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Schwächen des Warteliste-Verfahrens: Trickserei mit rettenden Organen

CorbisDarf ein Ex-Alkoholiker eine neue Leber erhalten? Kommt das Spenderherz nach Hamburg oder Stuttgart? Organe werden nach ausgeklügelten Regeln an Patienten verteilt - dennoch bleibt Raum für Manipulationen. Ein Blick auf Stärken und Schwächen der Vergabe-Praxis.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...848748,00.html
  1. #20

    Zitat von widescreen Beitrag anzeigen
    Und wenn es eine größere Bereitschaft gäbe, hätte man sich diesen Skandal möglicherweise auch sparen können, denn er entstand ja durch Verknappung.
    ich schätze, das problem der verknappung wäre schnell gelöst, wenn man die spendebereitschaft mit der empfangsberechtigung koppeln würde: warum sollte jemand, der eine spende für sich kategorisch ausschließt, von einem anderen (in seinen augen: "deppen") ein organ erhalten dürfen ??

    wobei eine faire regelung des verhältnisses spender-empfänger eine faire verteilung der organe durch die verwaltung einschließt - in einem system, wo gewünschtermaßen jede verteilung marktkonform geregelt wird, evtl. ein prinzipielles problem..
  2. #21

    Organspendeausweis in der Schublade verschwunden

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Darf ein Ex-Alkoholiker eine neue Leber erhalten? Kommt das Spenderherz nach Hamburg oder Stuttgart? Organe werden nach ausgeklügelten Regeln an Patienten verteilt - dennoch bleibt Raum für Manipulationen. Ein Blick auf Stärken und Schwächen der Vergabe-Praxis.

    Organspende und Warteliste: Vergabeverfahren für Spenderorgane - SPIEGEL ONLINE
    Solange nicht "Alle" Organspender sind, sei es durch Gesetzregelung oder durch wirkliche Fairness, ist mein Organspendeausweis in der Schreibtischschublade verschwunden.
    Ich bin durchaus ein potentieller Organspender, ich fahre Motorrad, bin Nichtraucher und trinke selten Alkohol.
    Aber so wie es im Augenblick gehandhabt wird, spende ich nichts und ich bin mit dieser Meinung nicht allein. Alle meine Motorrad fahrenden Freunde haben keinen OSA mehr dabei.
    Dabei wäre die Lösung so einfach:
    Grundsätzlich ist jeder Organspender. Die einzige Möglichkeit keiner zu sein, ist der Antrag mit persönlichem Gespräch beim Hausarzt. Dieser kann auch relativ gut beurteilen, ob es sich noch lohnt, er kennt die Wehwehchen seiner Kunden.
    Das muß dann aber leider international eingeführt werden, denn wenn Deutschland da zum Beispiel einen Alleingang machen würde, würden wir zum Exportweltmeister von Organen werden und die Bedürftigen hier, bekämen trotzdem kein Organ.
    Es ist auf jeden Fall schwierig, das Problem zeitnah und fair zu lösen, aber solange es nicht gelöst ist, spende ich nichts.
  3. #22

