Schatzkammern des Wissens: Eine Weltmacht im Netz

Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, die von jedem Leser verändert werden kann, ist zum einflussreichsten globalen Lexikon geworden. Um einzelne Stichworte wird immer wieder erbittert gestritten.

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/...715592,00.html
  1. #1

    .

    Wikipedia hat m.M. nach noch immer ein gigantisches Qualitätsproblem. Als Anlaufstelle für einen schnellen Überblick oder eine Idee ist es ganz hilfreich, aber man sollte sich hüten die Info dort als Wahrheit zu übernehmen.
    Die englische Version ist überdies um Größenordnungen besser als die deutsche, das betrifft den Inhalt (z.B. auch viele Einträge über deutsche Geschichte) und noch viel mehr die Kommmunikation und Diskussionskultur. Man sieht ja daß viele Artikel in der dt.W. von irgendwelchen Oberlehrern gesperrt worden sind um ihre eigene Meinung durchzusetzen. Anstatt Einträge zu verbessern erschöpft man sich dann in ewigen belanglosen Anschuldigungen auf der Diskussionsseite.
    In der en.W. geht das alles viel freundlicher, sachlicher und zielstrebiger zu.
  2. #2

    B vs. W

    Gedruckte Enzyklopädien waren doch für die allermeisten Menschen seit jeher hauptsächlich Regalschmuck.

    Natürlich hat man dann und wann mal was nachgeschlagen, aber ich glaube, nur wenige Menschen haben sich je ernsthaft mit ihrem 30bändigen Brockhaus beschäftigt.

    Und das, was sie da nachgeschlagen haben, dass finden sie jetzt auch bequemer in der Wikipedia.
  3. #3

    ...

    Zum schnellen Nachschlagen ist die Wikipedia wirklich großartig. Aber oft lohnt ein Blick hinter die Kulissen, sprich in den Diskussions-Reiter.

    Der Weisheit letzter Schluß sind die Informationen darin Gewiss nicht. Am Unproblematischsten ist die Wikipedia wohl noch bei Technischen Belangen, wo man z.b. nur mal kurz eine Formel nachschlagen will.
  4. #4

    Mehr Information in Wikipedia

    Natürlich ist Wikipedia wie auch alle anderen Enzyklopädien anfällig für Fehler. Auch in anderen Nachschlagewerken habe ich bei den Dingen, von denen ich wirklich etwas verstehe, auch schon grobe Ungenauigkeiten und Fehlinformationen gefunden.

    Die Tatsache, dass um einige Einträge heftig gestritten wird, birgt in sich eine wichtige Information. Dass es bei manchen Themen mehr als eine Sichtweise gibt, und dass manche wirklich kontrovers sind, ist bei traditionellen Nachschlagewerken fast nie ersichtlich.
  5. #5

    Meritokratie vs. Bananenrepublik

    Dass die Verwalter (Admins) in der Wikipedia ihren Job durch ihre Verdienste (Meriten) erlangen würden, ist eine hübsche Idee, welche durch die Praxis aber nicht erfüllt wird.

    Längst haben sich - teils offen, teils verdeckt - in der Wikipedia "Vertrauensnetzwerke" gebildet, über welche Wahlen zu Admins ebenso geregelt werden wie etwa Einwände gegen deren Arbeit.
    Dazu soll die "Adminbeschwerde" dienen, die aber grundsätzlich stets abgewiesen wird - von Admins. Über Günstlings-Netzwerke - eine Hand wäscht die andere - wird sichergestellt, dass deren Arbeit nicht angreifbar wird.

    Und das ist dann auch immer mal wieder bezahlte Arbeit, für Produkte oder Unternehmen, wo diese "Netzwerke" sicherstellen, dass unliebsame Darstellungen nicht durchkommen, indem etwa Artikel in dem gewünschten Zustand gesperrt werden; oder auch unliebsame Autoren durch Sperren eingeschüchtert werden.

    Unternehmen bzw. PR-Agenturen stellen für eine "sachgerechte" Darstellung in der WP, nachdem deren Bedeutung erkannt ist, gesonderte Budgets bereit.

    Der Tonfall der Admins ist häufig unfreundlich, nicht nur gegenüber "Vandalen", sondern gerade auch gegenüber den länger Aktiven.
    Wenn zwischen diesen über einen Artikel Streit entsteht, dann gewinnt der, der die besseren Beziehungen in die Admin-Netzwerke hat.

    Eine Art Basisdemokratie ist nicht vorgesehen - die Arbeit der Admins wird in keiner Weise aufgezeichnet, etwa wieviele Adminbeschwerden dieser schon bekam, oder eine Art Benutzer-Bewertung (ranking), wie in vielen anderen Online-Anwendungen üblich. Und gewählt wird ein Admin - auf Lebenszeit.

