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Schuldenkrise: Es ist Zeit für einen neuen Kapitalismus

DPADie Unsicherheit an den Finanzmärkten ist zurück - und zeigt vor allem eins: Immer mehr billiges Geld in die Wirtschaft zu pumpen ist keine Lösung. Europa muss endlich einen Ausweg aus der selbstgestellten Falle finden. Ein Plädoyer für einen neuen Kapitalismus.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...827853,00.html
  1. #250

    Zitat von Myrlin Beitrag anzeigen
    1.) Wie geschieht die Entstehung des 'Kapitals' (Ob Geld oder immaterielle Werte mit Geldumrechnungswert.)
    Der Mensch hat biologische Bedürfnisse: Nahrung, Obdach. Durch Arbeit werden solche Dinge geschaffen, die für den Menschen einen Wert haben, weil er sie braucht - und Werte sind Kapital.

    Im weiteren Verlauf der Geschichte hat der Mensch gelernt, dass die Fähigkeiten unterschiedlich ausgebildet sind und er hat in der Gemeinschaft mit Arbeitsteilung begonnen. Das wiederum hat die Menschen voneinander abhängig gemacht und sie brauchten den Handel: gibst du mir, gebe ich dir! So ist es noch heute, nur mit dem Unterschied, dass nicht mehr direkt getauscht wird, sondern über ein Zahlungsmittel, mit dem man beliebige Waren tauschen kann.

    Man muss unterscheiden zwischen lebensnotwendigen, lebenserleichternden und lebensverschönernden Gütern. Auf lebensnotwendig Güter kann man logischerweise nicht verzichten, man kann nur wählen zwischen verschiedenen Varianten. Auf lebensverschönernde Güter kann man verzichten und man kann beliebig wählen. Die moderne Wirtschaft baut vorwiegend auf den lebenserleichternden und lebensverschönernden Gütern auf!
    Hinzu kommt, das wir Menschen einer Entwicklung unterliegen, in der durch Fortschritt Arbeitskraft abgebaut werden. Entweder durch Maschinenbau oder bessere Technologie.
    Maschinen müssen aber selber erst entwickelt, gebaut, bedient, repariert und gepflegt werden, das sind Arbeitsplätze, die durch die Maschinen neu entstehen und Ausbildung benötigen. Der Arbeitgeber wird dadurch auch vom Arbeitnehmer abhängig und die Arbeit bekommt einen höheren Wert.

    Die Wirtschaft ist ein Kreislauf, deshalb ist es nicht so einfach, an irgend einer Stelle einzugreifen. Es gibt Rückwirkungen, die oftmals vernachlässigt werden. Deshalb hat noch niemand ein Patentrezept zu bieten.
  2. #251

    Das Wesen des zeigenössischen Kapitalismus

    Zitat von rabenkrähe Beitrag anzeigen
    Das ist doch unsinnig. Diesen Kapitalismus mit Plan und Ziel gibt es gar nicht. Und wenn es ihn geben sollte, gab es ihn überall, auch im Ostblock, da wars dann der Staatskapitalismus.
    In der DDR war's sogar ein preußischer Staatskapitalismus mit Stechschritt.
    Glauben Sie tatsächlich, die Entwicklung der letzten Jahrzehnte sei ohne Plan und Ziel verlaufen, sozusagen spontan aus der Situation heraus?

    In reality ist der Kapitalismus ganz okay, weil er letztlich eine Marktwirtschaft ist und diese per Kapital strukturiert.
    Von einer Marktwirtschaft sond wir mehr denn je weit entfernt.

