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Schwerhörig an der Uni: Psst, ich will studieren!

Arnd Zickgraf Überfüllte Hörsäle, Baulärm, ignorante Dozenten: Weil Marie, 24, nur schwer hört, ist ihr Archäologie-Studium anstrengender als für ihre Mitstudenten. An der riesigen Kölner Uni sind ruhige Orte schwer zu finden - erst recht, seit die Zahl der Erstsemester steigt und steigt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...825275,00.html
  1. #10

    Ich bin selbst schwerhörig und kenne das Problem nur zu genau. Das Problem der Schwerhörigkeit ist eben, dass sie sehr differenziert ist. Sie umfasst sowohl die an Taubheit grenzend Schwerhörigen, als auch die sehr leicht Schwerhörigen, welche ohne zusätzliche Hilfsmittel Vorlesungen verfolgen können. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es unterschiedliche Lösungsansätze, das Studium zu bewältigen. Gebärdensprache macht hier eben nur dann Sinn, wenn man ihr auch mächtig ist und das ist eher noch bei den an Taubheit grenzend Schwerhörigen der Fall, aber auch hier eher selten. Daneben gibt es aber auch noch die Gilde der Schriftdolmetscher, welche von Schwerhörigen Studenten und Studentinnen beantragt werden können. Schriftdolmetscher sitzen in der Vorlesung neben ihrem Schützling und schreiben auf einem Laptop alles mit, was der Dozent während einer Vorlesung sagt. Vorteil ist hier auch, dass der Schriftdolmetscher die Fragen der Studenten wiedergeben kann, was ja oftmals ein Problem ist, wenn zur Kommunikation mit dem Schwerhörigen Studenten nur ein Mikrofon verwendet wird, welches der Dozent sich umhängt.
    Dies vielleicht als Information für alle, die noch nichts davon gehört haben.
  2. #11

    ...

    Zitat von cadiya71 Beitrag anzeigen
    Verstehe das Problem nicht ganz in der Vorlesung. Wir hatten auch einen schwerhörigen Stundeten. Der hat einfach immer ein eigenes kleines Mikro mitgebracht das der Prof. sich dann um den Hals gehängt hat und das direkt mit dem Hörgerät des Stundenten verbunden war. War gerade in Mathe wichtig wenn der Prof. viel an der Tafel geschrieben hat und uns den Rücke zugedreht hat. Damit war das Problem gelöst. Aber vielleicht bekommt nicht jeder so ein Gerät genehmigt.
    Dann hatte Ihr Professor von Didaktik nicht viel Ahnung!
    Schreiben, umdrehen, reden.
    Mit dem Rücken zu den Hörern schreiben und auch noch reden? Absolutes No-Go!
  3. #12

    @polonium: bitte duzen Sie mich nicht.
    Es heisst nicht Taubstumme? Wirklich? OK, ist mir neu, war bestimmt nicht böse gemeint.
    Ich bin schwerhörig und war in Deutschland der Erste, der in eine "normale" Schule gehen durfte (1977). Ich habe auch studiert. Ich weiss also einiges. Ich wurde niemals von Normalhörenden isoliert. Ich habe und hatte ausschliesslich normalhörende Freunde, Freundinnen und Bekannte. Leider kann man ja von der normalhörenden Mehrheit schlecht verlangen, dass sie Gebärden lernen sollen. (Wäre ja so ähnlich, wie manche Türken (scherzhaft?) von Deutschen verlangen türkisch zu lernen.) Deshalb isoliert Gebärden leider. Das ist natürlich für Taube (sic!) sehr schlimm. Schwerhörige müssen dieses Problem nicht haben.
    Viel Glück und Erfolg weiterhin beim Studium! Mein Respekt ist Ihnen sicher.
  4. #13

    Es ist nicht so, dass Mitstudenten sich keine Mühe geben, nur mit der Zeit vergessen sie es, dass da eine sitz die etwas Hilfe braucht. Das ist sicher nicht böse gemeint. Und sich schnell mal ne kleine Uni suchen mit wenig Studenten ist auch oft nut möglich, wenn Papis Geldbeutel das nötige Kleingeld dafür hergibt.
    Marie, ich lege Dir wärmstens ein CI- Implnatat aufs Herz. Nach 40 Jahren Fasttaubheit habe ich vo einigen Monaten eines bekommen. Es ist wie ein neues Leben und bereue es, nicht schon früher diese Operation gewagt zu haben. Ich hätte mehr Chancen gehabt im Job und im Leben. Früher schämte ich mich wegen meiner Behinderung, versteckte meine Hörgeräte unter langen Haaren und nahme es lieber in Kauf als doof zu gelten, bevor ich zugab hochgradig Schwerhörig zu sein. Heute trage ich das CI deutlich sichtbar, denn es ist wie eine Trophae meines neuen Lebens.
  5. #14

    Zitat von jan234 Beitrag anzeigen
    Ich bin schwerhörig und war in Deutschland der Erste, der in eine "normale" Schule gehen durfte (1977). Ich habe auch studiert.
    Hmm, ich wurde bereits 1974 in eine "normale" Schule eingeschult.

