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Schuldenkrise: Es ist Zeit für einen neuen Kapitalismus

DPADie Unsicherheit an den Finanzmärkten ist zurück - und zeigt vor allem eins: Immer mehr billiges Geld in die Wirtschaft zu pumpen ist keine Lösung. Europa muss endlich einen Ausweg aus der selbstgestellten Falle finden. Ein Plädoyer für einen neuen Kapitalismus.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...827853,00.html
  1. #180

    Zitat von libertine^10 Beitrag anzeigen
    Das waren planwirtschaftliche Maßnahmen, die der Idee einer möglichst freien Marktwirtschaft zuwider laufen und haben zu übermäßigem Konsum und Fehlinvestments geführt. Leider hat sich dahingehend v.a. die Politik der USA in keiner Weise geändert.
    Genau: der Markt regelt alles. Wie er z.B. in der Vergangenheit erfolgreich die Ausstattung von Passagierschiffen mit selbstaufrichtenden Rettungsinseln geregelt hat: erst nach dem Unglück der Estonia und entsprechenden gesetzlichen Vorschriften wurden Rettungsinseln von den Reedereien gekauft, die sich von allein richtig herum aufstellen, so dass wenigstens an diesem Problem zukünftig weniger Menschen sterben werden. Offenbar war der Bedarf auf dem Markt vorher einfach nicht da.. Was der böse Staat da wieder unnötigerweise regelnd eingegriffen hat..
  2. #181

    Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Wenn man heute eien Mauer bauen würde, links Geldsystem, rechts was immer sie sich sonst vorstellen (Tauschwirtschaft, Kultur-Planwirtschaft), dann bin ich links der Mauer....und 95% der restlichen Deutschen auch.
    Warum genau fühlen Sie sich links wohl, wen Sie nach eigenem Bekunden garnicht wissen wollen oder können, was auf der rechten Seite ist? Immerhin besteht die Möglichkeit, daß sich aufgrund nur geringer Modifikationen (z.b. innerhalb des Geldsystems) ganz entscheidende Verbesserungen ergeben - und ich bin mir sicher, daß davon genau Ihre "95% der Deutschen" profitieren würden.
  3. #182

    Faustregel

    Im Kapitalismus wird stets 2/3 der beteiligten zu etwas geringerem als Tieren erniedrigt. Die Geschichte hat bewiesen das es deshalb nicht gleich zu einer gemeinsamen Weltrevolution der unterdrückten kommt, sondern eher zur Hinwendung zu Religiösem Fanatismus, Fragwürdigen "Führern" und Nationalistisch motivierten "Machtergreifungen". In den Paradoxen Fällen sogar unter der roten Fahne.

    Wir brauchen keinen neuen Kapitalismus, wir brauchen -so utopisch das auch klingen mag- ein komplett anderes Wirtschaftssystem -weltweit.
    Ich finde es ja stellenweise pervers wie der Kapitalismus von manchen Menschen als total freiheitlich super und toll und alternativlos angepriesen wird.
    Zunächst ist es natürlich einfach, jeglichen Ansatz dieses System zu überwinden bzw. zu ersetzen, mit unsäglich platten und oberflächlichen Verweisen auf die DDR kleinzureden.
    Um eines klarzustellen: Genau so wenig wie jene Demokratisch war (trotz des, der Eigenbezeichnung zu entnehmenden, Anspruches darauf), war sie in irgend einer Form sozialistisch geschweige denn Kommunistisch (ist ja wohl unumstritten das sie diesen Anspruch hatte). Sie ist nicht im Zuge einer Weltrevolution entstanden sondern war ein Produkt des Zweiten Weltkrieges, welcher wiederum eine Folge des ach so tollen freien Marktes war. Ich bin fest davon überzeugt das eine Figur wie Adolf Hitler als populärer Antikommunist bei den Kapitalisten damals weltweit ganz gut ankam, vor allem nachdem mehr als 1/8 der Erdfläche sich "Sozialistisch" schimpfte. Aber das führe ich auch nicht weiter aus, wie das für alle beteiligten endete weiß man ja.
    Worauf ich eigentlich hinaus will ist das man die Ideen von Marx und Co. nicht aufgrund der historischen Erfahrungen kategorisch ausschließen kann, da diese eben nicht so eindeutig sind wie manch einer das gerne hätte. Insbesondere unter Berücksichtigung der Entwicklungen im Gebiet der Informationstechnologie wird doch eine Planwirtschaft wieder attraktiv. Ich sehe dabei auch nicht die von so vielen Leuten unterstellte Unvereinbarkeit mit einer Parlamentarischen Demokratie. Im Gegenteil gerade der Kapitalismus gefährdet diese massiv, durch das soziale Gefälle welches durch ihn global erzeugt wird.
    Ich fürchte nur leider das sich die Geschichte noch 2 bis 3 mal wiederholen wird bis die Menschen das begreifen. Wenn da am Ende nur noch eine Hand voll Menschen übrig bleibt, ist es dafür dann aber auch einfacher das Wirtschaftssystem global (und so etwas kann nur global passieren) zu ändern - wenn es dann mal nicht zu spät ist.