    Semantik

    Das Wort heisst "ORGANSPENDE". Wenig erklären muss man wohl den ersten Teil, denn was ein Organ ist wissen wohl alle diejenigen, deren Leben sich allein durch ein Spenderorgan noch retten liess, lässt oder für die Spende vielleicht in Zukunft zu einer Option wird, solange es keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt. SPENDE allerdings, das ist der Wortteil, der hier vielen nicht klar zu sein scheint: eine Spende ist eine freiwillige und unentgeltliche Leistung (Wikipedia). So wird das auch im deutschen Recht gehandhabt. Man KANN seine Organe spenden, man MUSS es aber nicht. Nie aber bekommt man Geld oder eine andere Gegenleistung (Leibrente für die Angehörigen, Anrecht auf bevorzugte Behandlung bei der Organvergabe, Fleisskärtchen, Orden). Das ist gut so, denn alles andere bedeutete (noch mehr ?) Korruption oder den Verdacht derselben. Spenden sind in aller Regel unabhängig von dem späteren Verwendungszweck, klassisches Beispiel: kein Mensch weiss, was mit einer Parteispende passiert. Wer möglichst sicherstellen will, dass seine Spende den von ihm angedachten Zweck erfüllt, der informiert sich sachlich und zwar umso sorgfältiger, je grösser das Spendengeschenk ausfällt. Wer dann nicht glaubt, dass seine Spende dem von ihm persönlich geplanten Zweck dient, der hat es leicht: er spendet nicht ! Natürlich mag es deshalb einige geben, die nach dem Skandal in Göttingen ihre Entscheidung überdenken und den OSA zerreissen. Entweder haben sie sich vorher nicht informiert, oder sie fühlen sich bewusst getäuscht. Weitere SACHLICHE Information tut also dann Not. Dann gibt es die, die nie ernsthaft Spender sein wollten (m. E. der Grossteil der Foristen hier), die dürfen sich gerne ihre Privatmeinung bilden und auch ein "Ätsch, haben wir doch immer schon gesagt." hier im Forum ablassen, aber ansonsten ändert sich für sie gar nichts. Ganz prima sind dann aber diejenigen, die noch ein Schüppchen drauflegen wollen: die, die nie Organspender werden wollten, immer schon Polemik betrieben und Fehlinformation gestreut haben und jetzt weiter ihr wie auch immer motiviertes Süppchen mit dem Unglück anderer Leute kochen. Was wollen die eigentlich hier beitragen ? Wieder die längst widerlegten Argumente von vor 40 Jahren aufwärmen ("Hirntod ist nur eine Setzung", "Hirntod ist eine Erfindung der Organtransplanteure", "Ärzte sind alle Verbrecher"). Diese Menschen sind offensichtlich interessanter für einen Journalisten und vermutlich werden deshalb die Beiträge hier sorgfältig gefiltert. Dennoch enthebt es niemanden von der Pflicht, sich SACHLICH zu informieren.
  4. #23

    Bereitschaft zur Organ-Abgabe

    Danke an Tom-Pex für die Anregung, die Spendenbereitschaft mit einer höheren Empfangs-Priorität zu

    koppeln - den Vorschlag kannte ich bislang nicht.
    Richtig, bert1966, das Wort heißt Organspende, und es ist gut möglich, dass viele Aspekte um die

    Organspende bereits woanders (z.B. in Fachgremien, und von Ärzten) diskutiert wurden. Ich bin nur

    normaler SPON-Leser, kein Arzt, und habe sicher Informations-Defizite, daher das folgende:
    Ich selbst bin zu reiner Organspende bereit, aber wenn es die allgemeine Beteiligung erhöhen

    würde, Organspender bei eigenem Bedarf zu bevorzugen, so könnte man dies z.B. als Bereitschaft zur Organ-Abgabe bezeichnen. Sicher ein etwas sperriger Begriff, bei längerem Nachdenken käme man

    eventuell auf einen besseren. Dieser vermeidet nur das Wort 'Spende'.

    Mir ist bewusst, dass eine Empfangs-Priorisierung einen höheren Verwaltungsaufwand zur Folge

    hätte: Derzeit ist der Organspende-Ausweis ja nur ein Dokument, welches man für sich mitführt, er

    wird nirgendwo registriert, niemand weiß, wann er ausgefüllt wurde etc.. Dies wäre für eine

    Abhängigkeit (höheren Organ-Empfangs-Priorität) natürlich zu ändern, sonst könnte jeder, der in

    die missliche Lage gerät, ein Fremd-Organ zu benötigen, sich im Nachhinein den Ausweis

    zurechtbiegen.
    Sprich: Man würde hierfür eine Ausweis-Verwaltung benötigen, das lässt sich

    heutzutage mit Hilfe moderner Technik zwar preisgünstiger gestalten, aber: Sobald dies gesetzlich

    geregelt würde, müsste jeder den entsprechenden Zugang erhalten, also wäre auch die nicht-technische und damit teure Ausweis-Verwaltung erforderlich, für alle MitbürgerInnen, die noch ohne Internet, Smartphone etc leben.
    Ich bin gespannt, was aus der Runde hierzu für Vorschläge kommen, und freue mich auf die interessante Diskussion.
  5. #24

