Zitat von
schwarzsauer
Dieser Artikel wäre vor 15 Jahren noch undenkbar gewesen. Da hatte Schubert seinen 200. Geburtstag und es interessierte bis auf einschlägige Medien wie KlassikRadio keinen und auch dort hielten sich die Beiträge in überseh- und überhörbaren Grenzen. In Wien selbst waren die Feierlichkeiten ebenso rar gestreut und kamen eher einem lästigen Pflichterfüllen gleich. Und wer sich in diesen Zeiten als Schubert-Fan outete wurde meist mit einem Lächeln bestraft, das ob seines Gemisches aus Mitleid und Überlegenheitsgefühl wie ein strafender Hammer auf die leidenschaftliche Euphorie niederprasselte, die man für Schubertsche Klänge empfand. Piefig, kleinbürgerlich, romantisch, biedermeier-spießig, geistlos, ohne technischen Anspruch, langweilig - das waren Attribute, die die meisten mit Schubert verbanden. Maßte man sich an, Schubert zu huldigen und in die Reihe Bachs und Beethovens zu stellen, dann war es für ebenjene so, als wenn man einen Rosamunde Pilcher Roman mit Tolstois 'Krieg und Frieden' gleichsetzte. Exemplarisch für diese Haltung stehen wohl Goulds Äußerungen über Schubert, die er im Zuge einer Analyse von verschiedenen Interpretentypen (am Beispiel Sviatoslav Richters) tätigte.
Gott, bin ich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Und ja - Schubert rocks!!!