Die allermeisten Kommentare in diesem Zusammenhang sind geradezu abenteuerlich - entweder falsch oder oberflächlich oder unqualifiziert oder alles zusammen.
Eines bewahrheitet sich: Wer sich in Deutschland etwas aufbaut und dadurch wohlhabend wird, erntet Neid.
Stürzt derjenige wieder ab, gibt es beißende Häme und man tritt auf ihn ein.
Dass die meisten Inhaber (übrigens auch deren Erben) von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen in aller Regel persönlich für ihr gesamtes Vermögen haften, wissen viele nicht - oder sie ignorieren es ganz einfach.
Ich rede wohlgemerkt nicht von Managern oder Vorstandsmitgliedern, die ein überschaubares Risiko eingehen und trotzdem ungeheuer viel verdienen.
Mir geht es um den Unternehmer, der etwas wagt und riskiert, der unser Land wirtschaftlich und manchmal auch politisch voranbringt. Wenn dieser Unternehmer auf seinem steinigen Weg nach oben dann selber wohlhabend wird, warum nicht? Wo liegt das Problem? Ich sage es Ihnen: An unserer Neidzerfressenheit.
Anton Schlecker kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht kenne.
Aber eines ist sicher: Er war ein Pionier, hat etwas aufgebaut und sich nicht hinter einer AG verschanzt oder rechtzeitig alles verkauft. Er ist nun insolvent und haftet als eingetragener Kaufmann für alles.
Die Gesellschaftsform mag man für riskant halten oder als dämlich bewerten, aber sie ist ganz sicher nicht feige. Man könnte auch positiv sagen, er ist mit offenem Visier untergegangen. Eine in unserer Gesellschaft verdammt selten gewordene Eigenschaft.
Ob Anton Schlecker einen schlechten Charakter hat, weil einige oder auch viele seiner Filialen in Verruf gerieten, kann man hier nicht beurteilen. Aber fest steht, dass die Medien genau diesen Ruf transportiert haben. Und wer schon jemals mit Journalisten zu tun hatte, weiß, welche unfassbare Macht die haben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt geht es überhaupt nicht mehr um die Wahrheit, sondern nur noch um Auflage, Umsatzsteigerung und um Zerstörung.
Abschließend: Es sollte jedem zu denken geben, wie kleinlaut die Gewerkschaften geworden sind, die noch vor kurzem so eine große Klappe hatten. Vielleicht wäre Zusammenarbeit besser gewesen, als reflexartiges Geplapper von überkommenen Parolen.
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