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Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben"

Jens AhnerMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...827909,00.html
  1. #30

    Kognitivdemenz anstatt zu frueh erschlagen zu werden

    Zitat von multi_io Beitrag anzeigen
    ROTFL. Klar doch, die pöhse Moderne ist mal wieder schuld an allem. Früher[tm], als es noch kein Styropor, keine PET-Flaschen und keine Caesium-Milch gab, gab's ja bekanntlich keinen Krebs, und jeder wurde hundert Jahre alt.
    Ihre Einlassung ist das typisches Totschlagsargument der jeweiligen geistigen Beharrer, die sich selber als auf der Spitze einer grandios tollen Entwicklung der Spezies homo hockend waehnen.
    So aehnlich haben auch immer die Moerder, die sich erfrechten zu behaupten, im Namen eines Christi zu handeln, den Exorzismus betrieben oder ganze Landstriche entvoelkert.
    Damit bloss niemand mehr (ausser sie selber) mehr als 30 bis 40 Jahre alt wurde. Die Gefahr war zu gross, dass dann die Einsicht und Realitaetsueberblick zur jeweiligen Istsituation steigen koennte.
    Diese Gefahr ist heute allerdings geringer: zunehmende Kognitivdemenz ist beobachtbar, gut gefoerdert durch allgemein gesellschaftsfaehige Falschernaehrung.
  2. #31

    ..

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Ich wurde vor 3 Jahren mit diese Diagnose überrascht und wurde operiert und mehrfach einer Kontrolle unterzogen. In dieser Zeit habe ich rel viele Mitpatienten "kennen" gelernt. Die meisten habe ich wieder getroffen, sie waren gesund, oder rel gesund. Man sieht es keinem Menschen an, wie krank er ist und ob er gesund wird, oder nicht. Es hat etwas mit Glück zu tun und es ist nicht berechenbar. Man sollte niemandem die Hoffnung nehmen, weil keiner etwas weiss.

    MfG. Rainer
    Das ist genau das Problem, einige wissen gar nicht wie krank sie sind. Bevor Ausfälle diagnostiziert werden, werden die Tumore recht gross - manchmal ist es dann zu spät für Therapien. Ich habe mir die leidigen aber notwendigen Rezidiv-Untersuchungen immer schön geredet, dass bei Wiederkehr oder neuen Tumoren rechtzeitig reagiert werden kann. Mittlerweile weiss ich, dass mein Schönreden gar nicht so falsch ist. Ich habe Kollegen denen faustgrosse Tumoren aus dem Körper operiert wurden. Das kann mir wegen der Untersuchungen nicht passieren.

    Man sollte einem Kranken nie die Hoffnung nehmen gesund zu werden - einverstanden. Aber man sollte auch einem Gesunden auch niemals die Hoffnung geben, dass er nie an Krebs erkrankt. Das geht schneller als man denkt.
  3. #32

    Und ich?

    Zitat von LeToubib Beitrag anzeigen
    "Im Studium lernt man das ja nicht!"

    Ich kann diesen daemlichen Satz nicht mehr hoeren:
    Was machten die frischgebackenen Aeskulapjuenger eigentlich in ihrem Praktischen Jahr?

    Kaffeetrinken mit den kranken Schwestern oder im OP "die Haken und das Maul halten", wie es zu meiner Zeit der Leitende Oberarzt des Departements Allgemeinchirurgie so "schoen" meinte?
    ...ich kann diese Pseudo-Empörung kaum noch ertragen.
    Ein Medizin-Studium ist keine Arztschule. Es ist Propädeutik für eine Facharztausbildung - oder andere Berufe (Wissenschaft, Seelsorge,...).
    Wer glaubt, im Medizinstudium lernt man den Beruf eines Chirurgen, Gynäkologen, Onkologen, Psychologen und Allgemeinmediziners, ist entweder unendlich naiv, oder glaubt an Vorabendserien.
    Das ist das Niveau von Menschen, die weil sie mal einen Ball getreten haben glauben, Fußballer zu sein.
    Gehören Sie dazu?
  4. #33

    Ihre Aussage ist falsch.

    Zitat von Andr.e Beitrag anzeigen
    Das Treffen des richtigen Tons kann man nicht lernen, das hat man oder hat man nicht. Was man lernen muss, ist der Umgang mit der Situation. Und das ist nicht oder kaum realistisch zu simulieren, sondern kann immer nur annähernd beschrieben werden.
    Wie kommen Sie den zu einer so krassen Fehleinschätzung, dass man das Treffen des richtigen Tons nicht lernen kann?
    Glauben Sie ernsthaft, manche Menschen werden taktvoll geboren und andere taktlos? Das ist doch wilder Unfug, den Sie da verbreiten.

