Hier werden zwei völlig verschiedene Sachen zusammengeworfen.
Auf der einen Seite haben wir rücksichtslose Strukturen zur Selbstbereicherung, von denen jeder kompetente Ökonom schon lange im Voraus sagen kann, dass sie einen Rattenschwanz an Problemen nach sich ziehen werden. Nehmen wir das Beispiel "Externe Kosten": Wirtschaftswissenschaftler wissen am besten von allen, dass Kosten, die nicht auf die Verursacher umgelagert werden, trotzdem früher oder später von jemandem getragen werden müssen. Gleichzeitig drängt aber die Bevölkerung darauf, Kosten möglichst zu externalisieren, und die Politik gehorcht willig. Ist hier die Schwarmintelligenz gescheitert? Nein. Im Idealfall genießt man bei dieser Strategie selbst die Vorzüge, während irgendeine Folgegeneration die Zeche zahlen muss.
Derartiger Betrug ist aber kein Zeichen von mangelnder Intelligenz, sondern lediglich von zweifelhafter Moral.
Zum anderen hat das, was als "Schwarmintelligenz" bezeichnet wird, gar nichts mit Intelligenz zu tun. Vielmehr wurzelt es in dem schlichten Fakt, dass mehr Datenpunkte eine bessere Mittelwertsschätzung erlauben. Wer sich eine Normalverteilungskurve ansieht, wird feststellen, dass nur ein Bruchteil der Fälle exakt den Mittelwert einnimmt. Der allergrößte Teil streut um ihn herum. Intelligenz spielt da überhaupt nicht hinein! Beispiel: Wenn man mit einer Pistole auf eine schwierige Zielscheibe schießt, dann werden die meisten Schüsse (gemessen an der Gesamtzahl der Schüsse) nicht ins Schwarze getroffen haben. Der Mittelwert aus allen Treffern aber wird sehr genau im Kern liegen (vorausgesetzt, es gibt keinen systematischen Fehler). Bedeutet das nun, dass wir von der "Schwarmintelligenz der Projektile" ausgehen müssen?
Natürlich nicht. Es ist ein simples statistisches Phänomen, das noch nicht einmal Leben voraussetzt, von Intelligenz ganz zu schweigen. Und das ist kein Geheimwissen meinerseits, das könnte Ihnen vielmehr jeder kompetente Sozialwissenschaftler sagen. Menschen werden also nicht klüger in der Gruppe, sondern ihre individuellen Fehler werden ausgeglichen durch die Fehler der anderen. Verdient das die Bezeichnung "intelligent"?
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