Kinderstation der Onkologie und dort habe ich Kleinkinder gesehen, die tapferer waren als manch ein älterer Jugendlicher. Diese Eindrücke haben mich geprägt.
  3. #3

    IQ geht auch ohne EQ

    Kann man nur hoffen, dass man im Falle einer ernsten Erkrankung NICHT an den Verfasser dieses Kommentars gerät, von dem anzunehmen ist , dass er ein (dem Klischee entsprechender) Halbgott in weiß ist. Völlig erhaben über "Geflenne und Geschrei" trinkt er in Seelenruhe seinen Kaffee. Sei ihm gegönnt, denn natürlich muss man als Profi in der Lage sein, das Patientenschicksal nicht zum Eigenen zu machen. Anscheinend fehlt ihm aber die emotionale Intelligenz um den Unterschied zwischen Empathie und MitLEID zu kennen. Und die Fach- und Methodenkompetenz um zu wissen, dass es durchaus möglich ist "sich Gefühle zu geben", dem Patienten mit der nötigen menschlichen Wärme zu begegnen und dennoch sich abzugrenzen um selber NICHT daran kaputt zu gehen.

    Zitat von PrinzEisenerz Beitrag anzeigen
    bringt erst so ab IQ 115 Minimum etwas, darunter
    (rein emotionale Intelliugenz) bringt es nur Stress.
    Gefühle sollte der Arzt sich nicht geben, er würde
    darunter leiden - "Gesundheitsprofis", ich kenne
    das aus -zig Kliniken, müssen imstande sein, das Geschrei
    und Geflenne aus dem Nachbarraum auch mal eine halbe Stunde
    zu ignorieren und in Seelenruhe ihren Kaffe oder Tee
    zu schluerfen. Und das sind sie ja auch.

    Mich persönlich macht nur das untröstliche Gejaule
    von jungen Kätzchen total mürbe ;)
  4. #4

    "Im Studium lernt man das ja nicht!"

    Ich kann diesen daemlichen Satz nicht mehr hoeren:
    Was machten die frischgebackenen Aeskulapjuenger eigentlich in ihrem Praktischen Jahr?

    Kaffeetrinken mit den kranken Schwestern oder im OP "die Haken und das Maul halten", wie es zu meiner Zeit der Leitende Oberarzt des Departements Allgemeinchirurgie so "schoen" meinte?
  5. #5

    Intuitiv....

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    merkt es doch ein jeder wenn es zu Ende geht.Wer will schon die Wahrheit hören.Opa aufgeschnitten-alles voller Metastasen-wieder alles
    zugemacht und Opa versichert das alles Gut wird.Nach drei Monaten
    verstorben.In einem anderem Fall einfach umgefallen und Tot-Herzstillstand-vielleicht noch die gnädigste Art abzutreten.
    Darumm bei Zeiten das Leben geniessen-staune in den Todesanzeigen wie viele schon nach meinem Jahrgang wesendlich jünger ,schon dahin gehen müssen.
  6. #6

    .

    Zitat von Else Schnibbel-Paula Beitrag anzeigen
    Kann man nur hoffen, dass man im Falle einer ernsten Erkrankung NICHT an den Verfasser dieses Kommentars gerät, von dem anzunehmen ist , dass er ein (dem Klischee entsprechender) Halbgott in weiß ist. Völlig erhaben über "Geflenne und Geschrei" trinkt er in Seelenruhe seinen Kaffee. Sei ihm gegönnt, denn natürlich muss man als Profi in der Lage sein, das Patientenschicksal nicht zum Eigenen zu machen. Anscheinend fehlt ihm aber die emotionale Intelligenz um den Unterschied zwischen Empathie und MitLEID zu kennen. Und die Fach- und Methodenkompetenz um zu wissen, dass es durchaus möglich ist "sich Gefühle zu geben", dem Patienten mit der nötigen menschlichen Wärme zu begegnen und dennoch sich abzugrenzen um selber NICHT daran kaputt zu gehen.
    Vielen Dank für diese Worte. Ich hatte auch einmal das "Vergnügen" einem Halbgott in Weiß zu begegnen, der mich entsprechend behandelt hat und meine Einwände beiseite wischen wollte. Nun, ich habe ihm nach einer Nacht Bedenkzeit freundlich beschieden, auf seine Dienste zu verzichten. Seine Argumentation er sei der Beste in der Situation (ungelogen!) konnte daran auch nichts mehr ändern. Was soll ich sagen: Er lag daneben.
  7. #7

    Diese gestellten Gespräche sind sinnlos

    Zitat von Else Schnibbel-Paula Beitrag anzeigen
    Kann man nur hoffen, dass man im Falle einer ernsten Erkrankung NICHT an den Verfasser dieses Kommentars gerät, von dem anzunehmen ist , dass er ein (dem Klischee entsprechender) Halbgott in weiß ist. Völlig erhaben über "Geflenne und Geschrei" trinkt er in Seelenruhe seinen Kaffee. Sei ihm gegönnt, denn natürlich muss man als Profi in der Lage sein, das Patientenschicksal nicht zum Eigenen zu machen. Anscheinend fehlt ihm aber die emotionale Intelligenz um den Unterschied zwischen Empathie und MitLEID zu kennen. Und die Fach- und Methodenkompetenz um zu wissen, dass es durchaus möglich ist "sich Gefühle zu geben", dem Patienten mit der nötigen menschlichen Wärme zu begegnen und dennoch sich abzugrenzen um selber NICHT daran kaputt zu gehen.
    In der Tat, Halbgötter in weiß sollten so schnell wie möglich aus dem klinischen Alltag entfernt werden bzw. keinen Patientenkontakt haben.

