REUTERSDas Wachstum würde massiv einbrechen, die Arbeitslosigkeit auf mehr als fünf Millionen steigen: Nach SPIEGEL-Informationen rechnet das Finanzministerium für den Fall eines Euro-Zusammenbruchs mit katastrophalen Folgen für die deutsche Wirtschaft.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...840604,00.html
Da ich dieses Szenarion schon vor längerer Zeit geschrieben habe, ist der zeiliche Rahmen in der Tat nicht mehr aktuell. Inzwischen muss man einen Zeitraffer für die Abläufe einbauen.
Es ging mir nur darum, ein stichhaltiges Gegenszenario zu diesem Gefälligkeitsgutachten aus Schäubles Ministerium zu präsentieren und ich bin überzeugt, dass es so kommen wird, wenn wir Bürger und gegen diesen Eurokraten-Wahn nicht massiv zur Wehr setzen.
Zunächst muss der unsägliche und zutiefst undemokratische ESM gekippt werde, alles Andere wird dann darauf aufbauen.
Hoffentlich tun sie das, denn der Fiskalpakt wird mit Sicherheit in die Depression führen. Nur wenn die Staaten jetzt aktiv die Probleme bekämpfen und die Euro-Integration vorantreiben, kann die Krise überwunden werden.
Wer nur von "Staatsschulden" redet und die verteufelt, hat keine Ahnung. In Krisenzeiten darf der Staat nicht auch noch sparen, denn dann geht's noch mehr den Bach runter.
Die Rückkehr zur DM würde einem Offenbarungseid entsprechen und zeigen, dass die in einer Scheinwelt agierende Politik die Bürger einer kontinuierlichen Enteignung unterworfen hat: Sparguthaben, Renten, Pensionen, Lebensversicherungen usw. wurden bereits zu einem bedeutsamen Teil verfrühstückt. Dann lieber den Karren immer weiter in den Dreck (meinen die Politiker argumentativ angereichert durch z.T. absurde Drohkulissen - siehe Beitrag) - in der Hoffnung, dass irgendwann das Wunder eines "festen Bodens" eintritt. Von der Casinomentalität der Banker unterscheidet sich dieses verantwortungslose Verhalten der "Volksvertreter" kaum. (siehe auch Nr. 3 - Toledo - dass der "Golf nunmehr 40.000 Mark und das Benzin weit über 3 Mark kostet?" ... und das Glas Wein 10-20DM, Bier 10DM - in Paris 16DM - ein Fischgericht 40-60DM, TÜV 160DM usw. usw.)
aber ob die Herrschenden dort auch so denken? Könnte ja auch sein, daß sie es wünschen. Wären dann ja noch mächtiger. Ist doch ein altes Herrschaftsprinzip: Wenn die kleinen Leute sich untereinander prügeln, haben sie keine Kraft, gegen "die da oben" vorzugehen. Das Gegeneinander wird sowohl national, als auch international gefördert. Immer noch. Seit Jahrhunderten.
Ok, der politisch Interessierte kann aufgrund der Komplexität die Krise kaum noch durchschauen. Ich interpretiere das mal so, dass es gar nicht so sehr um das sichere Geld geht, das von den Märkten verlangt wird, und das aus unterschiedlichen Gründen den Staaten und Banken abhanden gekommen ist. Sondern es geht um Strukturen. Lösungsansätze wie Fiskalpakt, Bankenaufsicht, gemeinsame Bonds, Konjunkturstützen, Geld drucken sind demnach nur oberflächlich. Hintergründig meine ich in der Krise einen Ausdruck des Scheiterns zu sehen, des Scheiterns einer neoliberalen Laisser-Faire-Ideologie, einer mangelhaften Balancierung von Zentrum und Regionen, einer Stabilitätskultur, die im europäischen Bewußtsein - ja, auch im deutschen! - nicht verankert zu sein scheint.
Die wirklichen Probleme bedürfen also einer schwierigen, sich lang hinziehenden Debatte, an deren Ende eine ideale Politik und Struktur steht, die eine Lehre aus dem Desaster gezogen haben wird. Dazu hat sich allerdings das Zeitfenster (erstmal) geschlossen. Alle fordern eine schnelle Lösung, bevor auch die ultima ratio nicht mehr greift. Denn auch für die ultima ratio gibt es ein Zeitfenster.
Die Langsamkeit der Debatte ist ein Ausdruck des Zustands der Kultur. Schon 2008 hätte damit begonnen werden können, eine solche Debatte anzustoßen. Politik verheddert sich jedoch im klein-klein, Ökonomie in einer ideologischen Starre, und ein Teil der Gesellschaft flüchtet sich in Modelle des 19. Jahrhunderts. Ich kann nicht einschätzen, ob die mangelnde Vision ihren Ursprung hat in mangelhafter Bildung, in einer anthropologischen Determination, wonach eine fehlende Flexibilität des Denkens bei Eintreten von etwas gänzlich Unerwartetem nur allzu menschlich ist, oder in einer Repression des Kreativen versus der Technokratie.
Meiner Ansicht nach schaffen große Strukturen nicht mehr Freiheit, sondern Fehler. Damit meine ich nicht, dass ein großer Währungsraum an sich antifreiheitlich und fehlerbehaftet sein muss. Folgende Gründe lassen für mich den Euro trotz meiner Skepsis hinsichtlich großer Strukturen als vorteilhaft erscheinen:
1. Das traditionelle Konzept der Nationalstaaten ist in Europa historisch mehrmals gescheitert und bietet für mich gar keine Zukunftsperspektive, sondern nur einen Rücksturz ins 19. Jahrhundert.
2. Die Zersplitterung der Währung hemmt makroökonomisch enorm. Sie wird zu einem Zusammenbrechen des Wirtschaftsraumes führen, die Strukturen, die dann entstehen werden, werden gar nicht an den eigentlichen Problemen ansetzen, also ein Durchwurschteln nach traditionellen Rezepten bedeuten, was eigentlich mehrheitlich abgelehnt wird, weil es im Desaster endet.
3. Ein Ende des Euro bedeutet gar nicht ein Ende der Großstrukturen, diese gestalten sich nur anders, meiner Meinung nach sehr viel unvorteilhafter.
Meine Kritik an den Großstrukturen im Euro beinhaltet vielmehr, dass eine zentrale Regierung, die den Regionen alles oktroiert, meiner Meinung nach auf Dauer eher nicht funktionieren wird. Deshalb präferiere ich den Ansatz Europa von den Regionen her zu denken. Das entspricht sowohl dem föderalen Gedanken hierzulande, als auch dem derzeitigen (sozialistischen) französischen Ansatz der politischen Regionalisierung. Von den Regionen ausgehend ist allerdings allerorten Misswirtschaft zu finden. Es gibt de facto keine Verantwortung der Verantwortlichen. Die Verantwortung muss also gefordert werden, am Besten mit einer persönlichen Haftung der Verantwortlichen. Der Souverän darf nicht die Risiken der Verantwortlichen decken! Damit würde eine Arbeitsmarktflexibilisierung des administrativen Apparats geschaffen, die die Aufsicht bei den Regionen schaffen würde. Mechanismen einer zentralen Aufsicht der regionalen Aufsichten sind diskutierbar.