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Schleswig-Holstein: CDU-Chef tritt nach Affäre mit Minderjähriger zurück

Abgang eines Shootingstars: Der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen CDU ist wegen einer Liebesbeziehung zu einer 16-Jährigen zurückgetreten. Christian von Boetticher will allerdings Fraktionschef im Kieler Landtag bleiben.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...780193,00.html
  1. #440

    sapiens h.c.

    Zitat von Paul Newman Beitrag anzeigen
    Hier besteht ein Altersunterschied von 23 Jahren. Das ist 'ne Menge, aber noch okay. Der rote Tattergreis Müntefehring hat sich im Alter von 65 eine 29jährige genommen. Hier besteht ein Altersunterschied von 36! Jahren. Hat die BILD den linken Münte als Perversen gebrandmarkt? Nicht dass ich wüsste ...
    Ein bisschen sollte man schon differenzieren können. Zwischen einem 18-jährigen und einer 9-jährigen sind nur 9 Jahre Unterschied. Ist das auch ok, wenn 23 Jahre aber nicht 36 Jahre ok sind? Manche sollte hier erst einmal das Gehirn einschalten, bevor sie solchen dummen Vergleiche bringen - oder weniger Bildzeitung lesen, was auf dasselbe hinausläuft.

    Und es gibt auch so etwas wie menschlichen Anstand, jenseits von der Frage strafrechtlicher Zulässigkeit oder Strafbarkeit. Der Mann hat sich eine 16-jährige als Freundin genommen, was sich für einen 39-jährigen nicht gehört, und ihr obendrein den Laufpass gegeben, als diese angebliche Liebesbeziehung seiner Karriere im Wege stehen konnte, schließlich ist der Posten als MP wichtiger als die Liebe einer 16-jährigen und deren Liebeskummer oder so ähnlich. Also viel tiefer kann man in Sachen menschlicher Anständigkeit kaum sinken, soweit es Paarbeziehungen angeht! Das er einer moralinsauren Partei angehört, die ständig die christlich-abendländischen Werte predigt, ist dabei schon ein Fall von Realsatire.

    Und der Gipfel ist, dass er sich auf der Pressekonferenz auch noch ein paar Tränen heraus drückt, weil es angeblich eine Liebesbeziehung von seiner Seite war. Na ja, seine Sehnsucht zum Amt des Ministerpräsidenten (MP) war wohl größer als seiner Liebe zu dem Mädchen, aber meiner Meinung nach waren das wohl eher Tränen, weil er nicht mehr MP werden kann.

    Ganz nebenbei, wenn er sich eine etwas ältere Freundin gesucht hätte und sie nicht wegen der Aussicht auf das Amt des Ministerpräsidenten verlassen hätte, würde ich gar nichts dagegen sagen - schließlich bin ich kein Moralapostel á la CDU. Aber es gibt Grenzen des menschlichen Anstands und ich möchte jedenfalls nicht von jemanden regiert werden, der diese nicht einhält - egal welcher Partei er angehört, denn wer sich hier schon skrupellos verhält setzt sich zumindest dem starken Verdacht aus, auch in anderen Dingen skrupellos zu sein. Und auf den praktischen Versuch, ob es ausnahmsweise einmal anders ist, kann ich verzichten, denn wenn nicht, dann ist der Schaden für die Allgemeinheit wahrscheinlich immens.
  2. #441

    In dubio pro puella

    Zitat von spiegelwelten Beitrag anzeigen
    Ferner finde ich es sehr gewagt, im Falle von Boettichers den Verdacht auf eine Paraphilie zu hegen.
    Die Details dieser Liebschaft kennen weder Sie noch ich, nur die unmittelbaren Beteiligten. Weder ist belegt, wann genau die Beziehung begonnen hat, noch, welchen Grad sexueller Reife das Mädchen hatte oder nicht hatte, noch, welche Einstellung die Eltern des Mädchens dazu hatten, noch, ob an irgendeiner Stelle nicht doch (psychischer oder physischer) Zwang oder Macht ausgeübt wurde, und erst recht nicht, ob von Boettichers Gefühle für das Mädchen im Bereich des "Normalen" lagen, so gerade eben noch oder schon nicht mehr. Das alles ist reine Spekulation, spielt aber letztlich auch überhaupt keine Rolle. Entscheidend ist der böse Schein, dass etwas mit von Boetticher nicht stimmen KÖNNTE. Die Unschuldsvermutung mag insoweit für das Strafrecht gelten, in der Politik werden aber nun einmal, das mag man gut finden oder schlecht, andere Maßstäbe angelegt.

