Zwei*alte Bekannte*diskutierten bei "Beckmann" den Tod Osama Bin Ladens: Peter Scholl-Latour gab den gemütlichen Machiavellisten, Helmut Schmidt räsonierte über Völkerrecht und die Weltpolizisten-Rolle der USA - mit Understatement natürlich.
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,760269,00.html
Und - bei aller sonstiger Wertschätzung für Helmut Schmidt, aber ich fürchte ihm steigt seine Rolle langsam zu sehr zu Kopf - brauchen wir uns nicht von steinalten Männern selbstgerecht sagen zu lassen, was alles falsch gemacht worden sei; ohne dass die auch nur ansatzweise in der Lage wären, in dieser Kritik eine einigermaßen konsequente Linie zu fahren.
"Bei mir bleiben Zweifel an der Vorstellung, dass der Präsident eines Verfassungsstaates den Auftrag gibt, einen Menschen umzubringen in einem anderen Land". Aha, das klingt ja ganz toll, nur wenn man nachbohrt ist daran wohl doch garnichts schlimm, solange das Aufenthaltsland der Zielperson sein Einverständnis gibt. Nee, brauch man echt nichts drauf zu geben...
Helmut Schmidt ist der letzte große Denker, den die Deutschen noch haben. Brilliant gestern, und das mit 92 Jahren! So mancher 40-Jährige sieht dagegen alt aus.
Ich hoffe, dass er noch lange lebt. Wir haben zur Zeit keinen besseren Denker und Analysten in Deutschland.
Noch ein langes Leben, Herr Schmidt, und auch Ihnen, Herr Scholl-Latour.
... ist aber, dass es - wenn auch in diesem Fall ehemalige - Politiker gibt, die doch gewisse Zusammenhänge differenziert betrachten können. Da könnten sich viele der aktuellen einige dicke Scheiben abschneiden.
Denn wenn wir mal ehrlich sind: viele wäre doch nie in ihre Ämter gekommen, wenn es auch nur ein Minimum an Konkurrenz mit Format gegeben hätte.
Der Altkanzler bleibt beim Volk beliebt - für mich ist er einer der meistüberschätzten Politiker.
Es war gestern wieder unerträglich seine bedeutungsschwangeren Bedenken, Rechthabereien und Klugscheißereinen anhören zu müssen. Habs dann auch nicht lange ausgehalten.
Elder Statesman sind vor allem eins: alt.
das würde ich so nicht unterschreiben.
normalerweise kann man sich beckmann sparen, aber gestern waren zwei ziemlich gebildete herren zu gast.
die unaufgeregtheit mit der über das thema gesprochen wurde, ohne sich irgendwie gegenseitig permanent an den karren zu fahren, das ist schon was anderes. zumal scholl-latour ein kenner der arabischen welt ist und schmidt in vielen sachen recht hatte. beispielsweise die uno resolution für lybien, ist in der tat schwer vorstellbar, wie die bevölkerung von schiffen und flugzeugen aus geschützt werden soll, oder??
Ich hab mal reingeschaut. Was die da abgelassen haben war an Senilität nicht zu überbieten. Schmitt hat entweder den Ahnungslosen gespielt "Ich bin überfragt", "Ich möchte mich nicht einmischen", "es könnte passieren, oder aber auch nicht" (dabei hat er ein Buch darüber geschrieben), oder er hat sich selbst widersprochen (man darf bei dem Unrecht in der Welt nicht tatenlos zusehen, also man muss da militärisch rein - und dann prangert er die Verrohung der völkerrechtlichen Sitten an, sich überall einzumischen). Und Scholl-Latour hat mir auch schon besser gefallen, er wird langsam alt.