    Nur, leider, nutzen Menschen hier, wie in jedem System, alle Möglichkeiten, sich auf Kosten anderer zu bereichern.
    Um genau das zu verhindern, braucht es einen starken Staat.
    Unser volkswirtschaftliche Ansatz mit den Faktoren Arbeit, Boden/Rohstoffe und Kapital ist der sinnvollste, weil die drei Elemente sich zugleich gegenseitig kontrollieren.
    Leider wird immer wieder versucht, dieses Gleichgewicht auszuhebeln, am massivsten seit fast zwei Jahrzehnten durch die schuldenbasierte Globalisierung nach US-Maß, mit der die Arbeit abgewertet und das (schuldenbasierte) Kapital aufgewertet wurde.
    Die Demontage des Keynesianismus in den Siebzigern d. v. Jht.s verdankt sich u. a. auch dem historischen Niedergang der Schicht, deren Interessen er vertrat: die Arbeiterschaft der westlichen Industrieländer. Diese begann ihre gesellschaftliche Macht zu velieren.

    Es war nicht mehr die Rede davon, dass ein demokratisches kapitalistisches System auf steigenden Einkommen, sozialen Netzen und staatlicher Förderung der Inlandsnachfrage beruhe. Wohlstand und Wirtschaftswachstum verdankten sich nicht länger der sozialdemokratischen Formel „staatliche Interventionen zugunsten der breiten Arbeitnehmerschichten“, sondern ihrem neoliberal-konservativen Pendant „Banken, Börsen und Finanzmarkt“.
    Auch diese Formel berücksichtigt den kleinen Mann, jedoch nicht als Arbeitnehmer, der seine Lage mit Hilfe von Gewerkschaften, Arbeitsschutzrechten und öffentlich finanzierten Sozialversicherungssystemen bessern will, sondern allein als Schuldner, als Akteur auf den Kreditmärkten.

    In den meisten Gesellschaften und zu den meisten Zeiten haben zuvörderst die Wohlhabenden Kredite aufgenommen, um Investitionen zu tätigen, und sie mit ihrem Grundeigentum und anderen Vermögenswerten besichert. In den vergangenen 30 Jahren hingegen griff die Schuldenmacherei auf Menschen mit bescheidenen Einkommen über, deren einziges Vermögen ein mit einer Hypothek belastetes Haus war.
    Durch verschiedene Maßnahmen sorgten die Regierungen dafür, dass dieser Subprime-Immobilienmarkt beständig ausgeweitet wurde, dadurch stiegen die Häuserpreise, die Besitzer konnten sie immer wieder höher beleihen und mit dem geliehenen Geld fröhlich konsumieren. Im Grunde eine Art (Bastard-)Keynesianismus in privater Hand.

    (Meine Ausführungen orientieren sich an dem Artikel von Colin Crouch „Das lange Leben des Neoliberalismus“)
  3. #252

    Don Quijote

    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Ich will Ihnen mal etwas auf die Sprünge helfen:
    Aber ich spring doch schon wie ein Rehbock!

    Kapitalismus hat mit Privateigentum zu tun. Das ist etwas völlig anderes als Marktwirtschaft. Das eine hat mit dem andern nichts zu tun.
    Ach, in der Marktwirtschaft gibt’s kein Privateigentum?

    Privateigentum ist ein Menschenrecht, jedenfalls in unserem Weltbild vom Menschen und seinen individuellen Freiheiten. Das Problem des Privateigentums ist die Konzentration von Kapital und Macht. Das ist keine Neuheit und ist wohl der Kern Ihrer Kritik, die durchaus legitim ist. In unserem Staat gibt es bereits umfangreiche Regelungen, um dies zu begrenzen, z.B. Erbschaftsrecht und Erbschaftssteuern, denn niemand lebt unendlich lange um Kapital zu sammeln.
    Die Ungerechtigkeiten der Primärverteilung werden noch viel zu wenig ausgeglichen.

    Die andere Seite ist aber, dass in unserer hochtechnisierten Welt eine gewisse Konzentration von Kapital notwendig ist. Eine neue Fabrik kostet viel Geld und braucht die notwendige Entscheidungsbefugnis. Ohne einen gewissen Reichtum in privaten Händen wäre das Land sehr viel ärmer. Dann gäbe es keine Kathedralen, Burgen oder Schlösser und wir wären noch auf dem wirtschaftlichen Stand des Mittelalters.
    Ach Gottchen, ich werde Sie für den Hedwig-Courths-Mahler-Preis vorschlagen.

