Nach Jahren bloßer Rhetorik wird die schottische Regionalregierung nun konkret: In Edinburgh legte Regierungschef Salmond den Fahrplan für eine Volksabstimmung über die Abspaltung von Großbritannien vor. Er will Schottland zu einem sozialdemokratischen Musterland machen.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...811416,00.html
Eigentlich ist das Thema Wirtschaft recht einfach, Schottland hat 5 Mio Einwohner und die größten Ölvorkommen der EU, die sicher noch 15-20 Jahre reichen werden.
Dürften die Schotten ihre Öleinnahmen selber behalten anstatt daß London kassiert könnten sie ähnlich reich sein wie Norwegen, besonders bei den hohen Ölpreisen, die sicherlich kaum noch sinken werden. Es ist daher eine ziemlich dreiste Tatsachenverdrehung wenn die Engländer so tun als würden sie Schottland subventionieren.
Öl und der Finanzsektor, die Devisenbringer des 22. Jahrhunderts. Das kann ja nur gut gehen.
Armes Schottland, die tun mir jetzt schon leid, denn sozialdemokratische Musterländer zeichnen sich i.d.R. dadurch aus, dass sie pleite sind. Zuerst wird das Geld verprasst, dann werden die Steuern erhöht, was Leistung nicht mehr lohnenswert macht und die Leistungsträger vertreibt, dann kommt unausweichlich die Pleite.
Ok, Schottland hat Öl, aber das ist ein zweischneidiges Schwert, wie man in Arabien sieht.
Nun, den Hinweis auf die von gewissen Bundesländern angedrohte Klage gegen den Länderfinanzausgleich (auf die freue ich mich schon), habe ich mir verkniffen. Allerdings geht es dabei, wie auch bei der Weigerung Deutschlands, den "Club-Med" zu finanzieren, nicht um das "Behalten" des Geldes, sondern um Einfluß auf die Verwendung, i.e. sinnvolle Investitionen statt der Finanzierung politischer Hobbys. Und auch die Schotten, die sich selbst um den Wirtschaftsaufschwung ihrer "Provinz" kümmern (bei weitem nicht nur Erdöl) ärgern sich m.E. mit Recht über die diesbezügliche Schludrigkeit Londons.
England als ganzes ist arm, wovon man sich vergewissern kann, wenn man sich abseits der Touristenrouten bewegt, wo das Geld eben durch den Tourismus kommt. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Lebenshaltungskosten gleichfalls. Ich frage mich oft, wie da der einzelne über die Runden kommt. Die produzierende Großindustrie ist mangels Wettbewerbsfähigkeit nahezu verschwunden, es gibt kaum mittelständisches Gewerbe in unserem Sinn, und das liegt auch daran, daß es Ausbildung etwa in technischen Berufen nur auf niedrigem Niveau gibt, wo sollen da Unternehmer im produzierenden Gewerbe herkommen. Hingegen findet man in erstaunlichen Mengen Trupps, kleine Firmen deutscher und polnischer Bauhandwerker aller Sparten an Baustellen oder bei Renovierungen, gerade privaten Auftraggebern... können die Briten nicht einmal diesen Sektor mit Fachleuten selbst abdecken? Die romantische Schönheit der Insel ist auch ein Produkt der traurigen Verhältnisse und der offensichtlichen Resignation.
Den Eindruck einer Gängelung mag es im Land geben, aber ob er berechtigt ist, ist eine ganz andere Frage. Schottland hat 5,2 Millionen Einwohner, UK insgesamt 62 Millionen - also etwas mehr als 8 % der Bevölkerung. Es hat aber 59 von 650 Parlamentssitzen, also mehr als 9 % der Repräsentation im Parlament. Hinzu kommt, dass England die weitreichende Autonomie, die Schottland hat, nicht besitzt: Diejenigen Fragen, über die in Schottland das schottische Parlament entscheidet, werden für England vom Parlament des gesamten Königreiches entscheiden - einschließlich der schottischen Abgeordneten. Dass UK nach wie vor ein ziemlich zentralistischer Staat ist, in dem wichtige Entscheidungen in London für das ganze Land gefällt werden, mag stimmen. Aber wo die Entscheidungsträger geographisch sitzen, ist doch unerheblich, solange auch Schotten in London die Chance haben, Einfluss auf die britische Politik zu nehmen - und dass dem so ist, hat nicht zuletzt Gordon Brown wohl mehr als bewiesen. Wo da also eine Gängelung durch England liegen soll, ist mir nicht klar.
Mir leuchtet nicht ein, wieso es nicht Sache aller Briten sein soll darüber zu befinden, ob ein Teil ihres Staates sich abspalten soll oder nicht. Genau wie es in Spanien eigentlich Sache aller Spanier hätte sein sollen, gleichberechtigt über l'Estatut abzustimmen.
Man kann annehmen, dass Spanier (ausgenommen Katalanen, Basken und Gallegos) wegen der schlechten Signalwirkung berechtigterweise stinksauer sind über dieses leichtsinnige Spiel mit dem Feuer.
Mir leuchtet auch nicht ein, wieso die britischen Öl- und Gasfelder in der Nordsee allein zu Schottland und nicht zu Großbritannien gehören sollen.
Sean Connery war und ist immer einer der größten Förderer der Scottish National Party gewesen. Und warum sollte er politisch nicht links sein? Die Mehrheit ernstzunehmender Künstler ist politisch eher links, zumindest linksliberal. Auch wenn er durch seine Gagen mittlerweile sicher recht wohlhabend ist, ist er doch kein skrupelloser Zocker-Banker.
Sean Connery
Scottish National Party