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Schwerhörig an der Uni: Psst, ich will studieren!

Arnd Zickgraf Überfüllte Hörsäle, Baulärm, ignorante Dozenten: Weil Marie, 24, nur schwer hört, ist ihr Archäologie-Studium anstrengender als für ihre Mitstudenten. An der riesigen Kölner Uni sind ruhige Orte schwer zu finden - erst recht, seit die Zahl der Erstsemester steigt und steigt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...825275,00.html
  1. #30

    Wessen Problem?

    Zitat von polonium Beitrag anzeigen
    1. Es heißt nicht "Taubstumme", sondern TAUBEN!
    ...
    Ihr Beitrag ist wohl das ultimative Beispiel für die Ansichten von vielen Gehörlosen.

    Die Forderung nach Rücksichtnahme von "Hörenden" ist zwar berechtigt, aber dies als deren Problem darzustellen, ist schlichtweg asozial und zeugt von Realitätsverlust.
    Den "Hörenden" (das ist immerhin die Mehrheit der Bevölkerung) könnte es nämlich vollkommen egal sein, ob der "Gehörlose" (das ist immer noch die Minderheit!) seinen Willen kriegt.

    Sie haben den Vorteil, dass Ihre Texte trotz sprachlicher Fehler noch zweifelsfrei verständlich sind. Aber wenn Sie mal in Gehörlosen-Foren (Taubenschlag, deaf*...) vorbeischauen, dann sehen Sie viele "Ergebnisse" exzessiver Verwendung der Gebärdensprache.
    Auch Internetpräsenzen verschiedener Gehörlosensportvereine zeigen, wohin es führen kann, wenn man die "Fremdsprache Deutsch" zugunsten der DGS vernachlässigt.

    cadiya71 hat da entgegen Ihres geäußerten Mißfallens sehr wohl "Ahnung". Auch jan234 kann ich zustimmen.
    Sie scheinen noch ein relativ "frisch Betroffener" aus dem Kulturkreis der Gehörlosen zu sein.
    Seien Sie froh, dass Sie als Student auch die Literatur lesen und verstehen können, die Sie für das Studium Ihres Faches benötigen und denken Sie daran, wieviele Gehörlose damit Probleme hätten - und warum.
  2. #31

    Zitat von martintux Beitrag anzeigen
    Dieser Beitrag hat mich traurig gestimmt, weil er symptomatisch ist für das gegenseitige Unverständnis zwischen den Lagern der Hörbehinderten welche primär durch Gebärdensprache oder durch Lautspache kommunizieren. Ist es denn so schwer, zuzugeben dass beides seine Vor- und Nachteile hat?
    Das ist es wohl nicht, aber die Differenzierung ist schwer - vor allem bei der Nachhaltigkeit.
    Die übermäßige Verwendung der bzw. ausschließliche Konzentration auf die Gebärdensprache führt zwangsläufig zu einer Reduzierung der Sprachkompetenz in der Schriftsprache. Das ist in etwa vergleichbar, wie man französisch verlernt, wenn man jahrelang nur deutsch spricht.

    Wenn schließlich die Gebärdensprache zum einzigen Medium wird, was die Kommunikation zwischen Gehörlosen und "anderen" sicherstellt, dann werden die betroffenen Gehörlosen abhängig von Gebärdensprachdolmetschern. Die "anderen" sind jedoch nicht von den Gehörlosen abhängig. Integration sieht anders aus.

    Es ist nicht immer gut, wenn man es gut meint.

    In Vorstellungsgesprächen, in denen ich gedolmetscht hatte (ja, ich mit meiner an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit für gehörlose Bewerber, die aus medizinischer Sicht meist ein besseres Hörvermögen hatten als ich) habe ich oft festgestellt, dass die akustischen Sätze zwar "verstanden" wurden, der Sinn hinter den längeren Sätzen oder die Fachausdrücke innerhalb der Prozedur des Dolmetschens erklärt werden mussten. Ein Gebärdensprachdolmetscher übernimmt also noch zusätzlich einen Teil der sprachlichen Denkaufgabe, die auf Dauer dem Gehörlosen fehlen wird.

    Insofern verwende ich bei der Kommunikation mit Gehörlosen die Gebärdensprache konsequent nur dann, um nicht verstandene Wörter oder Sätze wortgetreu zu wiederholen.

    Für die Gehörlosen ist die bekannte Sendung "Sehen statt Hören" populärer geworden, als die wortgetreu gebärdende Moderatorin durch gehörlose Moderatoren ersetzt wurde.
    Interessant wäre das Ergebnis eines Diktates, welches vorgebärdet wird. Ich bin sicher, man wird völlig verschiedene Niederschriften erhalten.

    Die meisten Gehörlosen betrachten meine Auffassung zum Einsatz der Gebärdensprache als persönlichen Angriff auf die Gebärdensprache. Nur wenige verstehen, dass ich die Gebärdensprache durchaus "ergänzend" einsetzen möchte aber nicht "ersetzend".
  3. #32

    Dein Kommentar "Es gibt sogar Studie, die aufweist, dass die Schwerhörige wegen der Hörschwierigkeit und ohne Hilfe der Gebärdensprachdolmetscher 2/3 das Studium abbrechen/wechseln, während die Tauben (die mit Gebärdensprachdolmetscher nehmen) eher 1/5 das Studium abbrechen/wechseln." erscheint mir irgendwie unglaubwürdig. Bevor ich hier mein Kommentar abgebe, bitte ich dich um Quellenangabe, woher du diese Studie denn gelesen hast. Danke im voraus.
  4. #33

    Zitat von TW2001 Beitrag anzeigen
    Dein Kommentar "Es gibt sogar Studie, die aufweist, dass die Schwerhörige wegen der Hörschwierigkeit und ohne Hilfe der Gebärdensprachdolmetscher 2/3 das Studium abbrechen/wechseln, während die Tauben (die mit Gebärdensprachdolmetscher nehmen) eher 1/5 das Studium abbrechen/wechseln." erscheint mir irgendwie unglaubwürdig. Bevor ich hier mein Kommentar abgebe, bitte ich dich um Quellenangabe, woher du diese Studie denn gelesen hast. Danke im voraus.
    Ich teile Ihre Skepsis.

    Zu den Tauben zählen nicht nur die, die die Hilfe von Gebärdensprachdolmetschern in Anspruch nehmen, sondern auch die "funktional Schwerhörigen", also Gehörlose, die über ein Cochleaimplantat (CI) hören können.
    Aus medizinischer Sicht bleiben sie gehörlos, da der Zustand der Schwerhörigkeit nur durch technische Hilfsmittel erreicht wird.

    Wenn ich die Zahl der erfolgreichen Absolventen aus meinem Bekanntenkreis nehme, so finden sich bis auf zwei Ausnahmen ausschließlich CI-Träger darunter. Bemerkenswert fand ich, dass keine(r) diese(r) Akademiker in Gebärdensprache kommunizierte.
    Dies ist zwar nicht allgemeingültig/repräsentativ, aber ich bin überzeugt, dass dies nicht unerheblich ist, um die Fragen und Ergebnisse der erwähnten mutmasslichen Studie "korrekt" interpretieren zu können.

    Eine Quellenangabe hätte ich dazu übrigens auch ganz gern.








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