    Warum Organspende freiwillig (Spende) bleiben muss

    Die aktuellen Ereignisse zeigen es: Organe sind ein rares Gut und der Umgang mit alle raren Güter birgt in sich das Risiko, Korruption zu begünstigen, entsetzliche, verachtenswerte Korruption die nach Verhängung von höchsten Sanktionen schreit, denn sie hat eine an sich sehr menschliche Sache in äussersten Misskredit gebracht.
    Ein Organ-Abgabe-Bereitschaftsindex (nennen wir ihn so) würde also die Verteilungsgerechtigkeit erhöhen ? Oder die Zahl der Spender erhöhen ? Beides glaube ich nicht.
    Wann ist denn die Verteilung gerecht ? Verschiedene Faktoren: Natürlich müssen die Gewebedaten von Spender und Empfänger zueinander passen, unumgängliches medizinisches Kriterium. Dann aber: kränkere Menschen brauchen dringender ein Spenderorgan, sonst sterben sie, während andere auch bei längerer Wartezeit auf ein Organ noch überleben könnten, das scheint einsichtig, Kränkere sind also zu bevorzugen ? Doch andererseits: das wertvolle Organ wird möglicherweise in einem gesünderen Empfänger bessere Überlebenschancen haben, somit besser nicht an einen Todkranken vergeudet werden ? Offensichtlich schliessen sich da zwei vernünftige Überlegungen gegenseitig aus ! Weiter: ein jüngerer Patient sollte auf der Warteliste weiter nach vorne rücken als ein älterer ? Ein Familienvater eher als eine kinderlose Frau, die aber noch die Chance hätte Kinder zu bekommen ? Entscheiden Sie ! Weiter: Vorleben ("selbst schuld Syndrom", z. B. Alkoholiker mit Leberzirrhose), Zahl bereits übertragener Organe, zu erwartende Medikamentencompliance ... . Wer bekommt das wertvolle Organ ? Viele dieser Faktoren gibt es noch aber: Jetzt kommen Sie: Organ-Abgabe-Bereitschaftsindex, an welcher Stelle wollen Sie diesen zusätzlichen Faktor in das Ranking einfügen ? Noch vor der Kinderzahl des Empfängers oder danach ? Oder gar an erster Stelle (gleichbedeutend mit: null Chance auf Organ, wenn der Empfänger nicht selbst schon seit langer Zeit Spender sein wollte) ? Wollen Sie die Zeit erfassen, seit der der potentielle Organempfänger schon Spender sein wollte ? Soll diese gerechterweise bedeutungsvoll sein ? Last not least: ein potentieller Organempfänger kommt doch wohl oft schwerlich selbst als Spender in Frage. Greift dieser Index gar für diejenigen, die am dringendsten ein Organ bräuchten nicht, weil sie ja nie spenden könnten ? Soll der vielleicht vom finanziellen Status abhängige Bildungsgrad des aufgeklärteren Spenders, der schon im Kindergarten von seinen vorausschauenden Eltern auf "die Liste" gesetzt wurde den weniger aufgeklärten, vielleicht sozial Minderprivilegierten benachteiligen ? Genau das wollen Sie doch nicht !? Fakt ist: mit Verteilungsgerechtigkeit möchten sich die wenigsten Menschen hier beschäftigen müssen, aber jeder hat sein konkretes Bild davon. Natürlich, so lese ich, wenn meine Angehörigen Geld für meine Leber bekämen, ich würde sofort
    zum Spender. Mit speziellen Bonuspunkten für die Angehörigen ? Kann man diesen Anspruch vererben ? Einklagen !?!? Klagt mir jemand "mein (überlebensnotwendiges) Organ" aufgrund eines Index weg ? Wie entsetzlich und wie unmenschlich ! Was für eine Vorstellung haben die Foristen hier überhaupt von Menschen auf den Wartelisten ? Ein paar Jährchen Dialyse mehr oder weniger, was soll´s, die nächste Niere wird schon kommen ? Wenn keine Leber kommt STERBEN diese Menschen und wenn nicht sie, dann andere ! Es ist zu wenig da !!!

    Kurz zur Frage der Erweiterung der Spenderbasis durch den angedachten Index: eine einfache Antwort, selbst wenn (hypothetisch) alle hirntoten Menschen in Deutschland weitergemeldet und diagnostiziert würden, selbst wenn all diese menschen (hypothetisch) zu Lebzeiten einer Spende zugestimmt hätten und somit alle potentiell zur Verfügung stehenden Organe transplantiert würden, die Zahl der Spenden wäre noch immer zu gering !!! Wo ist da also Platz für diesen Index ?
  6. #25