    Nichtdestotrotz, stimme ich dem Artikel zu, dass es schwierig ist für Hörbehinderte, da viele Mitmenschen es nicht nachvollziehen können, vor allem weil viele der Meinung sind, ein Hörgerät ersetze vollständig die Behinderung.

    Es betrifft ja nicht nur die Vorlesungen, sondern auch die weitere Kommunikation, und selbst wenn man alles vom Vortragenden mitbekommt, fehlt einem dann der teil, der durch Fragen und Ergänzungen der Kommilitonen beigetragen werden, welche ja nicht das Mikrophon in der Runde rumreichen, welches es zu meiner Studienzeit noch nicht gab.
  6. #15

    @daneel: Wow, 1974! Dann wurde mir und meinen Eltern immer etwas Falsches erzählt. Ich habe ambulant an der Hörbehinderten-Schule in Nürtingen hören und sprechen gelernt, und Sie?
  7. #16

    Archäologie-Studium?

    Immer diese Schwachsinnsstudien. Warum nicht gleich Hartz IV anmelden? Das würde den Unterhalt solch sinnbefreiter Studiengänge einsparen. Wir brauchen nicht noch mehr Leute die im Dreck wühlen und irgendeinen erfundenen Käse dazuinterpretieren. Davon gibt es schon genug.
  8. #17

    Was man hier alles für völlig falsche Vorstellungen liest. Ich bin selbst ein schwerhöriger Student und kämpfe mit genau den gleichen Problemen. Abgesehen davon, dass es bei uns (Informatik) durchgehend Folien gibt.

    Der erste Fehler ist es, zu denken, dass man mit Hörgeräten / Mikrophon doch alles hört. Das ist falsch! Zudem lässt auch bei mir nach spätestens 30min die Konzentration nach, zumal bei uns fast alles auf Englisch gehalten wird.

    Das Mikrofon hatte bei mir auch den Nachteil, dass manche Dozenten dann Witze reißen ("unser Schwerhöriger hört ja jetzt alles"). Außerdem merken sie dann immer, wenn man mal nicht kommt (bei uns gibt es keine Anwesenheitspflicht).

    Das Schwerhörige nicht mit ihrer Behinderung klarkommen ist ebenso großer Unfug. Manb schaue ich mal Landesjugend für Hörgeschädigte Baden-Württemberg an. Die Hörgeschädigten haben einen sehr starken Zusammenhalt, nur dass Normalhörende davon wenig mitbekommen. Doof sind wir deshalb aber nicht!
  9. #18

    .

    Zitat von cadiya71 Beitrag anzeigen
    Verstehe das Problem nicht ganz in der Vorlesung. Wir hatten auch einen schwerhörigen Stundeten. Der hat einfach immer ein eigenes kleines Mikro mitgebracht das der Prof. sich dann um den Hals gehängt hat und das direkt mit dem Hörgerät des Stundenten verbunden war. War gerade in Mathe wichtig wenn der Prof. viel an der Tafel geschrieben hat und uns den Rücke zugedreht hat. Damit war das Problem gelöst. Aber vielleicht bekommt nicht jeder so ein Gerät genehmigt.
    War das ein Gerät von der Uni? Würde das auch bei mehreren Studenten funktionieren?
  10. #19

    Zitat von jan234 Beitrag anzeigen
    @daneel: Wow, 1974! Dann wurde mir und meinen Eltern immer etwas Falsches erzählt. Ich habe ambulant an der Hörbehinderten-Schule in Nürtingen hören und sprechen gelernt, und Sie?
    Ich war immer in ambulanter Betreuung, und das in in der HNO-Uni-Klinik "Otto Körner" Rostock. Also die Frage der Einschulung anstand wurde ich mit einjähriger Verspätung (mit 7 Jahren) 1974 in eine "normale" Schule eingeschult.

    Vorher war eigentlich eine Schwerhörigenschule mit Heimunterbringung im Gespräch, weiß aber nicht mehr genau welche, glaube Ludwigslust.


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