    PS: Wenn natürlich jemand gerade noch andere alternative Vorschläge zum Kapitalismus hat, die genauso gut durchdacht und überzeugend sind wie die von Marx und Co. dann nur her damit. Ist ja nicht so als ob diese Herren(und Damen?) ein Monopol auf alternative Ideen hätten.
    Aber bitte keine kalten Waschlappen auf dieses Krebsgeschwür Kapitalismus legen, á la „ich will wieder die soziale Marktwirtschaft!“. Sie hat ohne etwas was als Bedrohung für den Kapitalismus interpretiert wird (wie z.B. der ehem. Ostblock) keinen Bestand. Und wer da glaubt „Wir brauchen einen neuen Kapitalismus“ hat die Natur der Sache nicht begriffen.
  4. #183

    Zitat von Arno Nühm Beitrag anzeigen
    Mit dem Kapitalismus ist es wie mit dem Kommunismus: in der Theorie eine gute Idee aber in der Praxis profitiert nur eine kleine Clique davon und die Masse wird ausgebeutet.
    Der Kapitalismus ist das allerbeste was man sich vorstellen kann..........


    ........vorausgesetzt man hat genug Geld (Kapital). Dann ist jeder Tag ein rauschendes Fest, nichts ist unmöglich, alle Wünsche werden einem erfüllt. Selbst dafür etwas tun, braucht man gar nichts. Den ganzen Tag kann man seinen Hobbies nachgehen.

    Hat man aber kein Geld, dann muß man arbeiten bis ans Lebensende und wird niemals ruhen, bzw. es fehlt einem die Zeit über seine eigene Situation nachzudenken und deswegen glaubt ein jeder er hätte es ja noch ganz gut getroffen.
  5. #184

    Zitat von Stauss Beitrag anzeigen

    Ohne Bändigung ist der Kapitalismus ein Raubtier, mit Bändigung ein gutes Nutztier.
    Netter Versuch, den Kapitalismus noch ein wenig am Leben zu erhalten.:-)
  6. #185

    Zitat von zudummzumzum Beitrag anzeigen
    Wir werden es einfach lernen müssen Wirtschaft als natürlichen Prozess zu begreifen: Obwohl der einzelne Baum immer nur wächst, wird der Wald nicht mehr.

    Unser Systemfehler ....
    Es gibt ein unendliches Wachstum der geistigen Entwicklung und Kreativität des Menschen aber kein unendliches materielles Wachstum (zumindest nicht auf diesem Planeten)
  7. #186

    Und wieder.

    Zitat von redwed11 Beitrag anzeigen
    Nicht die Politiker haben die Immobilienkredite bis zur Unkenntlichkeit zu immer neuen Paketen verschnürt, nicht die Politiker haben wie in Griechenland der Regierung geraten mit falschen Zahlen zu arbeiten um dann gegen Griechenland zu wetten, nicht Politiker haben Griechenlandkredite mit Ausfallversicherungen bis zum zwölffachen des eigentlichen Wertes abgesichert, nicht Politiker zocken mit ungedeckten Leerverkäufen.
    Sie tun es wieder. Sie fangen mit der Wirkung an und schweigen über die Ursache. Wo kamen denn die Schulden her?
    Es waren Kredite, die sie ausgegeben haben, weil staatliche Banken aus politischen Gründen dafür bürgen wollten - und dann pleite gingen. Ein politischer Eingriff, der das Marktrisiko als "Anreiz" aufhebt, führt eben zu diesen Verwerfungen. Sie können einer Branche, die von Kreditvergabe lebt, nicht vorwerfen, dass sie die politischen Vorgaben nutzt.
    Wenn im Supermarkt etwas billig ist, kaufen sie es auch. Das ist normal.
    Dann zu sagen: sie hätten doch die Schulden stillschweigend an ihre Kunden und Angestellten weiter geben sollen - als Verluste oder Entlassungen, ist verlogen.
    Und die Bündelung von Paketen mit "toxic" und weniger toxic Papieren gab es schon sehr lange davor.
  8. #187

    Zitat von kurtwied3 Beitrag anzeigen
    Man bräuchte kein Geld irgendwo "hinpumpen", wenn die Staaten nicht ständig Schulden machen würden -und jedes Jahr auf die Schulden neue Schulden.
    Es sind nicht die Staaten alleine, die sich immer weiter verschulden, sondern alle Sektoren der Volkswirtschaft. Der deutsche Finanzsektor hatte 2007 Schulden von ca. 9.000 Milliarden Euro. Richtig, das sind 9 Billionen Euro. Der Staat lag damals noch bei 1,5 Billionen. Der Sprung auf die 2 Billionen Staatsschulden von heute hat vor allem eine Ursache: die Finanzkrise von 2008. Der Staat ist als "lender of last resort" aufgetreten, alleine die Hypo Real Estate hat 145 Mrd Euro gekostet, erinnern Sie sich? Im Jahr 2010 sind die Staatsschulden um 18% förmlich explodiert, größter Posten: die "bad banks" für HRE und WestLB. Auch die keynesianische Politik der Jahre nach 2008 dürfte ordentlich was gekostet haben (Abwrackprämie, Kurzarbeitergeld, ...). Allerdings ist sie mMn auch dafür verantwortlich, daß Deutschland so vergleichsweise glimpflich durch die letzten Jahre gekommen ist.