    Ein emotionales Thema, aber Zahlen bringen es weiter

    Hallo bert1966, auf eine so detaillierte Darstellung hatte ich gehofft, und habe aus Ihrer Antwort einiges gelernt, Danke dafür.
    Verteilungsgerechtigkeit scheint mir das eine wichtige Stichwort zu sein. Hier vermag ich selbst nicht zu urteilen, welche Priorität bzw welchen Einfluss die Bereitschaft zur Organ-Abgabe haben sollte - das ist mit Sicherheit ein komplexe ethische Aufgabenstellung, um die diejenigen, welche die entsprechenden Indizes aufstellen müssen, nicht zu beneiden sind.
    Das andere wichtige Stichwort scheint mir die Grundgesamtheit: Wieviele Organe kommen derzeit in
    die Transplantation? Wieviele Organspende-Ausweise gibt es, wie hoch könnte man die Organ-Verfügbarkeit anheben, wenn man die Verbreitung von Organspenden stärker fördern würde? In wievielen Fällen treffen Hinterbliebene die wichtige Ad-hoc-Entscheidung, ob sie die Organe freigeben, oder nicht? Wie häufig wird hier negativ entschieden? Alles Daten, welche ich nicht habe - mit verfügbaren Daten könnte man nun entscheiden, ob die Verfügbarkeit von Organen zur Transplantation so weit zu steigern wäre, dass das Problem der Verteilungsgerechtigkeit an Wichtigkeit abnimmt. Bei welchem Wert sind wir denn aktuell? Wieviele von 100% theoretisch verfügbaren Organen werden transplantiert?
    Klar ist mir auch: Das Problem der Verteilungsgerechtigkeit wird immer bleiben - Organe sind schließlich keine Ersatzteile, die man einfach so produzieren könnte, das ist ja die Ursache des Problems.
    Zur zweiten Kennziffer: Sie schreiben, dass selbst wenn alle potentiell zur Verfügung stehenden Organe transplantiert würden, die Zahl der Spenden noch immer zu gering wäre. Von welchem Faktor sprechen wir denn hier?
  7. #26

    Fakten und Zahlen

    Sind im Netz seriös und schnell verfügbar. Man geht von ca. 4000 hirntoten Patienten pro Jahr auf Deutschlands Intensivstationen aus. Diese Berechnungen stützen sich auf die an der Meldung von Hirntoten überhaupt beteiligten Krankenhäuser (denn noch immer gibt es mehr als 40% Krankenhäuser, die sich nicht an der Meldung von Hirntoten beteiligen) und interpoliert daraus die Gesamtzahl. Nicht jeder dieser hirntoten Patienten kommt als Spender in Frage (medizinische Gründe, Tumorleiden etc.). Etwas mehr als 3500 Organe werden von etwa 1000 dieser hirntoten Patienten pro Jahr transplantiert, Tendenz eher fallend (mit vielfältigen Gründen, Altersstruktur der Spender, aber auch zurückgehende Zustimmungsrate etc.). Die patientenbezogene Ablehnungsquote bezgl. Organspende beträgt derzeit etwa 30%, d.h. es wurden etwa 1500 von 4000 möglichen Spendern überhaupt "gefragt".

    Dem steht in Deutschland eine Warteliste von 12000 Patienten gegenüber, die in jedem Jahr um 7000 Anmeldungen wächst. Mit 13 Organspendern / 1 Million Einwohner befindet sich Deutschland am Ende der europäischen Liste (alle Zahlen aus 2004, im historischen Verlauf eher zunehmend). Einen Teil des "Organdefizits" "deckt" Deutschland mit Spenden aus anderen europäischen Ländern (ein wichtiger Hinweis, müsste doch eigentlich damit eine Harmonisierung der Transplantationsrichtlinien auf dieser Ebene längst erfolgt sein. Fehlanzeige.).
  8. #27

    Einfache Rechnung - zu einfach?

