Mit einer Grundsatzrede will Nicolas Sarkozy*die Franzosen*auf Rettungsmaßnahmen in der Eurokrise vorbereiten. Als "Kapitän in schwerer See" möchte sich der Präsident im Wahlkampf profilieren. Doch er hat ein Problem: In Europa gibt Kanzlerin Merkel den Kurs vor.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...800892,00.html
Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Es handelt sich keineswegs um einen Hauch von Zynismus, sondern um tropfenden Sarkasmus, nur mühsam gezähmt (aber anscheinend nicht ausreichend).
Dabei mag ein Gutteil enttäuschter Hoffnung eine Rolle spielen: beim Start in die Große Koalition hatte ich tatsächlich geglaubt, dass etwas naturwissenschaftlicher Verstand - verkörpert in Merkel und dem damaligen SPD-Chef Platzek - dem Block unserer vielen Geisteswissenschaftler und Juristen (also nicht-Wissenschaftliche Akademiker) gut täten. Leider muss ich erkennen, dass das Gegenteil eingetroffen ist.
Aber als Nicht-Politiker kann ich es mir sogar leisten Fehler zuzugeben.
Frau Merkel wird unterstellt "die Dinge vom Ende her zu denken". Diese Fähigkeit habe ich bei ihr noch nicht feststellen können - eher im Gegenteil. Gerade zur Finanzkrise hat sie selbst eingeräumt "auf Sicht" zu fahren - und diese Sicht scheint bei ihr besonders kurz zu sein!
Sonst hätte sie von Anfang an erkennen müssen, dass wir keine Finanzkrise haben, sondern spätestens mit der Lehman-Pleite eine Systemkrise westlicher Demokratien aufgedeckt wurde: Nämlich, dass das Wachstum, das angeblich gebraucht wird, nur noch darstellbar ist, indem sich Staaten exzessiv verschulden. Und Regierungen, die das nicht machen, vom Volk verjagt werden. Und dass die Bankenrettung nach Lehman nur der Testlauf war, um zu prüfen, wie weit Staaten gehen, um sich danach einen nach dem anderen vornehmen zu können. Ihn ausplündern an der Nahtstelle zwischen Wohlfahrt und privatem Eigentum an Geld - unter der Androhung von Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Griechenland ist von den Heuschrecken kahlgefressen, jetzt ist Italien dran und danach zieht die Meute weiter. Man wird die Heuschreckenplage nicht damit stoppen, ihnen genug zum Fressen zu geben!
Der Sarkasmus ist auch angebracht, wenn man die unzaehligen Beitraege liest, in denen User seit Monaten tiefgruendig wirtschaftliche Zusammenhaenge erklaeren, so als sei der Rest der Welt total verbloedet. Glaubt denn eigentlich jemand, dass bei so viel (brachliegendem ?) Wissen ausgerechnet im Umfeld der Politiker nur Ignoranz und Nichtwissen angesammelt waeren? Da diese Ansammlung moeglicher Hohlkoepfe nun doch sehr unwahrscheinlich waere, muss das Problem nach aller Logik ein anderes sein!
Und darauf weisen auch Sie deutlich hin! Es ist nun mal unleugbar, dass wir ein politisches Systemproblem haben. Unsere demokratischen Regeln sind nicht mehr wirksam. Der unausweichlich spekulative Bereich im Begriff Zukunft, beherrscht heute schon die Gegenwart, zerstoert das Lebensgefuehl und erhoeht die Gewaltbereitschaft.
Spaetestens seit der so griffigen Globalisierungs-Floskel (die ja eigentlich nur begruenden soll, warum sich nichts mehr kontrollieren laesst) sieht man, dass es nicht um wirtschaftliche ad-hoc-Reformen gehen darf, sondern neue politische Strukturen gebildet werden muessen. Dazu gehoeren z.B. veraenderte Wahlperioden ebenso, wie eine garantierte, aktive Beteiligung der Bevoelkerung an lebenswichtigen Entscheidungen des Staates.
Die Politik verzettelt sich aengstlich und kurzatmig im Verwalten von Kleinkram, anstatt Strukturen zu gestalten, die auch in einigen Jahrzehnten noch gueltig sein koennten. Das 20.Jd ist laengst abgeschlossen und die noch lange nach dem Krieg wirkenden Selbsterneuerungskraefte des Kapitalismus sind aufgebraucht!
Ach ja...ich vergass...wir schicken denen dann auf ewig Alimente in den Süden. Man schaue sich mal Italien an...auch da funktiniert die Umverteilung so prächtig, dass deren Süden blühende Landschaften sind. So ein Blödsinn. Hätten solche Länder den politischen Willen, dann wären solche Unterschiede längst überwunden...Di DDR hat man auch zu einem halbwegs funktionierenden Wirtschaftsraum umgemodelt. Alle Gelder, die man jedoch den reichsten Bettlern Europas (Italien ) gibt , versickert in den Taschen der Steuerbetrüger. Spanien hat da noch am ehesten den Willen, sich gesellschaftlich zu entwickeln. Griechenland und Portugal sind eigentlich bereits abgehakt und nicht mehr durch Geldtransfer sanierbar...Wach mal auf ...du Euroromantiker
Alle Welt stochert im Nebel und Sarkozy - Repräsentant der französischen Goldmann-Sachs Regierung - macht da keine Ausnahme. Hier in Frankreich zirkuliert derzeit zum Thema Eurokrise das Zitat von Einstein : "Man kann Probleme nicht mit dem gleichen Denkansatz lösen, der sie geschaffen hat".
Was die vom Spiegel als rechtsextreme Partei abqualifizierte FN (Front National) betrifft: Die sind weder rechts und noch weniger extrem und haben nicht umsonst ein Wählerpotential von 20% der französischen Wähler - kein Vergleich mit den jüngsten Ereignissen im Osten Deutschlands.