    Ich selbst (und so sah es wohl auch die Parteispitze der SH-CDU) gehe davon aus, dass eine solche Beziehung in den Augen der meisten (CDU-)Wähler irgendwo im Bereich zwischen kindsköpfig, unseriös, anstößig und moralisch verwerflich pendelt und so zumindest Zweifel an der Ingetrität von Boettichers zu begründen in der Lage ist. Die Gründe, welche diese Bedenken auslösen, mögen unterschiedlicher Natur sein (Projektion, elterliche Sorge, gesteigerte Moralvorstellungen usw.). Aber auch sie spielen - jedenfalls im politischen Betrieb - letztlich keine Rolle.

    Was meine persönliche Meinung angeht, kann ich nur für mich sprechen. Eine Beziehung meiner minderjährigen Tochter zu einem 40-Jährigen würde ich mit Erschrecken und Angst zur Kenntnis nehmen. Ich würde mir Fragen stellen. Was habe ich bei der Erziehung falsch gemacht, dass meine Tochter keine Beziehung zu einem Jungen ihres Alters eingeht, anstatt sich an den Rockzipfel eines älteren Mannes zu hängen? Warum lebt dieser Mann nicht in einer festen Beziehung mit einer Frau seines Alters? Warum fühlt er sich zu einer pubertierenden Minderjährigen hingezogen? Wie soll eine solche Beziehung überhaupt funktionieren? Welche Auswirkungen hat es für meine Tochter, die Schule, ihren Freundeskreis, ihre Psyche, wenn sie diese Beziehung eingeht oder wenn diese endet? Das alles sind Fragen, die sich Herr von Boetticher besser im Vorfeld seiner Liaison einmal hätte stellen sollen.
  3. #442

    @ Hans-Georg Trebbelin:

    Ich habe auch sexuellen Missbrauch erfahren, allerdings in einer sehr subtilen Form. Und auch in meinem Leben gab es Dinge, die mich wesentlich stärker traumatisiert haben, z.B. das systematische Mobbing meiner Klassenkameraden (als sich Gerüchte über meine Homosexualität verbreiteten).

    Es ist aber leider so in unserer Gesellschaft, dass sie bei sexuellem Missbrauch eher zu hysterischen Überreaktionen neigt (oder zum Wegsehen - was im Grunde die Kehrseite desselben Phänomens ist, weil Hysterie Angst erzeugt und Angst zu Verdrängung führt). Bei anderen Formen des Missbrauchs und der Misshandlung, v.a. bei emotionalem Missbrauch, tut sie das Ganze aber als trivial ab, obwohl es nicht minder schwere traumatisierende Auswirkungen haben kann. Ich bin dafür, jede Form des Missbrauchs (egal ob sexuell, körperlich oder emotional) gleichermaßen ernst zu nehmen, aber gleichzeitig in jedem Bereich das Maß zu wahren und auch die Opfer nicht in das klassische Stereotyp der ewiglich Traumatisierten zu pressen - damit tut man ihnen nämlich erneut Gewalt an.

    Ein früherer Freund von mir wurde von seinem Kindermädchen missbraucht - sie hatte ihn gebeten, ihre Brüste zu streicheln. Später erinnerte er sich daran, war wegen der gesellschaftlichen Bedeutung dieses Vorfalls sehr verstört und sah einen Zusammenhang zu seinen aktuellen psychischen Problemen, wegen derer er sich dann auch in Therapie begab.

    Alle Therapeuten, die er hatte, stürzten sich auf den sexuellen Missbrauch, die "Aufarbeitung" ging über Jahre. Bis er irgendwann wütend wurde und ihnen den Vorwurf machte, dass sie ihn als Opfer stereotypisierten. Tatsächlich hatte ihn der Missbrauch nämlich nur am Rande tangiert. (Das war damals sicher nicht in Ordnung, und viele Kinder kann auch so etwas traumatisieren - ich will es also gar nicht herunterspielen.) Ihn aber belastete etwas ganz anderes: Als er 5 Jahre alt war, hatte seine Mutter Suizid begangen, und die ganze Familie hatte ihm die Schuld daran gegeben, da ER doch hätte merken müssen, dass es seiner Mutter schlecht ging. ER hätte die Familie warnen müssen (Alkoholikerfamilie). Das alles wog viel schwerer - aber der sexuelle Missbrauch verdeckte alles andere. So wurde er jahrelang um die Möglichkeit einer wirklichen Aufarbeitung seiner Vergangenheit gebracht.