    Wie würden wohl die politischen Parteien mit dem Staatskapital umgehen, wenn man das Privatkapital abschöpfen würde? Was wäre, wenn keine Partei eine Mehrheit bekommen würde bei Wahlen? - Lähmendes Chaos. Schauen Sie sich doch die südeuropäischen Staaten von Griechenland bis Portugal an! Das sind die stärksten Argumente gegen Keynesianismus, das muss doch in die Augen stechen.
    Sind Sie jetzt als Don Quijote unterwegs? Sie zimmern sich einen Popanz zurecht und stürmen inbrünstig drauf los.
    Und natürlich müssen die südeuropäischen Defizitstaaten irgendwie mit dem Keynesianismus in Verbindung gebracht werden, ist eh klar.
  4. #253

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Und natürlich müssen die südeuropäischen Defizitstaaten irgendwie mit dem Keynesianismus in Verbindung gebracht werden, ist eh klar.
    Offenbar ist Ihnen auch die Bedeutung des Keynesianismus nicht klar. Hätten Sie doch mal bei Wiki nachgeschaut:

    Unter Keynesianismus wird in den Wirtschaftswissenschaften ein Theoriegebäude verstanden, in dem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ist.
    ..
    Daneben bezeichnet Keynesianismus auch verschiedene wirtschaftspolitische Modelle, die darauf ausgerichtet sind, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zu steuern und bei Bedarf die Wirtschaft durch vermehrte Staatsausgaben zu beleben.


    Da steht es doch eindeutig: vermehrte Staatsausgaben! Das führt zu vermehrten Staatsschulden, oder etwa nicht? Vermehrte Staatsausgaben führen nicht immer zu höherer Nachfrage und zu Wachstum, aber garantiert zu höheren Staatsschulden. Dann wird das Hamsterrad wirksam bis zur unausweichlichen Staatspleite, siehe Griechenland, weil keine Regierung den Mumm zum sparen hat, bis es zu spät ist. Von Korruption mit Staatsgeldern ganz zu schweigen.
  5. #254

    Innergriechisches Verteilungsproblem

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Zitat von # 220 doc.exx:

    Auch bin ich gegen Kaputtsparen. Ob man davon im Falle Griechenlands sprechen kann, wage ich in Anbetracht des Riesenvermögens zu bezweifeln, das Griechen ihrem Vaterland entzogen/unterschlagen und davon allein 300 Milliarden Euro auf Schweizer Konten oder in Luxusvillen, Luxusyachten oder in Immobilien in der City of London, Manhattan oder Berlin weggeschafft haben.
    Dieser Hinweis nützt aber dem Otto Normalgriechen nichts. Seltsamerweise wird auch von der Politik nichts unternommen, um an dieses Geld heranzukommen.
    Dieser Hinweis hilft allen Beteiligten und Betroffenen:
    1. Dieser Hinweis hilft dem betroffenen Otto Normalgriechen, seine Wut nicht gegen Merkel (Nazibeschimpfung) und uns solidarische Deutsche, sondern gegen ihre eigenen unsolidarischen Politiker und Landleute zu richten, und so lange zu protestieren, bis dieses unterschlagene Geld wieder nach Griechenland zurückkommt.
    2. Ein offizieller Brady-Plan und das Eureca-Projekt können helfen, diesen Rückfluss griechischen Vermögens für den Aufbau Griechenlands attraktiv zu machen, inbesondere für die Schaffung produktiver Arbeitsplätze.