    Dennoch, und ich spreche aus 20 jähriger Erfahrung als Arzt, bringen diese gestellten Gespräche nichts.

    Auch ohne die Auflösung zu kennen, war mir von Anfang an nach den ersten Sätzen vollkommen klar, dass es sich hier um eine Schauspielerin handelt - echte Patienten verhalten sich komplett anders und da die Schauspielerin offenbar noch nicht häufig mit onkologischen Patienten in Kontakt getreten ist, spielt sie ihr schlechtes weil nicht stimmiges Klischee einer tumorerkrankten Mutter.

    Viel schlimmer ist, dass viele Patienten die Trauer, Ohnmacht und den Frust still in sich hineintragen/-fressen, d.h. gar nicht mehr so plakativ anklagend äußern können, da es sich bis zur finalen Diagnose "unheilbare, vermutlich bald infaust endende Tumorerkrankung" in der Regel um einen langsam schleichenden und kräftezehrenden Prozess handelt.

    Zum Zeitpunkt dieses "finalen" Gespräches haben sie sich oft bereits weit in sich bzw. ihr soziales Umfeld zurückgezogen und sind für Gespräche, die a) die unausweichliche Wahrheit vermitteln sollen, aber b) auch versuchen wollen Wege aufzuzeigen, wie dieser Zustand psychisch und physisch vielleich erträglicher gestaltet werden kann nur noch bedingt zugängig.

    Der Medizinstudent hingegen weiss, dass er nichts riskiert, da es sich um ein gestelltes Gespräch handelt und er letztlich nicht wirklich etwas von seiner Zivilcourage investieren muss - ausser der Angst vor einer schlechten Benotung, aber die ist nach der Sitzung vorbei.
    Abends liegt er wieder wohlig schlafend in seinem Bett, im Gegensatz zu seinen bereits klinisch tätigen Kollegen, die das echte, aber oft nicht direkt geäußerte Leid und der Kummer, die fühlbar vorhanden, aber nicht direkt bekämpfbar, da unartikuliert, oft um den Schlaf bringen.

    Fazit: Die Idee dieser Gesprächssimulation ist gut(menschlich), aber letztlich sinnlos - manche Dinge lernt man leider nur/erst in der Praxis.
  8. #8

    Zitat von PrinzEisenerz Beitrag anzeigen
    bringt erst so ab IQ 115 Minimum etwas, darunter
    (rein emotionale Intelliugenz) bringt es nur Stress.
    Gefühle sollte der Arzt .....
    Wollen Sie sagen, dass die psychische Entwicklung vom IQ abhängt? Nice :)
  9. #9

    Hmm...

    Zitat von klein-ida Beitrag anzeigen
    ...Als ich meinte, so ein Test wäre in meinen Augen nicht sinnvoll, weil ich bei einem positiven Befund trotzdem keine Chance auf Prävention hätte, schaute er mich an und sagte: "Doch - so können sich die Brüste präventiv amputieren lassen. Oder Sie lassen sich nur eine Brust abnehmen, dann minimieren Sie das Risiko um 50 Prozent".

    Erstens war mir das bekannt, zweitens wird das in Deutschland im Grunde fast nie gemacht und drittens möchte man so was - auch wenn es medizinisch korrekt ist - mit nicht einmal 30 Jahren nicht hören. Bevor ich mich entschieden hatte, das Gespräch abzubrechen, hat er aber zumindest seine Taktlosigkeit bemerkt. Das Gespräch verlief dann noch ganz gut. Aber trotzdem ist und belibt dieser Arzt für mich das beste Beispiel dafür, dass solche Kurse dringend nötig sind.
    Der Arzt war sicher im Eifer des Gesprächs taktlos und hätte im Vorfeld vorsichtiger durch Vorfragen eruieren sollen, ob diese radikale Therapieform für Sie überhaupt denkbar wäre - dennoch war es sehr sinnvoll, Sie auf diese Therapieform hinzuweisen.

    Ansonsten irren Sie sich leider gewaltig: Nicht wenige Frauen sind derart vorbelastet, dass sie sich präventiv beide Brüste entfernen lassen, was durchaus mit einem hervorragenden kosmetischen Ergebnis erfolgen kann und in Deutschland ÜBERHAUPT NICHT SELTEN gemacht wird.


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