    Was Ihren Fall angeht, finde ich es sehr positiv, wenn alle Beteiligten das im Nachhinein untereinander klären konnten. Nicht jeder sexuelle Missbrauch muss jedes Kind zerbrechen - und eine Gesellschaft, die eben das von den Opfern erwartet, missbraucht sie erneut. Das Entscheidende ist aber, dass man im Voraus sehr wenig darüber sagen kann, welches Kind einen Missbrauch später wie verarbeitet. Von daher sollte man auch Handlungen wie die Ihres Onkels nicht bagatellisieren (wenn ich Sie richtig verstanden habe und er Sie wirklich dazu benutzt hat, sich sexuell abzureagieren). Ich finde das nicht harmlos (egal in welcher Form er das getan hat, und auch wenn immer ein Betttuch dazwischen war). Aber es ist natürlich für alle Beteiligten sehr positiv, wenn Sie das gut verarbeiten konnten und auch heute noch ein gutes Verhältnis zu ihm haben. Das sollte Ihnen dann auch niemand aus moralischen Gründen austreiben - es sind alleine Ihre Gefühle, und da hat Ihnen niemand reinzureden.

    Trotzdem sehe ich die Gefahr, dass Schilderungen wie Ihre von einigen Menschen zur Verharmlosung sexueller Übergriffe missbraucht werden könnten - das sollten Sie auch bedenken.
  4. #443

    Sie haben zu wenig Selbstvertrauen

    Zitat von mitchomitch Beitrag anzeigen
    Was meine persönliche Meinung angeht, kann ich nur für mich sprechen. Eine Beziehung meiner minderjährigen Tochter zu einem 40-Jährigen würde ich mit Erschrecken und Angst zur Kenntnis nehmen. Ich würde mir Fragen stellen. Was habe ich bei der Erziehung falsch gemacht, dass meine Tochter keine Beziehung zu einem Jungen ihres Alters eingeht, anstatt sich an den Rockzipfel eines älteren Mannes zu hängen?
    Ich würde ihre Frage sehr leicht beantworten können, Herr Mitchomitch: "Keine Angst, ihre Tochter geht auch Beziehungen zu Jungens ihres Alters ein, sofern er über ausreichende Attraktion verfügt."
    Es ist keine Frage des Altersunterschiedes, sondern des "Way of live":
  5. #444

    nichts falsch gemacht

    Zitat von mitchomitch Beitrag anzeigen
    Ich würde mir Fragen stellen. Was habe ich bei der Erziehung falsch gemacht, dass meine Tochter keine Beziehung zu einem Jungen ihres Alters eingeht, anstatt sich an den Rockzipfel eines älteren Mannes zu hängen?
    Nichts. Ihre Tochter verhält sich gesund.

    Sie zeigt unbewußt das Verhalten, das sich in der Evolution durchgesetzt hat, weil es die größte Nachkommenschaft hervorbrachte. Da Frauen im Gegensatz zu Männern nur eine begrenzte Anzahl von Kindern hervorbringen können, ist für Frauen sehr wichtig, die Chancen dieser wenigen Kinder zu optimieren und zu diesem Zweck einen Vater auszuwählen, dessen Gene sich bewährt haben und der die Versorgung der Kinder sichert. Genau das tut ihre Tochter. Sie verhält sich völlig natürlich, und nichts läßt darauf schließen, daß Sie einen Fehler begangen haben.
  6. #445

    Alterspräferenz

    Ich denke auch, dass nicht jede Beziehung mit erheblichem Altersunterschied den Rückschluss auf eine entsprechende Alterspräferenz zulässt. Es gibt Leute, die hatten immer wesentlich ältere Partner und verlieben sich dann auf einmal in jemanden, der 20 Jahre jünger ist als sie.

    Ich finde, wenn jemand grundsätzlich unfähig ist, Beziehungen zu Menschen ähnlichen Alters zu unterhalten, kann das (je nachdem) für einen Vater-/Mutterkomplex sprechen oder für die Unfähigkeit, Beziehungen auf Augenhöhe zu führen (ohne ein Machtgefälle zu den eigenen Gunsten, das sich auch im Vorsprung an Lebenserfahrung äußern kann). Aber selbst das muss nicht für jeden gleich die Dimension eines manifesten psychischen Problems annehmen. Man muss ja nicht alles gleich pathologisieren.