    Schumpeter sagte (sinngemäß) schon vor fast 100 Jahren: Wachstum ist BIP plus neue Schulden. Oder, wie der amerikanische Ökonom Herman Daly es kürzlich ausgedrückt hat: "Wir häufen immer mehr Schulden an, um immer mehr Wachstum zu finanzieren. Und dann brauchen wir noch mehr Wachstum, um diese Schulden zurückzuzahlen."

    Solange wir nicht an die Wurzel des Problems gehen, nämlich die Geldschöpfung per Kredit (sprich: Schulden), werden wir solche Krisen wieder und wieder erleben. Wenn der Staat ernstmachen sollte mit der Schuldenbremse, hätte unsere Volkswirtschaft drei Alternativen: a) nie wieder Wachstum, b) Einsparungen, z.B. im Sozialhaushalt, oder c) die anderen Sektoren müßten sich entsprechend noch stärker verschulden. Raten Sie mal, was passieren wird. Ironischerweise heißt das, daß Deutschland besonders schnell und geräuschlos auf den alten Pfad der Untugend zurückgekehrt ist.
  9. #188

    Berichtigung

    Zitat von k-f-a Beitrag anzeigen
    Wachstum ist BIP plus neue Schulden.
    Ahem, nicht Wachstum, sondern Nachfrage... Ändert aber nichts an der Aussage; richtig ist: Wachstum istgleich neue Schulden.
  10. #189

    Ein komplett anderes Wirtschaftssystem?

    Zitat von Afrojüdischer_Sozi-Sinti Beitrag anzeigen
    Wir brauchen keinen neuen Kapitalismus, wir brauchen -so utopisch das auch klingen mag- ein komplett anderes Wirtschaftssystem -weltweit.
    [...]
    Aber bitte keine kalten Waschlappen auf dieses Krebsgeschwür Kapitalismus legen, á la „ich will wieder die soziale Marktwirtschaft!“. Sie hat ohne etwas was als Bedrohung für den Kapitalismus interpretiert wird (wie z.B. der ehem. Ostblock) keinen Bestand. Und wer da glaubt „Wir brauchen einen neuen Kapitalismus“ hat die Natur der Sache nicht begriffen.
    Ein interessanter Beitrag, der zwar in vielem zutrifft, der aber die Machbarkeit ausblendet. Wir brauchen also keinen Kapitalismus, sondern ein komplett anderes Wirtschaftssystem? Hmh... man könnte auch fordern, dass wir statt Benzin einen komplett anderen Antriebsstoff für unsere Verkehrsmittel brauchen. Illusionen führen nicht weiter. Von seinen Erfindern wurde der Kommunismus übrigens als eine sehr harmonisches Gesellschaftssystem vorgedacht, in dem jeder seine Bedürfnisse befriedigen kann – nur, was kam dabei heraus? Der Kommunismus ist als Vorstellung verhasst, er steht für ein menschenfeindliches Zwangssystem schlechthin.

    Mit dem Überwinden des Kapitalismus würde die Marktwirtschaft stark eingeschränkt – das kann man nicht wegreden. Man muss auch feststellen, dass alle alternativen Gesellschaftssysteme mehr Zwang bringen würden, dass sie den landläufigen Freiheitsbegriff in Frage stellen würden und dass unsere Vorstellungen von Demokratie nicht mehr zu halten wären. Ein Beispiel, das berühmte „Frieden schaffen ohne Waffen“: Die Welt beschließt, alle Waffen oberhalb von Faustfeuerwaffen und Gewehren zu verbieten, also keine Bomben mehr, keine Massenvernichtungswaffen, alles weg, alles verboten. Das wäre eine einfache, eine sehr vernünftige Entscheidung... aber es wäre ein Befehl für die Welt, und ein Befehl ohne Einsicht und Gehorsam ist sinnlos. Den Kapitalismus zu überwinden, würde bedeuten, dass sich die Menschen gemeinsam für eine verbindliche Bedürfnisstruktur entscheiden, gerade im Sinne des strikten Ausschlusses von destruktiven Bedürfnissen, bzw. deren Befriedigung – Rauchen wird neuerdings als negatives Bedürfnis definiert, beim Rauchen gibt es in der westlichen Welt bereits einen Konsens in dieser Art.

    Wenn man allerdings diese Methode hochrechnet, dann gerät man schnell ins Schwimmen und muss erkennen, dass sie nur sehr bedingt funktionieren kann, weil sie immer wieder mit der menschlichen Unzulänglichkeit kollidiert. Unbewusst empfinden wir unsere eigene Unzulänglichkeit als den Kern unserer individuellen Freiheit. Die Soziale Marktwirtschaft ist eben nicht nur ein „kalter Waschlappen auf dem Krebsgeschwür Kapitalismus“, sondern die einzige realistische Möglichkeit, den Tumor in Grenzen zu halten – gegenwärtig erleben wir eine unkontrollierte Metastasenbildung.


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