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Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben"

Jens AhnerMediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...827909,00.html
  1. #10

    .

    Zitat von Doc Coop Beitrag anzeigen
    Fazit: Die Idee dieser Gesprächssimulation ist gut(menschlich), aber letztlich sinnlos - manche Dinge lernt man leider nur/erst in der Praxis.
    Auch ohne Erfahrung als praktizierender Arzt, denke ich, dass diese Aussage nicht oft genug wiederholt werden kann und Grundlage eines jeden Seminars "schwierige Gesprächsführung" sein sollte.

    Der Glaube, alles simulieren zu können, führt zum Irrglauben, in jeder Situation richtig reagieren zu können. Das ist nicht gefordert, sondern gefordert wird von mir als Patient, angemessen zu reagieren. Ohne überbordernden Pathos, ohne tieftraurigen Mitleidsblick, sondern im Versuch die Wahrheit ehrlich zu vermitteln.
    Und hier denke ich, liegt ein Problem, welches in erster Linie nur durch das Wesen des Arztes weggemacht werden kann: Wenn ein Arzt die nötige Demut vor seinem Beruf mitbringt, wird er auch die richtigen Worte und den richtigen Ton findet und mit der Erfahrung "besser" werden. Das Treffen des richtigen Tons kann man nicht lernen, das hat man oder hat man nicht. Was man lernen muss, ist der Umgang mit der Situation. Und das ist nicht oder kaum realistisch zu simulieren, sondern kann immer nur annähernd beschrieben werden.
  2. #11

    Danke...

    Zitat von Andr.e Beitrag anzeigen
    Auch ohne Erfahrung als praktizierender Arzt, denke ich, dass diese Aussage nicht oft genug wiederholt werden kann und Grundlage eines jeden Seminars "schwierige Gesprächsführung" sein sollte.

    Der Glaube, alles simulieren zu können, führt zum Irrglauben, in jeder Situation richtig reagieren zu können. Das ist nicht gefordert, sondern .....
    ...ich hätte es nicht besser zusammenfassen können!
  3. #12

    Zitat von LeToubib Beitrag anzeigen
    "Im Studium lernt man das ja nicht!"

    Ich kann diesen daemlichen Satz nicht mehr hoeren:
    Was machten die frischgebackenen Aeskulapjuenger eigentlich in ihrem Praktischen Jahr?

    Kaffeetrinken mit den kranken Schwestern oder im OP "die Haken und das Maul halten", wie es zu meiner Zeit der Leitende Oberarzt des Departements Allgemeinchirurgie so "schoen" meinte?
    glaube sie ernsthaft solche gespräche lernt man im PJ ?

    diese weiterbildung jedenfalls, scheitn mir sehr sehr löblich.
  4. #13

    ps: natürlich ist es ein simulierte situation mit allen schwächen. aber besser so udn ein austuasch unter kollegen und feedback von den schuaspielern (die ja auch reale patienten sein könnten)-als vollkommen ohne plan in solch todernste gespräche/situationen.
  5. #14

    Die Wahrheit!

    Ärzte sollten gesetzlich verpflichtet werden, den Patienten die wahre Diagnose in verständlicher Sprache schriftlich mitzuteilen! Alles andere ist eine Zumutung für den Arzt und den Patienten.
  6. #15

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    Das Arzt-Gespräch ist für mich nach den medizinischen Kenntnissen die wichtigste Komponente überhaupt. Durch ein gut strukturieres Gespräch wird Vertrauen in den Arzt aufgebaut. Ein Arzt muss diese Kunst beherrschen, egal ob es sich um einen Beinbruch oder das Finale handelt. Da es auch bei Ärzten nicht nur Rede-Naturtalente gibt, halte ich ein Seminar für das Vermitteln und Üben der Gespräche für sinnvoll.
  7. #16

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    Ich finde den Ansatz im Grunde auch gut, da zumindest ein bisschen "geübt" werden kann.
    Was ich ebenfalls als sehr sinnvoll erachten würde (aber es wahrscheinlich nicht gängige Praxis ist), wären einfach und simpel Rollenspiele. Auch Psychotherapeuten müssen in ihrer Ausbildung und bereits im Studium unzählige Rollenspiele "spielen" zu verschiedensten Situationen/Problemen und dabei sowohl Patient, Therapeut als auch Beobachter sein. Das würde auch für Ärzte eine gute Lernerfahrung darstellen und den eigenen "empathischen" Horizont zu gute kommen und den Umgang mit den eigenen Gefühlen verbessern.
  8. #17

    Systemkongruenz

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mediziner sollen heilen und helfen. Mit schlimmen Diagnosen tun sie sich oft schwer: Wie sag ich's nur? Trösten, Klartext reden, beides? Dürfen Ärzte Gefühle zeigen? In einem Berliner Kurs lernen sie, jungen und alten Patienten schlechte Nachrichten zu überbringen.