    Und wenn jemand sich zufällig auch mal in jemanden verliebt, der 20, 30 oder 40 Jahre jünger oder älter ist als er oder sie - und vielleicht besonders reif oder jugendlich für sein / ihr Alter - dann sehe ich darin überhaupt nichts Pathologisches. Es ist ja dann kein festes, rigides und unflexibles Verhaltensmuster - es ist schlichtweg Zufall, nach dem Motto: "Wo die Liebe hinfällt".

    Ich verliebe mich doch auch nicht primär in das Alter meiner Freunde, sondern in ihren Charakter. Da ich schon immer dazu geneigt habe, mir sehr viele Gedanken über die Welt zu machen, konnte ich oft mit Gleichaltrigen nichts anfangen - die waren mir einfach zu unreif und oberflächlich. Daher habe ich mich auch schon mit 18 in Männer verliebt, die mindestens Ende 20 oder Anfang, Mitte 30 waren - gerade WEIL ich mich mit denen viel besser auf derselben Ebene austauschen konnte. Auch heute noch neige ich dazu, Beziehungen zu Älteren zu suchen - aber der Abstand ist deutlich geringer geworden. Mit Mitte 20 war dann aber mal jemand dabei, der erst 16 war - dafür aber super "philosophisch" drauf und emotional wie intellektuell viel reifer als so mancher 60-Jährige. So what?

    Die Gründe dafür können so verschieden sein, wie die Menschen verschieden sind. Und ich hasse Schubladendenken.

    Das Alter kann, was ganz grobe, allgemeine Tendenzen angeht, vielleicht schon etwas über den durchschnittlichen Charakter und den Entwicklungsstand einer GRUPPE von Menschen aussagen - OK. Aber nur im Sinne von Tendenzen, Durchschnittswerten. Aber man verliebt sich doch nicht in die demograohische Gruppe, der jemand angehört, sondern in das Individuum. Von daher finde ich dieses ganze moralisierende und pathologisierende Getue ziemlich kleingeistig, um ehrlich zu sein. Es zeugt von Schubladendenken und von der fehlenden Bereitschaft, Menschen als die Individuen wahrzunehmen, die sie sind.
  7. #446

    Altersunterschied ja und?

    Zitat von ecua Beitrag anzeigen
    Erstmal meine jüngste Tochter ist 15 Jahre alt und von ihrem Verhalten / ihrer Reife her jedem Jungen mit 18 Jahren überlegen.
    Genauso wenig, wie ich einen Jungen mit 18 Jahren mit einer 40jährigen sehen wollte, will ich meine Tochter mit einem 40jährigen sehen, aber ich sehe da keine moralischen Probleme. Eher sehe ich, dass aus so einer Beziehung nicht wirklich etwas werden kann.
    Das hat mit Strauß-Kahn (also mit diesem angeblichen Fall) nun wirklich nichts zu tun.
    Übrigens kenne ich doch ein nettes Pärchen, die sind schon seit 5 Jahren zusammen, sie ist jetzt 23 und er ist 45.
    Es gibt jede Menge Promis und Politiker , die mit viel jüngeren Partner leben oder sogar verheiratet sind, ob das wahre Liebe oder Zweckbundnis ist, ist andere Frage aber so etwas ist doch wirklich nichts aussergewöhnliches.
    Mich stört das aussergewöhnliches Entsetzen mancher Moralapostel.
  8. #447

    Lolita

    Zitat von Palmstroem Beitrag anzeigen
    Rechtlich relevant ist eher die Verletzung der Persönlichkeitsrechte vor allem der 16-jährigen durch die Veröffenlichung der privaten e-mails.
    Problematisch sind auch die Schlagzeilen von SPON und FOCUS über die "Lolita-Affaire". Damit rückt man die junge Frau in eine anrüchige Ecke und in die Nähe von Prostitution.

    Aber Moral in Deutschland ist, wenn es dem politischen Gegner schadet. Was zählen da schon Persönlichkeitsrechte!
    Lolita hat nichts mit Prostitution zu tun, der vorliegende Fall aber auch nichts mit Lolita. Erstens mal ist die junge Frau hier mit 16 viel zu alt für eine Lolita, 2. ging es bei Nabokov um einen innerfamiliären Mißbrauch.
  9. #448

    Zitat von Hans-Georg Trebbien Beitrag anzeigen
    Es ist keine Frage des Altersunterschiedes, sondern des "Way of live":
    Das kann man sehr deutlich missverstehen, selbst wenn Sie es - vielleicht - gar nicht so gemeint haben.