    Hallo bert1966, mal wieder ein Dankeschön für die genauen Zahlen! Mache ich es mir zu einfach, wenn ich wie folgt rechne: Die 12.000 Leute auf der Warteliste sind nicht zu beneiden, für die Rechnung relevant sind aber die 7.000 jedes Jahr, die hinzukommen, und ein Organ benötigen. Wenn man zu einer Voll-Erfassung der 4.000 Hirntoten käme, und die Zustimmungsquote auf 80% heben könnte - ich weiß, ein optimistischer Wert, aber ein mathematisch theoretisch möglicher - dann könnte man von 3.200 Hirntoten im Schnitt je 3,5 Organe entnehmen, und damit 11.200 Transplantationen durchführen. D.h. bei einer solch hohen Quote könnte man die Warteliste pro Jahr um 4.000 Personen abbauen. Sicher eine stark vereinfachte Rechnung unter der Annahme, dass jeder auf der Warteliste genau ein Organ benötigt, alle Transplantationen funktionieren, etc.. Der mir wichtige Punkt ist der folgende: Wenn man als Gesellschaft voll hinter Organ-Transplantationen stehen würde, und es eine entsprechende Mehrheit für eine gesetzliche Grundlage für solche Organ-Weitergabe-Priorisierungen gäbe, und Mittel für deren Verwaltung und Kontrolle, wäre tatsächlich allen Patienten oder zumindest einem sehr großen Teil zu helfen. Allerdings kann ich nicht abschätzen, was das kosten würde - mit Sicherheit nicht wenig.
    Außerdem bin ich mir bewusst, dass wir als Gesellschaft ein bisschen idealistischer sein müssten. Derzeit blenden die meisten Leute einfach aus, dass es 12.000 Leute gibt, die auf Wartelisten stehen, und gewiss kein tolles Leben haben. Solange man diese Leute nicht persönlich kennt, hat man ja kein Problem. Und wenn dann wie aktuell ein Skandal ans Licht kommt, kann man sich nett aufregen.....
  9. #28

    Zitat von widescreen Beitrag anzeigen
    Hallo bert1966,
    Mache ich es mir zu einfach, wenn ich wie folgt rechne ...
    Ich fürchte ja, zu einfach gedacht:
    Erstens werden Empfänger und Spender mit zunehmender Ausschöpfung des "Pools" an Hirntoten immer schlechter zusammenpassen, soll sagen: wenn viele Empfänger warten, wie bislang, dann "passt" ein zur Verfügung stehendes Organ eben wahrscheinlicher auf einen der vielen Abnehmer.

    Zweitens liegt die Ablehnungsquote zur Organspende unter den bisher requirierten Hirntoten bei ca. 30%, allerdings befinden sich in der Gruppe der übrigen 70% "aktiver Spender" ja auf jeden Fall bereits all die (!), die sich schon aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt und zu Lebzeiten einen Organspendeausweis ausgefüllt oder ihre Spendenbereitschaft kommuniziert haben ! Entsprechend wird die Ablehnungsquote bei theoretischer Vollausschöpfung aller hirntoten Patienten sehr weit über der bisher bereits mit 30 Prozent relativ hohen Ablehnungsquote liegen. Ich muss kein Pessimist sein, wenn ich behaupte, dass mehr als 60 % aller Deutschen keine Organe spenden würden, wenn sie denn konkret mit dieser Frage konfrontiert werden. Dass gerade jetzt der Göttinger Skandal in der Presse die Runde macht wird die Gründe für die wahre Ablehnung in der ersten "Befragungsrunde" der Krankenkassen nach neuem TPG verschleiern und man wird diesen Skandal als Grund für die hohe Ablehnungsquote vorschieben.

    Drittens bewegt sich die Transplantationsmedizin aktuell bereits in erheblichen Grenzbereichen. Man erlaubt sich den Luxus ein Organ zu verwerfen einfach nicht und nimmt aufgrund der Mangelsituation auch ein Transplantatversagen in Kauf. Dieses Vorgehen wird man nicht durchhalten können. Entsprechend stimmt auf die grössere Zahl gesehen auch die durchschnittliche Zahl von 3,5 Organen pro Spender nicht sondern wird dann deutlich darunter liegen.

    Viertens glaube ich, es ist keine Geldfrage mehr, potentielle Organspender zu überzeugen, sondern eine Frage der Individuen. Lesen Sie sorgfältig die Kommentare hier in den Foren und erschrecken Sie mit mir über Ignoranz, persönliche Habgier, offen zur Schau getragene Dummheit und Desinteresse. Leibrente für die Bereitschaft zur Organspende, Kopplung von Spendebereitschaft und Anrecht auf Organempfang, Verdacht der Kopplung von Vermögen und Transplantationswahrscheinlichkeit, letztlich auch politische Interessen und Überzeugungen: die Spendebereitschaft lässt sich nicht mehr wesentlich steigern.








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