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Schuldenkrise: Wie wir Griechen immer deutscher werden

REUTERSFrüher haben Griechen über die deutsche Sparsamkeit gelacht, heute steht Knausern hoch im Kurs. In der Krise werden die Hellenen den Deutschen immer ähnlicher. Aber wer soll eigentlich noch den Konsum ankurbeln, wenn Europa bald nur noch aus germanischen Geizkragen besteht?

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...827128,00.html
  1. #40

    Wer jahrelang auf einem Trip lebt, hat natürlich Schwierigkeiten davon runterzukommen. Griechenland hat sich jahrzehntelang puren Luxus auf Pump geleistet, während die Wirtschaftsleistung stagnierte. Die Löhne basierten nicht auf Leistungen, sondern waren Wahlgeschenke.

    Jetzt kommt der Entzugsschock. Die sprudelnde Geldquelle ist versiegt und man steht plötzlich in einem Land, welches sich auf maßlos überteuerten Konsum eingestellt hat. Entweder man stellt die Ansprüche runter (nicht jeden Tag essen gehen, auf Kaffee für 6 Euro verzichten, nicht jeden Monat neue Hi-Fi Geräte kaufen, selber kochen, sinnlose Spritztouren vermeiden) und passt diese an die eigene wirtschaftliche Lage an, oder man verschließt die Augen, nimmt die blaue Pille und reitet sich selbst in den finanziellen Ruin.

    Sparsamkeit ist eine Tugend, behaupte ich zumindest. Allerdings nicht gleichzusetzen mit Austerität, dem aggressiven Verzichten auf alles nicht Notwendige.
    Man kann auch sparsam gut leben, ohne auf Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Autofahren ist problemlos möglich, ebenso der Besuch eines Restaurants oder ein neuer Fernseher. Nur eben in Maßen.
  2. #41

    Griechen werden immer deutscher?

    Wenn die Deutschen tatsächlich so knauserig sind, dann frage ich mich, wer in Griechenland den Tourismus, die Haupteinnahmequelle der Griechen, eigentlich angekurbelt hat. Es gilt immer noch, wer an der richtigen Stelle spart, hat an anderer Stelle auch Geld, zum Beispiel für einen teuren Urlaub zur Verfügung.
    Außerdem wissen wahrscheinlich viele Griechen nicht, dass in Deutschland in den letzten 10 Jahren, im Gegensatz zu Griechenland, keine großen Reallohngewinne zu verzeichnen waren, bei vielen deutschen Arbeitnehmern eher Reallohnverluste.
    Dass die Griechen bei der derzeitigen Verschuldung und der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation mehr sparen müssen, ist wohl selbstverständlich. Dafür müssen sie sich aber bei der Schuldenpolitik ihrer bisherigen Regierungen, die sie immer wieder gewählt haben, bedanken.
  3. #42

    Klarstellung

    Die Deutschen sind keine Geizkragen, sondern geben in vielen Bereichen halt nicht soviel Geld für unsinniges Zeug (d.h. Bullshit) aus, wie es im angelsächsischen Bereich der Fall ist (wo man auf Service steht, sich also jeder gerne zwei, drei Wasserträger leistet, wodurch natürlich ein System der Lohnsklaven aufrecht gehalten werden muss) oder in den "Südländern" wo ein laisser-faire Umgang mit Geld halt auch mal einfach zum Lebensgefühl gehört.

    Das Beispiel ALDI wird zum Beispiel gerne als exemplarisch für die deutsche Geringschätzung von Lebensmitteln angeführt. Dass der Herstellungsaufwand neben Transport- und Marketingkosten nur einen Teil von Lebensmittelpreisen ausmacht, wird bei dieser PR-Masche gerne unterschlagen.
    Der Erfolg von ALDI in Deutschland ist wohl vielmehr auf die Unsicherheit der Menschen zurückzuführen. Die befürchten wohl zurecht, dass die Mehrkosten eines Produktes nicht durch Qualität, sondern einfach nur durch Werbung, Marketing oder einen langen Transportweg begründet sind.
  4. #43

    tolle Beobachtung ... nur leider falsch. Erstens finde ich als Deutscher diesen billigen Sarkasmus ziemlich daneben. Zweitens, wenn wir solche Geizkragen waeren, wie behauptet, dann haetten wir den Griechen wohl kaum 50% aller bisherig zur Verfuegung gestellten Mittel beigsteuert. Und drittens, in Deutschland wird sehr ordentlich konsumiert, und mit Sicherheit weit mehr als in Griechenland - nur produzieren wir weit mehr als wir konsumieren. Das den Deutschen permanent auch noch vorzuwerfen ist geradezu laecherlich. Griechenland kann meinetwegen gerne zur Drachme zurueckkehren und Urlaub brauche ich als unwillkommener Gast dort auch nicht zu machen. Alles Gute ...
  5. #44

    ...aber wer will schon deutsch werden?zumal dann die welt noch langweiliger waere :)
  6. #45

    Leben nach den eigenen Verhältnissen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Früher haben Griechen über die deutsche Sparsamkeit gelacht, heute steht Knausern hoch im Kurs. In der Krise werden die Hellenen den Deutschen immer ähnlicher. Aber wer soll eigentlich noch den Konsum ankurbeln, wenn Europa bald nur noch aus germanischen Geizkragen besteht?