    Wohl aber berührt es genau das, was viele Menschen an diesem Vorfall so nervt und teilweise auch echauffiert.

    16-jährige haben noch kein "way-of-life"! Wie auch? Selbst als Abkömmlinge reicher Familien fehlt ihnen einfach das Denken dazu. Außer Abgegucktem - oder von Werbung/Medien ins Hirn Gespültem - ist da weitgehende Leere. Und das ist kein Wunder - sie müssen u.a. auch sich selbst erst "Kennenlernen".

    Aber vielleicht hätte es im vorliegenden Fall ja durchaus einen in etwa gleichaltrigen jungen Mann in ihrer Nähe gegeben, der diese junge Frau später ihr Leben lang menschlich glücklich gemacht hätte... Und gegen so einen Glücksfall verblasst "way-of-life" sehr schnell zu nichts, was wirklich wichtig wäre.

    Aus diesem Grund haben viele reifere Frauen durchaus Probleme oder denken zumindest reiflich darüber nach, wenn da jemand mit "way-of-life" winkt - und sonst aber ... nja lassen wir das.

    Klar ist jedenfalls: auch jene Frau, die NUR oder VOR ALLEM (wer will das schon auseinander halten) wegen "way-of-life" mit einem Reichen/Mächtigen in die Kiste springt, macht im Grunde nichts anderes als sich zu prostituieren. Wobei die Entscheidung zur Prostitution eine rein persönliche ist, an der es nichts zu kritisieren gibt - benennen muss man das dennoch so.

    Jene Zeiten, wo irgendwelche sich für elitär haltende Lustgreise glaubten sie hätten einen Anspruch darauf, ihr "Way-of-Life" denen überzuholzen zu dürfen, die sich von ihrer Entwicklung her noch am allerwenigsten dagegen wehren können, sollten eigentlich lange vorbei sein.

    Bei Liebe geht es um Menschliches und um tiefste menschliche Empfindungen, die allesamt weder mit Geld noch mit Macht zu tun haben - und auch nicht kaufbar, erzwingbar, oder sonstwie "herbeiführbar" sind.

    Und hier tritt auch eine Dimension der Wahrheit des Dilemmas hinter dieser eigentlich traurigen Geschichte zutage.
  10. #449

    Ein bisschen "Ja-aber"-Philosophie

    Zitat von spiegelwelten Beitrag anzeigen
    Was Ihren Fall angeht, finde ich es sehr positiv, wenn alle Beteiligten das im Nachhinein untereinander klären konnten.
    Martin,
    davon kann keine Rede sein - sie vertuschten es. Hinzu kam etwas völlig anderes: Ab meinem 11 Lebensjahr galt ich als homosexuell. Alle sahen die Ursache im Verhalten meines Onkels - er selbst auch. Ich war und bin nicht homosexuell - Sie wissen, was das bedeutet: Heterosexuelle Männer haben überhaupt keine Antenne für Homosexualität, sie können sie bei anderen nicht erkennen. Damit saß ich zwischen allen Stühlen. Von den Heteros. bekam ich den üblichen Spott oder die ebenso übliche Verachtung. Von den Homos., unter denen ich viele Freunde hatte, den Vorwurf, ich hätte mich eingeschlichen. Wenn mich jemand auf "meine" Homosexualität ansprach, hielt ich das für Witzeleien und witzelte mit - mit ungeahntem Erfolg! Ich verstand das alles nicht und war oft recht verzweifelt. Da ich während meiner Jugend nicht sexuell aktiv war, nannten sie mich verklemmt. Als ich nach meinem 21. Lebensjahr mit meinem ersten Mädchen zusammenlebte, wollten man mir meine "verdrängte Homosexualität" freilegen. Man hatte mir unkorrigierbar ein Rolle zugewiesen, ohne die Möglichkeit, sie auch übernehmen zu können.
    Sie schreiben: "Jeder Mißbrauch muß untersucht werden." Was nun, wenn eine solche Untersuchung zu nichts anderem geführt hätte, als dass die damals gängigen Klischees bedient worden wären? Welche Klischees? Wessen Klischees? Die der Heteros.? Oder die der Homos.? Wir haben alle welche - es geht gar nicht anders. Gehört es nicht auch in den Bereich der Klischees, dass ein Mann nicht Hand an sich legen darf?
    Doch was hat mir mehr geschadet? Das, wovon ich nichts gemerkt habe? Oder die Sorge um die Integrität meiner(!) Sexualität?

    PS.: Ich konnte leider Ihre MT nicht öffnen (Trebbien@web.de)








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