    Schwierige Arzt-Patienten-Gespräche: "Sie werden an dem Tumor sterben" - SPIEGEL ONLINE
    Man gehe bitte kognitiv davon aus, dass Mediziner, Krankenkassenbosse, Ungesundheitsministeriums-Jobinhaber von Ministerebene bis Papierkorbleerer, Apotheker, Pharmaindustrie, Heilpraktiker, Rehagyms ausnahmlos davon gut oder schlecht leben, jedenfalls ihr Einkommen mit dem todsicher eintretenden Kalkuel bestreiten, dass andere "krank" sind oder werden.
    Waeren alle gesund, braeche rund ein Drittel unseres Bruttosozialproduktes schlagartig zusammen und wir muessten uns nach einer anderen Gesellschaftsordung umsehen.
    Das will aber so gut wie keiner.
    Jeder spielt deshalb dieses Affentheater mit: qualmt Zigaretten, saeuft Alkohol, frisst ungesundes Fleisch, akzeptiert irrefuehrende Lebensmitteletikettierungen, trinkt aus Weichmacher emittierenden PET-Flaschen, zieht in Styropor eingepacktes Hoehlenleben vor, kauft den junk an den Fleischtheken etwa nicht als Tierfutter fuer Katzen und Hunde, sondern zum eigenen Verzehr, trinkt weiter Milch und isst Kaese aus dem Caesium 37 verseuchten Allgaeu oder billige Importe aus anderen verseuchten Gegenden wie Skandinavien (Haferflocken), Ostlaender (Steinpilze), Tuerkei (von Rosinen bis Linsen).
    Die Politkomiker, die dieses System am laufen halten, sorgen dafuer, dass die skandinavischen Haferflocken, gemischt mit den Rosinen aus der Tuerkei nun nicht mehr herkunftslandbezeichnet werden muessen.
    Damit bloss niemand mit noch einem Restverstand darueber unbequemlicherweise nachdenklich werden koennte.
    Und wenn dann unausweichlich der Moment kommt, in dem jemand eine Quittung fuer sein Fehlleben praesentiert kommt, greift das System ein, verbraemt seinen Umsatz mit altruistischen Floskeln und geht seinem lukrativen Job nach.
    Wenn der Ungesundheitssymstemverkaeufer dann bei bestem Willen kein weiteres ein bisschen das Leben verlaengerndes Chemiegift mehr in den Listen findet und die Apparatemediziner auch schon umsatztraechtig alles austherapiert haben, dann bedarf es natuerlich ein paar Psychokursen, wie man das Dilemma nun einem einzelnen Individuum verklickern soll.
    Also rueckwirkend, wenn zu spaet ist, das Ruder noch rumzuwerfen, einem armen, kranken Menschlein, von verstaendlicher Todesangst geschuettelt, eigentlich erzaehlen zu muessen, warum und wie das Haeuflein Unglueck sein Leben lang falsch gelebt hat.
    Das bringen nur wenige grossartige Menschen glaubhaft heraus. Deshalb bedarf es nun Psychobehandlungsweisen, behandeln, nicht heilen ist ja der Beruf, es nun einigermassen seelenheilunschaedlich rueberzubringen, dass das Opfer nun vor seiner Schlachtbank angekommen ist.
    Das ist keine leicht Aufgabe. Kann jeder gut nachvollziehen. Nachhilfunterricht, da profihaft ueber die Situationsrunde zu kommen, ist natuerlich vonnoeten und sehr systemkongruent.
  9. #18

    Das Arztgespraech

    Zitat von klein-ida Beitrag anzeigen
    Dieser Kurs ist wirklich eine gute Idee. Nachdem sich in unserer Familie die Brustkrebserkrankungen gehäuft hatten, beschloss ich, mich von einer Genetikerin und einem Frauenarzt beraten zu lassen.

    Dabei ging es darum, ob es sinnvoll wäre, mich auf einen entsprechenden genetischen Defekt testen zu lassen. Natürlich hatte ich mich vorher darüber informiert und wollte eigentlich nur triftige Gründe hören, wieso so ein Test keine gute Idee ist. Der Gynäkologe hatte meine Akte noch nicht vorliegen und kam gerade aus dem OP.