    Schuldenkrise: Wie wir Griechen immer deutscher werden - SPIEGEL ONLINE
    Ich glaube hier wird Sparsamkeit verwechsel mit dem Leben nach den eigenen Verhältnissen. Ich lebe so, dass ich keine Schulden machen muss.

    Ich werde nie verstehen, wie Leute über ihre Verhältnisse leben können, sich über andere lustig machen und sich dann wundern, wenn die Schuldenfalle gnadenlos zuschlägt. Das ist ein Akt unglaublicher Dummheit.

    Ihr werft den Deutschen also vor, dass sie im Rahmen ihrer Verhältnisse leben?
  7. #46

    @analysatorveritas: Dann überlegen Sie mal!

    Zitat von analysatorveritas Beitrag anzeigen
    Die eigentliche Ursache für diese Überschuldungs- und Refinanzierungskrise ist eigentlich der Euro, der diese Überschuldung erheblich begünstigte und förderte. Der Wechselkurs wurde ausgeschaltet, marktkonforme und zeitnahe Anpassungen konnten nicht mehr erfolgen. Die Leistungsbilanzsalden zeig(t)en dies überdeutlich.

    Es ......
    Ihre Aussage sind schlichtweg falsch! Griechenland war vor der Euroeinführung bereits mit über 100 % des BIP verschuldet.
    Großbritannien oder die USA sind auch völlig verschuldet und hatten nie den Euro.
    Argentinien ging 2001 pleite, auch sie hatten nicht den Euro.
    Die Schuld auf den Euro zu schieben ist eine billige und falsche Methode, um die Ursachen der Probleme beschreiben zu wollen. Aber sie passt dum Pöbel, der immer triviale Sündenböcke sucht.
  8. #47

    .

    Zwischen 2000 und 2008 sind die Reallöhne in D leicht gesunken, in Schweden um 20% gestiegen, in Griechenland um 40%. Während man in Griechenland also wohl über die Verhältnisse gelebt hat, wurde in D eine Austeritätspoltiik betrieben, da gibt es keine Alternative zum Sparen. Beides war falsch. Jetzt bleibt vielen Griechen einfach nichts anderes übrig als das Leben unter Austeritätspolitik, in D könnte man 10-20% Reallohnerhöhung wohl verkraften, wenn es die Schweden auch konnten. Dann könnten wir es uns auch leisten, griechischer zu leben und doppelt soviel griechische Tomaten kaufen wie wir essen oder doppelt soviel griechischen Wein trinken wie wir vertragen. Es muss also eine regionale Verschiebung des Überkonsums erfolgen, entsprechend der Produktivität der Wirtschaft.
  9. #48

    Beipflichtung

    Zitat von olafs. Beitrag anzeigen
    Typische Begriffsverwirrung im Spiegel:
    Spiegel: Sparen heißt, nicht ganz so viel Schulden zu machen
    Realität: Sparen heißt, weniger auszugeben als man hat

    Spiegel: Geiz bedeutet, seine Ausgaben nicht expansiv....
    Man muss (ökonomisch) langsam nach seinen Möglichkeiten wachsen und notfalls auch wieder schrumpfen, um gesund zu bleiben. Das gilt in der Familie wie in der Volkswirtschaft. Das ist Augenmaß und kein Geiz. Sparsamkeit bedeutet letztlich, dass man auch langfristig nicht über seine Verhältnisse lebt, weil für Notlagen Rücklagen angeSPART wurden!
  10. #49

    Ohne Sparen aber auch kein Konsum.

    Zitat von sgift Beitrag anzeigen
    Es kann nicht jeder ein Sparer sein. Ohne Konsum keine Wirtschaft. Das ist eine einfache Tatsache, fuer die man kein "Experte" sein, sondern schlicht und einfach etwa eine Minute nachdenken muss.
    Auch das ist nunmal wahr. Was zur Zeit passiert, ist das Anzapfen immer neuer Verschuldungsquellen, um den Laden irgendwie am Laufen zu halten, in irgendeiner Weise noch Konsum zu generieren. Halten Sie das wirklich für ein zukunftsträchtiges Konzept?
    Wenn man sich die Verschuldungssituation der Industrieländer ansieht (vor allem auch die implizite Verschuldung, in D sind das noch einmal 5 Billionen zusätzlich an Verschuldung), dann ist eigentlich klar, dass dies durch Wirtschaftswachstum nicht mehr geregelt werden kann.








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