    So ein Seminar ist sehr wichtig für onkologisch tätige Ärzte. Man muß nur nicht glauben, alles 1:1 in den Alltag kopieren zu können. Aber man bekommt Ideen und Denkanstöße, kann sein eigenes Verhalten reflektieren und seine Art der Gesprächsführung für sich oder in der Gruppe überprüfen. Leider sitzen in solchen Seminaren meist nur die Ärzte, die sowieso sensibilisert für solche Themen sind und selbstreflektiert leben. Die "Rambos" unter den Ärzten finden Sie dort nicht. Das müssen nicht schlechtere Ärzte sein - es gibt ja auch noch andere Qualitätsmaßstäbe als einfühlsame Patientengespräche - aber die hätten es halt am nötigsten.
  5. #34

    Gnade!

    Zitat von superpuper Beitrag anzeigen
    Ärzte sollten gesetzlich verpflichtet werden, den Patienten die wahre Diagnose in verständlicher Sprache schriftlich mitzuteilen! Alles andere ist eine Zumutung für den Arzt und den Patienten.
    Ihr Beitrag zeugt von Unkenntnis der Problematik und ist billige Rhetorik. Er ist eine Zumutung für eine sachliche Diskussion.
  6. #35

    Zweit- und Drittmeinungen

    Zitat von Wilder Eber Beitrag anzeigen
    Das ist genau das Problem, einige wissen gar nicht wie krank sie sind. Bevor Ausfälle diagnostiziert werden, werden die Tumore recht gross - manchmal ist es dann zu spät für Therapien. Ich habe mir die leidigen aber notwendigen Rezidiv-Untersuchungen immer schön geredet, dass bei Wiederkehr oder neuen Tumoren rechtzeitig reagiert werden kann. Mittlerweile weiss ich, dass mein Schönreden gar nicht so falsch ist. Ich habe Kollegen denen faustgrosse Tumoren aus dem Körper operiert wurden. Das kann mir wegen der Untersuchungen nicht passieren.

    Man sollte einem Kranken nie die Hoffnung nehmen gesund zu werden - einverstanden. Aber man sollte auch einem Gesunden auch niemals die Hoffnung geben, dass er nie an Krebs erkrankt. Das geht schneller als man denkt.
    Es gibt aber Lebensfuehrungsmassnahmen, die Dispositionen zu Karzinomentstehungen drastisch zu vermindern. Auch welche, die einer eingeleiteten Chemomassnahme mehr Effektivitaet geben.
    Aber Achtung: erwarten Sie nicht, diese von Aerzten alle genannt zu bekommen.
    Denn erstens wissen das selbst viele Aerzte nicht und zweitens gibts dafuer keine Abrechnungsnummern bei den Kassen.

    Das Gefaehrliche ist nicht nur die Groesse eines Karzinoms. Sondern auch seine Eigenschaft, viel oder wenig Metastasen emittierende Substanzen in den Koerper zu entsenden.
    Entsprechend dieser Charakteristik ist dann der Folgeverlauf nicht etwa an der Groesse des entfernten Karzinoms festmachbar, sofern es komplett entfernt wurde. Sondern an seiner Emittieraktivitaet, die es vorher hatte.
    Ging es nur, das Karzinom inkomplett zu entfernen, mutiert der verbliebene Rest oft zu einem, der nun ploetzlich mehr Metastasen initiierende Substanzen auf die Reise schickt, als er es vorher tat, obwohl es jetzt kleiner ist.
    Es gibt allerdings auch Chemosubstanzen, die speziell die Metastasen foerdernden Schwarmzellen im Koerper angreifen.
    Allerdings mit noch schwieriger zu beherrschenden Nebenwirkungen als jenen, die "nur" ein Karzinom selber angreifen. Vor allem auf Veroedung der Karzinomblutzufuhr abgestellte Therapien verwandeln oft das Mutterkarzinom in ein kleineres aber staerker metastierendes.
    Aus allen diesen und noch mehr Gruenden ist immer Vorsicht angebracht, Beispiele von anderen Krankheitsverlauefen heranzuziehen und auf sich rueckzuschliessen.
    Mit oder ohne die Konsultation eines wirklich informiertem Onkologen muss man die Sache sehr kognitiv angehen. Auch Zeit- und Drittmeinungen von anderen Onkologen einholen, um die Bandbreite nutzbarer Erfahrungen auszuweiten.
  7. #36

    Rollenspiele machen wir nun seit 3 jahren für die mainzer uniklinik und die mainzer universität. Wir arbeiten nicht nur mit ärzten, sondern auch mit Medizinstudenten des 2. und 10. semesters. Bereits über 2000 solcher Gespräche haben wir geführt. Von der Krebsdiagnose, bevorstehenden krebstod, aber auch hirntod und Organentnahme sind nur einige themen die wir in unseren rollenspielen machen. das ist eine sehr wichtige Arbeit, die sehr viel von einem schauspieler abverlangt. denn er muß absolut glaubwürdig und authentisch sein. hier kann man nichts vorspielen. diese spiele gehen den ärzten und den studenten gleichermaßen an die substanz. wir erhalten vorwiegend nur gute resonanz. Wir sprechen auch mit ihnen über körperhaltung, gesten, mimik und gesprächsführung. für uns ist diese arbeit eine große herausforderung. doch die wichtigkeit dieser "spiele" ist uns sehr bewußt und liegt uns sehr am herzen.








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