    3. Dieser Hinweis hilft den deutschen Politikern und Otto Normaldeutschen sich zu weigern, die Lösung dieses innergriechischen Problems durch falsche Solidarität und Schuldenübernahme zu verhindern, wie es bisher unter dem Etikettenschwindel "Eurorettung" geschehen ist und bald für alle Ewigkeit mit dem Ermächtigungsvertrag für die ESM-Bank und die Fiskal-Schuldenunion geschehen soll.

    4. Zur nachhaltigen Rettung des Euro hilft nur die strikte Einhaltung des Art.125 AEUV (Keine Schuldenhaftung) und die Umsetzung der Maßnahmen von 2.

    5. "Seltsamerweise wird auch von der Politik nichts unternommen, um an dieses Geld heranzukommen." (Das ist nicht seltsam, sondern das Kartell der Finanzkapitalisten.)

    Dieser Hinweis soll die EU-Politiker dazu bewegen, die Schweizer Konten der Griechen mit dem unrechtmäßig unterschlagenen Geld sperren zu lassen, also mit der gleichen Begründung wie bei Mubarrak oder Ghaddafi.

    Damit wäre allen Europäern und dem Euro sehr geholfen. Ganz zu schweigen von dem Signal für ein ehrliches und solidarisches Europa - was gegen das verlorene Vertrauen in die EU helfen würde.

    P.S.: Die Niederländer haben gerade begonnen, sich zu weigern, für die Schulden der ClubMed-Staaten ihr eigenen Staatshaushalt kaputt zu sparen, wie es für alle Ewigkeit mit ESM-Bank und Fiskal-Schuldenunion geschehen soll.

    Sie sind gegen die geplante ESM/Fiskal-Sparparanoia.

    Die Franzosen werden sich voraussichtlich auch bald gegen die Merkozy-Sparparanoia entscheiden.
  6. #255

    Profiteure und Verlierer des Euro-Kapitalismus

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Der wirtschaftswissenschaftliche Taliban wie er leibt und lebt. Die Griechen haben kräftig das deutsche BIP in die Höhe getrieben, Konsum- und Rüstungsgüter gekauft. Die „Party“ war also auch eine Konjunkturspritze für die deutsche Wirtschaft.
    Sehr geehrter Herr Rosbaud,
    Sie unterschlagen schon wieder, woher die Griechen das Geld haben, um durch den Kauf deutscher Konsum- und Rüstungsgüter das deutsche BIP in die Höhe zu treiben. Sie glauben wohl an das Märchen, dass das Geld aus dem Export von Fetakäse und Oliven stammt. Sie wissen wohl nicht, dass die Griechen nicht mal in der Lage sind, aus allen ihren Oliven Öl herzustellen und diese dazu nach Italien schicken. Ja nicht zu viel arbeiten.

    Das Geld für das griechische Partyfeiern (Konsum) und die griechischen Rüstungsausgaben stammen vorwiegend aus dem deutschem "Beggar-thy-German-People-Modell" der deutschen Politiker/Unternehmer/Banker/Gewerkschaftler.
    Da dieses geliehene Geld von den Griechen nicht zurückbezahlt wird, kann man sagen, dass viele, viele Deutsche umsonst gearbeitet haben - sie hätten besser bezahlten Urlaub machen können. Eine echte Konjunkturspritze! Dadurch wären auch nach Keynes die Binnen-Nachfrage und der BIP genauso entsprechend gestiegen.

    Oskar Lafontaine weist schon lange auf diese unsinnigen makroökonomischen Systemfehler hin. H-W Sinn seit seiner Abkehr vom Neoliberalismus ebenfalls.
    Aber auch ohne „Eurorettung“ werden im Rahmen von Target2 die deutschen Handelsbilanz-Überschüsse einfach zu Null gemacht. Davon profitieren alle Euro-Südländer mit ihren Handels-Defiziten. So kommt es, dass etwa eine halbe Million Deutsche umsonst arbeitet. Nach Rosbaud wären das dann die Otto Normaldeutschen.


    gez. Der wirtschaftswissenschaftliche Taliban



    P.S. 1: Einen echten Wirtschaftswissenschaftler erkennt man daran, dass er nicht pauschal von den „Griechen“ oder den „Deutschen“ spricht, sondern von den jeweiligen Profiteuren und Verlierern. So gilt das Märchen „Deutschland hat am meisten vom Euro profitiert“ nur für die paar Prozent der Politiker/Unternehmer/Banker/Gewerkschaftler mit ihren Abhängigen.