    Als ich meinte, so ein Test wäre in meinen Augen nicht sinnvoll, weil ich bei einem positiven Befund trotzdem keine Chance auf Prävention hätte, schaute er mich an und sagte: "Doch - so können sich die Brüste präventiv amputieren lassen. Oder Sie lassen sich nur eine Brust abnehmen, dann minimieren Sie das Risiko um 50 Prozent".

    Erstens war mir das bekannt, zweitens wird das in Deutschland im Grunde fast nie gemacht und drittens möchte man so was - auch wenn es medizinisch korrekt ist - mit nicht einmal 30 Jahren nicht hören. Bevor ich mich entschieden hatte, das Gespräch abzubrechen, hat er aber zumindest seine Taktlosigkeit bemerkt. Das Gespräch verlief dann noch ganz gut. Aber trotzdem ist und belibt dieser Arzt für mich das beste Beispiel dafür, dass solche Kurse dringend nötig sind.
    Was haette so ein Arzt denn anders tun sollen, als zu beschwichtigen, nachdem er ungeschminkt seinem umsatztraechtigen Unwissensstand Ihnen gegenueber unkontrolliert herausgelassen hatte?
    Sich um seinen Job reden, indem er Ihnen sagen wuerde, sie sollten Ihren Fettanteil um die Bauchgegend moeglichst bei Null halten (erhoeht die Brustkrebsgefahr nach statischen Untersuchungen um 30 %), Leichenteilverzehr weglassen, keine Roentgenstrahlung mehr an Ihr Bindegewebe lassen, sofort die Pille fuer immer absetzen und um jede Hormonbehandlung einen Riesenbogen machen, Lebensmittel aus tschernobilverseuchten Weltgegenden vermeiden, regelmaessigen Tiefschlaf zwischen 00:00 und 00.30 Uhr anstreben, Lebensmittelgiftbeimengungen vermeiden, statt im Supermarkt belastete Salatblaetter lieber Brennessel aus der Wildbahn moeglichst weitab von bewirtschafteten Giftmaisfelden holen und ungewaschen aufbereiten?
    Dass bei solchen sinnvollen Massnahmen ihre Chancen signifikant steigen wuerden, dass ihr Gendefekt per Schalter von aussen eben nicht auf "On" gelegt wird?
    Ich nehme mal an, Sie haetten den Typ sprachlos oder empoert stehen lassen.
    Wer will denn sowas hoeren, besonders, wenn er genmaessich sich auch noch gefaehrdet waehnt? Sie?
  10. #19

    diese Argumente sind sinnlos

    Zitat von Doc Coop Beitrag anzeigen
    In der Tat, Halbgötter in weiß sollten so schnell wie möglich aus dem klinischen Alltag entfernt werden bzw. keinen Patientenkontakt haben.
    ...
    Der Medizinstudent hingegen weiss, dass er nichts riskiert, da es sich um ein gestelltes Gespräch handelt und er letztlich nicht wirklich etwas von seiner Zivilcourage investieren muss - ausser der Angst vor einer schlechten Benotung, aber die ist nach der Sitzung vorbei.
    Abends liegt er wieder wohlig schlafend in seinem Bett, im Gegensatz zu seinen bereits klinisch tätigen Kollegen, die das echte, aber oft nicht direkt geäußerte Leid und der Kummer, die fühlbar vorhanden, aber nicht direkt bekämpfbar, da unartikuliert, oft um den Schlaf bringen.

    Fazit: Die Idee dieser Gesprächssimulation ist gut(menschlich), aber letztlich sinnlos - manche Dinge lernt man leider nur/erst in der Praxis.

    Das ist die typische Argumentation aller, die sich scheuen sich einem Training das Verhalten betreffend zu unterziehen. Ebenfalls aus langjähriger Erfahrung in der Leitung von social skills Trainings in den verschiedensten Bereichen kann ich nur sagen: natürlich bildet KEINE gestellte Situation die Realität genau ab. Aber als Kursteilnehmer habe ich 2 Möglichkeiten: ich lasse mich von dem Gedanken leiten, dass dies ja doch nicht die "eigentliche" Situation ist ODER ich lasse mich darauf ein. Und dann ist jedes Einüben hilfreich und ich kann daraus lernen. Und brauche vielleicht nicht 100 "echte" Patienten, bis ich ein wünschenswertes Gesprächsverhalten verinnerlicht habe, sondern nur noch 20...


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