Zitat von
Progressor
Ich denke, es geht nicht um das Thema "Lage erkannt" oder dem Erkennen einer "Stimmung" sondern die unüberbrückbaren falschen makroökonomischen Vorstellungen der FDP.
Ich zähle hier mal ein paar auf:
a) Im Gegensatz zum Güter- und Dienstleistungsmarkt kann Arbeitskraft nicht dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage unterworfen werden. Man verkennt dabei, dass die Arbeitnehmer eine Doppelfunktion als Produktionsfaktor und Konsumenten einnehmen. Geringer Lohn = geringer Konsum = geringere Produktion = geringeres Wachstum.
b) Man kann nicht durch niedrigere Steuern die Wirtschaft ankurbeln. Die Höhe der Steuern sind volkswirtschaftlich gesehen völlig egal _wenn_ der Staat das eingenommene Geld sofort wieder ausgibt. Der Staat kann in Dinge investieren die eine volkswirtschaftliche Rendite in der Zukunft abwerfen kann (Bau von Schulen, Infrastruktur, Bildung etc). Der private Konsum kann dies in der Regel nicht.
c) Unsere moderne massenproduzierende Industrie kann nicht überleben, wenn viele Leute immer ärmer und einige wenige immer reicher werden. Dabei geht es nicht so sehr darum ob Steuern gerecht oder ungerecht hoch sind, sondern darum solche Einkommens- und Vermögensunterschiede in einer
Volkswirtschaft erst gar nicht entstehen zu lassen.
d) Soziale Marktwirtschaft hat die Aufgabe immer dafür zu sorgen, dass für die Wirtschaft optimale für jeden gleiche Einkommen auf der anderen Seite immer mit der richtigen Belohnung für Leistung die Waage hält. Dazu muss man erkennen, dass die Belohnung _auch_ für volkswirtschaftlich produktive Leistung in bestimmten Bereichen viel zu hoch ist.
e) In der derzeitigen Ausprägung des Kapitalismus kann ein Staat nicht sparen. Wenn ein Staat Schulden macht, dann entstehen auf der anderen Seite oft Vermögen. Will man Schulden abbauen, dann muss dieses Vermögen durch Vermögens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer an der Rückführung der Schulden beteiligt werden. Kann oder will man das nicht, wird das Ganze ökonomisch kontraproduktiv.