    Das Eurosystem als Perpetuum mobile zur Beschäftigung und Ausbeutung des Faktors Arbeit. Dieses Eurosystem ist somit der Realexistierende Neue Kapitalismus.

    P.S. 2: Die griechischen Profiteure des Eurosystem haben durch den Tausch ihrer unterschlagenen Euro gegen den CHF auch den Kurs den Franken in die Höhe getrieben und so Währungsverzerrungen zum Nachteil der Schweizer Volkswirtschaft geschaffen. Ganz zu schweigen von dem dadurch verursachten Vertrauensverlust für den Euro selbst.
  7. #256

    Äpfel mit Birnen vergleichen

    Zitat von kurtwied3 Beitrag anzeigen
    Das ist nachweislich falsch - und es ist eine Schande, dass es besonders in Deutschland immer wieder wiederholt wird. Die Ursache war die Immobilienblase. "Blase". ..
    Die Kredite für die Immobilien waren durch staatliche Institute gedeckt - welche kaufmännische, denkende Bank gibt sonst einem völligen Habenichts einen Hauskredit?
    Es ist und macht ein großen Unterschied :
    Sie zahlen eine Kaltmiete im Monat von 250 bis 400 Euro und trotzdem nach 10 Jahren NICHTS gehört ihnen.
    ca. 60% unserer Bevölkerung geht es so o.g.
    Oder ob man ein Second Hand Haus z.B. in Norddeutschland,Niedersachsen für 60.000 Euros gekauft hat,was in 10 Jahren abgezahlt/abgewohnt ist.

    US Bauernfängern:
    Kaum irgendwer ist so dumm und nimmt 80,100 oder mehr 250.000 Euro Kredit für ein Neubau Haus in einer Stadt oder Region mit 10-15% Arbeitslosen Quote samt persönlicher hohen Zeit und Geldverluste (wegen Transporte zum Arbeitsplatz) im Kauf.

    Natürlich gibts auch in Deutschland Städte wo Besitzer von Häuser meinen ihre Hütte wäre 200 oder sogar 250.000 Euros wert,aber warum machen Sie es nicht so wie in Spainen ? Und hängen noch einige Nullen dran?
  8. #257

    Jean-Claude Juncker hat's ausgeplaudert.

    Zitat von doc.exx Beitrag anzeigen
    Dieser Hinweis hilft allen Beteiligten und Betroffenen:
    1.Dieser Hinweis hilft dem betroffenen Otto Normalgriechen, seine Wut nicht gegen Merkel (Nazibeschimpfung) und uns solidarische Deutsche, sondern gegen ihre eigenen unsolidarischen Politiker und Landleute zu richten, und so lange zu protestieren, bis dieses unterschlagene Geld wieder nach Griechenland zurückkommt.
    An der Schuldknechtschaft Griechenlands ist zu einem Großteil Deutschland schuld, reiche Steuerhinterzieher hin oder her.
    [...]
    3.Dieser Hinweis hilft den deutschen Politikern und Otto Normaldeutschen sich zu weigern, die Lösung dieses innergriechischen Problems durch falsche Solidarität und Schuldenübernahme zu verhindern …
    Es sind nicht nur innergriechische Probleme. Gegen den Fiskalpakt bin ich auch.

    4. Zur nachhaltigen Rettung des Euro hilft nur die strikte Einhaltung des Art.125 AEUV (Keine Schuldenhaftung) und die Umsetzung der Maßnahmen von 2.
    Nur wenn man einer Voodoo-Ökonomie anhängt.