    Qualität ist also nicht das, was durch die Regeln gefördert wird, sondern Beziehungen.

    Auf solche Kritik reagieren Wikipedianer gern mit der süffisanten Bemerkungen "Fein, dann lernen die Leute gleich, wie es im richtigen Leben läuft." Das kann man so sehen - nur kann Wikipedia dann auch schlecht als positives Beispiel für online-Kooperation genannt werden.

    Es ist eher ein Beispiel, was entsteht, wenn _ohne_ ein grundlegendes organisatorisches Konzept einfach das "freie Spiel der Kräfte" wirkt - eine Art online-Bananenrepublik.
  6. #6

    Löschdiskussionen

    Was haben Marskolonisation, das Erdloch, der Geistiger Brandstifter, Barbara Herzsprung, das Lied "More Than Words", "Sinnlos im Weltraum" under der Guasy-Webaward gemeinsam?

    Diese Artikel wurden in der Wikipedia wegen Irrelevanz gelöscht.

    Bei der Wikipedia gibt es sogenannte "Relevanzkriterien". Diese werden im allgemeinen streng auslelegt. Wenn die Kriterien gelten, sollte eine Thema relevant sein. Jedoch sollte das Fehlen der Kriterien nicht automatisch zu Irrelevanz führen. Dies geschieht jeodch tagtäglich in der deutschen Wikipedia.

    Rettungsportale haben es sich zur Aufgabe gemacht, das verschmähte Wissen zu konservieren.
  7. #7

    Löschdiskussionen

    Die vielgerühmte Schwarm-Intelligenz hat auch gewisse Nachteile für diejenigen, die sich nicht ganz so gut einbringen können.

    Diese verbringen viel Zeit damit sich in Löschdiskussionen ihre Zeit zu vertreiben.

    Berühmte Beispiele dafür sind:
    Fefe's Blog: (30 DIN-A-4 Seiten in Schriftgröße 6): http://de.wikipedia.org/wiki/Wikiped.....2C_bleibt.29

    oder Menowin: Erst gelöscht dann doch nicht: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikiped...hergestellt.29 (Man beachte auch die Löschprüfung: http://de.wikipedia.org/w/index.php?...ich_.28erl..29)

    Dies zeigt doch ganz eindeutig, dass viele Leute einfach zu viel Zeit haben.

    Weitere dieser Fälle finden sich in der Liste mit lesenswerten Löschdiskussionen: http://www.pluspedia.de/index.php/Ka...6schdiskussion

    Wikipedia schneidet sich mit solchen Diskussionen selbst ins eigene Fleisch.
  8. #8

    Zustimmung

    Zitat von atomkraftwerk Beitrag anzeigen
    Die englische Version ist überdies um Größenordnungen besser als die deutsche, das betrifft den Inhalt (z.B. auch viele Einträge über deutsche Geschichte) und noch viel mehr die Kommmunikation und Diskussionskultur. [...] In der en.W. geht das alles viel freundlicher, sachlicher und zielstrebiger zu.
    Das kann ich nur bestätigen. Vor allen Dingen die Philosophien sind grundverschieden:

    Englisch/International: "Wir arbeiten gemeinsam an einem Wissensprojekt für möglichst viele Menschen, wo sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen kann und soll. Alles, was jemanden interessiert, ist dabei für jemanden relevant, also gilt es möglichst viele Informationen übersichtlich zusammenzutragen. Der Schlüssel dazu ist ein freundlicher, konstruktiver und respektvoller Umgang."

    Deutsch: "Wir sind keine geistige Müllkippe wie die internationale Wikipedia. Alles Minderwertige gehört ausgemerzt, damit es unsere großartige, beste aller Enzyklopädien nicht länger beschmutzt. Das gilt vor allem für falsche Ideen, die in Widerspruch zu unseren politischen Wahrheiten stehen. Nur durch Aggressivität können wir unser Territorium verteidigen und erweitern."

    Wer sich also mal gefragt hat, warum die Briten und Amis selbst heute noch so sehr am stereotypen Bild vom "German Nazi" festhalten, die Antwort ist ganz einfach: Von außen erscheint der Deutsche einfach immer noch so.
  9. #9

    Wikipedia als gedrucktes Buch

    Die Wikipedia gibt es doch auch gedruckt. Nicht so, wie die teure und unnütze Britannica, sondern individuell über die Buchfunktion in der Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Buchfunktion). Da kann man sich aus Wikipedia-Artikeln ein eigenes Lexikon zusammenzustellen und es sich als Buch nach Hause schicken lassen. Ich fand das super praktisch, da in meinem eigenen Wikipedia-Lexikon (Thema: Nachwachsende Rohstoffe) jetzt nur dass steht, was ich wirklich lesen will.