    P.S.: Die Niederländer haben gerade begonnen, sich zu weigern, für die Schulden der ClubMed-Staaten ihr eigenen Staatshaushalt kaputt zu sparen, wie es für alle Ewigkeit mit ESM-Bank und Fiskal-Schuldenunion geschehen soll.

    Sie sind gegen die geplante ESM/Fiskal-Sparparanoia.
    Aber Sie sind doch für diese Sparparanoia, oder jetzt nicht mehr?

    Zitat von doc.exx Beitrag anzeigen
    Sehr geehrter Herr Rosbaud,
    Sie unterschlagen schon wieder, woher die Griechen das Geld haben, um durch den Kauf deutscher Konsum- und Rüstungsgüter das deutsche BIP in die Höhe zu treiben. Sie glauben wohl an das Märchen, dass das Geld aus dem Export von Fetakäse und Oliven stammt. Sie wissen wohl nicht, dass die Griechen nicht mal in der Lage sind, aus allen ihren Oliven Öl herzustellen und diese dazu nach Italien schicken. Ja nicht zu viel arbeiten.
    Wehe wenn man es loslässt – das niedere Herrenvolk!

    Ich kann jetzt nicht auf alle Ihre Ausführungen eingehen. Ich möchte nur aus dem Artikel von Eberhard Rondholz “Terror und Tourismus: Zum Verhältnis von Griechen und Deutschen” erschienen in den “Blättern für deutsche und internationale Politik” (März 2012) zitieren:

    Was stimmt: Die Kreativität griechischer Statistiker bei der Zahlungsbilanzkosmetik übertraf das in den anderen Ländern der Eurozone Übliche beträchtlich. Was nicht stimmt: Daß man davon in Brüssel nichts gewußt habe. Kein geringerer als Jean-Claude Juncker, Ministerpräsident von Luxemburg hat im November 2010 bei einer Pressekonferenz am Rande eines Treffens des Weltwährungsfonds ausgeplaudert, daß die Zahlungsprobleme Griechenlands seit vielen Jahren bekannt waren, daß er mit Rücksicht auf die guten Griechenlandgeschäfte der Deutschen und der Franzosen aber zum Schweigen verurteilt war.”
  9. #258

    Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde ...

    Zitat von reuanmuc Beitrag anzeigen
    Offenbar ist Ihnen auch die Bedeutung des Keynesianismus nicht klar. Hätten Sie doch mal bei Wiki nachgeschaut:

    Unter Keynesianismus wird in den Wirtschaftswissenschaften ein Theoriegebäude verstanden, in dem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ist.
    ..
    Daneben bezeichnet Keynesianismus auch verschiedene wirtschaftspolitische Modelle, die darauf ausgerichtet sind, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zu steuern und bei Bedarf die Wirtschaft durch vermehrte Staatsausgaben zu beleben.

    Da steht es doch eindeutig: vermehrte Staatsausgaben! Das führt zu vermehrten Staatsschulden, oder etwa nicht? Vermehrte Staatsausgaben führen nicht immer zu höherer Nachfrage und zu Wachstum, aber garantiert zu höheren Staatsschulden. Dann wird das Hamsterrad wirksam bis zur unausweichlichen Staatspleite, siehe Griechenland, weil keine Regierung den Mumm zum sparen hat, bis es zu spät ist. Von Korruption mit Staatsgeldern ganz zu schweigen.
    Keynesianismus funktioniert ein klein wenig komplizierter. Ich habe auch schon in diesem Thread die aufrührerischte Forderung von Keynes zitiert:

    Keynes verlangt eine dezidierte Verteilungspolitik, nämlich eine Steuerpolitik, die dem Staat mehr Einnahmen verschafft und die niedrigen Einkommen aufbessert. Dies sollte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhen; belastet werden sollten dagegen die Gewinneinkommen. ... Die Konsumausgaben hängen also von der richtigen Verteilung des Volkseinkommens in Gewinn und Lohn ab. Deshalb muss nach Keynes der Staat „einen leitenden Einfluss auf den Hang zum Verbrauch [...] durch sein System der Besteuerung [...] ausüben.“
    (Aus „Bastard-Keynesianismus“ von Herbert Schui)


    Haben Sie den Eindruck, dass in Griechenland ein effektives Steuersystem genau dies geleistet hat? Folgender Beitrag von mir dürfte auch interessant sein für Sie: hier

    Sie und der Mainstream glauben, dass wir „so gut“ dastehen, weil wir unsere „Hausaufgaben gemacht haben". Das übrige Europa soll sich gefälligst das deutsche Modell zum Vorbild nehmen: Dabei wird freilich übersehen oder verschwiegen, dass dieses Modell auf einer Asymmetrie beruht, also nur funktionieren kann, solange es nicht alle anderen genauso machen.

    Es ist ebenso banal wie offenbar schwer zu vermitteln, dass nicht alle Handelsbilanzen gleichermaßen positiv sein können, weil sie in der Summe notwendig Null ergeben. Der Überschuss des einen Landes ist also zwingend das Defizit eines anderen.
  10. #259

    Großkonzerne? Mittelstand!

    Zitat von DerKritische Beitrag anzeigen
    Stimmt, denn die Konzerne können heutzutage schnell
    woanders hin, und dann wars das mit den
    vielen Jobs.
    Allerdings tragen die Grosskonzerne relativ wenig
    zur Steuermasse bei, denn der verschmähte
    Mittelstand ist eigentlich der der die Kasse füllt.
    Als Grosskonzern ist es relativ leicht Gewinne ins
    Ausland zu verlagern.
    STIMMT ALLES - LEIDER !

    An sich müssten die Großkonzerne verschmäht werden. Meinetwegen könnte die Deutsche Bank unter Abgabe ihres Namens vollständig in die City of London auswandern. Noch besser gleich nach Las Vegas, wo sich Ackermann bekanntlich mit Spielcasino-Hotel-Immobilien um eine halbe Milliarde verzockt hat, die jetzt als Büroräume umgewidmet werden könnten.

    Oder Volkswagen wandert nach China aus, lässt das VW-Gesetz zurück und nennt sich Shimbutsi.

    Nokia hat es vorgemacht: Raus aus D nach Rumänien, dann ... Dann hat sich das Nokia-Management gewundert, dass deshalb weniger ihrer Handys gekauft wurden. Ist Nokia eigentlich schon in den Hades ausgewandert?

    Sicher haben die Großkonzerne auch Arbeitsplätze, aber der Gewinn für die jeweilige Volkswirtschaft wird gegenüber dem Mittelstand weit überschätzt.

    ... schnell woanders hin, und dann wars das mit den
    vielen Jobs.
    Allerdings tragen die Grosskonzerne relativ wenig
    zur Steuermasse bei
    Unter dem Strich waren die subventionierten Arbeitsplätze bei Nokia sogar ein Verlust für die deutsche Steuermasse.

    Die Bedeutung des Mittelstandes haben inzwischen sogar schon Merkozy bemerkt. Deshalb wäre ein Mittelstands-Plan besser als dieser hirnrissige Fiskal-Schulden-Pakt. Hoffentlich bekommt Hollande die Chance, diesen Spuk zum Wohle des staatstragenden deutschen Mittelstandes zu beenden. Und hoffentlich lässt sich Marie LePen nicht von NanoSarkozy durch dessen Roma-Beschimpfungen blenden, denn die Wähler der FN werden die Wahl entscheiden.

    Es freut mich riesig, dass immer mehr Volksvertreter (zurecht als Populisten bezeichnet) in Europa die Interessen ihrer Volkswirtschaften gegen die EU-Diktatur und den Euro-Kapitalismus vertreten.


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